Der Jakobusbrief ist einer der katholischen Briefe des Neuen Testaments.
Ein ebenfalls als Brief des Jakobus bezeichneter apokrypher Text ist Teil der als Nag-Hammadi-Schriften bekannten Sammlung gnostischer Texte (NHC I,2).
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In der christlichen Theologie finden sich zwei einander ausschließende Sichtweisen.
Der Verfasser nennt sich Jakobus, ein Knecht Gottes und des Herrn Jesus Christus. Da weitere Namenszusätze oder Selbstbeschreibungen fehlen, hat dieser Jakobus keinerlei weitere Einführung gebraucht. Jakobus der Ältere, ein Begleiter Jesu, hätte sich wahrscheinlich als Apostel zu erkennen gegeben; Jakobus der Gerechte, der Bruder oder Cousin Jesu und zweite bedeutende Jakobus seiner Zeit wird daher traditionell als Verfasser angenommen. Konservative Autoren sehen das durch äußere und innere Hinweise bestätigt.
Eine Autorschaft durch Jakobus den Gerechten bedingt ein Entstehungsdatum vor dessen Tod im Jahre 62, der unabhängig von Tacitus und Eusebius von Caesarea überliefert ist. Damit wäre der Jakobusbrief eine der ältesten Schriften im neuen Testament. Inhaltlich wird diese Datierung durch eine noch sehr jüdisch geprägte Lebensweise und Lehre gestützt. Demnach wäre der Brief vor dem Apostelkonzil, das sich mit der Aufnahme von Christen nicht-jüdischer Tradition (Heidenchristen) befasste, entstanden.
Historisch-kritische Theologen halten den Jakobusbrief für eine späte pseudepigraphische Schrift. Der Autor nannte sich in diesem Falle entweder Jakobus, um dem Brief dessen Autorität zu geben, oder da der oder die Verfasser sich in der theologischen Schule des Jakobus stehend verstanden. Denkbar ist auch die völlige Unabhängigkeit von den beiden genannten Namensträgern, da Jakobus als latinisierte Form des Namens `Jakov` auf den alttestamentlichen Stammvater verweist und im Judentum keine Seltenheit hatte.
Als Begründung für eine nichtjakobinische Autorschaft wird das elegante Griechisch, das einem einfachen Juden nicht zuzutrauen sei, genannt. Auch die späte Aufnahme des Briefes in den Kanon des Neuen Testaments gilt als Hinweis auf eine umstrittene Autorschaft, da nur unumstritten apostolische Schriften aufgenommen werden sollten.
Inhaltlich wird die Adressierung an die zwölf Stämme in der Verstreuung angeführt, die auf die Vertreibung der Juden (und Christen) nach der Zerstörung Jerusalems im Jahre 70 bezogen wird. Auch das im Brief erwähnte Lehramt und die festgelegte Aufgabenverteilung der Presbyter werden als späte Entwicklung in der Kirche angesehen; daraus ergäbe sich eine Entstehung am Ende des 1. Jahrhunderts.
Die Mehrheit der Autoren, die den Jakobusbrief als pseudepigraphisch ansehen, datieren ihn auf ca. 125. Das älteste erhaltene Zitat des Jakobusbriefes findet sich bei Origenes.
In den ersten Jahrhunderten der christlichen Kirche wurde die Authentizität des Jakobusbriefes unter anderem von Theodor von Mopsuestia bezweifelt. Er ist auch im Muratorischen Kanon nicht enthalten. In den westlichen Kirchen wurde er nicht verwendet, so dass Eusebius ihn in seiner Kirchengeschichte (3,25; 2,23) unter die umstrittenen Schriften zählte. Hieronymus berichtet später, dass der Brief dann im Laufe der Zeit allgemeine Akzeptanz erlangt habe.
