Charakene

Münze des Hyspaosines
Münze des Hyspaosines

Charakene (oder auch Characene oder Mesene, am persischen Golf gelegen) war ein kleines Königreich innerhalb des Partherreiches, von dem bisher nur sehr wenig bekannt ist, obwohl es rund 300 Jahre lang bestand.

Die Hauptstadt des Reiches war Charax-Spasinu (wohl bei Basra gelegen), das ein bedeutendes Handelszentrum zwischen Mesopotamien und Indien war. Charakene wird nur selten bei antiken Autoren erwähnt. Die Abfolge der Herrscher lässt sich allerdings recht gut über ihre Münzen verfolgen, die darüber hinaus auch noch datiert sind (nach der seleukidischen Ära) und somit ein festes chronologisches Gerüst bilden. Nur die Münzen der zweiten Hälfte des zweiten nachchristlichen Jahrhunderts zeigen keine Datierungen mehr. Diese Münzen zeigen auf der Vorderseite ein Bild des Herrschers und haben zunächst griechische, später aber aramäische Legenden. Auf der Rückseite befindet sich oft ein Bild des Herakles.

Seit der Mitte des 3. Jahrhundert v. Chr. fielen immer mehr Provinzen (Parthien, Baktrien) vom Seleukidenreich, das sich von Indien bis zum Mittelmeer erstreckte, ab. In der Mitte des 2. Jahrhunderts v. Chr. befand sich das Seleukidenreich schließlich in einer Phase der totalen Auflösung. Vor allem die östlichen Provinzen gingen an die Parther verloren. Ihre Herrschaft in Mesopotamien war zunächst nicht sehr fest und als die Parther im Osten mit Feinden zu kämpfen hatten, schien auch ihr Reich kurz vor dem Zusammenbruch zu stehen. In dieser Zeit erklärte sich auch die Charakene unter Hyspaosines, der kurzzeitig sogar Teile von Persien und Babylonien regierte, für unabhängig. Er ist für das Jahr 127 v. Chr. mit dem Königstitel bezeugt. Im Süden zählte sogar Bahrain zu seinem Reich. Hyspaosines starb aber bereits 124 v. Chr.

Charakene bewahrte danach nur kurz seine Selbstständigkeit und wurde nach 124 v. Chr. ein Vasallenstaat des sich ausbreitenden Partherreiches. Als der römische Kaiser Trajan Teile des parthischen Reiches eroberte, ergab sie sich unter Attambalos VII. kampflos und konnte erst 150 wieder von den Parthern zurück erobert werden. Mit dem Aufkommen des Sassanidenreiches verschwand die Charakene.

Die Herrscher der Charakene

  • Hyspaosines ca. 127–124 v. Chr.
  • Apodakos ca. 110/09–104/03 v. Chr.
  • Tiraios I. 95/94–90/89 v. Chr.
  • Tiraios II. 79/78–49/48 v. Chr.
  • Artabazos 49/48–48/47 v. Chr.
  • Attambelos I. 47/46–25/24 v. Chr.
  • Theonesios I. ca. 19/18 v. Chr.
  • Attambelos II. c. 17/16 v. Chr.–8/9 n. Chr.
  • Abinergaos I. 10/11; 22/23
  • Orabazes I. ca. 19
  • Attambelos III. c. 37/38–44/45
  • Theonesios II. ca. 46/47
  • Theonesios III. ca. 52/53
  • Attambelos IV. 54/55–64/65
  • Attambelos V. 64/65–73/74
  • Orabazes II. ca. 73–80
  • Pakoros (II.) ca. 80/81–101/02 (Periode direkter parthischer Kontrolle)
  • Attambelos VI. ca. 101/02–105/06
  • Theonesios IV. 110/11–112/113
  • Attambelos VII. ca. 113/14–116/17
  • Interregnum ?
  • Meredates ca. 130/31–150/51
  • Orabazes II. ca. 150/51–165
  • Abinergaos II. ca. 165–180
  • Attambelos VIII. ca. 180–195
  • Magas (?) ca. 195–210
  • Abinergaos III. (?) ca. 210–222

Literatur

  • Monika Schuol: Die Charakene. Ein mesopotamisches Königreich in hellenistisch-parthischer Zeit, Stuttgart 2000, ISBN 3-515-07709-X. Besprechung

Weblinks

Quelle:
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