Bonsai

Bonsai ist eine alte fernöstliche Art der Gartenkunst.

Bonsai
Bonsai

Das Wort stammt aus dem Japanischen: und bedeutet, 盆栽 bonsai „Anpflanzung in der Schale“, chinesisch 盆景 pénjĭng, "Landschaft in der Schale" (盆 pén „Schale“, 景 jĭng, „Landschaft, Szene“).

Nach altem chinesischen Verständnis ist Bonsai die Kunst, eine Harmonie zwischen den Naturelementen, der belebten Natur und dem Menschen in miniaturisierter Form darzustellen: Die belebte Natur wird hierbei meist durch einen Baum dargestellt. Die Naturkräfte vertritt – nach einem anderen Ausdruck für Landschaft 山水 shānshuĭ (wörtlich) „Berg und Wasser“ – ein Stein und feiner Kies (der traditionell in Gärten Wasser symbolisiert). Der Mensch wird in Form seines Werks, einer Pflanzschale, dargestellt. Nur der Einklang dieser drei Elemente macht einen gelungenen Bonsai aus.

Im westlichen – vom weltanschaulichen auf das rein formal-ästhetische reduzierten – Verständnis bezeichnet das Wort den Bonsai-Baum:

Dieser ist ein in einem Pflanzgefäß gezogener Baum, der durch Kulturmaßnahmen (Formschnitt, Wurzelschnitt, Blattschnitt, Drahtung) klein gehalten wird und in künstlerischer Gestaltung in eine gewünschte Wuchsform gebracht wird. Diese folgt den Prinzipien des Wabi und Sabi der Zen-Kultur und den – teils konfuzianisch, teils taoistisch beeinflussten – Baumdarstellungen der klassischen chinesischen Malerei. In Japan werden Bonsai im Garten oder in der Tokonoma, einer gestalterisch hervorgehobenen Nische im Zimmer aufgestellt. Bonsaibäume können bei guter Pflege viele hundert Jahre alt und sehr wertvoll werden.

Für Bonsai eignen sich alle verholzenden, kleinblättrigen (bzw. kleinnadligen) Baum- und Straucharten gut. Traditionell werden Kiefern, Wacholder, Ahorne, asiatische Ulmenarten, Azaleen, Fruchtbäume wie Kulturapfel oder japanische Aprikose verwendet. In unseren Breiten nimmt man vorwiegend einheimische Gehölze, die an unser Klima angepasst sind, aber auch winterharte Pflanzen aus Japan und anderen Ländern. Besonders beliebt sind kleinblättrige Ahornarten – unter ihnen die rotblättrigen japanischen Ahornsorten – Kiefern, Fichten, Buchen und Wacholder.

Im Zuge der Verbreitung der Bonsaikultur auch im westlichen Kulturkreis wurden die Bonsaitechniken auch auf verholzende Zimmerpflanzen übertragen, so dass hier heute zwischen Indoor und Outdoor unterschieden wird. Die Kultur von Indoors ist problematisch, da man ihnen die dringend benötigten Lebensbedingungen (durchgehend 2000-3000 Lux 12 Stunden am Tag, Luftfeuchte bei 70-90 Prozent bei einer Temperatur von etwa 15-30 °C) in normalen Haushalten kaum bieten kann und die Pflanzen daher dahinvegetieren oder eingehen. Einzig kleinblättrige Arten der Gattung Ficus haben sich als so robust und anpassungsfähig erwiesen, dass sie problemlos als Indoor-Bonsai gehalten werden können. Sie gelten heute als die typische Anfängerpflanzen.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Federahorn
Federahorn

Die heute bekannten Bonsai sind häufig im japanischen Stil gestaltet, der sich Anfang des 20. Jahrhunderts herausbildete. Doch die Bonsaikunst ist viel älter und stammt aus dem Kaiserreich China.

In der frühen Han-Dynastie (206 v. Chr.-220 n. Chr.) wurden bereits künstliche Landschaften mit Seen, Inseln und bizarren Felsformationen in Palastgärten der Kaiser nachgestaltet, auch die Topfpflanzen-Kultur war bereits bekannt (siehe auch Gartenkunst in China). Der Mythologie nach lebte in dieser Zeit der Zauberer Jiang-Feng, der die Fähigkeit besaß, ganze Landschaften mit Felsen, Wasser, Bäumen, Tieren und Menschen verkleinert auf ein Tablett zaubern zu können. In dieser Zeit entstand offenbar die Kunst des Penjing – auch wenn einige der Bäume zwei und mehr Meter hoch waren und in großen Schalen im Garten gepflegt wurden.

In der Tang-Dynastie (618-907 n. Chr.) findet sich die älteste bekannte Darstellung eines Penjing, einer Miniaturlandschaft mit grazilen Bäumchen und Felsen, in den Grabkammern des Prinzen Zhang Huai. Diese Epoche galt als sehr kunstsinnig, Poeten und Maler wandten sich insbesondere der Natur zu.

Die Song-Dynastie (960-1279) brachte die Penjing-Kultur zu einer ersten Blüte. Als besonders beliebt galten nun knorrige Bäume, vor allem Kiefern, die aus Baumwurzeln gezogen wurden. Parallel dazu bildete sich die Kunst des Suiseki heraus, das ohne Bäume auskommt und schön geformte Steine auf wassergefüllten Tabletts platziert. So werden Eindrücke von Küstenlinien oder dramatischen Felslandschaften im Hochgebirge hervorgerufen. Das zeitgenössische Buch "Yunlin Shipu" zählt 116 Steinarten auf, die zur Gestaltung verwendet werden können.

