Bookcrossing

Bookcrossing und GPS-Schnitzeljagd
Bookcrossing und GPS-Schnitzeljagd

Bookcrossing ist eine weltweite Bewegung zur kostenlosen Weitergabe von Büchern an Bekannte, in der Regel aber an unbekannte Personen. Über eine zentrale Datenbank auf der Website des Projekts kann dabei der Weg des Buches von allen vorherigen Besitzern verfolgt werden.

Inhaltsverzeichnis

Ablauf

Bücher gehen mit Hilfe von Ballons auf die Reise beim Bochumer Jubiläumstreffen 2005
Bücher gehen mit Hilfe von Ballons auf die Reise beim Bochumer Jubiläumstreffen 2005

Jedes Buch wird, bevor es weitergegeben wird, auf der Bookcrossing-Webseite registriert und bekommt eine eigene BCID (BookCrossing-IDentitätsnummer). Gleichzeitig wird für das Buch eine eigene Internet(unter)seite angelegt, auf der der aktuelle und alle zukünftigen Besitzer ihre Kommentare zu dem Buch hinterlassen können.

Nachdem man das Buch mit einer handschriftlichen Bemerkung versehen oder ein Label eingeklebt hat, auf dem die BCID eingetragen ist, wird es an Freunde weitergegeben oder irgendwo in der Öffentlichkeit liegengelassen. Empfehlenswert sind dabei wettergeschützte Orte, da manche Bücher über längere Zeit nicht gefunden werden. In der Regel wird dieser "release" auch noch in die Datenbank eingetragen, damit andere Bookcrosser gezielt auf die Suche nach dem Buch gehen können.

Der Finder gibt die BCID auf der Webseite ein und kann dann nach Belieben auch noch dazuschreiben, wo er das Buch gefunden und wie es ihm ggf. gefallen hat. Dieser Kommentar wird auf der Seite des Buches gespeichert und per E-Mail automatisch an denjenigen, der das Buch registriert hat, sowie alle anderen Vorbesitzer geschickt. Auf diese Weise können der Werdegang des Buches sowie die Meinungen der Leser im Internet jederzeit nachgesehen werden. Allerdings wird nicht jedes Buch gefunden; manche gelten auch monatelang als verschwunden, bis sie doch wieder mit einem Eintrag auf der Projekt-Website auftauchen, andere tauchen nie wieder auf.

Das Registrieren von Büchern ist nur den angemeldeten Mitgliedern von Bookcrossing vorbehalten, einen Eintrag schreiben kann dagegen jeder als so genannter Anonymer Finder, sofern er die vollständige BCID kennt.

Das Profil jedes angemeldeten Benutzers zeigt das Bücherregal. Dort sind alle Bücher aufgelistet, die von dem entsprechenden Nutzer registriert wurden, sowie alle, die er gefunden oder geschickt bekommen hat. Bei jedem Buch ist ersichtlich, bei welchem Nutzer es sich gerade befindet oder ob es an einem öffentlich zugänglichen Ort zu finden ist.

Geschichte

Bookcrossing wurde von dem Amerikaner Ron Hornbaker erfunden, der am 21. April 2001, inspiriert von Wo ist George (Washington)[1] und Phototag[2], auf die Idee kam, Bücher "in die Freiheit zu entlassen" und so einen freien Buchclub zu gründen.

Anfangs begeisterten sich nur wenige für die Idee, aber nach einigen Artikeln in großen US-amerikanischen und auch deutschen Zeitungen, unter anderem Der Spiegel, die tageszeitung, Rheinische Post, c't, wuchs die Bewegung. Auch das Fernsehen mit Berichten über das Tübinger Treffen trug zum Anstieg der Mitgliederzahlen bei.

Inzwischen haben weltweit mehr als 565.800 Mitglieder über 4,0 Millionen Bücher registriert (Stand: Juni 2007). In Deutschland gibt es rund 34.500 Bookcrosser, die über 264.000 Bücher registriert haben (Stand: Dezember 2006).

