| Wappen | Deutschlandkarte | |
|---|---|---|
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| Basisdaten | ||
| Bundesland: | Niedersachsen | |
| Landkreis: | Kreisfreie Stadt | |
| Koordinaten: | 52° 16′ N, 10° 31′ O | |
| Höhe: | 75 m ü. NN | |
| Fläche: | 192,13 km² | |
| Einwohner: | 240.171 (31. Dez. 2006) | |
| Bevölkerungsdichte: | 1250 Einwohner je km² | |
| Postleitzahlen: | 38100–38126 (alt: 3300) | |
| Vorwahlen: | 0531, 05307, 05309 | |
| Kfz-Kennzeichen: | BS | |
| Gemeindeschlüssel: | 03 1 01 000 | |
| Stadtgliederung: | 20 Stadtbezirke | |
| Webpräsenz: | ||
| Oberbürgermeister: | Gert Hoffmann (CDU) | |
Braunschweig (niedersächsisch: Brunswiek) ist eine Großstadt in Norddeutschland im Südosten des Bundeslandes Niedersachsen. Mit ca. 240.000 Einwohnern ist sie nach Hannover die zweitgrößte Stadt und eines der Oberzentren Niedersachsens.
Die Ursprünge der Stadt gehen, nach Lage neuerer archäologischer Funde, bis in das frühe 9. Jahrhundert zurück. Insbesondere durch Heinrich den Löwen, der Braunschweig Mitte des 12. Jahrhunderts zu seiner Residenz wählte, entwickelte sich das Gemeinwesen schnell zu einer mächtigen und einflussreichen Handelsmetropole, die ab Mitte des 13. Jahrhunderts der Hanse angehörte. Bis 1671 war die Stadt selbstständig, wobei ihre politische Stellung der einer freien Reichsstadt gleichkam.
Bis Anfang November 1918 war Braunschweig Residenz des Herzogtums Braunschweig-Lüneburg. Nach der Abdankung des letzten Herzogs war sie Hauptstadt des Freistaates Braunschweig, bis dieser 1946 aufgelöst wurde, um im neu geschaffenen Bundesland Niedersachsen aufzugehen. Bis zur Auflösung des Landkreises Braunschweig im Jahr 1974 war Braunschweig Sitz der Kreisverwaltung, gehörte als kreisfreie Stadt dem Landkreis jedoch selbst nicht an. Vor der Auflösung der Bezirksregierungen in Niedersachsen zum 31. Dezember 2004 war Braunschweig auch Sitz der Bezirksregierung des gleichnamigen Regierungsbezirks. Die Stadt ist Sitz des Oberlandesgerichts.
Braunschweig ist Teil der 2005 gegründeten und von der deutschen Ministerkonferenz für Raumordnung (MKRO) offiziell anerkannten Metropolregion Hannover-Braunschweig-Göttingen. Der Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft hat Braunschweig den Titel „Stadt der Wissenschaft“ 2007 verliehen. Nach einem Bericht von Eurostat, dem Statistischen Amt der Europäischen Gemeinschaften, aus dem Jahre 2006, verfügt die Region Braunschweig im gesamten Europäischen Wirtschaftsraum (EWR) mit weitem Abstand über die höchste Intensität auf dem Gebiete der Forschung und Entwicklung (F&E). So werden in Braunschweig 7,1 % des Bruttoinlandsproduktes (BIP) dafür aufgewendet.[1]
Braunschweig liegt im nördlichen Harzvorland zwischen dem Nordrand der deutschen Mittelgebirge mit ihren schwach hügeligen Ausläufern und dem Übergang zum Norddeutschen Tiefland, in einem Alluvialtal auf zum Teil brüchigen, ehemals sumpfigen Böden zu beiden Seiten des Flusses Oker. Im Süden wird die Oker durch ein Wehr gestaut und umfließt den Stadtkern westlich und östlich in zwei Umflutgräben, die zur besseren Verteidigung im Mittelalter angelegt wurden und sich im Nordwesten der Stadt wieder vereinigen. Durch zwei weitere Wehre wird der Wasserstand im Stadtgebiet reguliert. Weitere Gewässer sind die Wabe und Mittelriede, die in Braunschweig in die Schunter münden.
Das Stadtgebiet erstreckt sich über eine Fläche von 192 km², umschlossen von einer Stadtgrenze mit einer Länge von 98 km. Die Nord-Süd Ausdehnung beträgt 19,1 km und die West-Ost Ausdehnung 15,7 km. Das innere Stadtgebiet befindet sich auf einer mittleren Höhe von 70 m über Normalnull. Die höchste Erhebung bildet der Geitelder Berg mit einer Höhe von 111 m über Normalnull, die tiefste Stelle ist eine alte Okerschleife mit 62 m über NN im Nordosten.[2]
Im Uhrzeigersinn, beginnend im Nordosten, grenzen folgende Gemeinden an Braunschweig: Lehre (Landkreis Helmstedt), Cremlingen, Sickte (Samtgemeinde Sickte) und Wolfenbüttel (alle Landkreis Wolfenbüttel), Salzgitter (Kreisfreie Stadt), Vechelde und Wendeburg (Landkreis Peine) sowie Schwülper, Vordorf und Meine (alle Samtgemeinde Papenteich, Landkreis Gifhorn).
Nächstgelegene Großstädte sind Wolfsburg, etwa 35 km nordöstlich, Hannover, etwa 65 km west-nordwestlich, Hildesheim, etwa 45 km westlich, Magdeburg, etwa 90 km östlich und Göttingen, etwa 110 km südwestlich von Braunschweig.