In der Yuan-Dynastie (1280-1368) waren Miniatur-Penjing besonders beliebt. Der Grundsatz, "im Kleinen zugleich das Große" zu erblicken (He-Nian, ein Dichter, verfasste eine Reihe Gedichte über die "winzigen" Penjing des Mönches Yun Shangren, daraus das Zitat), wurde in den darauffolgenden Jahrhunderten zu einem wichtigen Leitsatz.

Seit Ende der Ming-Dynastie (1368-1644) werden Einzelbäume und Schalenlandschaften vermutlich erstmals als penjing bezeichnet. In dieser Zeit wurde eine Reihe von Büchern verfasst. Die damals sehr populäre chinesische Landschaftsmalerei gab der Penjing-Kunst neue Impulse. Man bezeichnete sie als "dreidimensionale Gemälde", "stumme Gedichte" oder "lebende Skulpturen", meist waren sie etwa einen halben Meter groß, so dass sie noch auf einem Teetischchen platziert werden konnten – dann galten sie als besonders kostbar.

In der Qing-Dynastie (1644-1911) drangen Bonsai allmählich in die vornehmen Familien des Landes vor, die nicht selten einen eigenen Penjing-Gärtner anstellten. In Suzhou fand alljährlich ein Wettbewerb um die schönsten Bäume des Landes statt. Dabei zeigte sich, dass die unterschiedlichen Regionen verschiedene Stilrichtungen entwickelt hatten:

  • Lignan-Stil (Gouangzhou)
  • Shanghai-Schule
  • Suzhou-Schule
  • Yangzhou-Schule
  • Sichuan-Schule

Im 10./11. Jahrhundert brachten buddhistische Mönche die Bonsaikunst nach Japan. Dort entwickelte sich der Bonsai-Stil lange Zeit parallel zu China. Besonders in der Kaiserstadt Kyoto und in Ōsaka waren Bonsai bei Gelehrten sehr beliebt (Bunjingi), sie galten als antinational und avantgardistisch.

Zumindest seit der Barockzeit wurden auch in Deutschland Miniaturbäume in Keramikschalen gezüchtet, vor allem Obstbäume; diese Bäume bezeichnete man als Scherbenbäume bzw. Scherbenobst.

1878 stellte Japan auf der Weltausstellung in Paris erstmals Bonsai einer westlichen Öffentlichkeit vor. Nach dem Zweiten Weltkrieg verbreitete sich Bonsai als Hobby in der ganzen Welt.

Stil und Gestaltung

Im Laufe des 20. Jahrhunderts entwickelten sich Gestaltungsformen für den Bonsai, die heute noch relevant sind.

Bonsai können aus Sämlingen, aus Jungpflanzen und aus in der Natur gesammelten Pflanzen (Yamadori) geformt werden. Oft eignen sich auch Baumschulpflanzen oder sog. Containerpflanzen aus dem Gartencenter.

Der regelmäßige Schnitt sorgt für einen kompakten Wuchs. Das Entfernen der Pfahlwurzel fördert die Verzweigung des Wurzelballens, sodass sich ein gleichmäßiger Wurzelansatz bildet. Außer durch die traditionelle Methode des "Zurückschneidens und Wachsenlassens" kann man die Äste auch durch Spanndrähte formen (traditionell wurden Palmfaserschnüre verwendet), neueren Datums ist die Methode der Drahtung. Dazu werden der Stamm, die Äste oder die Zweige (je nachdem, welchen Teil des Baumes man korrigieren möchte) spiralig mit speziellem (eloxierten) Aluminium- oder weichgeglühtem Kupferdraht umwickelt und vorsichtig in Form gebogen.

Kabudachi

Kabudachi (japanisch für Mehrfachstamm) bezeichnet eine Stil- oder Gestaltungsform in der Bonsaizucht.

Eine meist ungerade Anzahl von Bäumen entspringt einem gemeinsamen Stammfuß. Jeder Baum sollte unterschiedlich hoch und dick sein, der Hauptbaum ist am höchsten und am dicksten. Gemeinsam bilden alle Bäume optisch eine Einheit, deshalb spielen die Astanordnung und die Formung der gemeinsamen, spitzwinkligen Krone eine große Rolle. Jede aufrechte Stilform ist möglich, jedoch müssen alle Bäume in derselben Stilform gestaltet sein. Am häufigsten sind Moyogi, die frei aufrechte Form, und Chokkan, die streng aufrechte Form.

Varianten des Mehrfachstamms sind der Zwillingsstamm (japanisch Sokan, auch "Vater und Sohn" genannt), der Dreifachstamm und die kriechende Form (Netsuranagi).

Netsuranagi

Netsuranagi (japanisch für die kriechende Form) ist eine Variante des Mehrfachstamms (Kabudachi).

Eine meist ungerade Anzahl von Bäumen entspringt einem gemeinsamen Stammfuß. Der Stamm jedes Baumes neigt sich im untersten Teil waagerecht über den Boden, ist an dieser Stelle in ihm verwurzelt und strebt erst dann nach oben. Jeder Baum sollte unterschiedlich hoch und dick sein, der Hauptbaum ist am höchsten und am dicksten. Gemeinsam bilden alle Bäume optisch eine Einheit, deshalb spielen die Astanordnung und die Ausformung der gemeinsamen, spitzwinkligen Krone eine große Rolle. Jede aufrechte Stilform ist möglich, jedoch müssen alle Bäume in derselben Stilform gestaltet sein. Am häufigsten sind Moyogi, die frei aufrechte Form, und Chokkan, die streng aufrechte Form.