Die geringe Beachtung des Briefes in der westlichen Kirche mag an der jüdisch-christlichen Ausrichtung des Briefes gelegen haben, die für die heidnisch-christlichen Kirchen von geringem Interesse war. Auch seine Theologie, die sich von der Paulinischen absetzt, mag Grund für die ablehnende Haltung gewesen sein. Athanasius von Alexandria nahm den Jakobusbrief allerdings in seinen Kanon der heute akzeptieren neutestamentlichen Schriften auf, und seit dem 4. Jahrhundert ist der Brief akzeptierter Teil des Kanons fast aller christlichen Kirchen (Ausnahme: syrisch-orthodoxe Kirche).
Martin Luther jedoch stellte die Kanonizität des Jakobusbriefes in Frage, weil diese Schrift nach seinem Verständnis den Werken anstatt des Glaubens die Rechtfertigung zuschreiben würde (s. WA DB 7, 384). Das ist auch der Grund, warum er die ursprüngliche Reihenfolge der neutestamentlichen Bücher änderte und den Jakobusbrief (mit dem Hebräerbrief) "nach hinten" verschob.
Der Brief richtet sich an "die zwölf Stämme in der Zerstreuung" (Jak. 1,1), eine traditionell jüdische Ausdrucksweise aus der Zeit des zweiten Tempels. Der Brief betont dann mehrfach die grundlegende Bedeutung des "Gesetzes" (Jak. 1,25; 2,10). Dieses Gesetz wird weitgehend als das jüdisch Gesetz, die Tora, verstanden. Hier, und auch im weiteren Verlauf des Briefs wird deutlich (Synagoge anstelle von Ekklesia, Jak. 2,2; Abrahams Bezeichnung als "unser Vater", Jak. 2,21), dass Schreiber und Adressaten in jüdischer Tradition stehen. Daneben finden sich in den ethischen Ermahnungen Parallelen zum jüdischen Tractate Avot.
Gleichzeitig ist jedoch ersichtlich, dass es sich bei den Adressaten um Christen handelt (Jak. 2,1; 5,7).
Der Schreiber betont die Bedeutung einer einwandfreien Lebensführung. Er verurteilt eine formelle Frömmigkeit, die sich im Befolgen von Zeremonien erschöpft, und setzt dieser eine innere Reinheit entgegen (Jak. 1,27). Weiter spricht er sich gegen Falschheit (3,2-12), Eigenlob (4,16) sowie Habgier und Unterdrückung der Armen aus.
Eine der wichtigen Lehren des Briefes ist Geduld in der Versuchung (Jak. 1,2), in guten Taten (Jak. 1,22-25), wenn provoziert (Jak. 3,17), wenn unterdrückt (Jak. 5,7) oder verfolgt (Jak. 5,10) wird. Die Geduld werde belohnt werden, wenn Jesus bei seiner Wiederkunft alles Unrecht richte (Jak. 5,8).
Schon früh wurde von christlichen Kommentatoren erkannt, dass der Jakobusbrief stellenweise in Wortlaut und Theologie Briefen des Paulus entgegensteht (Römerbrief, Galaterbrief). Martin Luther empfand diesen Gegensatz so schwerwiegend, dass er die Aufnahme des Jakobusbriefs, in seinen Worten eine stroherne Epistel, in den neutestamentlichen Kanon hinterfragte und den Jakobusbrief vor dem Judasbrief und der Offenbarung fast ans Ende des Neuen Testaments platzierte. Dort findet er sich im Gegensatz zu beinahe allen anderen Bibelübersetzungen auch noch in der revidierten Luther-Bibel von 1984.
Die relevanten Verse sind Jak. 2,14-20+24, wo Jakobus die Relevanz guter Taten zur Heilsgewinnung vor Gott betont und einen Glauben ohne entsprechende Handlungen ablehnt. Dagegen betont Paulus im Römerbrief (3,27-28) die grundlegende Bedeutung des Glaubens, unabhängig von der Befolgung der Gesetze und guter Handlungen. Die Bedeutung des Glaubens an Jesus Christus wird im Galaterbrief (2,16) ebenfalls ausdrücklich betont. Paulus stellt an anderer Stelle allerdings auch die aus dem Glaubens sich ergebenden ethischen Folgen dar. Es ist weiter interessant, dass beide Briefe sich auf Abraham, den jüdischen Stammvater berufen (Gen 15,6 EU), um ihre jeweilige Sichtweise zu untermauern (Jak. 2,21-23; Röm. 4,2-3).