Das Stadtgebiet wurde am 1. November 1981 gemäß § 55 der Niedersächsischen Gemeindeordnung (NGO) in 20 Stadtbezirke eingeteilt. Jeder Bezirk verfügt über einen von der Bevölkerung gewählten Stadtbezirksrat mit einem Bezirksbürgermeister als Vorsitzenden. Die Stadtbezirksräte haben je nach Einwohnerzahl ihres Bezirks zwischen 7 und 19 Mitglieder. Sie sind zu allen wichtigen, den Stadtbezirk betreffenden Angelegenheiten, zu hören. Ursprünglich existierten 22 Stadtbezirke, im November 1991 entstand Lehndorf-Watenbüttel durch Verschmelzung zweier Bezirke. Im November 2001 wurde die Gesamtzahl durch eine weitere Zusammenlegung von zwei Bezirken zu Südstadt-Rautheim-Mascherode auf die heutige Anzahl reduziert.
Die 20 Stadtbezirke mit ihren amtlichen Nummern [3]:
Für die 1974 eingemeindeten 22 Ortschaften wurden zu diesem Zeitpunkt 12 Ortschaften mit je einem Ortsrat gebildet. Diese Orträte blieben bis 1981 bestehen und gingen in dann den Stadtbezirken auf.
Für statistische Zwecke ist das Stadtgebiet Braunschweig in insgesamt 74 statistische Bezirke eingeteilt, die fortlaufend nummeriert sind und meist historische Namen tragen:
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Braunschweig liegt innerhalb der gemäßigten Breiten im Übergangsbereich zwischen ozeanisch und kontinental geprägten Gebieten. Die durchschnittliche Jahrestemperatur beträgt 8,8 °C, die durchschnittliche Luftfeuchtigkeit 79 %. Es gibt im Jahr wesentlich mehr Frosttage (Tiefsttemperatur unter 0 °C, 74 Tage) als Sommertage (Höchsttemperatur über 25 °C, 25 Tage). In durchschnittlich 189 Tagen mit Niederschlag fallen im Jahr insgesamt 618 mm Regen.[4]
Siehe auch: Einwohnerentwicklung von Braunschweig
1867 hatte Braunschweig mehr als 50.000 Einwohner. 1890 überschritt die Einwohnerzahl die Grenze von 100.000, wodurch sie zur Großstadt wurde. Bis 1939 verdoppelte sich diese Zahl auf 200.000. Im Oktober 1944 lebten in der bereits stark zerstörten Stadt noch ca. 150.000 Menschen [5]. Die Bevölkerungszahl erreichte 1974 durch die Gebietsreform mit 271.213 ihren bisherigen Höchststand. Am 31. Dezember 2006 betrug die „Amtliche Einwohnerzahl“ für Braunschweig nach Fortschreibung des Niedersächsischen Landesamtes für Statistik 245.467 (nur Hauptwohnsitze und nach Abgleich mit den anderen Landesämtern). Somit ergibt sich eine Bevölkerungsdichte von 1.278 Menschen pro Quadratkilometer.
Zum Teil wird von der Bevölkerung noch das Brunswieker Platt gesprochen. Als anerkannte Minderheitensprache gemäß der Europa Charta wird es offiziell als Ostfälisch bezeichnet. Das mundartlich gefärbte Hochdeutsch der Braunschweiger Region wird Braunschweigisch genannt. Allgemein gilt das in der Region Braunschweig-Celle-Hannover gesprochene Hochdeutsch als bundesweit am reinsten.
Siehe auch Hauptartikel: Geschichte der Stadt Braunschweig
Die ältesten Funde im Braunschweiger Land, die sogenannten Schöninger Speere, haben ein Alter von bis zu 270.000 Jahren. Aber auch im Stadtgebiet selbst, insbesondere in der Umgebung des heutigen Stadtteils Wenden, wurden Funde aus der Jungsteinzeit, der Bronze- und der Eisenzeit gemacht, die auf eine sehr frühe erste Besiedlung hindeuten.
In germanischer Zeit war das heutige Braunschweiger Land wahrscheinlich Siedlungsgebiet der Cherusker und der Angrivarier, evtl. auch der Elbgermanen. Diese wurden jedoch alle nach und nach unterworfen, vertrieben oder schlossen sich dem Sachsenbund an. Die Sachsen waren ab etwa 500 n. Chr. auch die dominierende Macht in der Region. Seit dieser Zeit sind auch sächsische Siedlungen nachweisbar. Unklar ist, ob damals bereits ein Dorf an der Stelle des heutigen Braunschweig bestand, welches dann im Laufe der Sachsenkriege zerstört wurde.
Großen Einfluss auf die Stadtgründung und Entwicklung hatte die die Stadt durchfließende Oker. Diese stellte seit etwa 800 n. Chr. die Grenze zwischen den Bistümern Halberstadt und Hildesheim dar und begünstigte durch eine für den Handel wichtige Furt die Entwicklung der Stadt. Auf beiden Seiten der Oker entstanden wahrscheinlich schon im 9. Jahrhundert die Siedlungen Brunswik und Dankwarderode. Der Legende der Braunschweigischen Reimchronik zufolge soll die erste Siedlung auf dem Gebiet des heutigen Braunschweig im Jahre 861 gegründet worden sein. Die Seriosität dieser Quelle wird heute jedoch von Experten bezweifelt, weshalb das Jahr 1031 als erster urkundlicher Nachweis der Existenz einer Siedlung gilt. Die Grundlage dafür ist die Weiheurkunde der Magnikirche.
Seit dem 10. Jahrhundert stellten die Brunonen, Nachfahren des sagenhaften Stadtgründers Brun(o), die Herrscher Braunschweigs. Über die Nichte Richenza von Northeim des Brunonen Ekbert II. und deren Enkelin Gertrud von Süpplingenburg ging die Stadt Braunschweig und das gesamte Herzogtum Sachsen 1142 an Heinrich den Löwen, Herzog von Sachsen und Bayern
Unter dem Einfluss Heinrichs entwickelte sich Braunschweig zu einer mächtigen Stadt, welche er zu seiner Residenz ausbaute. So ließ er die Burg Dankwarderode erweitern und den Braunschweiger Dom errichten. Heinrich erlangte soviel Macht, dass er den Löwen zu seinem Wappentier wählte und dessen bronzenes Abbild, den Braunschweiger Löwe, um 1166 vor dem Dom, auf dem Burgplatz, aufstellen ließ. Seitdem ist der Löwe das Wahrzeichen und Wappentier der Stadt.