Sokan

Sokan - Zwillingsstammform
Sokan - Zwillingsstammform

Sokan (japanisch für Zwillingsstamm) ist eine Variante des Mehrfachstamms (Kabudachi) und heißt in Japan auch "Vater und Sohn".

Der erste Seitenast entspringt bei dieser Form sehr tief und bildet einen eigenen Baum, dessen Stamm deutlich niedriger und dünner ist als der des „Vaters“. Beide Bäume bilden optisch eine Einheit, deshalb spielen die Astanordnung und die Formung der gemeinsamen, spitzwinkligen Krone eine große Rolle. Alle aufrechten Stilformen sind möglich, jedoch müssen beide Bäume in derselben Stilform gestaltet sein. Am häufigsten ist Moyogi - die frei aufrechte Form.

Eine weitere Variante ist auch der Dreifachstamm oder „Vater, Mutter und Sohn“.

Chokkan

Chokkan - Streng aufrecht
Chokkan - Streng aufrecht

Ein streng aufrechter Bonsai (jap. Chokkan) hat einen geraden, senkrechten Stamm, dessen Spitze sich genau über dem Wurzelansatz befindet. In der Natur sind solche Bäume meist in dichten bewaldeten Monokulturen zu finden, wo sie gleichmäßig Licht und Nährstoffe finden. Auch Windstille ist nötig.

Als Bonsai wird ein Chokkan meist selbst gezüchtet, da dort die Voraussetzungen eher gegeben sind. Aber auch durch Gestaltung kann ein schiefer Findling noch gerade werden.

Moyogi

Moyogi - Frei aufrecht
Moyogi - Frei aufrecht

Moyogi (japanisch für die frei aufrechte Form) bezeichnet eine Stilform der Bonsaizucht.

Der Stamm des Bonsai bewegt sich in (wenigen) harmonischen und von unten nach oben immer schwächer werdenden Schwüngen zur Spitze hin, wobei sich die Spitze im Lot über dem Stammfuß befindet (so ist der Baum optisch stabil). Die Hauptäste befinden sich idealerweise jeweils an der Außenseite der Schwingungen. Der Stammverlauf sollte gut erkennbar und der Stammfuß ausgeprägt sein. Die Krone hat die Form eines ungleichmäßigen, spitzen Dreiecks.

Der Bonsai in der frei aufrechten Form wird nicht in der Mitte der Schale, sondern im Schnittpunkt zwischen erstem und zweitem Drittel platziert.

Chu Shakan

(Mäßig) geneigt.

Chu Shakan – (Mäßig) geneigt
Chu Shakan – (Mäßig) geneigt

Fukinagashi

Fukinagashi - Windgepeitscht
Fukinagashi - Windgepeitscht

Ein Windgepeitschter Bonsai (jap. Fukinagashi) kann beispielsweise aus einem Bonsai mit einem geraden, oder noch besser bereits geneigten Stamm entstehen oder weiter gestaltet werden.

Die Vorbilder dieser Gestaltungsart finden sich beispielsweise an der Küste, oder auf dem Scheitelpunkt eines Bergrückens. Selten sind auch in Steppengegenden Vorbilder zu finden, die durch die vorherrschenden rauhen Windverhältnisse fast ausschließlich nach einer Seite gewachsen sind.

Üblicherweise werden die Äste und Zweige bei einem im windgepeitschten Stil gestalteten Bonsai fast ausschließlich in eine Richtung vom Stamm weg geführt. Die Neigungsrichtung des Stammes gibt dabei normalerweise die Richtung vor, in welche die Äste geformt werden.

Bonsai dieser Stilart sollen eine gewisse Tragik verkörpern, die im wesentlichen durch das Entstehen ihrer großen Vorbilder in der Natur begründet ist. Dies kann zum Beispiel durch die Technik des Entrindens noch unterstrichen oder verstärkt werden.

Han Kengai

Han Kengai
Han Kengai

Han Kengai (jap. 半懸崖, dt. Halbkaskade) bezeichnet eine Stil- oder Gestaltungsform in der Bonsaizucht.

In der Natur treten Halbkaskaden oft in Felsennischen oder unter überhängenden Felsen auf. Sie müssen waagerecht oder leicht nach unten geneigt wachsen, um an das Sonnenlicht zu gelangen.

Der Stamm neigt sich bei dieser Stilform über den Schalenrand waagerecht nach vorn oder leicht nach unten, jedoch nicht unterhalb des Schalenbodens (das wäre eine Kaskade). Der erste Hauptseitenast bildet auf dem höchsten Punkt des Bonsai eine kleine, jedoch nicht dominante, ungleichmäßig dreieckige oder runde Krone. Der Stamm verläuft von der Krone aus in lockeren Schwüngen nach unten. Die übrigen Hauptseitenäste geben der Gestaltung optische Tiefe.

Die Halbkaskade wird in eine höhere Schale als die Bonsai in den aufrechten Stilformen gepflanzt, um der Gestaltung sowohl optisch als auch tatsächlich Stabilität zu verleihen.

Kengai

Kengai
Kengai

Kengai bezeichnet eine Stil- oder Gestaltungsform in der Bonsaizucht.

