Binz

Dieser Artikel befasst sich mit der Gemeinde Binz auf Rügen; für weitere Bedeutungen siehe Binz (Begriffsklärung).
Wappen Deutschlandkarte
Wappen von Binz
Markierung
Deutschlandkarte, Position von Binz hervorgehoben
Basisdaten
Bundesland: Mecklenburg-Vorpommern
Landkreis: Rügen
Koordinaten: 54° 24′ N, 13° 36′ O
Höhe: 7 m ü. NN
Fläche: 25,22 km²
Einwohner: 5461 (30. Juni 2006)
Bevölkerungsdichte: 217 Einwohner je km²
Postleitzahl: 18609
Vorwahl: 038393
Kfz-Kennzeichen: RÜG
Gemeindeschlüssel: 13 0 61 005
Adresse der Gemeindeverwaltung: Jasmunder Straße 11
18609 Binz
Webpräsenz:
Bürgermeister: Horst Schaumann
Lage der Gemeinde Binz im Landkreis Rügen
Karte

Binz ist eine amtsfreie Gemeinde im Landkreis Rügen in Mecklenburg-Vorpommern.

Inhaltsverzeichnis

Geografie

Binz liegt an der Ostküste der Insel Rügen zwischen der Bucht Prorer Wiek und dem Schmachter See. Nördlich von Binz erstreckt sich die Schmale Heide, eine Landzunge, die den Hauptteil Rügens mit der Halbinsel Jasmund verbindet. Östlich und südlich der Gemeinde ist das Gebiet hügelig, im Südosten werden in der Granitz Höhen knapp über 100 m ü. NN erreicht. Zu Binz gehört der Ortsteil Prora.

Geschichte

Fischer- und Bauerndorf

1318 wurde der Ort erstmals als Byntze in einer Steuererhebung der Grafschaft Streu erwähnt. Siedlungskern war die heutige mittlere Bahnhofstraße und die Rabenstraße, daneben existierten die Einzelgehöfte Granitz-Hof und Aalbeck. Kirchdorf und Zentrum des Kirchspiels war Zirkow.

Eine erste Andeutung der späteren Bedeutung als Ostseebad ergab sich bereits um 1830, als Gäste des Fürsten zu Putbus an der Mündung der Ahlbeck (Abfluss des Schmachter Sees) badeten. 1835 wurde eine einklassige Schule eingerichtet. Um 1850 durften Binzer Bauern das bis dahin vom Fürsten zu Putbus gepachtete Land kaufen.

Entwicklung zum Ostseebad

Ab 1860 fanden sich vereinzelte Badegäste im Dorfkrug ein. Um 1870 werden schon 80 Badegäste im Jahr gezählt. 1876 wurde das erste Hotel gebaut. Im gleichen Jahr entstand die erste Verbindungsstraße vom Dorf zum Strand (Putbuser Straße). 1880 ließ Wilhelm Klünder das Strandhotel als erstes Hotel in Strandnähe errichten, 1884 wurde Binz offiziell Badeort.

1888 wurde die „Aktiengesellschaft Ostseebad Binz“ gegründet, die 1891 in Konkurs ging. 1892 erlangte Binz die Stellung einer selbständigen Landgemeinde.

Restaurierte Bäderarchitektur in Binz, 2002
Restaurierte Bäderarchitektur in Binz, 2002

Gegen 1896 verband die Reederei „Bräunlich“ die Orte Stettin-Binz-Sassnitz miteinander. Es folgte eine rege Bautätigkeit. 1893 wurde das erste Kurhaus und der Kaiserhof gebaut. 1895 folgte der Bau der Kleinbahnstrecke Putbus-Binz und die Anlage der Strandpromenade, 1898 schließlich der Bau der ersten Post (Haus Kliesow, Hauptstraße). Am Strand wurden getrennte Damen- und Herrenbäder angelegt. Im Jahr 1902 wurde eine 600 Meter lange Seebrücke erbaut. Weitere Infrastrukturmaßnahmen waren die Errichtung einer Trinkwasserversorgung und Kanalisation (1903) und der Bau eines Elektrizitätswerkes (Jasmunder Straße).

Mit der Zerstörung der Seebrücke durch Sturm in der Neujahrsnacht 1905 und dem Brand des Kurhauses 1906 erfolgten Rückschläge. Nach dem Wiederaufbau der Seebrücke wurde 1908 auch ein neues Kurhaus erbaut. Zugleich entstand ein Familienbad. 1912 stürzte ein Brückenteil der Seebrücke ein, wobei 17 Menschen ums Leben kamen. Daraufhin wurde die DLRG gegründet.

1913 wurde die evangelische Kirche eingeweiht, 1928 das neue Postgebäude eingeweiht (Zeppelinstraße). Nach und nach verschwanden die am Strand errichteten Badeanstalten. 1922 wurde das Herrenbad, 1932 als letztes das Familienbad abgerissen.