Auch das Herzogtum Braunschweig-Lüneburg geht auf Heinrich den Löwen zurück und war Teil des Landes der Welfen. Namensgebend waren die beiden größten Städte Braunschweig und Lüneburg. Bereits 1267/69 kam es zur Teilung des Herzogtums in die Fürstentümer Lüneburg und Braunschweig. Die Stadt Braunschweig blieb gemeinsames Herrschaftsgebiet, aber auch Residenz der Braunschweigischen Linie der Welfen.
1432 erhielt Braunschweig seine städtische Unabhängigkeit, nachdem die Landesherren ihre Residenz aufgrund zunehmender Spannungen mit der Braunschweiger Stadtbevölkerung in das nahe Wolfenbüttel verlegten. Braunschweig galt neben Paris und Gent als eine der unruhigsten Städte des spätmittelalterlichen und frühneuzeitlichen Europa, da immer wieder Verfassungskonflikte durch revolutionäre Bürgerunruhen, die Braunschweiger Schichten, ausbrachen.
Wirtschaftlich entwickelte sich Braunschweig durch seine günstige Lage an der Oker, die ab Braunschweig schiffbar war. Hierdurch entwickelte sich Braunschweig zu einer wichtigen Handelsstadt, was ab Mitte des 13. Jahrhunderts auch zur Mitgliedschaft in der Hanse führte. Nach dem Beschluss des Hansetages 1494 teilte sich die Hanse statt in drei (Dritteln) nun in vier (Quartiere) Machtblöcke. Braunschweig führte das sogenannte „Sächsische Quartier“ und damit die mitteldeutschen Städte des sächsischen Städtebundes an. 1669 gehörte Braunschweig zu den letzten neun in der Hanse verbliebenen Städten.
1671 eroberte eine Streitmacht der Welfen-Fürsten die Stadt und stellte sie wieder unter die Herrschaft des Fürstentum Braunschweig-Wolfenbüttel. Damit war die Epoche der unabhängigen, nahezu reichsunmittelbaren Stadt Braunschweig beendet. 1753 wurde auch der Residenzsitz zurück nach Braunschweig in das neu gebaute Braunschweiger Schloss verlegt. Über 4000 Personen folgten der herzoglichen Familie und siedelten ebenfalls nach Braunschweig über, was gleichzeitig den Niedergang Wolfenbüttels zur Folge hatte.
Nach dem Frieden von Tilsit (1807) und der Schaffung des Königreiches Westphalen durch Napoléon Bonaparte wurden Stadt und Herzogtum Braunschweig von den Franzosen besetzt und Braunschweig Hauptstadt des neu gestalteten Départements Oker. Während der Befreiungskriege zogen 1813 Braunschweigische Truppen unter Führung Johann Elias Olfermanns in der Stadt ein und stellten das alte Herzogtum Braunschweig für Herzog Friedrich Wilhelm wieder her. Durch den Wiener Kongress im folgenden Jahr wurde dies bestätigt und die Stadt zunächst der Kreisdirektion Wolfenbüttel zugeteilt.
1825 erhielt die Stadt den Status einer landesunmittelbaren Stadt. 1833 wurde sie Sitz einer eigenen Kreisdirektion (aus der später der Landkreis Braunschweig hervorging), bevor sie 1850 erneut landesunmittelbar wurde. Ab 1870 gehörte die Stadt endgültig zur Kreisdirektion Braunschweig. Nachdem das Herzogtum 1866 im Deutschen Krieg auf der Seite Preußens stand, was zu einem Bruch mit dem Haus Hohenzollern führte, wurde 1871 aus dem Herzogtum ein Bundesstaat des Deutschen Reiches.
Da Welfenherzog Wilhelm 1884 ohne legitimen Erben verstorben war, übernahm zunächst ein Regentschaftsrat bis zur Aussöhnung zwischen den Hohenzollern und dem Haus Hannover im Jahre 1913 die Regierungsgeschäfte in Braunschweig.
Ebenso wie im Rest des Deutschen Kaiserreiches kam es gegen Ende des Ersten Weltkrieges in Braunschweig zu einer wirtschaftlichen, sozialen und politischen Krise, die zur Novemberrevolution in Braunschweig führte. Nachdem der Arbeiter- und Soldatenrat unter August Merges am 8. November 1918 die Abdankung des letzten Herzogs, Ernst August von Braunschweig-Lüneburg erzwungen hatte, übernahm der Rat die politische Führung und rief die „Sozialistische Republik Braunschweig“ unter Führung des Präsidenten Merges aus.
Die Lage in der Stadt Braunschweig spitzte sich zu, als die Spartakisten am 9. April 1919 einen Generalstreik ausriefen. Der Streik führte dazu, dass die Züge nicht mehr abgefertigt wurden und damit der wichtige Ost-West-Verkehr blockiert wurde. Die Folge war ein Rückstau, der in ganz Deutschland ein Verkehrschaos auslöste. Ab dem 11. April kam das öffentliche Leben in der Stadt zum Erliegen. Um Recht und Ordnung wieder herzustellen, verhängte die Reichsregierung den Belagerungszustand über die Stadt und den Freistaat Braunschweig. Am 17. April rückten 10.000 Mann der Freikorps-Truppen in der Stadt ein und übernahmen sie friedlich. Nach der Bildung einer neuen Regierung unter Ministerpräsident Heinrich Jasper, verließen die Truppen Braunschweig bereits im Mai wieder.
