| Bosnisch (Bosanski jezik) | ||
|---|---|---|
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Gesprochen in |
Bosnien und Herzegowina
sowie teilweise in: |
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| Sprecher | 5.5 Millionen | |
| Linguistische Klassifikation |
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| Offizieller Status | ||
| Amtssprache in | Bosnien und Herzegowina | |
| Sprachcodes | ||
| ISO 639-1: | bs | |
| ISO 639-2: | bos | |
| ISO 639-3 (SIL): | bos hbs (Makrosprache, Serbokroatisch) |
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Bosnisch (bosanski jezik) ist eine Sprache aus dem slawischen Zweig (südslawisch) der indogermanischen Sprachen, basierend auf einem štokavischen Dialekt.
Bosnisch wird von ca. 2,5 Millionen Menschen in Bosnien und Herzegowina, wo es eine der drei Amtssprachen ist, als Muttersprache der Bosniaken gesprochen. Daneben wird es auch von in Serbien und Montenegro von etwa 245.000 Menschen gesprochen, in Westeuropa und den USA von etwa 150.000 Auswanderern, sowie von bis zu 3.000.000 Aussiedlern in der Türkei. Die Sprache wird nunmehr fast ausschließlich mit dem lateinischen Alphabet geschrieben, nur mehr sehr selten wird das kyrillische Alphabet verwendet. Die Bezeichnung „Bosnisch“ ist im ISO-639-Standard festgelegt.
Sowohl grammatikalischen Kriterien zufolge als auch im Wortschatz ist die bosnische Sprache der kroatischen und serbischen Sprache so ähnlich, dass sich alle Bosnischsprecher mühelos mit Sprechern des Serbischen und Kroatischen verständigen können. Aufgrund dessen ist umstritten, ob Bosnisch eine eigenständige Sprache oder eine nationale Varietät des Serbokroatischen ist. Aufgrund der gemeinsamen Geschichte von Bosnien, Kroatien und Serbien ist die Auffassung bezüglich der Eigenständigkeit der Sprache stets auch eine politisch gefärbte und wird daher abhängig vom politischen Standpunkt unterschiedlich bewertet.
Inhaltsverzeichnis |
Das Bosnische hat im Laufe seiner geschichtlichen Entwicklung neben lateinischer und kyrillischer Schrift auch verschiedene andere Alphabete verwendet: Bosančica (eine spezielle kyrillische Schrift, die vor allem in Bosnien-Herzegowina, aber auch in Dalmatien verwendet wurde), Begovica (die Schrift des Adels) und Arebica (eine Schrift, die stark an die arabische Schrift angelehnt war).
Bosnisch ist, vom Sprachgebrauch her, zwar linguistisch homogener als Kroatisch oder Serbisch, jedoch wurde es während des 19. Jahrhunderts, aus geschichtlichen Gründen, versäumt, eine Standardisierung der Sprache durchzuführen. Das erste bosnische Wörterbuch war ein bosnisch-türkisches Wörterbuch von Muhamed Hevaji Uskufi aus dem Jahr 1631.
Während die Arbeit Uskufis ein Einzelstück blieb, wurden beispielsweise kroatische Wörterbücher regelmäßig erweitert und neu aufgelegt. Dies hatte vor allem folgende Ursachen:
Ursache für den letzteren Punkt dürfte die Tatsache sein, dass Bosnien und Herzegowina lange Zeit abwechselnd mal zum Okzident, mal zum Orient gehörten. Das erklärt auch die Herkunft der arabischen Wörter, die in einer slawischen Sprache sonst eher selten anzutreffen sind. Da der Orient im Mittelalter kulturell und intellektuell weiter vorangeschritten war als der Okzident verwundert es nicht, dass die Elite orientalische Sprachen bevorzugte - stammte sie doch größtenteils aus eben jenem Raum.
Die Kodifizierungen der bosnischen Sprache während des 19. und 20. Jahrhunderts wurden meist außerhalb Bosnien-Herzegowinas entwickelt. Zum Jahrhundertwechsel kam es zur sogenannten "Bosnischen Renaissance", auf der die bosnische Sprache bis heute aufbaut: Es wurden vor allem Begriffe normiert, die eher der kroatischen als der serbischen Form ähnelten, d.h. es wurde die westlich-štokavisch-ijekavische Form mit lateinischer Schrift als Regel festgelegt, wobei aber auch viele spezifisch bosnische Begriffe eingebaut wurden. Die wichtigsten bosnischen Autoren dieser Zeit, die zur Normierung der Sprache beigetragen haben, waren Safvet-beg Bašagić, Musa Ćazim Ćatić und Edhem Mulabdić.
