Boulevardtheater

Das Boulevardtheater ist eine im Paris des ausgehenden 18. Jahrhunderts entstandene Theaterform. Der Ausdruck Boulevardtheater bezeichnet eher Spielstätten oder Institutionen als ein spezifisches Theatergenre. Er hängt mit der Urbanisierung und der Emanzipation der bürgerlichen Unterhaltungsformen zusammen. Im Unterschied zu den hölzernen Schaubuden auf den Jahrmärkten hatten die Boulevardtheater feste, aus Stein gebaute, repräsentative, aber zumeist privat geführte Häuser.

Am Pariser Boulevard du Temple entstanden große privatwirtschaftliche Bühnen wie das Théâtre de l'Ambigu-Comique (1769) oder das Théâtre de la Gaîté (1792), die dem Melodram und der Pantomime, oft auch in Mischformen mit Zirkus-Darbietungen, gewidmet waren. Sie lösten die Spielstätten des Pariser Jahrmarktstheaters ab. Andere europäische Städte wie Wien und Berlin schlossen sich dieser Entwicklung an.

Das typische Genre der Boulevardtheater nennt man Boulevardstück. Die „ernste“ Seite des Boulevardtheaters, das aus Abenteuer- und Kriminalstücken bestand, ist heute oft nicht mehr gegenwärtig. Der Ausdruck Boulevardstück wird daher zumeist als grobe Komödie, als Burleske oder Schwank, verstanden.

Oft wird Boulevardtheater mit den Vaudevilles und Farces des zweiten Kaiserreichs gleichgesetzt, die in jenen kleineren Unterhaltungstheatern aufgeführt wurden, die die Neugestaltung der Boulevards durch Georges-Eugène Haussmann überstanden wie die Folies Concertantes (1851) oder dort neu gebaut wurden. Im Französischen hat Boulevardtheater nicht den negativen Anstrich, den es im Deutschen besitzt, und kann sich auf aktuelles Zeittheater in einem respektablen Rahmen beziehen.

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