Der Kengai (jap. für Kaskade) wird meist in einem hohen Topf oder in einer Schale auf hohem Podest gestaltet. Der erste Ast liegt meist noch über der Schale und bildet eine mehr oder minder kräftige Krone, die übrigen Äste und die eigentliche Krone des Baumes werden herabgebogen und reichen bis unterhalb des Topfrandes, in extremen Formen sogar unterhalb des Podestes. Die Wurzeln müssen dabei besonders kräftig ausgebildet sein, um eine besonderen Überlebenswillen in ungünstigen Umständen, in denen der Baum wächst, darzustellen. Gleichzeitig ist dies nötig, damit der Baum nicht durch sein eigenes Gewicht aus der Schale kippt. Solche Baumformen findet man häufig im Gebirge, wenn Bäume aus einer Felswand heraus wachsen und durch Witterung, Schneelasten u. ä. herabgebogen wurden.

Bunjingi

Bunjingi ist eine der traditionellen Bonsai-Stilformen. Der Name kommt von jap. Bunjin (文人) "die Männer der Kunst und Literatur", wird aber meist mit "Literat" übersetzt. Als Bonsai-Stilform im Deutschen als "Literaten-Stil" bezeichnet.

Bonsai im Bunjingi-Stil zeichnen sich durch einen hohen, dünnen und meist elegant geschwungenen Stamm, wenig Äste und spärliche Belaubung aus.

Bunjingi - Literatenform
Bunjingi - Literatenform

Die Erscheinung beziehungsweise die Gestalt eines als Bunjingi gestalteten Bonsai muss sich nicht zwangsläufig auf ein Vorbild in der Natur beziehen, sondern kann vielmehr gleichgesetzt werden mit Poesie. Besonders Ästhetischen Bunjingi werden oft Gedichte oder Verse zugeordnet beziehungsweise auch nur für einen einzelnen Baum ein Gedicht oder Vers geschrieben. Unter Bonsaigestaltern und -künstlern gilt die Gestaltung eines Bunjingi als die Meisterschaft.

Geschichte

In der Edo-Zeit erfuhr die Mode der Topfkultivierung von Pflanzen und Bäumen einen starken Aufschwung, nicht zuletzt durch das Vorbild des damaligen Shogun Tokugawa Iemitsu. Damals sammelte man vor allem Pflanzen, deren Blüten und Blätter auffällige Mutationen hervorgebracht hatten und so in der Natur nicht vorkamen. Viele dieser Bäume wiesen Krümmungen und Biegungen auf, die uns heute unnatürlich erscheinen („Oktopus-Stil“, einige Exemplare aus Iemitsus Sammlung sind bis heute erhalten). Diese seltenen Pflanzen wurden bald zu Spekulationsobjekten, ganz ähnlich wie beim holländischen Tulpenfieber.

Gegen Ende der Edo-Periode kam das Shogunat ins Wanken, vor allem die Bunjin taten sich von Kyoto und Ōsaka aus als Organisatoren von Demonstrationen und anderen anti-monarchistichen Aktionen hervor. Sie wandten sich auch gegen die sehr artifizielle Bonsai-Kultur dieser Zeit, und aufgrund ihrer Beschäftigung mit chinesischer Malerei und Literatur fanden sie zu einem neuen Stil. Sie bevorzugten heimische Arten wie Kiefern und Ahorne und nahmen die Natur zum Vorbild für ihre Gestaltungen. In der damaligen kunsttheoretischen Literatur (beispielsweise im „Handbuch der Malerei des Gartens des Senfkorns“, im „Yuo Hikusai-gafu“ und im „Kaishi-en-kaden“) wurden die heute bekannten Stilformen wie Kengai und Chokkan bereits formuliert.

Während die Herrschenden eine Politik der Isolierung betrieben und eine Reise nach China bei Todesstrafe verboten war, formten sich die japanischen Gelehrten ihr eigenes kleines China aus Felssteinen und Pflanzen nach. Dabei wurden die Bäume immer stärker zum Ausdruck ihrer Vorstellung von einem Leben, in dem man seine Ideale kompromisslos verwirklichen kann.

Anfang der Meiji-Zeit entdeckte auch die Tokioter Oberschicht ihre Liebe zum Bonsai. Das Gestaltungsideal war jedoch nicht länger die Form natürlich wachsender Bäume, sondern ihre Nähe zur chinesischen Malerei. Bonsai wurden in Teehäusern ausgestellt und erreichten allmählich auch die unteren Schichten der Bevölkerung. Nach dem Sieg im Krieg gegen China und Russland verkörperten sie wieder den Geist des Revolutionären in einem Klima des von oben verordneten Nationalismus und avancierte endgültig zur Kunstform, die auch auf Ausstellungen gezeigt wurde. Man wollte „ein Kunstwerk schaffen, das natürlicher als die Natur selbst ist, wobei stets die Schönheit der Natur als Vorbild dient“. Gegen Ende der Meiji-Zeit formte sich das noch heute gültige Gestaltungsideal aus, wonach Bunjingi einen hohen, geschwungenen Stamm und wenig Äste aufweisen sollen.

Seit etwa 1945 ist Bunjingi eigenständige Stilform, die jedoch Merkmale der anderen Stile aufweisen kann.

Hokidachi

Hokidachi - Besenform
Hokidachi - Besenform

Hokidachi (japanisch für Besenform) bezeichnet eine Stil- oder Gestaltungsform in der Bonsaizucht.

Diese Form ist bei den europäischen Laubbäumen häufig anzutreffen und wird charakterisiert durch einen kurzen, geraden Stamm, von dem aus in ungefähr gleicher Höhe alle Äste sternförmig abgehen und sich gleichmäßig zu einer runden oder ungleichmäßig dreieckigen Krone verzweigen. Der Stammfuß ist gleichmäßig und ausgeprägt.

