Die Biogeographie bzw. -grafie ist eine geographische Forschungsrichtung an der Schnittstelle zur Biologie. Sie befasst sich mit der heutigen Verbreitung, erdgeschichtlichen Entwicklung und den Umweltbeziehungen der Tier- und Pflanzenarten sowie mit der Verbreitung und den räumlichen Mustern von Lebensgemeinschaften, Ökosystemen und Biomen. Sie sieht die Lebewesen als
zur Kennzeichnung der Erdräume und der dort existierenden Wirkungsgefüge.
Die Biogeografie kann in zwei Teildisziplinen eingeteilt werden:
Außerdem steht die Biogeografie in enger Verbindung zur Geobiologie (siehe Geobotanik, Geozoologie), einer Teildisziplin der Biologie. Die Kompetenzgebiete beider Wissenschaften weisen eine große Ähnlichkeit auf. Sie unterscheiden sich durch ein anderes Erkenntnisobjekt.
Inhaltsverzeichnis |
Erste Gedanken mit biogeografischen Zügen existierten im 17. Jahrhundert, als Bibelgelehrte und Naturalisten die Wiederbesiedlung der Erde nach der Sintflut diskutierten. Dass Tiere, die unterschiedlichste klimatische Bedingungen benötigen, von einem Punkt – dem Berg Ararat – ausgehend ihre heutigen Lebensräume gefunden hätten, konnte erstmals erklärt werden. Siehe Arche Noah und der Naturalismus.
Als Begründer der Vegetationsgeographie gilt Alexander von Humboldt mit seinem Werk Ideen zu einer Geographie der Pflanzen (Tübingen, 1807). Er beschrieb die Vegetation als bestimmendes Merkmal des "Gestaltcharakters" der verschiedenen Erdregionen und begann mit einer physiognomischen Betrachtungsweise der Pflanzen.
August Grisebach prägte dann den Begriff der "Pflanzengeographischen Formation" als "eine Gruppe von Pflanzen, die einen abgeschlossenen physiognomischen Charakter trägt, wie eine Wiese, ein Wald usw.".
Durch die Pionierleistung von Humboldt entwickelte sich ab ca. 1830 die vegetationskundliche Arbeitsrichtung, vertreten durch Oswald Heer, Franz Unger, Otto Sendtner und andere.
In den 1890er Jahren betrieb Johannes Eugenius Bülow Warming ökologisch ausgerichtete Vegetationsgeographie und veröffentlichte sein Werk Ökologische Pflanzengeographie (Berlin, 1896). Alfred Hettner wandte sich 1935 mit seiner Veröffentlichung Die Pflanzenwelt (Vergl. Länderkunde IV.; Leipzig, 1935) dann jedoch wieder dem vegetationsgeographischen Aspekt zu. Der Geograph Carl Troll definierte dann den Begriff "Landschaftsökologie" und führte weltweit Hochgebirgsstudien durch.
Das bedeutsamste Werk zur Fauna stammt von Alfred Russel Wallace, der es 1876 unter dem Titel The Geographical Distribution of Animals verlegen ließ. Darin wird die noch heute gültige Aufteilung der Welt in Faunenregionen dargestellt, die auch auf den Ergebnissen von Philip Lutley Sclater beruhen.
Die Biogeographie gliedert sich in Allgemeine Biogeographie, Spezielle Biogeographie und Angewandte Biogeographie.
Die Allgemeine Biogeographie befasst sich mit theoretischen Grundlagen sowie mit Methodenentwicklung. Sie gliedert sich in folgende Vertiefungen:
Das Areal ist das Verbreitungsgebiet einer Art. Die Arealkunde (Chorologie) die Lehre von der geografischen Verbreitung der Organismen bzw. einzelner Arten und systematischer Sippen. Sie konzentriert sich auf die Darstellung, komparative und ökologische Analyse der Verbreitung von Tier- und Pflanzenarten. Als Arbeitsmethoden steht die Arealdiagnose zur Verfügung. Da Pflanzen aufgrund ihrer eingeschränkten Mobilität besonders klare Raumzuordnungen ermöglichen ist vor allem die Florenanalyse entwickelt.
Die Paläogeographie beschäftigt sich mit den erdgeschichtlichen Ursachen für die Entstehung und Verbreitung der Tiere und Pflanzen. Als Arbeitsmethoden stehen die Radiocarbondatierung (auch C14-Methode genannt), die Pollenanalyse sowie die Dendrochronologie zur Verfügung.
In der Inselbiogeographie spielen sowohl theoretische Aspekte (Gleichgewichtstheorie der Artenvielfalt) als auch evolutionsbiologische Aspekte eine Rolle. Bezüge bestehen über das Konzept des Biotopverbundes und die Schutzgebietsplanung zum Naturschutz.
Die Spezielle Biogeographie adressiert einerseits bestimmte Regionen der Erde und andererseits die Verbreitungsmuster spezifischer Artengruppen (Pflanzengeographie, Tiergeographie), Lebensgemeinschaften (Vegetationsgeographie) oder Ökosysteme. Das Ziel ist es, die Bedeckung bzw. Verbreitung dieser Einheiten möglichst umfassend zu charakterisieren.
In der Angewandten Biogeographie werden die Kenntnisse der Allgemeinen und Speziellen Biogeographie in die Praxis umgesetzt. Beispiele sind Gewässerzonierung, Bioindikation, Forstliche Planung oder Schutzgebietsausweisung.
enge Beziehungen der Biogeographie bestehen zur
Die Tier- und Pflanzenökologie beschäftigt sich mit der Beziehung der Tiere und Pflanzen untereinander und den Wechselwirkungen der Lebewesen mit ihrem Lebensraum. Als Arbeitsmethoden stehen die Standortanalyse, die Ökosystemmodellierung, die Stoffbilanzierung sowie das Biomonitoring zur Verfügung.