Das Cannstatter Volksfest (umgangssprachlich auch Cannstatter Wasen oder Wasen genannt) ist ein zweiwöchiges Volksfest, das jährlich von Ende September bis Anfang Oktober auf dem Cannstatter Wasen in Stuttgart-Bad Cannstatt veranstaltet wird. Das Pendant zum Volksfest ist das jährliche Stuttgarter Frühlingsfest.
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Die Freifläche auf dem Cannstatter Wasen beträgt ca 35 ha. Das schwäbische Volksfest beginnt normalerweise eine Woche später als das Münchner Oktoberfest.
Nach dem Oktoberfest in München wird das Cannstatter Volksfest häufig als das zweitgrößte Volksfest der Welt bezeichnet und beansprucht für sich aufgrund der Vielzahl der Schaustellerbetriebe den Titel „größtes Schaustellerfest“ der Welt.
Laut Veranstalter Andreas Kroll, Geschäftsführer der „in.Stuttgart Veranstaltungsgesellschaft“, haben 2006 ca. 4,2 Millionen Menschen das 161. Cannstatter Volksfest besucht, was einer Steigerung gegenüber 2005 um 20% entspricht.
Erstmals gefeiert wurde das Cannstatter Volksfest 1818. Gedacht als „jährlich am 28. September zu Kannstadt abzuhaltendes landwirtschaftliches Fest“. Der Anlass war die Schaffung einer landwirtschaftlichen Unterrichtsanstalt, als Reaktion auf viele Hungersnöte und Missernten. Diese Unterrichtsanstalt ist heute bekannt als Universität Hohenheim.
Der indirekte Anlass des ersten Volksfestes liegt in Asien. 1815 explodierte der indonesische Vulkan Tambora. Gase und Staub sorgten jahrelang für Klimaveränderungen (Jahr ohne Sommer) und damit auch für die Missernten, die zur Gründung des Volksfestes und der Universität Hohenheim führten.
Bereits im ersten Jahr war das Volksfest ein großer Erfolg. Es wurde von weit mehr als 30.000 Gästen und Mitwirkenden berichtet. Mit der Zeit wurde das Cannstatter Volksfest größer und gewann an Bedeutung. Im 19. Jahrhundert dauerte das Fest zunächst nur einen einzigen, später drei, dann vier, ab den 1920er Jahren schließlich fünf Tage. Zu Beginn der 1950er Jahre wurde der Wasen dann auf zunächst zehn, dann zwölf und schließlich 1972 auf 16 Festtage ausgedehnt. Ab 2007 dauert das Fest 17 Tage, da der Auftakt von Samstag auf Freitag vorverlegt wird.
Zunächst gab es noch wenige so genannte „Volksfest-Buden“ mit Schaustellern und Bierausschank. Sie wurden zugunsten der königlichen Loge und der Honoratioren-Tribünen an den Rand des eigentlichen Festgeländes verbannt.
Bereits 1860 kam es in Folge der zunehmenden Schausteller-Zahlen zu der heute typischen Anordnung in drei Hauptstraßen und zahlreichen Nebenstraßen, um den von Jahr zu Jahr immer größer werdenden Besucherzahlen genügend Platz zu lassen.
Das Cannstatter Volksfest wurde bisher am vorletzten oder letzten Samstag im September (frühester Termin ist der 22.9.) um 11 Uhr durch den Stuttgarter Oberbürgermeister mit dem Fassanstich eröffnet. Ab 2007 öffnet das Volksfest bereits am Freitag um 15 Uhr, der Fassanstich soll am Freitagabend live im Fernsehen übertragen werden.
Auf dem Cannstatter Volksfest finden sich neun Festzelte (davon sieben Bierzelte und zwei Weinzelte) sowie eine Vielzahl kleinerer gastronomischer Betriebe mit Biergärten. Mittelpunkt sind die drei Brauereizelte (das Festzelt Klauss der Brauerei Dinkelacker, das Festzelt Laub der Brauerei Schwabenbräu und das Festzelt Hans-Peter Grandl der Brauerei Stuttgarter Hofbräu), die seit 1982 ihren traditionellen Platz nebeneinander vor der Fruchtsäule haben. Die Anordnung der drei Zelte wechselt dabei jährlich. Das Zelt der federführenden Brauerei (deren Fass beim Anstich durch den Oberbürgermeister zum Zuge kommt) steht dabei immer ganz rechts. Vor 1982 gab es vier etwas kleinere Brauereizelte, die auf beiden Seiten der Fruchtsäule aufgebaut waren. Das vierte Zelt war das Festzelt der Brauerei Wulle, die 1971 von Dinkelacker übernommen wurde und wenig später auch als Marke nicht mehr existierte. Baurechtlich genehmigt sind in Stuttgart 23.700 Sitzplätze.