Häufig in dieser Stilform anzutreffende Bäume sind Zelkoven, Hainbuchen und Ahorne.

Ikada

Ikada - Floßform
Ikada - Floßform

Ikada (japanisch für Floßform) bezeichnet eine Stil- oder Gestaltungsform in der Bonsaizucht.

Sie entsteht, wenn ein Baum von einem Sturm entwurzelt wird. Die ehemaligen Seitenäste des Baums werden zu eigenständigen Bäumen (meist fünf oder sieben, jedoch eine ungerade Anzahl), die einen kleinen Wald bilden. Jeder Baum hat einen eigenen Stammfuß, alle sind aber durch den Stamm des umgestürtzten Baumes miteinander verbunden.

Der Hauptbaum mit dem höchsten und dicksten Stamm sollte sich nicht in der Mitte, sondern vom Rand aus gesehen im ersten Drittel befinden. Die Bäume bilden eine gemeinsame Krone in Form eines ungleichmäßigen Dreiecks.

Wieder sollten alle Bäume in der gleichen Stilform gestaltet sein. Eine besondere Herausforderung ist es, optisch Tiefe in die Gestaltung zu bringen.

Ishitsuki

Ishitsuki - Felsenform
Ishitsuki - Felsenform

Ishitsuki ("Felsform") ist eine japanische Stilart der Bonsai.

Man unterscheidet zwei Grundformen:

  • Baum auf den Fels gepflanzt: Bei dieser Form wächst der Baum auf einem Felsen, der wiederum meist auf einem wassergefüllten Tablett aufgestellt wird. Die Pflanze hat nur wenig Erde in einer Felsspalte oder Mulde zur Verfügung. Eine spezielle, kompakte, klebrige Erdmischung ist vonnöten, damit sie nicht fortgeschwemmt wird.
  • Baum über den Fels gepflanzt: Die Wurzeln umklammern den Fels und wurzeln in einem mit Erde gefüllten Pflanzgefäß. Man erreicht diese Form, indem man die Wurzeln des von Erde befreiten Baumes mittels Draht an dem Felsen fixiert und dann bis zum Wurzelansatz in einer tiefen Pflanzkiste oder einem Plastiksack einsetzt. Sukzessive wird die Erde von der Oberfläche entfernt. Sobald das gewünschte Ergebnis erreicht ist, kann der Baum mitsamt Felsen in eine Bonsaischale umgepflanzt werden.

Wie man der Geschichte der Bonsai beziehungsweise der Penjing entnehmen kann, gehen die ersten Bonsai auf nachgestaltete Miniaturlandschaften zurück. In der Tsing-Dynastie wurde der Begriff punching geprägt, übersetzt etwa „Landschaft mit Pflanzen“. Einige Abbildungen weisen darauf hin, dass bereits in der Tang und in der Sung-Dynastie die Bäume mitunter in diesen Gestaltungen dominieren und damit die Vorläufer unserer heutigen Bonsai bilden.

Sekijoku

Sekijoku
Sekijoku

Der Sekijōjū stellt einen Baum dar, dessen Wurzeln über einen Felsen gewachsen sind. Der eigentliche Stamm samt der Krone liegen auf dem Felsen. Hauptgestaltungsmerkmal sind jedoch die Wurzeln, die wie Greifarme nackt am Felsen entlang in die Erde wachen. Erreicht wird diese Wuchsform, indem man den Baum zunächst normal in einen Container pflanzt, dessen Ränder dann mit der Zeit immer weiter abgeschnitten und die Erde abgegraben werden. Die Wurzeln wachsen dann der zurückweichenden Erdreich sozusagen hinterher. Wenn sie lang genug sind, wird der Baum in seine eigentliche Schale gepflanzt, wobei die noch weichen Wurzeln ausdrucksstark über den Felsen verteilt werden. Ihre Dicke nimmt dann mit der Zeit von selbst zu. Diese Wuchsform stellt einen Baum dar, der auf einem Felsen wächst, während das Erdreich vom Regen mit der Zeit fortgespühlt wurde. Derartige Wuchsformen sind vornehmlich im Gebirge, insgesamt aber sehr selten anzutreffen.

Negari

Negari-Wurzelstammform
Negari-Wurzelstammform

Negari (japanisch für Wurzelstamm) bezeichnet eine Stil- oder Gestaltungsform in der Bonsaizucht. Ihr stilbildendes Element ist die teilweise sichtbare Wurzel des Bonsai. Wichtig ist deshalb ein guter Wurzelansatz mit gleichmäßig verzweigten, dicken Wurzeln. Um einen solchen Wurzelballen herauszubilden, pflanzt man den Bonsai in ein tiefes Gefäß oder in den Garten, breitet die Wurzeln des Bonsai sternförmig über einem Erdhügel aus und lässt die Hauptwurzeln lang durchtreiben, damit sie rasch an Dicke zunehmen. Oberirdisch verdicken sich Wurzeln langsamer als unterirdisch.

Sobald die Wurzeln die gewünschte Dicke erreicht haben, beginnt man, sie langsam Schicht für Schicht freizulegen. Dadurch verlieren sie zwar erst einmal an Dicke, bilden jedoch als Schutz eine dickere Rinde aus.

Einige Zeit wird anschließend auf die Herausbildung eines kompakten Wurzelballens verwendet werden müssen.

Da in dieser Stilform viel von der Wurzel zu sehen ist, sollte der Stamm kürzer sein als bei den übrigen Stilformen.

