Die Binomialverteilung (manchmal nicht ganz korrekt auch Bernoulli-Verteilung genannt) ist eine der wichtigsten diskreten Wahrscheinlichkeitsverteilungen.
Sie beschreibt den wahrscheinlichen Ausgang einer Folge von gleichartigen Versuchen, die jeweils nur zwei mögliche Ergebnisse haben, also die Ergebnisse von Bernoulli-Prozessen. Wenn das gewünschte Ergebnis eines Versuches die Wahrscheinlichkeit p besitzt, und die Zahl der Versuche n ist, dann gibt die Binomialverteilung an, mit welcher Wahrscheinlichkeit sich insgesamt k Erfolge einstellen. Unter diesen Voraussetzungen ist der Versuch ein Bernoulli-Versuch.
Die Binomialverteilung ist zur Beschreibung von Zufallsgrößen der folgenden Art geeignet:
Fällen davon werden k schwarze Bälle ausgewählt, d.h. die Wahrscheinlichkeit, unter n Bällen k Schwarze zu finden ist
.Die Binomialverteilung bzw. der Bernoulliversuch kann mit Hilfe des Galtonbretts veranschaulicht werden. Dabei handelt es sich um eine mechanische Apparatur, in die man eine beliebige Zahl von Kugeln werfen kann. Diese fallen dann zufällig in eines von mehreren Fächern, wobei die Aufteilung der Binomialverteilung entspricht.
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Die diskrete Wahrscheinlichkeitsverteilung
![B(\cdot|p,n):\Bbb Z\to [0,1],\; k\mapsto B(k|p,n) = {n \choose k}p^k (1-p)^{n-k}](/wikipedia.images/J/13e204604d421ece73aaf20679e64051.png)
heißt die Binomialverteilung zu den Parametern n (Anzahl der Versuche) und
(Trefferwahrscheinlichkeit).
Dabei wird nur den Zahlen
eine Wahrscheinlichkeit ungleich Null zugeordnet. Die zur Trefferwahrscheinlichkeit p komplementäre Ausfallwahrscheinlichkeit 1 − p wird häufig als q abgekürzt. Nach dem binomischen Lehrsatz gilt
,was eine notwendige Bedingung für eine Wahrscheinlichkeitsverteilung darstellt.
Eine diskrete Zufallsgröße X heißt binomialverteilt mit den Parametern n und p, wenn sie die Wahrscheinlichkeiten

und damit die Verteilungsfunktion

besitzt.
Die Binomialverteilung besitzt den Erwartungswert np und die Varianz npq mit q = 1 − p.
Den Erwartungswert errechnet man direkt aus der Definition
zu

oder alternativ mit der Summenregel für Erwartungswerte, wenn man berücksichtigt, dass die identischen Einzelprozesse der Bernoulli-Verteilung mit
genügen zu
.Die Varianz bestimmt sich analog direkt aus dem Verschiebungssatz
zu

oder alternativ aus der Summenregel für die Varianz unabhängiger Zufallsvariablen, wenn man berücksichtigt, dass die identischen Einzelprozesse der Bernoulli-Verteilung mit
genügen zu
.Die zweite Gleichheit gilt, da die Einzelexperimente unabhängig sind, so dass die Einzelvariablen unkorelliert sind.
Aus Erwartungswert und Varianz erhält man sofort den Variationskoeffizienten
.Die Schiefe ergibt sich zu
.Die Wölbung lässt sich ebenfalls geschlossen darstellen als
.Das Maximum wird für p < 1 bei
und für p = 1 bei n angenommen. Falls np + p eine natürliche Zahl ist, ist B(k|p,n) auch bei k = np + p − 1 maximal. Falls der Erwartungswert eine natürliche Zahl ist, ist der Erwartungswert die Maximalstelle.
Sei ohne Einschränkung 0 < p < 1. Wir schauen uns den Quotienten
an. Es gilt
. Nun gilt αk > 1 falls k < np − (1 − p) und αk < 1 falls k > np − (1 − p). Und nur im Falle, dass
, ist B(np − (1 − p) | n,p) = B(np + p) | n,p). Die Aussage ist bewiesen.
Die charakteristische Funktion hat die Form
Für die erzeugende Funktion erhält man
Die momenterzeugende Funktion der Binomialverteilung lautet:

