Unter dem Blutzucker versteht man im Allgemeinen die Höhe des Glucoseanteils (Glucosespiegel) im Blut, ein wichtiger Energielieferant des Körpers. Die roten Blutkörperchen und das Nierenmark sind völlig auf Glucose zur Energiegewinnung angewiesen. Glucose kann die Blut-Hirn-Schranke überwinden und so das Gehirn versorgen.
Der Blutzuckerwert ist ein wichtiger Messwert in der Medizin. Ist er dauerhaft erhöht, liegt in der Regel ein Diabetes vor. Unterzucker kann die Hirnleistung vermindern, Krampfanfälle oder eine vermehrte Adrenalinausschüttung verursachen sowie zittrige Hände oder Schweißausbrüche.
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Der Blutzucker wird aus einer Blutprobe in der Regel aus Kapillarblut gemessen.
Als Maßeinheit wird in fast allen Ländern die SI-konforme (Internationales Einheitensystem) Einheit mmol/l (Millimol pro Liter) verwendet. In den alten Bundesländern wurde die Umstellung seit 1954 nie durchgeführt. Dort wird immer noch mit der veralteten Einheit mg/dl (Milligramm pro Deziliter) gemessen. Eine Zeit lang waren Messgeräte im Umlauf, die das Ergebnis wahlweise in mg/dl oder in mmol/l anzeigen konnten. Nach einer Empfehlung des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte führte dies allerdings in mehreren Fällen zu Fehlablesungen, die eine falsche Dosierung des Insulins als Folge hatte. Daher sind seit dem 4.Quartal 2006 kaum noch umstellbare Geräte im Handel. Eine ähnliche Problematik gab es auch in der Schweiz. Da der Umrechungsfaktor jedoch größer als die üblichen Schwankungen des Blutzuckerspiegels ist, ist in der Regel schon anhand der Größenordnung des abgelesenen Wertes klar zu erkennen, in welcher Maßeinheit der Wert angezeigt wird (< 25 → mmol/l und > 25 → mg/dl).
Umrechnung:
oder 
Der Blutzuckerspiegel kann heute mit kleinen Messgeräten sehr schnell bestimmt werden. Eine Abschätzung ist mit Blutzuckerteststreifen möglich.
Beim Menschen betragen die Normalwerte:
Nüchternwerte > 5.5 mmol/l bzw. > 99 mg/dl lassen auf eine gestörte Glucosetoleranz oder gar auf Diabetes schließen! Im Rahmen einer Wundbehandlung führen solche Werte zu einer deutlich verlängerten / gestörten Wundheilung und werden gegebenenfalls zur Unterstützung der Heilung mit Insulin behandelt.
Eine Sonderform des Hämoglobin, das HbA1c, ist in der Lage, den Blutzuckerverlauf über maximal drei Monate widerzuspiegeln und wird deswegen auch das „Blutzuckergedächtnis“ genannt.
Typische Normalwerte für verschiedene Altersstufen:
| Blutzucker (BZ) mg/dl | Blutzucker in mmol/l | |
| Erwachsene |
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| Jugendliche |
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| Schulkind |
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| Kleinkind |
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| Säugling |
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| Neugeborene |
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Einen zu hohen Blutzuckerwert nennt man Hyperglykämie und einen zu niedrigen nennt man Hypoglykämie.
Bei den Blutzuckermessgeräten, die heute in Apotheken zur Selbstkontrolle zu kaufen sind, haben sich im wesentlichen 2 Messmethoden etabliert:
Bei der optischen Messung wird das Blut im Teststreifen über eine Kapillare zu einem von außen sichtbaren Testfeld eingezogen. Dort sind verschiedene chemische Stoffe eingelagert, die mit dem Blut reagieren, was zu einer Farbänderung des Testfeldes führt. Diese Farbänderung wird vom Messgerät (z. B. ein Reflotron) erfasst und aus der Dauer und Stärke der Änderung der Blutzuckerwert bestimmt.
Bei der amperometrischen Messung wird das Blut im Teststreifen über eine Kapillare zu einem von außen nicht sichtbaren Testfeld eingesogen. Im Testfeld hat das Blut Kontakt zu verschiedenen elektrischen Leitungen. Das Messgerät legt an diese Kontakte eine definierte elektrische Spannung und misst im Zeitverlauf die Stromstärke, die durch das Blut geleitet wird. Aus dem Stromstärken-Verlauf bestimmt das Gerät dann den Blutzuckerwert.
Bei verletzungsfreien Methoden, sogenannten nicht-invasiven Methoden, wird der Blutzuckerwert ohne Blut zu entnehmen angezeigt (engl. monitoring).
Diese und weitere nicht-invasive Methoden befinden sich noch in der Erforschung oder in der klinischen Zulassung (insbesondere in den USA).
Die Methoden werden sicher bequemer und billiger sein. Auch ist mit ihnen ein permanentes Monitoring möglich.
Der Blutzuckerspiegel wird durch das Wechselspiel zweier Peptidhormone der Bauchspeicheldrüse (Pankreas) reguliert. Diese Drüse enthält in ihren α- und β-Zellen Blutzucker-Sensorsysteme, die wie folgt ansprechen:
Glykogenab- und -aufbau sind über die Phosphorylierung der Schlüsselenzyme Glykogenphosphorylase (GP) und Glykogen-Synthase (GS) strikt gegenläufig reguliert, verlaufen also nie gleichzeitig. In Energiemangelsituationen werden beide Enzyme durch Kinasen phosphoryliert; dieser Vorgang stimuliert die Phosphorylase, hemmt aber die Synthase. Bei Glucose-Überschuss wird die Situation durch Wirkung von Phosphatasen in das Gegenteil verkehrt: Verlust der Phosphatreste inaktiviert GP, aktiviert aber GS.
Sowohl das Glucagon- als auch das Insulinsignal werden über Signalkaskaden verstärkt. Im Zentrum beider Signalwege stehen Proteinkinasen: jede Kinase phosphoryliert mehrere Moleküle einer nachgeschalteten Kinase (Kaskadenprinzip).
Die Signale des Glucagons und des Insulins haben eine gegenläufige Wirkung. Über eine Kinasekaskade (PKA-Kaskade bzw. MAP-Kaskade) werden die Signale verstärkt. (In der Abbildung sind folgende Komponenten in der Insulin-Signalisierung (rechter Zweig) nicht erwähnt: IRS ( Insulin-Rezeptor-Substrat-1), Grb (Growthfactor-Receptor bound), GRF (guanin-nucleotide release factor), ras (rat sarcoma), das ist ein „kleines“ G-Protein (Analoges der alpha-Untereinheit).) |
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