In der freien Natur entstehen solche Baumskulpturen, wenn durch starken Regen der Boden langsam weggewaschen wird und dadurch die Wurzeln eines Baumes freigelegt werden.


Yose-ue

Yose-ue - Waldform
Yose-ue - Waldform

Yose-ue (japanisch für Waldform) bezeichnet eine Stil- oder Gestaltungsform in der Bonsaizucht. Mit ihr kann man mit verhältnismäßig jungen Bäumen den Eindruck eines älteren Waldes erwecken.

Der Hauptbaum ist der höchste und dickste Baum und sollte sich nicht in der Mitte der Schale, sondern vom Rand aus gesehen im ersten Drittel befinden. Alle Bäume sind in derselben Stilform gestaltet und bilden ein gemeinsames Blätterdach. Die Krone ist ungleichmäßig dreieckig. Eine spannungsvolle Verteilung von „Durchsichten“ und Freiflächen ist wichtig.

Ist der Boden uneben und ungleichmäßig mit Moos bewachsen, wirkt der Wald natürlicher.

Für diese Stilformen werden sehr flache, ovale Schalen oder flache Natursteine verwendet.

Bankan

Bankan - Drachenform
Bankan - Drachenform

Bankan ist eine Gestaltungsart der Bonsai-Kunst.

Vor allem aus China stammt die Idee, Bonsai in Tierformen zu ziehen. Da Drachen im Buddhismus als Glückssymbol gelten, ist die Nachbildung eines Drachen (Bankan = Drachen) besonders häufig. Der Stamm bildet dabei den Leib, während die Äste die Gliedmaßen darstellen. Sie werden durch Drahtung und Schnittmaßnahmen in oft stark gewundene Formen gebracht.


Weitere Gestaltungsmaßnahmen

Bonsai
Bonsai

Grundschnitt oder Erhaltungsschnitt, dabei spricht man lediglich vom Zurücknehmen einzelner aus der Gestaltungsform hinauswachsender Triebe.

Blattschnitt: Wird besonders in starkwüchsigen Zonen des Baumes angewandt, um die Wachstumsbalance auszugleichen – ein künstlicher Herbst wird vorgetäuscht, die danach hervorsprießenden Triebe weisen meist kleinere Blätter auf; außerdem wird durch die neuen Triebe die Feinverzweigung gefördert. Zum Schutz der Knospe wird dabei in der Blattachse der Stiel stehen gelassen. Beim Austrieb der Knospe fällt der Stiel von alleine ab.

Entrinden (auch künstliches Altern genannt) von Stamm- oder Astpartien (in der Fachsprache "Shari" beziehungsweise "Jin" genannt).

Anplatten von Ästen oder Zweigen. Vorzugsweise am Stamm der Ausgangspflanze.

Um eine filigrane Verzweigung beziehungsweise eine ausreichende Dichte der Astpolster zu gewährleisten, muss der Baum regelmäßig beschnitten werden. Auch der Standort spielt eine wesentliche Rolle, denn ein Baum, der beispielsweise an einem zu dunklen Standort aufgestellt wird, wird im wesentlichen Langtriebe, die sogenannten Strecktriebe hervorbringen. In den meisten Fällen gibt es so gut wie keine Kompromisse in Bezug auf die Lichtbedürfnisse der einzelnen Arten. Wird häufiger wenig geschnitten, wird entsprechend weniger Wachstum angeregt, als wenn seltener, aber dafür mehr geschnitten wird. Der jeweilige Neuaustrieb hängt auch wesentlich von der Jahreszeit ab. Werden alte Zweige entfernt (man spricht dann vom mehrjährigen Holz), werden besonders sogenannte schlafende Knospen zum Austrieb angeregt, was wiederum eine Erneuerung aus dem Inneren der Baumkrone bewirkt. Der Baum wird insgesamt vitaler und bleibt gesund.

Die Werkzeuge

Zur Gestaltung, und Formerhaltung bei Bonsai sind im Laufe der Zeit eine Vielzahl an Werkzeugen entstanden. Die gebräuchlichsten sind:

Abmoosscheiben: werden z. B. mit feuchtem Sphagnum-Moos gefüllt und zum Abmoosen verwendet.

Astsäge: zum Entfernen größerer Äste, etwa bei frisch ausgegrabenen Yamadori.

Blattschneider: für Schnittarbeiten an feinen Zweigen sowie Triebspitzen (Pinzieren) sowie für den Blattschnitt.

Breite Schere: für Formschnitt (Silhouette) und kleinere Äste.

Drahtschneider: zum stückweisen Entfernen des Drahtes an eingedrahteten Astpartien.

Drahtzange: zum besseren Fügen besonders starker Drähte.

Erdschaufel: in verschiedenen Größen und teils mit eingebautem Sieb (wodurch zu feine Bestandteile, die die Durchlüftung des Substrates behindern könnten, ausgesiebt werden); dient dem punktuellen Befüllen der Bonsaischale beim Umtopfen

Holz-/Bambusstab: zum Einbringen und Verfestigen der Erde beim Eintopfen. Damit wird sichergestellt, das keine Hohlräume beim Eintopfen des Baumes entstehen.

Jinzange: zum Abziehen der Rinde bei Jin-/Sharigestaltung (künstliches Altern) oder auch zum Abwickeln von Draht.

Jinmesser: zum Einritzen der Rinde, welche dann mit der Jinzange abgezogen werden kann.

Konkavzange: zum Schneiden stärkerer Äste. Durch die Wölbung der Schneiden hinterlässt sie einen Konkaven Schnitt, der Kallus (Wundgewebe) kann die Schnittstelle besser überwallen.