In Folge der durch die Hyperinflation ausgelöste Teuerungswelle, Arbeitslosigkeit und Armut kam es 1922 zu schweren Unruhen in der Stadt. Politisch gewann seit 1923 die NSDAP immer mehr an Einfluss und zog bereits ein Jahr später in den Braunschweigen Landtag. 1931 kam es in Anwesenheit Adolf Hitlers zu einem Aufmarsch von ca. 100.000 SA-Leuten vor dem Braunschweiger Schloss. Obwohl die Bevölkerung der Stadt Braunschweig eher proletarisch geprägt war, gelang der NSDAP bereits 1930 eine Regierungsbeteiligung im Freistaat Braunschweig, welche für die Einbürgerung Adolf Hitlers verantwortlich ist.
Unter dem Kabinett Klagges kam es bereits 1933 zu einer brutalen Verfolgung von politischen Gegnern und anderen unerwünschten Personengruppen. Besonders bedeutsam sind in diesem Zusammenhang die Rieseberg-Morde vom 4. Juli 1933. Klagges’ Ziel war der Aufbau eines nationalsozialistischen Musterstaates und damit die Festigung seiner eigenen Position. Hierzu errichtete er Mustersiedlungen wie Lehndorf, holte wichtige nationalsozialistische Institutionen wie die Deutsche Versuchsanstalt für Luftfahrt oder eine SS-Junkerschule in die Stadt und baute Braunschweig zu einem Rüstungszentrum des Dritten Reiches aus.
Während des Zweiten Weltkrieges war Braunschweig zahlreichen Bombenangriffen ausgesetzt, wobei etwa 90% der Innenstadt zerstört wurden. Der verheerendste war der Bombenangriff auf Braunschweig am 15. Oktober 1944, bei dem 233 Lancaster-Bomber der No. 5 Bomber Group Royal Air Force (RAF) durch den Abwurf von ca. 200.000 Phosphor-, Brand- und Sprengbomben einen 2½ Tage wütenden Feuersturm entfachten. Über 1000 Menschen kamen bei diesem Angriff ums Leben. Während des gesamten Krieges fanden ca. 3.500 Menschen durch Bombenangriffe den Tod, wobei fast die Hälfte der Toten Kriegsgefangene, Zwangsarbeiter und KZ-Häftlinge waren.
Zu Beginn des Zweiten Weltkrieges hatte Braunschweig 202.284 Einwohner; bei Kriegsende hatte sich diese Zahl um 26,03 % auf 149.641 verringert. Die Stadt gehört zu den am schwersten zerstörten deutschen Städten. Der Zerstörungsgrad der Innenstadt (innerhalb des Okerringes) lag bei 90 %, der Gesamtzerstörungsgrad der Stadt bei 42 %. Die Gesamttrümmermenge belief sich auf 3.670.500 m³[6]. Die Trümmerräumung dauerte 17 Jahre, bis diese 1963 offiziell für beendet erklärt wurde. Tatsächlich jedoch wurden sie aber noch Jahrzehnte danach in geringerem Umfang fortgesetzt.
Durch den akuten Bedarf an Wohnraum schritt der Wiederaufbau in den 1950/60ern schnell voran. Da die Innenstadt nahezu vollständig zerstört war, ergriffen neue, aber ideenlose Stadt- und Raumplaner ihre Chance und entwarfen und bauten die neue, moderne, und v. a. „autogerechte Stadt“, wobei sie u. a. die Maxime der sogenannten Braunschweiger Schule umzusetzen versuchten. Hierzu wurde erheblich in den Restbestand der über Jahrhunderte gewachsenen Stadtlandschaft eingegriffen, was wiederum an vielen Stellen zu weiteren Zerstörungen führte (u. a. durch neu angelegte Straßenschneisen). So wurden z. B. intakte Gebäude abgerissen und ein neuer Hauptbahnhof weit ab vom Stadtzentrum angelegt. Diese nachträgliche Zerstörung historischen Bau- und Kulturgutes in Friedenszeiten, führte zu einem weiteren Identitätsverlust der örtlichen Bevölkerung und war jahrzehntelang Anlass für sehr kontrovers geführte Diskussionen.
¹ die restlichen Gemeinden des Landkreises Braunschweig wurden den Nachbarlandkreisen eingegliedert
An der Spitze der Stadt Braunschweig stand ursprünglich ein herzoglicher Vogt, doch wurde das Amt bereits im 12. Jahrhundert an Bürger verliehen. Einen Rat gab es in den drei Weichbilden Altstadt, Hagen und Neustadt in der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts. Die drei Räte schlossen sich 1269 zu einem einzigen Rat zusammen. Die Zusammensetzung des Rates variierte im Laufe der Geschichte mehrfach, 1386 hatte er 105 Mitglieder, ab 1614 nur noch 56. Die laufende Verwaltung oblag einem Ausschuss des Rates, dem „Engen Rat“, der ab 1386 25, ab 1614 15 Mitglieder hatte. Nachdem die Stadt 1671 ihre Unabhängigkeit verloren hatte, gab es nur noch einen aus 16 Senatoren bestehenden Rat, der vom Herzog zu bestätigen war. Dem Rat stand ein Bürgermeister vor.
Während der Zeit der französischen Besetzung Braunschweigs von 1807 bis November 1813, war Braunschweig die Hauptstadt des Départements Oker, das wiederum zum Königreich Westfalen gehörte. Es galt die „Maire-Verfassung“, mit einem „Maire“ (Bürgermeister) an der Spitze der Stadt. Danach wurde die alte Verfassung mit dem Rat, der sich nunmehr „Stadtgericht“ nannte, wieder eingeführt. Nach Trennung von Justiz und Verwaltung im Jahre 1825, führte der Rat die Bezeichnung Magistrat. Bereits ab 1813 trug das Stadtoberhaupt den Titel „Stadtdirektor“, seit 1848 hat Braunschweig einen „Oberbürgermeister“. Während des Zeit des Nationalsozialismus wurde das Stadtoberhaupt von der NSDAP eingesetzt.