Der Gegensatz dieser beiden Positionen lässt sich auf die Extrempositionen "Ein Glaube ohne Taten ist wertlos" (Jakobus) und "Der Glaube alleine bringt das Heil" (Paulus) zuspitzen.
Eine Reihe christlicher Kommentatoren lösen diesen Widerspruch, indem sie beide Darstellungen als zwei Seiten der Rechtfertigung des Sünders vor Gott darstellen. Paulus betont in dieser Sichtweise die auch durch Taten nicht verdienbare Gnade Gottes, die als Glaube geschenkt wird, während Jakobus den gottgemäßen Lebensstil (Heiligung) betont, der eine natürliche Folge des Glaubens ist.
Eine alternative Lösung besteht darin, dass Jakobus die Rechtfertigung des Christen vor anderen Menschen im Auge hat, während Paulus den Mensch vor Gott gerechtfertigt sehen will. Man verweist auch (so z. B. der Kommentar der Einheitsübersetzung) darauf, daß Paulus von Werken des (jüdischen) Gesetzes, Jakobus aber von Taten der Nächstenliebe gesprochen habe, die auch Paulus für notwendigen Ausdruck des Glaubens halte (Gal 5,6: es kommt darauf an, "den Glauben zu haben, der in der Liebe wirksam ist.")
Skeptiker sehen den Brief dagegen als Zeugnis einer Spannung in der frühen Kirche zwischen ursprünglich jüdischen und ursprünglich nicht-jüdischen (heidnischen) Christen. Während Jakobus der Einhaltung des jüdischen Gesetzes Vorrang gebe, entwickele Paulus eine Theologie der Rechtfertigung vor Gott, die den Glauben voranstelle. Ein vergleichbarer Konflikt findet sich auch in der Apostelgeschichte, wo die Einhaltung der jüdischen Gesetze durch heidnische Christen zur Diskussion stand. Auch hier findet sich eine Auseinandersetzung zwischen Jakobus (stellvertretend für die Jerusalemer Kirche) und Paulus (stellvertretend für die Heidenchristen), die auf dem Apostelkonzil zu Gunsten der paulinischen Position entschieden wurde.
Wieder andere Kommentatoren verweisen darauf, dass Jakobus und die von ihm angesprochenen Gemeinden die entsprechenden Passagen von Paulus wohl gekannt haben müssen, da diese sehr genau aufgenommen werden. Jakobus reagiert nach diesem Verständnis auf den Missbrauch der Rechtfertigungslehre durch Gemeinden, die den sozialen Anspruch des Evangeliums unter verkürzter Berufung auf Paulus ignorieren.
Die überlieferte Wendung sub conditione jacobi (unter der Bedingung des Jakobus, in Briefen abgekürzt s.c.j.) bezieht sich auf Jak. 4,15 "So Gott will und wir leben". (Eine Mehrheit der aktuellen Bibeln übersetzt "So Gott will, werden wir leben und ...")
Allgemein
Kommentare
Wirkungsgeschichte
Einzelstudien
Adelung-1793: Credīt-Brief, der · Majestäts-Brief, der · Panis-Brief, der · Brief-Styl, der · Artīkels-Brief, der · Avīs-Brief, der · Brief, der
Brockhaus-1809: Der Majestäts-Brief
DamenConvLex-1834: Brief, Briefstyl
Heiligenlexikon-1858: Kunigundis Brief (2)
Meyers-1905: Geld und Brief · Kurzer Brief · Brief [1] · Brief [2]
Pierer-1857: Brief-Adel · Offener Brief · Brief · Brief u. Stegel