Während der Periode des sozialistischen Jugoslawiens, wurde nurmehr der Begriff Serbokroatisch verwendet. Dies war auf das panslawistische Projekt eines gemeinsamen Staates und einer gemeinsamen Sprache aller Südslawen abgerichtet. Innerhalb des Serbokroatischen überwog jedoch das Serbische, wobei die lateinische Schrift beibehalten wurde.
Seit der Trennung Jugoslawiens in verschiedene Nationalstaaten werden die vorher als Varianten bezeichneten Formen als verschiedene Sprachen anerkannt. Im Bosnischen wurden großteils die Regeln aus der Zeit vor dem Ersten Weltkrieg ("Bosnischen Renaissance") wiederhergestellt.
Das Bosnische zeichnet sich gegenüber dem Serbischen und Kroatischen vor allem durch eine etwas höhere Anzahl von Fremd- und Lehnwörtern aus dem Türkischen, Arabischen und Persischen (Turzismen) aus. Außerdem ist die Betonung des Buchstaben 'h' stärker ausgeprägt, als in den anderen beiden südslawischen Sprachen.
Hauptartikel: Unterschiede zwischen den serbokroatischen Standardvarietäten
Die bosnische Rechtschreibung ist großteils ähnlich der kroatischen oder der serbischen. Ein häufiger vorkommender Unterschied ist bei der Verwendung der Zukunfts-Form (Futur) gegeben. Während im Serbischen der Infinitiv mit dem Hilfswort "ću" verschmolzen wird, werden im Bosnischen und Kroatischen diese Wörter separat geschrieben, z.B.
Ein weiterer Unterschied besteht darin, dass beim Gebrauch fremdsprachlicher Eigennamen, z.B. "New York", diese Wörter im Bosnischen (wie auch im Kroatischen) in der originalen, unveränderten Schreibweise wiedergegeben werden, während im Serbischen diese Wörter transkribiert bzw. transliteriert werden, z.B. "Nju Jork".
Die bosnische Sprache verwendet (wie auch großteils Kroatisch und Ijekavischen Dialekt des Serbischen) den Ijekavischen Dialekt, während in Serbien der Ekavische Dialekt gebräuchlich ist, z.B.:
Daneben wird in der Bosnischen Sprache stärker der Konsonant 'h' betont, z.B.:
Bei der Verwendung von internationalen Wörtern gibt es einige Unterschiede, z.B.:
Einige Wörter sind im Bosnischen - wie auch im Serbischen - grammatikalisch männliches Geschlecht, während sie im Kroatischen grammatikalisch weiblich sind, z.B.:
Weiterhin gibt es weitere morphologische Unterschiede, die sich systematisch schwer einordnen lassen. Hier einige Beispiele:
Es gibt einige Vokabeln im Bosnischen, die sich grundsätzlich von den kroatischen oder serbischen Wörtern unterscheiden. Andererseits gibt es Vokabeln, die entweder die kroatische oder die serbische Form bevorzugen. Es existiert keine erlernbare Regel, in welchem Fall die kroatische und in welchem Fall die serbische Version zu verwenden ist. Dazu im Anschluss noch einige Beispiele:
Monatsnamen im Bosnischen sind ähnlich jenen im Deutschen, dagegen sind kroatische Monatsnamen an altslawische Jahreszeitbezeichnungen angelehnt. Kroatische Monatsnamen können nach dem Reglement aber als Synonyme verwendet werden, was in der Praxis jedoch selten getan wird. Im Serbischen sind die Monatsnamen dem Bosnischen weitgehend ähnlich, bis auf drei Ausnahmen:
Die Akzentuierung, also die Betonung der Wörter, ist in Bosnien und Herzegowina (aber auch in Kroatien, Serbien und Montenegro) je nach Region stark ausdifferenziert.
Die Betonung der Wörter ist somit nicht an Sprachen gebunden, seien dies Bosnisch, Kroatisch oder Serbisch, sondern an die unterschiedlichen Regionen.
Im Kroatischen wird nach modalen Hilfsverben mehrheitlich die Infinitivkonstruktion gewählt, die im Bosnischen und Serbischen oft mit "da" (dass) umschrieben wird. Im Bosnischen sind aber grundsätzlich jeweils beide Varianten zulässig, z.B.