1946 führte die Militärregierung der Britischen Besatzungszone die Kommunalverfassung nach britischem Vorbild ein. Danach gab es einen von der Bevölkerung gewählten Rat. Dieser wählte aus seiner Mitte den Oberbürgermeister als Vorsitzenden und Repräsentanten der Stadt, welcher ehrenamtlich tätig war. Daneben gab es ab 1946 einen ebenfalls vom Rat gewählten hauptamtlichen Oberstadtdirektor als Leiter der Stadtverwaltung.
2001 wurde in Braunschweig die Doppelspitze in der Stadtverwaltung aufgegeben. Seither gibt es nur noch den hauptamtlichen Oberbürgermeister. Dieser ist Leiter der Stadtverwaltung und oberster Repräsentant der Stadt. Er wird seit 2001 direkt von der Bevölkerung gewählt. Es gibt jedoch weiterhin einen eigenen Vorsitzenden des Rates, der nach jeder Kommunalwahl bei der konstituierenden Sitzung des Rates aus dessen Mitte gewählt wird.
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[1] Maire [2] Stadtdirektor [3] kommissarischer Oberbürgermeister [4] zweite Amtszeit
Bei der Direktwahl des Oberbürgermeisters bei den Kommunalwahlen am 10. September 2006 wurde folgendes Ergebnis erzielt (Wahlbeteiligung 49,3 %).[7]
| Kandidat und Partei | Absolute Stimmen | Relative Stimmen |
|---|---|---|
| Gert Hoffmann (CDU) | 55.301 | 58,0 % |
| Friedhelm Possemeyer (SPD) | 25.126 | 26,3 % |
| Gisela Witte (Bündnis 90/Die Grünen) | 6.555 | 6,9 % |
| Uwe Meier (Bürgerinitiativen Braunschweig) | 5.241 | 5,5 % |
| Udo Sommerfeld (Linkspartei) | 3.146 | 3,3% |
Somit wurde Gert Hoffmann im Amt des Oberbürgermeisters bestätigt. Die FDP kandidierte bei der Oberbürgermeisterwahl nicht.
Die Wahlbeteiligung bei der Wahl des Stadtrates lag bei 49,3 %, dies waren 1 % mehr als bei der vorherigen Wahl. Der Stadtrat mit insgesamt 52 Sitzen setzt sich seitdem wie folgt zusammen.[8]
| Fraktionen | Absolute Stimmen | Relative Stimmen | Sitze im Rat |
|---|---|---|---|
| CDU | 122.781 | 44,5 % | 23 |
| SPD | 80.434 | 29,2 % | 15 |
| Bündnis 90/Die Grünen | 26.919 | 9,8 % | 5 |
| Bürgerinitiativen Braunschweig | 19.235 | 7,0 % | 4 |
| FDP | 13.957 | 5,1 % | 3 |
| Die Linke | 12.027 | 4,4 % | 2 |
Gemäß der Hauptsatzung der Stadt Braunschweig vom 11. Dezember 2001[9] gilt bzgl. des Wappens Folgendes:
„Die Stadt führt als Wappen im silbernen Schilde einen steigenden links (heraldisch rechts) gewendeten roten Löwen mit weißen Zähnen, roter Zunge und schwarzen Krallen. Die Schildbreite verhält sich zur Schildhöhe wie 6 : 7. Für die heraldische Gestaltung des Wappens ist der Wappenbrief vom 15. Oktober 1438 maßgebend.“
Dieses Stadtwappen ist seit mindestens 1366/67 bekannt und seither – lediglich mit einigen stilistischen Veränderungen – in Gebrauch. Es wurde von König Albrecht II. im o. g. Wappenbrief von 1438 bestätigt. Neben der Gesamtstadt führen auch die fünf Weichbilde Altewiek, Altstadt, Hagen, Neustadt und Sack eigene Wappen, die sämtlich Variationen des Löwenmotivs zeigen. [10].
Weiter führt die Hauptsatzung bzgl. der Farben der Stadt aus:
„Die Farben der Stadt sind Rot und Weiß. Die Stadtflagge zeigt in gleichbreiten Querstreifen oben die Farbe Rot und unten die Farbe Weiß.“
Neben dem im Wappenbrief enthaltenen Wappen, zeigt dieser auch die Farben der Stadt. Neben dieser offiziellen Stadtflagge führen allerdings die fünf Weichbilde, die Bürgergarde und die Stadtverwaltung eine Vielzahl weiterer (eigener) Flaggen, die, gleich dem Wappen, wiederum Variationen des Löwenmotivs aufweisen.[10].
Der Braunschweiger Löwe ist das Wahrzeichen Heinrichs des Löwen, der die Stadt im Mittelalter zu einem bedeutenden Gemeinwesen ausbaute. So wurde der Löwe auch zum Wahrzeichen Braunschweigs. Auf der wahrscheinlich um 1300 entstandenen Ebstorfer Weltkarte ist Braunschweig mit dem Löwenstandbild und darüber stehend „Leo“ eingezeichnet – so bekannt war der Braunschweiger Löwe bereits im ausgehenden Mittelalter. Die heutige offizielle Festlegung als Wahrzeichen der Stadt erfolgte erst 1953 in der Hauptsatzung der Stadt.
Als „inoffizielles“, aber ebenfalls sehr altes Wahrzeichen der Stadt, gelten die Türme der Andreaskirche, die von alters her schon von weitem den Weg nach Braunschweig wiesen.
Braunschweig unterhält mit folgenden Städten eine Städtepartnerschaft bzw. -freundschaft:
| Bandung, Indonesien, seit 1960 | |
| Nîmes, Frankreich, seit 1962 | |
| Bath, England, Vereinigtes Königreich, seit 1971 | |
| Sousse, Tunesien, seit 1980 | |
| Kiryat Tivon, Israel, seit 1985/86 | |
| Magdeburg, Sachsen-Anhalt, Deutschland, seit 1987 | |
| Kasan, Russland, seit 1988 (Städtefreundschaft) | |
| Omaha, Nebraska, USA, seit 1992 (Städtefreundschaft) |
Stadt und Region Braunschweig haben in ihrer Geschichte mehrere Strukturwandel erlebt. Bis nach dem Zweiten Weltkrieg war Braunschweig ein Zentrum der Konservenindustrie mit vielen verarbeitenden Betrieben sowie einer spezialisierten Maschinenbau-Industrie, unter anderem Schmalbach-Lubeca.
