Der Burggraben ist ein Annäherungshindernis im unmittelbaren Vorfeld einer mittelalterlichern Burg. Der künstlich angelegte Graben kann das Burgareal vollständig umschließen oder partiell an besonders gefährdeten Stellen von der Umgebung abriegeln. Durch den Graben wurden Angreifer daran gehindert, unmittelbar an das Tor oder die Mauer zu gelangen. Insbesondere der Einsatz von schwerem Belagerungsgerät, wie Wandelturm oder Rammbock, konnte dadurch effektiv behindert werden.
Grabenhindernisse waren bereits bei antiken Befestigungsanlagen weit verbreitet, bei römischen Militärlagern wurden sie als fossa bezeichnet. Auch im neuzeitlichen Festungsbau blieb der Graben ein wichtiger Bestandteil.
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Die häufigste Art des Burggrabens war der Trockengraben, der durch seine Tiefe und gegebenenfalls durch steile Böschungen die Annäherung an die Burg erschwerte. Trockengräben konnten auf der Grabensohle mit zusätzlichen Hindernissen ausgestattet sein, wie beispielsweise durch Reihen von angespitzten Pfählen (Pfahlgraben).[1]
Wassergräben kamen praktisch nur bei Niederungsburgen vor. Bei Höhenburgen war die Anlage eines Wassergrabens konstruktiv nicht sinnvoll und überdies war hier Wasser äußerst rar - oft war die Anlage eines Brunnens das aufwendigste und teuerste Bauvorhaben, wenn der Brunnenschacht durch etliche Meter Fels bis auf Grundwasserniveau getrieben werden musste. Viele Höhenburgen hatten deshalb lediglich Zisternen.
Die Gräben einiger Niederungsburgen und Stadtbefestigungen wurden erst im Angriffsfall geflutet. Dazu musste ein Fluss oder See in der Nähe der Anlage vorhanden sein. Besonders Städte ersetzen den Wassergraben gerne durch ein System vorgelegter Weiher, die in Friedenszeiten als Fischteiche dienen konnten und die Nahrungsmittelversorgung verbesserten.
Gräben mit stehendem Wasser hatten den Nachteil, dass das Wasser schnell faulig wurde und der Graben versumpfte, wodurch er leicht zu einer Brutstätte für Krankheitserreger werden und allgemein die Lebensqualität auf der Burg mindern konnte. Allerdings gab es auch Burganlagen, die absichtlich in Sumpfgelände gebaut wurden (Sumpfburgen), da das morastige Gelände die feindliche Annäherung besonders effektiv erschweren konnte. Um eine Versumpfung zu vermeiden, wurden Wassergräben oft durch Kanäle mit Fließgewässern verbunden, so dass die ständige Wasserzufuhr das Wasser frisch hielt.
Die Grabentiefen variieren stark, bei manchen vor- und frühmittelalterlichen Befestigungen sind es nur flache Mulden vor niedrigen, ehemals meist palisadengekrönten Wällen, ungarnzeitliche Wallanlagen (10. Jhdt.) weisen hingegen oft sehr tiefe Gräben (5 bis in Einzelfällen 20 m) auf. Diese außergewöhnlichen Grabentiefen erklären sich oft durch die Ausnutzung und Nachbearbeitung natürlicher Erosionsrinnen und Einschnitte, die Baumeister dieser frühen Burgen haben den Burgplatz meist bereits entsprechend ausgewählt.
Die Gräben mittelalterlicher Burgen und Stadtmauern wurden später häufig verfüllt, so dass das ursprüngliche Befestigungskonzept heute nur noch eingeschränkt erlebbar ist. Auch hier werden beträchtliche Tiefen erreicht, meist zwischen drei und zehn Metern. Die Grabenaußenwände mittel-und nachmittelalterlicher Burgen und Befestigungen sind oft aufgemauert, die Grabenwand verläuft hier also meist senkrecht. Dies erschwerte das Eindringen eines Feindes, insbesondere aber auch seinen Rückzug. Der Angreifer war sozusagen im Graben gefangen und konnte leicht mit Bögen und Armbrüsten bekämpft werden.
Im vor- und frühmittelalterlichen Burgenbau finden sich oft doppelte oder gar dreifache Wall-Graben-Systeme, die einen wirksamen Schutz gegen die Angriffe berittener Horden boten, den Angreifer also zum Fußkampf zwangen. Es kommen sowohl keilförmige Spitz- als auch flache Sohlgräben vor, der Grabenaushub wurde zur Anlage der Befestigungswälle verwendet, oder - bei Felsuntergründen - als Baumaterial der Burganlage.
Hochmittelalterliche Burganlagen wurden gerne in ältere, oft wesentlich großflächigere Wallanlagen eingebaut. Die Wall-Graben-Systeme dieser Vorgängeranlagen sind in zahlreichen einducksvollen Beispielen erhalten, etwa um die Burg Niederhaus (Ries), die Burg Bramberg (Haßberge) oder die Burg Haltenberg am Lech. Auch der tiefe Halsgraben der Alten Burg bei Neuburg an der Donau ist der Graben der ungarnzeitlichen Vorgängerburg.
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