Knospenzange: auch runde Konkavzange genannt. Selbe Funktion wie Konkavzange, eignet sich jedoch besser wenn nur unter einem ungünstigen Schnittwinkel geschnitten werden kann.

Schmale Schere: wegen des langen schmalen Halses für feine Schneidarbeiten, z.B. junge Triebe im Inneren der Krone.

Sichelmesser: kann zum Lösen des Erdballens vom Schalenrand bei Umtopfarbeiten benutzt werden.

Spaltzange: zum Ausbrechen von Ast- und Stammpartien.

Wurzelhaken/-kralle: dient zum Lösen bzw. Zerlegen des Wurzelballens beim Umtopfen. Durch das Lösen des Ballens können die Wurzeln besser in die Länge gezogen, und danach eingekürzt werden. Auch kann damit der Wurzelbereich direkt unter dem Stamm gelöst, und später die frische Erde besser eingebracht werden.

Wurzelzange: zum Schneiden von (dickeren) Wurzeln.

Damit kann jedoch nur ein Überblick über so genannte Standardwerkzeuge gegeben werden. Viele Gestalter entwickeln im laufe der Zeit auch ihre eigenen Werkzeuge.

Die Schale

Japanische Ulmen in Waldform
Japanische Ulmen in Waldform

Was für das Bild der Rahmen, ist für den Bonsai die Schale. Sie stellt also einen weiteren wesentlichen Bestandteil des Gesamtkunstwerks Bonsai dar, und muss entsprechend zu jedem Baum individuell und sorgfältig ausgesucht werden. In manchen Fällen wird eine Schale auch extra für einen Baum in Handarbeit hergestellt. Für würdevolle alte Kiefern im aufrechten Stil bieten sich beispielsweise rechteckige Schalen in unglasierten Erdtönen an, für blühende oder zart gebaute Bäume würde man eher runde oder ovale Formen in hellen Tönen wählen. Kaskaden und Halbkaskaden wachsen in tieferen Schalen, da sonst das optische Gleichgewicht nicht stimmt und der Baum zu kippen scheint. Für Literatenformen werden oft runde Schalen (sogen. Trommelschalen) benutzt.

Zur traditionellen Ausstellungssituation in der Tokonoma gehören: Ein Rollbild im Hintergrund, das den Baum um eine weitere Dimension ergänzt (zu Kiefern passen ruhige Bergmotive, zu Ahornen auch Tierszenen), ein Tischchen oder eine lackierte Baumscheibe sowie eine "Akzentpflanze", die als Kontrapunkt fungiert und das Thema der Szene vertieft und unterstützt (meist Gras, Bambus, kleinwüchsige Stauden in einem flachen Schälchen).

Miniatur-Bonsai, so genannte Mame-Bonsai, die weniger als 20 cm hoch sind, werden gesammelt in einem hölzernen Regal ausgestellt – arrangiert nach speziellen Regeln.

Auf der jährlich in Tokio stattfindenden Kokufu-ten, der größten Bonsai-Schau Japans, werden seit 1933 die besten Bäume des Landes prämiert. Schon die Einladung zur Ausstellung gilt als große Ehre.

Einheimische Bäume als Bonsai

Auch wenn Bonsai immer mit Japan oder China in Verbindung gebracht werden, kann man auch einheimische Bäume als Bonsai verwenden. Dies ist sogar empfehlenswerter, nicht nur weil die Verbreitung und Erhaltung der einheimischen Arten gestärkt wird, sondern auch, weil diese schon auf unser Klima eingestellt sind und dadurch ganzjährig im Freien stehen können. Allerdings sollten Bonsai vor starken Frösten geschützt werden, indem sie z.B. im Boden eingesenkt oder mit einer Mulchschicht bedeckt werden.

Bonsai eines roten Ahorns
Bonsai eines roten Ahorns

Beschaffung

Neben der Vermehrung aus Samen oder Stecklingen bietet sich auch das Ausgraben von Bäumen, so genannten Findlingen, an. Besonders wild aussehende Bäume (zum Beispiel aus dem Hochgebirge) werden Yamadori genannt. Dabei sollten aber bereits im Vorfeld des Sammelns in freier Natur alle Probleme bedacht werden: Versorgung des Wurzelballens mit genügend Feuchtigkeit beim Transport sowie Schutz vor dem Auseinanderfallen, Vorbereitung eines geeigneten Platzes zum Einpflanzen etc. Ein weiterer Punkt: die Bäume, die im Hochgebirge gesammelt werden, unterlagen Zeit ihres bisherigen Lebens den dortigen Witterungs- bzw. Luftdruckverhältnissen, die doch erheblich von denen im Tal abweichen. Dies ist ein Grund, dass die meisten laienhaft geborgenen Bäume innerhalb des ersten Jahres eingehen. Ein weiterer Grund ist die Tatsache, dass viele Bäume mit scheinbar gesundem Grün bereits faktisch tot sind, dies aber eben wegen des vorhandenen Blattwerks nicht erkennbar ist. Nach einer gewissen Zeit der Eingewöhnung "stirbt" dann der Baum allem Anschein nach – er wurde allerdings bereits als "Leiche" an seinen neuen Standort verbracht … Wichtig für das Überleben eines Yamadori ist außerdem, ihn im Allgemeinen zumindest ein Jahr einfach wachsen zu lassen. Der Standort sollte hell, aber nicht in voller Sonne stehen – außerdem kann ein gewisser Frostschutz durch Folien bzw. Abdeckung angebracht sein. Im "Erntejahr" sollten jegliche Gestaltungsmaßnahmen unterbleiben! Der Baum leidet sehr wegen der notwendigen Schnitte im Wurzelwerk, man sollte das Grün in etwa dem selben Verhältnis einkürzen, um das Gleichgewicht zu wahren. Gedrahtet wird noch nicht, sonst schädigt man u.U. die empfindlichen neuen Triebe.