Mit dem Niedergang der Konservenindustrie und der Abwanderung der Industrie in andere Länder verschob sich der Schwerpunkt in Richtung auf die Automobilindustrie. Ebenfalls Geschichte ist die Fotoindustrie mit den traditionsreichen Firmen Voigtländer und Rollei.
Im Januar 2005 erwarb Veolia Water 74,9 % der Geschäftsanteile an der BS|ENERGY Braunschweiger Versorgungs-AG & Co. KG. Die BS|ENERGY versorgt die rd. 250.000 Einwohner Braunschweigs mit Strom, Gas, Wärme und Trinkwasser und ist bundesweit im Bündelkundengeschäft tätig. Im Jahr 2004 erwirtschaftete sie mit 686 Beschäftigten einen Umsatz in Höhe von 292,5 Mio. €. Ende 2005 wurde durch Veolia auch zu 100 % die SE|BS Stadtentwässerung Braunschweig GmbH erworben, die als Tochtergesellschaft von BS|ENERGY mit rd. 230 Mitarbeitern das Kanalnetz der Stadt Braunschweig betreibt und die Betriebsführung für den Abwasserverband Braunschweig wahrnimmt.
Braunschweig war Sitz der Büssing Automobilwerke, die 1972 in der Firma MAN aufgegangen sind. Die Fahrzeuge der MAN tragen noch heute das Logo der Firma Büssing, einen stilisierten Braunschweiger Löwen, auf dem Kühlergrill, werden aber heute in Salzgitter, 20 km südlich von Braunschweig, produziert.
In Braunschweig wurde 1938 das erste Volkswagen-Werk, das sogenannte „Vorwerk“ in Betrieb genommen. Ihm folgte das Werk in Fallersleben. Die Automobilindustrie ist nach wie vor einer der wichtigsten Industriezweige der Stadt und der Region. Noch heute befinden sich ein großes VW-Werk sowie zahlreiche Zulieferfirmen in der Stadt. Darüber hinaus hat die Volkswagen Bank ihren Unternehmenssitz in Braunschweig.
Die Stadt ist Sitz eines traditionsreichen Werkes der Siemens AG, das gleichfalls auf Heinrich Büssing zurückgeht und weltweit führend in der Bahnautomation ist (siehe Siemens-Werk Braunschweig) und unter anderem die Bahnbetriebstechnik für den Transrapid in Shanghai entwickelt hat. Der Unternehmensbereich Siemens Transportation Systems schätzt Braunschweig unter anderem wegen der Technischen Universität und der Niederlassung des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR), welches auch aerodynamische Forschung für die Bahnindustrie durchführt, als Kompetenzzentrum für Verkehrstechnik.
Ein interessantes Experiment ist die „Kooperationsinitiative im Maschinenbau“, ein Zusammenschluss mittelständischer Maschinenbau-Unternehmen aus der Region Braunschweig, die gemeinsam einkaufen, die Qualifikation der Mitarbeiter erhöhen und auch auf anderen Gebieten zusammenarbeiten.
Traditionell ist Braunschweig auch eines der Zentren der deutschen Zuckerindustrie, schon aufgrund des intensiven Anbaus von Zuckerrüben im Braunschweiger Raum seit etwa 1850. Die durch einen Zusammenschluss aus mehreren Zuckerfabriken hervor gegangene Nordzucker AG hat nach der Fusion Braunschweig als Unternehmenssitz gewählt. Sie ist jetzt der zweitgrößte deutsche Hersteller von Zuckererzeugnissen. Die Technische Universität Braunschweig verfügt bereits seit Jahrzehnten über ein eigenes Forschungsinstitut für Zuckerherstellung und -verarbeitung.
Des Weiteren ist die Stadt Sitz der Handwerkskammer Braunschweig, deren Kammerbezirk die kreisfreien Städte Braunschweig, Salzgitter und Wolfsburg sowie die Landkreise Helmstedt, Goslar, Peine und Wolfenbüttel umfasst.
Außerdem ist sie Sitz der Öffentlichen Versicherung.
Braunschweig war und ist eines der Zentren der deutschen Musikinstrumentenindustrie. Hier haben unter anderem die Wilhelm Schimmel Pianofortefabrik GmbH als der größte deutsche Hersteller von Klavieren und Flügeln und mit der Grotrian-Steinweg GmbH ein weiterer namhafter Hersteller ihren Sitz. Streichinstrumente werden seit 1844 in Braunschweig von der Geigenbauer-Familie Rautmann, mittlerweile in der fünften Generation, hergestellt. Die Firma Sandberg fertigt hochwertige E-Gitarren und E-Bässe.
Braunschweig ist Sitz eines Studios des Norddeutschen Rundfunks (NDR). Auch zwei private Radiounternehmen, Hit-Radio Antenne und Radio ffn, besitzen hier jeweils Regionalstudios.
Regionale Tageszeitung ist die Braunschweiger Zeitung, die auch in der Region unter verschiedenen Titeln mit unterschiedlichen Lokalteilen vorherrscht. Daneben erscheinen die kostenlosen Wochenzeitungen neue Braunschweiger aus demselben Verlag und Braunschweig Report sowie die monatlichen Stadtmagazine chexx, Dacapo und Subway.
In Braunschweig und der näheren Umgebung sendet das nichtkommerzielle, lokale Bürgerradio „Radio Okerwelle“ auf der Frequenz 104,6 FM. Außerdem unterhält „TV38“, ein nichtkommerzielles Community-TV, ein Studio in der Stadt (neben weiteren Studiostandorten in Wolfsburg und Salzgitter). Radio Okerwelle und TV 38 sind zwei von 15 niedersächsischen Veranstaltern von Bürgerrundfunk.