Weitere Spielarten von Bookcrossing

Mit der Zeit haben sich innerhalb von Bookcrossing weitere Spielarten entwickelt. Das Grundprinzip (kostenlose Weitergabe von Büchern, Einträge in die Datenbank etc.) bleibt gleich; jedoch wird bei den meisten dieser Varianten das Buch nicht mehr ausgewildert, sondern per Post weiter geschickt (so genannter controlled release):

  • bei einem Bookring bietet der Initiator das Buch im Internet an und schickt es an den ersten Interessenten; dieser liest es, erfragt beim zweiten dessen Adresse und schickt es weiter. Der letzte schickt es dann wieder an seinen Ausgangspunkt zurück
  • ein Bookray funktioniert genauso, doch kann der Letzte in der Reihe nach Belieben über das Buch verfügen
  • eine Bookbox funktioniert ebenfalls wie ein Bookring, doch wird hier ein ganzes Paket mit Büchern (meist zu einem bestimmten Thema) auf die Reise geschickt. Der Empfänger nimmt die Bücher heraus, die ihn interessieren, füllt das Paket mit anderen Büchern zum gleichen Thema wieder auf und schickt das Paket weiter. Jedes entnommene und jedes hineingelegte Buch bekommt einen eigenen Journaleintrag wie beim gewöhnlichen „Auswildern“ üblich.
  • eine Bookspiral (Buchspirale) funktioniert ähnlich wie ein Bookring oder Bookray, doch wird hier eine Buchreihe verschickt. Zunächst wird das erste Buch versandt. Wenn der erste Empfänger es ausgelesen hat und weiterschickt, wird das zweite Buch zu ihm auf die Reise gebracht und so weiter.

Treffen, OBCZs und Projekte

Auf regionaler Ebene finden regelmäßig Treffen statt (meist einmal im Monat). Ein internationales Treffen in Deutschland gab es erstmals an Pfingsten 2004 in Tübingen. Die letzte derartige Veranstaltung fand vom 17.-20. Mai 2007 in Frankfurt/Main statt. Wo und wann solche regelmäßigen Treffen stattfinden, kann auf der deutschen Support-Webseite nachgesehen werden.

In Deutschland existieren seit 2003 etliche Bookcrossing-Zonen (OBCZ: Official BookCrossing Zone), in denen man „freigelassene“ Bücher findet. Führend sind derzeit Köln und München mit jeweils sieben OBCZs (Stand Juni 2007). Diese Zonen sind in der Regel Cafés oder Restaurants, die ein spezielles Regal oder sonst einen Platz für BC-Bücher reserviert haben. Wo sich die OBCZs in Deutschland genau befinden, kann auf der deutschen Support-Webseite nachgesehen werden.

In Stuttgart wurde ein unterstützendes Projekt gestartet, wodurch im Januar 2003 etwa 1.000 Bücher weitergegeben wurden. Die so genannte Glasbox war jedoch nur für eine Woche aufgebaut. [3]

Beim Corso der Lichtgestalten, einer Aktion, die auf Analphabetismus in Deutschland aufmerksam machen möchte, reiste eine Bookcrossing-Kiste mit.

Das CharityCrossing-Projekt verbindet das BookCrossing mit der Unterstützung von sozialen Projekten – ideell, durch die Verwendung von speziellen Buchetiketten (CharityLabels) und finanziell, indem man z.B. immer dann einen kleinen Betrag spendet, wenn ein freigelassenes Buch als gefunden registriert wird. Unterstützt werden vorrangig Hilfsorganisationen, die sich dafür einsetzen, dass Kinder in den ärmsten Ländern der Welt die Chance erhalten, eine Schule zu besuchen.

Deutsche Verlage, die Bookcrossing unterstützen

Der Goldmann Verlag, welcher rund 1000 Bücher des Autors Marc Costello, Paranoia, ausgesetzt hat. Die mit einem Extra-Cover versehenen Exemplare sind allerdings nicht direkt bei Bookcrossing registriert. [4]

Der Betzel Verlag stellt jeweils ein Exemplar seiner Neuerscheinungen für einen Buchring zur Verfügung, der von einem Bookcrossing-Paten betreut wird.[5]

Auch Literareon - der Verlag für Autoren (ein Imprint des Herbert Utz Verlags) in München stellt von allen Neuerscheinungen und vielen Titeln der Backlist ein Exemplar zur Verfügung. Er hat sogar in seinem Foyer eine eigene Bookcrossing-Zone dafür eingerichtet. Außerdem wurden im Rahmen der Münchner Bücherschau 2005 111 Exemplare von »Führerschein Jahrgang 1905« des früheren BR-Radiojournalisten Bernhard Ücker ausgesetzt.[6]

Siehe auch

Quellen

  1. http://www.wheresgeorge.com
  2. http://www.phototag.org
  3. http://www.bookcrossing.region-stuttgart.de
  4. http://www.bookcrossing.com/journal/1300288
  5. http://www.bookcrossing.com/mybookshelf/BetzelVerlag
  6. http://www.bookcrossing.com/mybookshelf/literareon

Weblinks

Quelle:
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