Nationalsozialismus

Im Jahr 1937 begannen die umfangreichen Arbeiten am KdF-Seebad Prora, das zum größten und modernsten Seebad Europas ausgebaut werden sollte. Im gleichen Jahr wurde der Kurplatz neu angelegt. 1938 wurde das Bahnhofsgebäude Binz (heute DB) erbaut, 1939 erfolgte die Eröffnung der Bahnlinie Lietzow-Binz.

Durch Eisgang wurde 1942 die Seebrücke wieder zerstört. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden 1945 in Hotels, Pensionen und Villen Flüchtlinge und Umsiedler untergebracht.

DDR

1950 wurde Binz Bad der SDAG Wismut. Die unterbrochenen Arbeiten an den Gebäuden des KdF-Bades werden nach 1950 fortgesetzt, um Kasernen für die Volkspolizei zu schaffen, die später durch die Nationale Volksarmee genutzt wurden.

1952 wurde die Bahnstrecke Lietzow–Binz wieder in Betrieb genommen.

Im Jahr 1953 fand auch in Binz die „Aktion Rose“ statt. Besitzer von Hotels, Pensionen und Häusern wurden willkürlich kriminalisiert, verhaftet und enteignet. Der FDGB übernahm 1956 mit dem Seeschloß das erste Ferienheim in Binz. Ab 1972 wurden für den FDGB noch weitere Ferienheime (z. B. Haus Arkona, Haus Rügen, Haus Rugard) errichtet. Es entstand nördlich des bisherigen Ortes ein Wohngebiet in Plattenbauweise, welches das gewachsene Ortsbild beeinträchtigt. Die Ahlbeck, die das Wasser des Schmachter Sees in die Ostsee abführt, wurde in den 1950er Jahren verrohrt. Die "Mündung" der Rohrstrecke befindet sich am Binzer Strand und ist heute mit einem Hinweisschild versehen.

Zeit ab 1990

Hauptstraße
Hauptstraße
Neuer Wendepunkt am Ende der Hauptstraße
Neuer Wendepunkt am Ende der Hauptstraße

Mit den gesellschaftlichen Veränderungen in der DDR und der deutschen Wiedervereinigung ergaben sich auch für Binz deutliche Veränderungen. Viele der alten Villen an der Strandpromenade und im gesamten Ort wurden an die früheren Eigentümer zurückübertragen. Es setzte eine Welle von Sanierungen, Rekonstruktionen und Neubauten ein. Auch die ehemaligen Ferienheime des FDGB wurden privatisiert und völlig modernisiert. Daneben entstanden zahlreiche neue Gebäude, sowohl an der Peripherie als auch im Ortszentrum. Die Straßen und Bürgersteige wurden umfangreich instand gesetzt, die Strandpromenade in Richtung Prora verlängert. Der Kurplatz erhielt eine neue Gestaltung.

1990 wurde der Fremdenverkehrsverein Binz e. V. gegründet, 1994 die neue, 370 Meter lange, Seebrücke eingeweiht, die die 1942 zerstörte Brücke ersetzt.

In der Jasmunder Straße wurde 1998 das neue Gebäude der Gemeindeverwaltung eingeweiht. Im Jahr 2000 wurde das Haus des Gastes und 2002 der Kurpark Binz eröffnet. 2003 konnten die Promenade am Schmachter See und der Park der Sinne eröffnet werden. Seit Mai 2007 erstrahlen nun auch die komplette Hauptstraße und der prunkvolle Wendeplatz in neuem Glanz.

Wappen

Blasonierung: „In Gold zwei erniedrigte schwarze Wellenbalken; auf dem oberen schwimmt ein roter Kahn, aus dem ein zwiegeschwänzter schwarzer Löwe mit roter Krone, ausgeschlagener roter Zunge und roter Bewehrung wächst.“

Kultur und Sehenswürdigkeiten

Kurhaus
Kurhaus

Sehenswert sind das Jagdschloss Granitz und die Bäderarchitektur entlang der Promenade an der Ostsee, die Seebrücke, die Schmachter See-Promenade (wurde 2003 restauriert), der Park der Sinne, der Kurpark und das Binz Museum.

Wirtschaft und Infrastruktur

Verkehr

Binz liegt am Endpunkt der Bahnlinie von Stralsund über Bergen auf Rügen sowie an der Dampfschmalspurbahn Rasender Roland von Putbus nach Göhren (auch über Sellin und Baabe).

Persönlichkeiten

Söhne und Töchter der Stadt

Persönlichkeiten, die vor Ort gewirkt haben

  • Wolfgang Schnur (* 1944), ein deutscher Politiker, war zwischen 1973 und 1978 in Binz als Rechtsanwalt tätig.

Bilder

Weblinks

Commons
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Quelle:
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