In Cremlingen betreibt die Deutsche Telekom AG einen Mittelwellensender im Auftrag des Deutschlandfunks (DLF). Dieser Sender wird oft, obwohl er sich nicht im Stadtgebiet von Braunschweig befindet, als „Sender Braunschweig“ bezeichnet.
Im gesamten Europäischen Wirtschaftsraum (EWR) verfügt die Region Braunschweig mit weitem Abstand über die höchste Intensität auf dem Gebiete der Forschung und Entwicklung (F&E). So werden in Braunschweig 7,1 % des Bruttoinlandsproduktes (BIP) dafür aufgewendet.[1]
Die Stadt beheimatet drei Hochschulen und eine Vielzahl von Bundesanstalten und Forschungseinrichtungen. Die Technische Universität Carolo-Wilhelmina wurde 1745 als „Collegium Carolinum“ gegründet. 1862 wurde dieses zur „Herzoglichen Polytechnische Schule“ umgewandelt und 1877 zur „Technischen Hochschule“ erhoben. Seit der Erweiterung um eine Philosophische und eine staatswissenschaftliche Fakultät 1968 ist sie „Technische Universität“. Die Fachhochschule Braunschweig/Wolfenbüttel wurde 1971 durch Zusammenschluss der Staatlichen Ingenieurschule Wolfenbüttel mit der Höheren Fachschule für Sozialarbeit des Landes Niedersachsen gegründet. Weitere Fachbereiche kamen hinzu. Die Hochschule für Bildende Künste Braunschweig (HBK) wurde 1963 aus der früheren Werkkunstschule Braunschweig gegründet. 1972 wurde sie eine wissenschaftliche Hochschule und seit 1978 hat sie den Status einer künstlerisch-wissenschaftlichen Hochschule. Sie ist die einzige Kunsthochschule Niedersachsens.
Aus den Nachrichten ist Braunschweig besonders durch das hier ansässige Luftfahrt-Bundesamt (LBA), durch die Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung (BFU) und die Physikalisch-Technische Bundesanstalt (PTB) bekannt, die aufgrund des Zeitgesetzes seit 1978 den gesetzlichen Auftrag hat, mit ihren Atomuhren die gesetzliche Zeit in Deutschland zu verbreiten.
Am Flughafen Braunschweig-Wolfsburg befindet sich auch ein Standort des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR), das 1969 (zunächst als „DFVLR“) aus der 1936 gegründeten Deutschen Forschungsanstalt für Luftfahrt (DFL) hervorging. Hauptarbeitsgebiete sind Flugmechanik, Flugführung und Flugsicherung, Aerodynamik und die Entwicklung leistungsfähiger Werkzeuge für Berechnungen, sowie Struktursysteme (Adaptronik und extremer Leichtbau). Der Standort arbeitet eng mit dem benachbarten Luftfahrtbundesamt, der Technischen Universität und anderen ansässigen Forschungseinrichtungen zusammen.
Das Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung (HZI), früher Gesellschaft für Biotechnologische Forschung (GBF), ist ein Zentrum für Infektionsforschung und gehört der Helmholtz-Gemeinschaft an, der größten Wissenschaftsorganisation Deutschlands. Der Forschungsschwerpunkt liegt auf Erregern, die medizinisch relevant sind oder als Modell für die Untersuchung von Infektionsmechanismen genutzt werden. Träger des HZI sind die Bundesrepublik Deutschland und das Land Niedersachsen (90:10).
Weitere Bundesanstalten und Forschungseinrichtungen in Braunschweig sind:
Der Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft hat Braunschweig den Titel „Stadt der Wissenschaft“ des Jahres 2007 verliehen.
Hauptartikel: Verkehr in Braunschweig
Braunschweig befand sich seit dem Mittelalter am Kreuzungspunkt mehrerer Fernhandelsstraßen. Die die Stadt durch- und umfließende Oker war bis in die Neuzeit schiffbar.
Heute führen mehrere Bundesautobahnen (z. B. die A 2 und die A 39) sowie Bundesstraßen nach Braunschweig bzw. direkt durch die Stadt (z. B. die B 1 und die B 248). Braunschweig hat einen Hafen mit Anbindung an den Mittellandkanal und seit 1935 einen eigenen Flughafen bei Waggum.
Der Braunschweiger Hauptbahnhof wurde 1960 eröffnet und ersetzte den innerstädtischen Braunschweiger Bahnhof von 1845, dessen Hauptgebäude noch heute steht. Bereits 1838 nahm hier die erste deutsche Staatseisenbahn von Braunschweig nach Wolfenbüttel ihren Betrieb auf.
Der öffentliche Personennahverkehr (ÖPNV) der Stadt wird von Bussen und Straßenbahnen der Braunschweiger Verkehrs-AG bedient. Die Umgebung ist durch mehrere Regionalverkehrsgesellschaften vorwiegend mit Buslinien erschlossen. Bereits 1904 hatte Heinrich Büssing auf der Strecke Wendeburg-Braunschweig die weltweit erste und noch heute bestehende Omnibus-Linie der „Automobil-Omnibus-Betriebs-Gesellschaft Braunschweig“ (AOBG) eröffnet. Sie diente dem Praxistest für die Busse, die er in seinem Werk bauen ließ.
Durch die weitgehende Zerstörung der Braunschweiger Innenstadt durch zahlreiche Luftangriffe während des Zweiten Weltkrieges, insbesondere den Luftangriff vom 15. Oktober 1944, sind in der ehemals größten Fachwerkstadt Deutschlands nur noch wenige alte Gebäude und Straßenzüge in ihrer ursprünglichen Form erhalten geblieben. Vor allem seit den 1990er Jahren gibt es verstärkte Bestrebungen, stadtgeschichtlich wichtige Gebäude wie z. B. die Alte Waage oder das Braunschweiger Schloss wieder aufzubauen.