Daneben gibt es in der bosnischen Sprache Unterschiede bei Zahlwörtern:
Das bosnische Alphabet hat 30 Buchstaben:
a, b, c, č, ć, d, dž, đ, e, f, g, h, i, j, k, l, lj, m, n, nj, o, p, r, s, š, t, u, v, z, ž.
Die Buchstaben q, w, x, y kommen nur in fremdsprachigen Eigennamen vor. Die Digraphen dž, lj und nj werden in der alphabetischen Ordnung jeweils als ein einziger Buchstabe behandelt. Es gibt nur eine sehr geringe Anzahl von Wörtern, in denen diese Zeichengruppen zwei getrennte Laute bezeichnen und deshalb als zwei Buchstaben behandelt werden müssen (z.B. "nadživjeti" - jemanden überleben).
Die Mehrzahl der Buchstaben werden im Großen und ganzen wie im Deutschen ausgesprochen.
| Buchstabe | Lautschrift | Beschreibung |
|---|---|---|
| a | /a/ | wie deutsches a |
| b | /b/ | immer stimmhaft |
| c | /ts/ | immer /ts/, wie deutsches z |
| č | /tʃ/ | tsch |
| ć | /tɕ/ | ähnlich wie tch oder tj in Brötchen oder tja; oft schwer vom č zu unterscheiden |
| d | /d/ | immer stimmhaft |
| dž | /dʒ/ | dsch wie in Dschungel |
| đ | /dʑ/ | sehr weiches dj; oft schwer vom dž zu unterscheiden |
| e | /ɛ/ | (im Vergleich mit dem Deutschen) immer offen |
| f | /f/ | wie deutsches f |
| g | /ɡ/ | immer stimmhaft |
| h | /x/ | immer hinteres "ach"-H, recht schwache Friktion |
| i | /i/ | wie deutsches i |
| j | /j/ | oft wie kurzes, unbetontes i ausgesprochen |
| k | /k/ | weniger aspiriert als im Deutschen |
| l | /l/ | dumpfer (velarer) als im Deutschen; deutsches l wird oft als lj missinterpretiert |
| lj | /ʎ/ | zu einem Laut verschmolzen: palataler lateraler Approximant |
| m | /m/ | wie deutsches m |
| n | /n/ | wie deutsches n |
| nj | /ɲ/ | zu einem Laut verschmolzen: stimmhafter palataler Nasal |
| o | /ɔ/ | (im Vergleich mit dem Deutschen) immer offen |
| p | /p/ | weniger aspiriert als im Deutschen |
| r | /r/ | gerolltes Zungen-r. Kann auch als vokalisches (silbisches) R eine Silbe bilden und dabei lang oder kurz, betont oder unbetont sein. Beispiel: /kr̩k/ (Krk) |
| s | /s/ | immer stimmlos wie deutsches ß |
| š | /ʃ/ | sch |
| t | /t/ | weniger aspiriert als im Deutschen |
| u | /u/ | wie deutsches u |
| v | /ʋ/ | immer stimmhaft wie deutsches w |
| z | /z/ | stimmhaftes s |
| ž | /ʒ/ | stimmhaftes sch |
Grammatikalisch betrachtet hat das Bosnische sieben Fälle (Kasus): Nominativ, Genitiv, Dativ, Akkusativ, Vokativ, Instrumental und Lokativ. Die Grammatik ist - bis auf wenige Ausnahmen - fast identisch mit jener des Kroatischen und des Serbischen.
Die Bezeichnung "bosnische Sprache" (bosn. bosanski jezik) ist bei vielen Sprachwissenschaftlern sehr umstritten. Viele serbische oder kroatische Strömungen bevorzugen die Bezeichnung "bosniakische Sprache" ("bošnjački jezik"), weil nach deren Ansicht die Sprache nicht von allen Bosniern, sondern nur von Bosniaken gesprochen wird, und damit ein Versuch der Assimilierung durch politische Entscheidungen bzw. Minderheitenunterdückung bedeutet. Einige Sprachexperten wiederum stellen die Existenz der Sprache überhaupt in Frage, vor allem weil in der Sprache die kulturellen Unterschiede aus politischen Gründen zusammengefasst wurden.
Die Bezeichnung "Bosnisch" ist allerdings international anerkannt und ist im Daytoner Friedensvertrag, sowie in der Verfassung von Bosnien-Herzegowina als "Bosnisch", und nicht als "Bosniakisch", festgelegt.
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