Die Bullenkuhle ist ein überwiegend vermoorter Kleinsee im äußersten Norden des Landkreises Gifhorn in Norddeutschland (Bundesland Niedersachsen). Das eigenartige Biotop und Geotop hat sich in einer natürlichen Geländehohlform gebildet, die als Erdfall anzusprechen ist. Das Areal steht unter Naturschutz.
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Die Bullenkuhle liegt ca. 15 Kilometer südlich der Stadt Uelzen und gut einen Kilometer westlich des Dorfes Bokel (Gemeinde Sprakensehl) am Rand eines großen Kiefernwaldkomplexes auf etwa 95 m NN. In unmittelbarer Nähe entspringt ein zunächst als „Bokeler Bach“ bezeichnetes Fließgewässer, das im weiteren Verlauf zur „Aue“ und schließlich, nach der Vereinigung mit weiteren Bächen, zum Elbe-Nebenfluss Ilmenau wird. Naturräumlich gehört der Bereich zu einem Südostausläufer der „Hohen Heide“, die wiederum ein zentraler Teil der Naturraum-Haupteinheit Lüneburger Heide ist. Diese aus End- und Grundmoränen sowie periglazialen Flugsanden bestehende Landschaft wurde geomorphologisch besonders durch die Eisrandlagen während späterer Phasen der Saaleeiszeit geformt, namentlich im sogenannten Drenthe II-Stadium sowie beim abschließenden Warthe-stadialen Gletschervorstoß. Die welligen Höhenrücken der Endmoränen sind in den Kuppenlagen auf überwiegend sandigen Böden meist mit Kiefernwald aufgeforstet; die Grundmoränen werden landwirtschaftlich genutzt. Eine für die Lüneburger Heide als typisch assoziierte offene Heidekrautlandschaft – die allerdings anthropogen durch Holzraubbau, Abbrennen, Plaggenabtrag und Beweidung entstanden war – ist im näheren Umfeld der Bullenkuhle heute nur noch in Fragmenten erhalten. Das Großklima der Lüneburger Heide ist subatlantisch geprägt.
In Norddeutschland gibt es zahlreiche Salzstöcke im Untergrund – Überbleibsel des „Zechsteinmeeres“ aus dem Erdzeitalter des Perm, die später tektonisch umgelagert und verformt wurden. Bei Kontakt des Steinsalzes mit Grundwasser kommt es zu Ablaugungserscheinungen; es wird Salz im Wasser gelöst und abtransportiert. Dies kann zur Folge haben, dass sich große Hohlräume bilden, die schließlich das anstehende Deckgebirge zum Einsturz bringen. Teilweise setzt sich ein solcher in einigen hundert Metern Tiefe stattfindender Einbruch bis zur Erdoberfläche fort. Dort entstehen dann markante, oft steilwandige und tiefgründige Hohlformen, die als Erdfall oder Doline bezeichnet werden (wobei Dolinen auch andere morphogenetische Ursachen haben können, etwa in Karstgebieten). Manche dieser Trichter bleiben trocken, in anderen entwickelt sich ein Gewässer, das später vermooren kann. Erdfälle sind geologisch oft ausgesprochen jung; sie sind nicht selten nur einige tausend Jahre alt, manche Einbrüche liegen sogar erst wenige hundert Jahre zurück.
Es gibt diverse Beispiele für Erdfallseen und -moore, darunter recht große Gewässer wie den Arendsee und das Zwischenahner Meer – beide immerhin über 500 Hektar groß – den Seeburger See, das „Sager Meer“ im Landkreis Oldenburg, den „Rudower See“ im Landkreis Westprignitz oder die Moore „Grundloses“ im Landkreis Soltau-Fallingbostel und Maujahn im Landkreis Lüchow-Dannenberg. In diese Reihe gehört auch die „Bullenkuhle“, die allerdings wesentlich kleiner ist. Zum genauen Entstehungszeitpunkt der Bullenkuhle liegen keine Information vor; hierzu wäre eine moorstratigrafische und pollenanalytische Untersuchung des vertikalen Erdfallprofils notwendig (vgl. Maujahn-Moor).