Unzerstörtes, Restauriertes oder Wiederaufgebautes findet sich heute vor allem innerhalb der fünf „Traditionsinseln“ der Innenstadt: Rund um den Dom, die Aegidienkirche, Magnikirche (Magniviertel), Martinikirche und um die Michaeliskirche. Die „Traditionsinseln“ wurden schon kurz nach dem Krieg vom damaligen Landeskonservator Kurt Seeleke ins Leben gerufen und genießen seit 1963 gesetzlichen Schutz.
Die „Traditionsinsel“ um den Dom umfasst vor allem den Burgplatz mit Braunschweigs Wahrzeichen, dem Braunschweiger Löwen, dessen Original sich seit 1989 zum Schutz vor schädlichen Umwelteinflüssen in der Burg Dankwarderode befindet. Um das Standbild gruppieren sich nach Burg und Dom das Braunschweigische Landesmuseum, das Huneborstelsche Haus und das „von Veltheimsche Haus“. Hinter dem Dom liegen die Stiftsherrenhäuser aus dem 15. Jahrhundert.
Ähnliche „Inseln“ bilden der Altstadtmarkt mit dem Altstadtrathaus, dem Gewandhaus und dem Stechinelli-Haus und der in seiner Nähe befindliche Kohlmarkt mit zahlreichen interessanten Gebäuden aus verschiedenen Jahrhunderten.
Zu den ältesten Kirchenbauten zählen unter anderem die Jakobskirche aus dem 9. Jh. und die Magnikirche aus dem 11. Jh., in deren Stiftungsurkunde aus dem Jahre 1031 Braunschweig urkundlich erwähnt wird. Weitere bedeutende Kirchen des Mittelalters sind der Dom, die Bartholomäuskirche, die Michaeliskirche, die Petrikirche und die Pfarrkirchen St. Martini, St. Katharinen und die 91 Meter hohe Andreaskirche, die über Jahrhunderte das höchste Bauwerk der Stadt war. Bekannte Kirchen aus der neueren Zeit sind die Jakobikirche und die neogotischen Kirchen St. Johannis und St. Pauli.
Die Aegidienkirche, die Brüdernkirche und das Kloster Riddagshausen sind die bedeutendsten Klosterbauten der Stadt.
Aus den letzten fast 900 Jahren stammen die Burg Dankwarderode, das Gewandhaus, die Liberei, das Achtermannsche Haus, Schloss Richmond, die zwischen 1991 und 1994 rekonstruierte Alte Waage, das in den Jahren 2005 bis 2007 neu errichtete Braunschweiger Schloss und der Ritter St. Georg. Weitere bemerkenswerte Gebäude sind das Neustadtrathaus, das „Haus Salve Hospes“, das Haus zum goldenen Stern, der Alte Bahnhof, der Wasserturm auf dem Giersberg u.v.m.
Akzente moderner Architektur wurden 1960 mit dem Empfangsgebäude des Braunschweiger Hauptbahnhofes, sowie dem im Jahr 2000 davor errichteten Nahverkehrsterminal gesetzt. Das 1999 gebaute Rizzi-Haus entfachte kontroverse Diskussionen. Ein weiteres Beispiel moderner Architektur ist das gläserne Bibliotheksgebäude der Hochschule für Bildende Künste aus dem Jahr 2002.
Das höchste Wohngebäude der Stadt ist das 22-geschössige Hochhaus am Schwarzen Berge mit 66 m, der Fernmeldeturm im Stadtteil Broitzem erreicht die Höhe von 155 m. Überragt wird die Stadt vom höchsten Bauwerk, dem Schornstein des Heizkraftwerks Mitte mit einer Gesamthöhe von 198 m.
Siehe auch Hauptartikel: Liste der Denkmale und Standbilder der Stadt Braunschweig
Über die Stadt verstreut finden sich zahlreiche Denkmale, Standbilder, Reliefe, Gedenksteine, und -tafeln, die im Laufe der Jahrhunderte zu unterschiedlichen Anlässen geschaffen wurden. Einige dieser Werke sind allerdings mittlerweile aus verschiedenen Gründen (meist aufgrund von Kriegseinwirkung) nicht mehr vorhanden. Die zweifellos kunsthistorisch und stadtgeschichtlich wichtigsten Werke sind auch gleichzeitig die ältesten:
Das nach seinem Erschaffer benannte „Imervard-Kreuz“ im Braunschweiger Dom gilt als eine der bedeutendsten romanischen Skulpturen auf deutschem Boden. Bei der Holzskulptur handelt es sich um ein Viernagelkreuz aus der Mitte des 12. Jhs. Wenige Meter weiter in der Burg Dankwarderode befindet sich der Braunschweiger Löwe. Er ist die älteste erhaltene Großplastik des Mittelalters nördlich der Alpen und erster größerer figürlicher Hohlguss seit der Antike.
Das Grabmal Heinrichs des Löwen und seiner zweiten Gemahlin Mathilde von England ist ebenfalls außergewöhnlich, da es zu den ersten Grabmälern gehört, bei denen ein naturalistischer Stil Einzug hielt.
Weitere wichtige Denkmale:
| Lessing-Denkmal von 1853 | Grabmal Heinrichs des Löwen und Mathildes | ||
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Entwurf Ernst Rietschel, ausgeführt von Georg Howaldt | Das Grabmal wurde um 1230 errichtet und befindet sich im Braunschweiger Dom. | |
| Reiterstandbild Herzog Friedrich Wilhelm | Reiterstandbild Herzog Carl Wilhelm Ferdinand | ||
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Entwurf Ernst Hähnel, Enthüllung 1874, ausgeführt von Georg Howaldt | ![]() |
Entwurf Franz Pönninger, Enthüllung 1874, ausgeführt von Georg Howaldt |
| Carl Friedrich Gauß-Denkmal von 1880 | Brunnenstandbild Heinrichs des Löwen | ||