Eine einfachere Alternative der Beschaffung, bei der die Überlebenschance des Baumes auch weitaus größer ist, ist der Kauf einer Jungpflanze aus der Freiland-Aufzucht. In Japan gibt es eine Vielzahl von Baumschulen, die auf Bonsai spezialisiert sind. Aber auch in Deutschland gibt es einige Aufzucht-Betriebe, in denen heimische Bäume im Alter von 3-12 Jahren erstanden werden können. Die Pflanzen werden regelmäßig beschnitten, erhalten aber noch keine bzw. nur eine leichte Grundgestaltung, bei der der eigenen Gestaltung noch kaum etwas vorweggenommen wird.

Findlinge / Yamadori

Wer genug Zeit und Geduld hat, sollte ein bis zwei Jahre vor dem Ausgraben des Baumes schon einmal um den Baum herum im Abstand von 15-30 cm mit einem Spaten in die Erde stechen und die Wurzeln kürzen, damit der Baum neue Wurzeln näher am Stamm bildet. Es kann nützlich sein, den Baum vor dem Ausgraben nochmal zu gießen, das schont die feinen Wurzeln. Das Ausgraben selbst sollte möglichst ohne Gezerre am Stamm erfolgen, um die besonders feinen Wurzeln zu erhalten. Während des Transports nach Hause müssen die Wurzeln feucht bleiben.

Zuhause kann dann vorsichtig die Erde aus dem Wurzelballen entfernt werden, nötigenfalls muss auch mit Wasser ausgewaschen werden. Die Pfahlwurzel kann jetzt schon gekürzt werden. Es empfiehlt sich, zur besseren Wurzelbildung im Anfangsstadium zusätzlich ein Bewurzelungshormon in die Erde mit einzubringen.

Bevor man sich einen Findling aneignet, muss unbedingt die Erlaubnis des Besitzers eingeholt werden. Einen Baum ohne Erlaubnis des Besitzers auszugraben ist illegal und kann somit strafrechtlich und auch zivilrechtlich verfolgt werden.

Siehe auch

Wiktionary
Wiktionary: Bonsai – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme und Übersetzungen

Literatur

  • Lesniewicz/Zhimin: Penjing, Miniaturbäume aus China, Heidelberg 1986
  • Benz/Lesniewicz: Chinesische Bonsai, Penjing, Blv Verlagsgesellschaft, 1994 ISBN 3405144477
  • John Yoshio Naka: Bonsai Technik Band 1, Verlag Bonsai Centrum Heidelberg, 1985 ISBN 3-924982-00-7
  • John Yoshio Naka: Bonsai Technik Band 2, Verlag Bonsai Centrum Gessner, 2007 (neu aufgelegt) ISBN 3-924982-09-0
  • Horst Stahl: Bonsai – Vom Grundkurs zum Meister, Doppelband Kosmos Verlag, 1992 ISBN 3440088758
  • Wolf-D. Schudde: Dem Baum eine Stimme geben – Die Kunst der Bonsai-Gestaltung., Medien Verlag Wolf-D. Schudde, Düsseldorf, 1995
  • Wolf-D. Schudde: European Bonsai – Auf dem Weg ins nächste Jahrtausend, Medien Verlag Wolf-D. Schudde, Düsseldorf, 1998
  • Werner M. Busch: Bonsai aus heimischen Bäumen und Sträuchern, BLV Verlagsgesellschaft mbH, ISBN 3405144558
  • Pius Notter: Bonsai Kunst und Technik, Basilus Verlag AG, Basel/Schweiz, 2. Auflage 1989, ISBN 3-85560-092-9
  • Pius Notter: Ein Leben für den Baum, Die Kunst Bäume zu gestalten, ISBN 3-85681-309-8, Fischer Media Verlag, Münsingen-Bern/Schweiz
  • Pius Notter/Georg Reinhard: Bonsai für Einsteiger, Pflege und Gestaltung, Fischer Media Verlag, Münsingen-Bern/Schweiz ISBN 3-85681-338-1
  • Manfred Roth: Bonsai Meisterschule, Naturbuch-Verlag, Augburg, ISBN 3-89440-290-3
  • Red Canzian: Bonsai, Unipart Verlag, Stuttgart, 2004 ISBN 3-8122-3394-0
  • Harry Tomlinson: Das BLV Bonsai Handbuch, BLV Verlagsges.mbH, München, 2004 ISBN 3-405-14850-2
  • Horst Daute: " Bonsai", Blv Verlagsges. mbH, München, 1999 ISBN 3-405-15338-7
  • Bernd-Michael Klagemann: Bonsai - Harmonie zwischen Mensch und Natur, bioverlag gesundleben, Hopferau, 1983, ISBN 3-922434-89-4
  • Yamada, Tomio: "Bunjin-Bonsai aus heutiger Sicht" in: Bonsai-Art Nr. 18
  • "Einheit von Felsen und Pflanze" in: Bonsai-Art [1] Nr.16


Weblinks

Commons
Commons: Bonsai – Bilder, Videos und Audiodateien

Quelle:
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