Für die Summe Z = X + Y zweier unabhängige binomialverteilte Zufallsgrößen X und Y mit den Parametern n1, p und n2, p erhält man die Einzelwahrscheinlichkeiten
![\begin{align}\operatorname{P}(Z=k) &= \sum_{i=0}^k\left[{n_1\choose i} \, p^i\,(1-p)^{n_1-i}\right]\left[{n_2\choose k-i}\,p^{k-i}\,(1-p)^{n_2-k+i}\right]
\\ &= {n_1+n_2\choose k} \, p^k \, (1-p)^{n_1+n_2-k} \qquad k=0,1,\dots,n_1+n_2\end{align}](/wikipedia.images/J/71b4ab6381b7dcce5c599f8e25af5d7f.png)
also wieder eine binomialverteilte Zufallsgröße, jedoch mit den Parametern n1 + n2 und p.
Allgemein gilt: Wenn die m Zufallsvariablen Xi stochastisch unabhängig sind und den Binomialverteilungen B(ni,p) genügen, dann ist auch die Summe
binomialverteilt, jedoch mit den Parametern
und p.
So ist zum Beispiel


hypergeometrisch verteilt.
Ein Spezialfall der Binomialverteilung für n = 1 ist die Bernoulli-Verteilung. Die Summe von unabhängigen und identischen Bernoulli-verteilten Zufallsgrößen genügt demnach der Binomialverteilung.
Im Grenzfall
konvergiert die Binomialverteilung gegen eine Normalverteilung, d.h. die Normalverteilung kann als brauchbare Näherung der Binomialverteilung verwendet werden, wenn der Stichprobenumfang hinreichend groß und der Anteil der gesuchten Ausprägung nicht zu klein sind.
Es gilt: μ = np und σ2 = npq. Durch Einsetzung in die Wahrscheinlichkeitsdichte der Normalverteilung folgt:

Eine Faustregel besagt, dass diese Näherung brauchbar ist, sofern np > 4 und nq > 4, oder auch
. Je asymmetrischer die Binomialverteilung, umso größer muss n sein, bevor die Normalverteilung eine brauchbare Näherung liefert.
Eine asymptotisch asymmetrische Binomialverteilung, deren Erwartungswert np für große
und kleine
gegen eine von n unabhängige Konstante λ konvergiert, kann man durch die Poisson-Verteilung annähern. Der Wert λ ist dann für alle in der Grenzwertbildung betrachteten Bimonialverteilungen wie auch für die resultierende Poissonverteilung der Erwartungswert. Diese Annäherung wird auch als Poissonscher Grenzwertsatz oder als das Gesetz seltener Ereignisse bezeichnet.

