Blaubart

Gustave Doré: Blaubart mit dem Schlüssel
Gustave Doré: Blaubart mit dem Schlüssel

Der Blaubart ist ein französisches Märchen, das seinen Weg über die Contes de ma mère l'Oye (1697) von Charles Perrault in die internationalen Märchensammlungen wie Grimms Märchen (da nur Erstauflage 1812) fand.

Inhaltsverzeichnis

Inhalt

König Blaubart will heiraten. Er würde gerne eine der beiden wunderschönen Töchter einer seiner Nachbarinnen aus gutem Stande zur Frau nehmen, was ihm schließlich gelingt. Er bringt seine Gemahlin in sein Haus und will sie auf die Probe stellen, ob sie ihn auch wirklich liebt. Der Mann gibt vor, er wolle verreisen und vertraut der Frau die Hausschlüssel mit der Auflage an, dass sie einen bestimmten goldenen Schlüssel nicht benutzt. In seiner Abwesenheit probiert die junge Frau in ihrer Langeweile die Schlüssel aus und verwendet aus Neugierde auch den goldenen. Sie entdeckt eine Kammer, in der sie Blaubarts frühere Frauen ermordet vorfindet und lässt vor Schreck den Schlüssel in eine Blutlache fallen. Blaubart kehrt zurück und bemerkt auf Grund der Blutspuren am Schlüssel den Vertrauensbruch seiner jungen Frau und will sie bestrafen. Doch treffen die Brüder und die Schwester der Frau ein und bewahren sie vor der Strafe. Blaubart wird schließlich getötet. Die junge Witwe erbt sein riesiges Vermögen und teilt es unter ihren Rettern auf.

Perrault, der von französischen Verhältnissen und Geld-Heiraten ausgeht, brandmarkt am Schluss in Moral-Versen die Neugier der Frauen, die an allem Schuld habe, sowie die Schwäche männlicher Pantoffelhelden.

Die verschiedenen Märchenfassungen variieren den Stand des Mannes (reicher Bürger, Ritter, Sultan), die Zahl der früheren Frauen (sechs, sieben, großer Harem) und die Art der Strafe (Blaubart hat alle Frauen getötet oder hält sie nur gefangen). Wird Blaubart meist getötet, kommt er bei Peter Rühmkorf mit einem grauen Bart davon.

Das Märchen ist eine jüngere Fassung von Drachen-Mythen: Der Drache fordert eine Jungfrau und tötet sie, wenn er nicht von einem Ritter (Heiliger Georg) getötet wird. Der blaue Bart deutet an, dass der Protagonist kein gewöhnlicher Mann ist. Dies kann als Hinweis auf eine sexuelle Problematik gedeutet werden, da der Bart ein spezifisch männliches Attribut ist. Eine psychologische Deutung findet sich bei Clarissa Pinkola Estéz.

Das historische Vorbild für Blaubart war der Marschall von Frankreich und Mitkämpfer der Jeanne d'Arc, Gilles de Rais, ein berüchtigter Sadist und Knabenmörder des 15. Jahrhunderts, der wie die verhasste ungarische Gräfin Elisabeth Bathory zu den großen Bestien der europäischen Geschichte gezählt wird. Rais endete am Galgen, die Gräfin Bathory wurde lebendig in eines ihrer Gemächer eingemauert, in dem sie für den Rest ihres Lebens nur noch durch eine enge Luke versorgt wurde.

Vergleichbare Märchen aus Grimms Sammlung sind v.a. Fitchers Vogel und Das Mordschloß (verbotene Tür auch in Marienkind).

Adaptionen

Literarische Werke

Oper

Musik

  • Das Lied "Tritt ein" auf dem Album "Des Königs Henker" von Saltatio Mortis
  • H. C. Artmann nahm sich für die von Helmut Qualtinger gesungenen Gedichte "Der Blaubart" und "Der Ringelspielbesitzer" auf dem Album "Schwarze Lieder" dieses Märchen als Vorbild.


Film

Theater

  • Blaubart - Hoffnung der Frauen von Dea Loher; Uraufführung: Bayrisches Staatsschauspiel, München 1997
  • Blaubart - Ein Puppenspiel (Nur als Fragment erhalten) von Georg Trakl;

Tanztheater

  • Blaubart - Beim Anhören einer Tonbandaufnahme von Béla Bartóks Oper "Herzogs Blaubarts Burg" - Szenen von Pina Bausch (1977)

Literatur

  • Winfried Menninghaus: Lob des Unsinns. Über Kant, Tieck und Blaubart. Suhrkamp, Frankfurt a.M. 1995. ISBN 3-518-58200-3
  • Jürgen Wertheimer: Don Juan und Blaubart. C.H. Beck, München 1999. ISBN 3406421164
  • Helmut Barz: Blaubart - Wenn einer vernichtet, was er liebt. Kreuz-Verlag, Zürich 1987. ISBN 3268000428
  • Eric Durschmied: Hexen, Tod und Teufelswerk. Lübbe, Bergisch Gladbach 2004. ISBN 3-404-60536-5
  • Monika Szczepaniak: Männer in Blau - Blaubart-Bilder in der deutschsprachigen Literatur. Böhlau, Köln 2005. ISBN 3-412-15605-1

Weblinks

Wikisource
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