Celtic+~, beziehungsweise Celtic (Kinloch Rannoch) waren zwei Aktionen des deutschen Künstlers Joseph Beuys (1921–1986) in Zusammenarbeit mit dem dänischen Musiker und Fluxus-Komponisten Henning Christiansen, welche man als „Fluxustheater“ bezeichnet kann.
Die Performance bestand aus einem Kassettenrecorder, Tonbandgeräten, Filmprojektoren, einem Klavier, sowie Mikrophonen; überdies bestand die Aktion aus Waffen: Einem Speer und einer Axt und wurde auf einem großen runden Silberteller präsentiert; hinzu kamen Gelatine, eine Leiter und eine Wandtafel zum Einsatz.
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In einem abgedunkelten Raum, läuft zunächst ein Tonband mit Klavieraufnahmen; als Symbol von Blut (oder als Ariadnefaden) hängt ein rotes Band an einem Speer. Beuys beginnt ein Diagramm auf die am Boden liegende Schultafel zu zeichnen und schiebt diese anschließend mit einem Stock durch den Raum und gibt dabei Anweisung den Film Eurasienstab untermalt mit der Komposition fluxorum organum abzuspielen. Während der Aktion steht Beuys unvermittelt in der Raummitte, schneidet Grimassen und vollführt lachend abstruse Verrenkungen. Im Anschluss wird ein weiterer Film vorgeführt den Beuys mit anderen Protagonisten in den schottischen Highlands gedreht hatte: „Rannoch Moor“. Die Begleitmusik zu dem Film stammt von dem Komponisten Arthur Köpcke. Dann erschallt brachiale Orgelmusik gemischt mit Schreien, während Beuys auf einer Leiter stehend Gelatine von den zuvor präparierten Wänden kratzt und auf einem, mit der linken Hand balancierenden Silberteller wirft. Nach Vollendung dieses Aktes stellt er die Leiter beiseite und hebt den Gelatineteller über seinen Kopf und gießt die wabbelinge Masse über sich. Im Finale des Stücks stellt er den Teller auf den Boden und hebt stattdessen die Schultafel mit dem Diagramm auf und schreit „Ö! Ö! Ö!“. Danach legt er sich auf den Boden, springt auf und ergreift den Speer und verweilt in dieser Position über eine Stunde.
Beuys und Christiansen führten das Stück als Beitrag zu den Edinburgher Festspielen an fünf Tagen auf.
In Celtic+~ arbeitete Joseph Beuys erneut mit Christiansen zusammen: Am 5. April 1971 wiederholten sie ihr Stück als Variation zu der Edinburgher Fassung in einem Luftschutzbunker in Basel.
Celtic+~ beginnt mit einer rituellen Fußwaschung an sieben Personen. Der folgende Akt ist nahezu identisch mit der Aktion in Edinburgh, lediglich die Enge des Kellerraums und das dichtgedrängte Publikum behinderten Beuys bei seiner Performance. Letztlich hebt er eine Tafel mit der Notiz „Gralshüter Beuys“ vom Boden auf und schnallt sich unter unverständlichen Lauten jeweils eine Taschenlampe um beide Oberschenkel, steigt in eine mit Wasser gefüllte Badewanne und lässt sich von seinem Aktionspartner Christiansen eine Kanne Wasser über den Kopf schütten.
Das Reinigungsritus der Fußwaschung, so Beuys später, beziehe sich auf eine völlige Reinigung, eine grundlegende Heilung des gesamten sozialen Feldes, d. h. bis in die sozialen Organismen hinein: „Es ist die Unreinheit, die gereinigt werden muß. Denn so wie die Welt ist, darf sie nicht sein.“[1]
Wie Beuys selbst sagte, wollte er sich nicht mit der Rolle des Christus und dem Ritus der Fußwaschung identifizieren, sondern auf das in jedem Menschen vorhandene spirituelle Potential hinweisen und dazu auffordern, dieses zu entwickeln: „Also, nicht daß ich die Rolle des Christus übernehme, sondern die Rolle des Menschen als einem, der diese Kraft hat.“[2]
Den Begriff „Christentum“ findet Beuys belastend. Er wollte die Aktualität in den Vordergrund stellen und den Begriff für den Rezipienten somit in einer Handlung zeitlich nachvollziehbar machen: „Dann fragt man sich: Wie kann man das, was ein Christusimpuls ist, herausarbeiten? Was ist das eigentlich? Ist das ein bloß historisches oder ist das ein gegenwärtig-reales Ereignis?“[3]
Im Vorfeld hatten Beuys und Christiansen bereits schon 1970 gemeinsam an der Aktion „Celtic (Kinloch Rannoch) ‚Schottische Symphonie‘“ gearbeitet. Diese erste „Celtic“-Aktion entstand am Edinburgh College of Art.
Beuys sagte hierzu:
„… das lebte schon lange in mir: Schottland, Arthurs Tafelrunde, die Gralsgeschichte. Die Elemente trafen sich und traten zu Tage. Aufgrund der Vorarbeit. Man muß das nicht als Partitur werten. Die Vorarbeit hängt mit meinem Leben zusammen …[4]“