Eine Faustregel besagt, dass diese Näherung brauchbar ist, sofern
und n > 1500p, gleichbedeutend mit
und
.
Die Poisson-Verteilung ist also die Grenzverteilung der Binomialverteilung für große n und kleine p.
Die negative Binomialverteilung hingegen beschreibt die Wahrscheinlichkeitsverteilung der Anzahl der Versuche, die erforderlich sind, um in einem Bernoulli-Prozess eine vorgegebene Anzahl von Erfolgen zu erzielen. Die Zahl der Misserfolge bis zum erstmaligen Eintritt eines Erfolgs wird durch die geometrische Verteilung beschrieben.
Bei der Binomialverteilung werden die ausgewählten Stichproben wieder zur Auswahlmenge zurückgeführt, können also zu einem späteren Zeitpunkt erneut ausgewählt werden. Werden im Gegensatz dazu die Stichproben nicht zur Grundgesamtheit zurückgegeben, dann kommt die Hypergeometrische Verteilung zur Anwendung. Beide gehen bei großem Umfang N der Grundgesamtheit und geringem Umfang n der Stichproben ineinander über. Als Daumenwert gilt, dass für
die Binomialverteilung der mathematisch anspruchsvolleren Hypergeometrischen Verteilung vorgezogen werden kann, da sie nur unwesentlich voneinander abweichende Ergebnisse liefern.
Die Binomialverteilung ist ein Spezialfall sowohl der Multinomialverteilung als auch der Panjer-Verteilung.
Dieses Bild zeigt die Binomialverteilung für p = 0,5 und verschiedene Werte von n als Funktion von k:
Diese Funktion ist spiegelsymmetrisch um den Wert k = n / 2:
wie die folgende Auftragung zeigt:
Die Breite der Verteilung wächst proportional zur Standardabweichung
. Der Funktionswert bei k = n / 2, also das Maximum der Kurve, sinkt proportional zu σ. Dementsprechend kann man Binomialverteilungen mit unterschiedlichem n aufeinander skalieren, indem man die Abszisse k − n / 2 durch σ teilt und die Ordinate mit σ multipliziert:
Das folgende Bild zeigt noch einmal reskalierte Binomialverteilungen, nun für andere Werte von n und in einer Auftragung, die besser verdeutlicht, dass sämtliche Funktionswerte mit steigendem n gegen eine gemeinsame Kurve konvergieren. Indem man die Stirling-Formel auf die Binomialkoeffizienten anwendet, erkennt man, dass diese Kurve (im Bild schwarz durchgezogen) eine Gaußsche Glockenkurve ist:
.Dies ist die Wahrscheinlichkeitsdichte zur Standard-Normalverteilung
. Im zentralen Grenzwertsatz wird dieser Befund so verallgemeinert, dass auch Folgen anderer diskreter Wahrscheinlichkeitsverteilungen gegen die Normalverteilung konvergieren.
Und hier die gleichen Daten in einer halblogarithmischen Auftragung, die sehr zu empfehlen ist, wenn man überprüfen möchte, ob auch seltene Ereignisse, die um mehrere Standardabweichungen vom Erwartungswert abweichen, einer Binomial- oder Normalverteilung folgen:
In der Übersicht sieht man sehr gut die Auswirkung von p auf das Maximum in Bezug auf die Bedingung das 
In einem Behälter befinden sich 80 Kugeln, davon sind 16 gelb. Es wird 5-mal eine Kugel entnommen und anschließend wieder zurückgelegt. Wegen des Zurücklegens ist die Wahrscheinlichkeit, eine gelbe Kugel zu ziehen, bei allen Entnahmen gleich groß: 16/80 = 1/5 = 0,2. Die Verteilung B(k|0,2; 5) gibt die Wahrscheinlichkeit dafür an, dass genau k der entnommenen Kugeln gelb sind.
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| k | Wahrscheinlichkeit in % |
| 0 | 32,768 |
| 1 | 40,96 |
| 2 | 20,48 |
| 3 | 5,12 |
| 4 | 0,64 |
| 5 | 0,032 |
| ∑ | 100 |
| Erw.Wert | 1 |
| Varianz | 0.8 |
Die Wahrscheinlichkeit, dass eine Person in diesem Jahr an einem Wochenende Geburtstag hat, beträgt 2/7. In einem Raum halten sich 10 Personen auf (Darunter sind keine Zwillinge). Die Verteilung B(k|2/7; 10) gibt die Wahrscheinlichkeit dafür an, dass genau k der Anwesenden in diesem Jahr an einem Wochenende Geburtstag haben.
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| k | Wahrscheinlichkeit in % (gerundet) |
| 0 | 3,46 |
| 1 | 13,83 |
| 2 | 24,89 |
| 3 | 26,55 |
| 4 | 18,59 |
| 5 | 8,92 |
| 6 | 2,97 |
| 7 | 0,68 |
| 8 | 0,10 |
| 9 | 0,01 |
| 10 | 0,00036 |
| ∑ | 100 |
| Erw.Wert | 2,86 |
| Varianz | 2,04 |
253 Personen sind zusammen gekommen. Wie groß ist die Wahrscheinlichkeit, dass niemand der Anwesenden an einem zufällig ausgewählten Tag Geburtstag hat?
Die Wahrscheinlichkeit eines Einzelereignisses beträgt
, die Zahl der Versuche 253. Die direkte Berechnung der Binomialverteilung ist aufgrund der großen Fakultäten schwierig. Eine Näherung über die Poisson-Verteilung ist zulässig (n>50, p<0,05).
Das Ergebnis sieht völlig anders aus, wenn nicht nach der Geburtstagswahrscheinlichkeit an einem Tag im Jahr gefragt wird, sondern nach der Wahrscheinlichkeit gemeinsamer Geburtstage. Statt 365 Tagen steht nur noch eine Anzahl unterschiedlicher Tage zur Verfügung, die höchstens der Zahl der Personen entspricht, siehe Geburtstagsproblem.
Anmerkung: Rechnet man mit 364/365 anstatt mit dem gerundeten Wert 0,003, so ergibt sich für k=0 (keiner der 235 Personen im Raum hat Geburtstag) eine Abweichung der Wahrscheinlichkeit von 3% ( P(k=0)=52%)
In einer Meinungsumfrage unter n Personen geben k Personen an, die Partei A zu wählen. Bestimme ein 95% -Konfindenzintervall.
Eine Lösung des Problems ohne Rückgriff auf die Normalverteilung findet sich im Artikel Konfidenzintervall einer unbekannten Wahrscheinlichkeit.
Mittels folgender Formel lässt sich die Wahrscheinlichkeit dafür errechnen, dass k von n Personen eine Tätigkeit, die durchschnittlich m Minuten pro Stunde dauert, gleichzeitig ausführen.

Zufallszahlen zur Binomialverteilung werden üblicherweise mit Hilfe der Inversionsmethode erzeugt.
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