Dinkelacker-Festzelt Dieter und Werner Klauss: Das Dinkelacker-Festzelt ist eines der drei großen Brauereizelte. Die Festwirtfamilie Klauss bietet Platz für rund 5000 Menschen an.
Stuttgarter-Hofbräu-Festzelt Hans-Peter Grandl: Das Hofbräu-Zelt vom Festwirt Hans-Peter Grandl verfügt über 5.000 Plätze. Im Grandl-Zelt spielt unter anderem das „Königlich-Württembergische Hofbräu-Regiment“. Die Musiker treten in historischen Uniformen mit Pickelhaube auf.
Schwaben-Bräu-Festzelt Alexander Laub: Zum Volksfest 2006 komplett neu gestaltet und gebaut. Damit ist es nach eigenen Angaben nicht nur das größte unter allen Festzelten auf dem Cannstatter Wasen, sondern es bietet auch 4000 Kubikmeter mehr Raum. Neben 4.700 Sitzplätzen im Innenbereich bietet das Festzelt Laub im Stehbereich weitere ca. 500 Stehplätze.
Fürstenberg-Festzelt Peter Brandl: Von 2000 bis 2004 gab es mit dem 5.000 Besucher fassenden Fürstenberg-Zelt von Festwirt Walter Weitmann ein viertes Großzelt auf dem Wasen. Der Einzug einer badischen Brauerei auf dem schwäbischen Volksfest sorgte zunächst für heftigen Ärger. Seit 2005 wird ein kleineres Bierzelt mit 2.800 Plätzen vom neuen Festwirt Peter Brandl betrieben. Als einziges Zelt auf dem Wasen bietet Fürstenberg eine Empore für ca. 370 Besucher.
Festzelt Göckelesmaier: Der Betrieb des Festwirts Maier ist seit 1938 mit einem Festzelt auf dem Wasen vertreten. Seit 1949 ist der damalige Maiers Karle aufgrund seiner Spezialität (frische Hähnchen) als Göckelesmaier bekannt. Heute betreibt Göckelesmaier ein Zelt der mittleren Größe, welches 2.500 Besuchern Platz bietet.
Arcadia Erlebniszelt: Erstmals wurde 2005 das neue Erlebniszelt von der Wasenwirtin Sonja Renz betrieben. Mit 1.800 Sitzplätzen bietet sie Shows und Bars mit einem Wasserfall im Zelt. Es gibt eine Bar.
Festzelt Wasenwirt: Als drittes Hofbräu-Festzelt (neben Hans-Peter Grandl und Göckelesmaier) bietet der Wasenwirt seinen Kunden 2.200 Plätze. In Kooperation mit dem Radiosender bigFM veranstaltet der Festwirt die „bigFM Morgenhans Party“.
Weinzelt Zaiß - Cannstatter Oberamt: Traditioneller kulinarischer Anbieter aus Bad Cannstatt auf dem Volksfest ist das Weinzelt des Cannstatter Weingärtners Dieter Zaiß.
Weinzelt Stamer: Auf dem Wasen gibt es seit vielen Jahren das Weinzelt von Henny und Ernst Stamer.
Zu den großen Attraktionen gehören neben den Festzelten die Schaustellerbuden und Fahrgeschäfte. Aus 1.054 Bewerbungen hat Volksfest-Chef Karl Kübler 2004 333 Attraktionen (Vorjahr: 302) ausgewählt. Zu den größten Attraktionen des Cannstatter Volksfestes gehört seit Jahren das größte transportable Riesenrad der Welt mit 60 Metern Durchmesser. Allerdings fehlt seit 1998 eine Looping-Achterbahn. Diese war von 1984 bis 1997 die größte Fahrattraktion des Festes.
Zum ersten Mal stand 2004 der „Imperator“ auf dem Wasen. Das größte Flugkarussell der Welt bietet 64 Passagieren Loopingfahrten bis in 35 Meter Höhe. Auch der „Power Tower 2“, ein 66 Meter hoher Turm, feiert mit seinem freien Fall Premiere.
Die Fruchtsäule ist eine mit Früchten dekorierte 26 Meter hohe und 3,5 Tonnen schwere Holzsäule, die das Wahrzeichen des Cannstatter Wasens ist. Sie wird allerdings heute von zahlreichen Fahrgeschäften überragt.