Dem Besucher eröffnet sich eine kesselartige Geländestruktur mit teilweise steilen Hangneigungen (ca. 30 bis 60°). Am Fuß der Böschungen erstreckt sich auf einer Fläche von etwa 0,5 Hektar ein Moor, das sich bei näherer Betrachtung als ein Schwimm- oder Schwingrasen entpuppt, unter dem sich vermutlich kein homogener Torfkörper, sondern zumindest teilweise ein freier Wasserkörper befindet. Der Schwingrasen bedeckt mindestens 80 % des Gewässers bzw. Moores; nur im Nordosten ist ein etwa 0,1 Hektar großer, mehrere Meter tiefer Weiher, ein sogenannter Moorkolk, offen geblieben. Das Gewässer ist mit einer elektrolytischen Leitfähigkeit von 24 µS/cm ausgesprochen oligotroph, huminstoffreich und mit einem pH-Wert von 5,0 mäßig sauer. Darin wachsen moortypische Pflanzen wie Torfmoose, Wasserschlauch und die seltene Glänzende Seerose (Nymphaea candida). Der in den Kolk vordringende Schwingrasen besteht neben Torfmoosen vor allem aus Scheidigem Wollgras, Glocken-, Besen- und Krähenbeerheide, Weißes Schnabelried sowie der Moosbeere. Die weitgehend gehölzfreie Fläche ist als flaches bis kaum gewölbtes Zwischenmoor anzusprechen. An der Peripherie hat sich ein ringartiger Randsumpf gebildet, der durch von den Hängen zulaufendes Niederschlagswasser geringfügig besser nährstoffversorgt ist als das Zentrum des Moores. Hier gedeiht vor allem Ried der Schnabelsegge.
Die Böschungen des Geländetrichters werden von Zwergstrauchgesellschaften aus Besenheide, Blaubeere, und Preiselbeere, von Pfeifengrasbeständen und von Gehölzen eingenommen. Unter diesen sind einige sehr große und alte Wacholderbüsche bzw. –bäume besonders landschaftsprägend. Daneben sind vor allem Birken, Faulbaumgebüsche und Waldkiefern zu nennen. Auch die Tierwelt ist bemerkenswert und teilweise spezialisiert auf Moorbiotope. Beachtlich ist unter anderem das Vorkommen von bis zu acht Amphibienarten sowie von der Kreuzotter.
– Übernommen (leicht verändert) von dem externen Weblink [1] –
Wegen seiner Einzigartigkeit als Biotop und Geotop wurde die Bullenkuhle als Naturschutzgebiet ausgewiesen und als FFH-Gebiet für das europäische Schutzgebietssystem Natura 2000 vorgeschlagen. Die Schutzfläche umfasst 2,55 Hektar. Das Betreten des trittempfindlichen Schwingrasens ist nicht nur gefährlich, sondern auch verboten. Zur Erhaltung der Moorfläche wird von Landschaftspflegern aufkommender Kiefernaufwuchs gelegentlich entfernt. In einigen dutzend oder hundert Jahren dürfte die gesamte Wasserfläche von der Moordecke überwachsen worden sein.
Brockhaus-1911: Moór · Moor [2] · Moor [3] · Moor · Bourtanger Moor · Cleator Moor · Marston Moor
DamenConvLex-1834: Mohr, Moir, Moor (Zeug)
Meyers-1905: Moor [3] · Moor [2] · Moor [1] · Rowton Moor · Moor [5] · Moor [4] · Laibacher Moor · Cleator Moor · Bourtanger Moor · Moor Park · Moór · Marston-Moor
Pierer-1857: Moor [4] · Moor [3] · Moor [5] · Twist-Moor · Sheriff-Moor · Colton-Moor · Aldstone Moor · Marston-Moor · Moor [2] · Moor [1]