Schon beim ersten Volksfest 1818 gab es eine Fruchtsäule als Wahrzeichen, die vom damaligen württembergischen Hofbaumeister Nikolaus Friedrich von Thouret entworfen und erbaut worden war. Nach dem 1. Weltkrieg, mit dem Beginn der ersten deutschen Republik, wurde die Fruchtsäule als "monarchistisches" Überbleibsel vom Cannstatter Wasen verbannt. Seit 1935, dem 100sten Jahrestag, steht sie dann wieder auf ihrem angestammten Platz.
Die Fruchtsäule, deren Design im Laufe der Jahre immer geändert wurde, wurde bis vor kurzem alljährlich nach Abschluss des Volksfests demontiert. Alle paar Jahre wurde immer wieder eine neue Fruchtsäule mit anderem Design errichtet. Ab 1995 wurde sie versuchsweise einige Zeit lang ganzjährig stehen gelassen und war somit auch auf dem Stuttgarter Frühlingsfest erstmals zu sehen. Seit ein paar Jahren wird nur noch die Spitze demontiert und der Unterbau, in dem sich einige Informationsstände befinden und der während des Frühlingsfestes die Cannstatter Stadtkanne trägt, stehengelassen.
Insgesamt werden jährlich ca. 50 (2004: 54) Fahrgeschäfte aufgebaut, darunter
sowie im Jahr 2004: 73 sonstige Geschäfte: Schieß-, Los- und Wurfbuden und Schaugeschäfte, 95 Verkaufsgeschäfte für Essen usw., ein Krämermarkt mit 60 Marktständen und einer Boxshow. Zum Vergleich: Auf dem Münchner Oktoberfest gab es 2004: 41 Fahrgeschäfte, 16 Kinderfahrgeschäfte, 17 Schau- und Belustigungsgeschäfte und 65 gastronomische Kleinbetriebe.
Alljährlich gehört auch das Französische Dorf zum Cannstatter Volksfest. 2004 war es mit 33 Ständen vertreten. Dort können die Besucher bei landestypischer Musik französische Speisen und Getränke konsumieren.
Traditionell findet ein Festumzug zum Wasen statt – jeweils am ersten Sonntag des Festes. Ein wohl bis heute nicht überbotener Festumzugs-Rekord wurde 1954 aufgestellt, als über 300.000 Zuschauer zwischen Schlossplatz und Wasen die Straßen säumten.
Um Familien mit Kindern anzulocken, werden seit mehreren Jahren zu bestimmten Terminen in manchen Zelten bzw. Fahrgeschäften spezielle Kinder- oder Familientarife angeboten. Mehrere Festzelte bieten tagsüber spezielle Rentnertarife an (u. a. das „Rentnerviertele“).
Seit 2002 gibt es auf dem Volksfest, wie auch auf dem Münchner Oktoberfest, Schwulen-Abende. Seit 2002 veranstaltet das Festzelt „Wasenwirt“ eine „Gaydelight-Party“, seit 2005 findet im Festzelt „Göckelsmaier“ die „Gay-Chicken-Night“ statt.
Durch den Anfang Oktober gelegenen Tag der Deutschen Einheit profitieren die Betreiber seit 1990 von einem zusätzlichen arbeitsfreien Tag während des Volksfestes. Anlässlich des Nationalfeiertags wurde die alte Tradition des Volksfest-Feuerwerks wiederbelebt.
Zusammen mit dem Volksfest findet der Krämermarkt auf dem Cannstatter Wasen statt. Angeboten werden dort Hosenträger, Ledergürtel, Pfannen, Textilien, Gewürze u. a.
Alle drei Jahre ist dem Volksfest das Landwirtschaftliche Hauptfest angeschlossen – der ursprüngliche Auslöser des herbstlichen Trubels auf dem Wasen. Das Landwirtschaftliche Hauptfest dauert 9 Tage (erste Volksfest-Woche) und kostet im Unterschied zum Volksfest Eintritt. Ab dem Hauptfest 2006 wird der Rhythmus der Ausrichtung geändert. Die Veranstaltung findet nur noch alle vier Jahre statt.
Die Öffnungszeiten der Zelte und Imbißstände sowie die Fahrzeiten der Fahrgeschäfte von Sonntag bis Freitag sind von 11 Uhr und 23 Uhr. An Samstagen und vor Feiertagen dauert der Betrieb bis 23:30 Uhr, allerdings erlischt in den Festzelten um 23:00 Uhr die Musik. Kinderkarussells und andere Fahrbetriebe für Kinder beenden häufig schon um 22 Uhr den Betrieb.
Bis vor wenigen Jahren wurden Briefe, die in die auf dem Cannstatter Volksfest aufgestellten Briefkasten gesteckt wurden, mit einem Sonderstempel der Post versehen. Sie waren begehrte Sammlerobjekte.