Charles Crodel (* 16. September 1894 in Marseille; † 28. November 1973 in München, begraben in Halle) war als Maler und im bildnerischen Bereich in Deutschland tätig.
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Carl Fritz David Crodel, genannt Charles Crodel, wuchs in Marseille als Sohn des dortigen Konsuls und Meeresbiologen Richard Crodel[1] auf und studierte nach dem Schulabschluss in Jena 1914 bei Richard Riemerschmid in München.
Der Jenaer Kunstpädagoge Christoph Natter machte ihn mit der Malerin Elisabeth von Fiebig bekannt, die Crodel 1918 heiratete. Seit 1915 war Crodel an der Universität Jena in den Fächern Archäologie sowie Kunstgeschichte eingeschrieben. Er war befreundet mit dem Archäologen Herbert Koch, mit Justus Bier und Erich Schott und war Vorstandsmitglied des Jenaer Kunstvereins. Für den Kunstverein verfasste Crodel das Urverzeichnis der Graphikstiftung Ernst Ludwig Kirchners, während er seine eigene Druckwerkstatt aufbaute. Wie Absolventen des Weimarer Bauhauses erwarb Crodel 1921 nach einer Lehrzeit in der von Ernst Haeckel aufgebauten naturwissenschaftlichen Druckerei Giltsch in Jena[2] den Gesellenbrief im Lithographen und Druckereihandwerk bei der Handwerkskammer Weimar.
Ein Grundzug von Crodels Werk ist die Auseinandersetzung mit der anschaulichen Bildsprache seit der Antike in technischer und ikonographischer Hinsicht; in seinen kunstwissenschaftlichen Vorlesungen sprach Crodel daher auch später "Über Thomas Mann als Maler". Befreundet mit Gerhard Marcks, für den er auch druckte, wurde Crodel zunächst mit seinen Holzschnitten und Lithographien (1923 Erwerbungen durch das Kupferstichkabinett der Berliner Nationalgalerie und des Kupferstichkabinetts der Bibliothèque Nationale, Paris), dann aber durch seine frühen Wandmalereien bekannt (1924 Friedrich-Schiller-Universität Jena, 1925 Hospital am Schottenring, Erfurt). 1926 Parisaufenthalt; Besuch der Académie de la Grande Chaumière.
1927 berief die Stadt Halle (Saale) Crodel als Lehrer für Malerei und Graphik an die Kunstgewerbeschule Burg Giebichenstein. Dort baute Crodel die Werkstätten für Wandmalerei und die Graphikwerkstätten für Radierung mit Rudolf Baschant und Lithographie mit Walter Herzger als Mitarbeitern auf. Vorlesungen über Kunstgeschichte ergänzten den Unterricht. Es entstanden in Fortführung von Motiven Carl Friedrich Schinkels Wandbilder für Bad Lauchstädt, die Universität Halle (1928 die Improvisationen über Leben und Tod mit Motiven des Ersten Weltkrieges und aus dem Werk des Francisco de Goya in der Burse zur Tulpe und 1931 den Wettlauf der Atalante im Gymnastiksaal in der Moritzburg (Halle), heute "Crodel-Halle"), die Juryfreie Kunstausstellung Berlin und die Berliner Bauausstellung 1932. In diesem Jahr erhielt Crodel auch den Villa-Romana-Preis.
Bereits 1930 wurden im Weimarer Schloßmuseum Werke von Barlach, Crodel, Dexel, Feininger, Kandinsky, Kirchner, Klee, Kokoschka, Lehmbruck, Marc, Marcks, Minne, Moltzahn, Schlemmer, Schmidt-Rottluff magaziniert "also entscheidende deutsche Kunst der Gegenwart." (Das Kunstblatt, 14, 1930, S. 379)
Im Sommer 1933 stand Crodels Werk im Zentrum der Berliner Kunstauseinandersetzungen, wobei seine Monumentalarbeiten für Bad Lauchstädt auf Anordnung der Landeshauptmanns Kurt Otto öffentlich verbrannt und vernichtet wurden (zum Goethejahr 1932 entstanden im Rahmen der Erneuerung der Kuranlagen durch die Kunstgewerbeschule Burg Giebichenstein unter Leitung des Architekten Hans Wittwer), ebenso die Wandmalereien in der Moritzburg und im Standesamt Süd in Halle.
Trotzdem war Crodel bis 1935 mit drei Bildern in der Neuen Abteilung der Nationalgalerie Berlin im Kronprinzenpalais vertreten.
In der Folgezeit suchte sich Crodel neue Arbeitsmöglichkeiten in Zusammenarbeit mit Kirche, Post und Industrie. Nach seinen Entwürfen führte Ehefrau Elisabeth Crodel geb. von Fiebig, die selbst Malerin war, Bildteppiche aus. In Zusammenarbeit mit den Vereinigten Werkstätten für Mosaik und Glasmalerei Puhl & Wagner,[3][4] Berlin, entstanden Mosaiken, Glasschliff und Glasmalereien z.B. für das von Hans Scharoun erbaute Privathaus des Galeristen Ferdinand Möller, das Landhaus von Gerhard Marcks oder Werksbauten von Ernst Neufert für die Vereinigten Lausitzer Glaswerken (VLG). Dort wirkte Crodel als Maler und Dekordesigner mit Wilhelm Wagenfeld zusammen sowie in Berlin mit den von Hedwig Bollhagen gegründeten HB-Werkstätten für Keramik bis 1973.
Bis zur Zerstörungswelle von 1936 (Vernichtung der Fresco-Secco-Wandmalereien in der Universität Halle) war Crodel mit drei Werken in der Neuen Abteilung der Berliner Nationalgalerie im Kronprinzenpalais vertreten. Die Aktion Entartete Kunst von 1937 erfasste allein im Angermuseum Erfurt 30 Arbeiten.
1945 wurde Crodel von Mart Stam an die Hochschule für angewandte Kunst in Dresden berufen,[5] wenig später an der Hochschule für Bildende Künste in Berlin der "Lehrstuhl Crodel" eingerichtet. Bis 1951 war Crodel erneut Lehrer an der Burg Giebichenstein, wechselte an die Akademie der Bildenden Künste München und lehrte in den USA an der Pennsylvania State University und der University of Louisville.
Crodels Schaffen konzentrierte sich auf ganze Gebäude erfassende architekturgebunde Werke durch raumbindende 'textile' Konzepte von Gesamtverglasung und Wandmalerei ( Katharinenkirche Frankfurt, Stadtkirche Friedberg), in einigen Fällen ergänzt durch zum Gesamtkonzept gehörende Tapisserien und Emailarbeiten. Die Glasmalerei ist seit Mitte der Fünfziger Jahre wie von Anfang an seine Keramik stets eigenhändig in der Qualität von Aquarellen.
Crodel war u.a. Mitglied der Freien Secession und der Berliner Sezession, der Arbeitsgemeinschaft der Juryfreien Kunstausstellung, Berlin, des Deutschen Künstlerbundes, des Deutschen Werkbundes, der Akademie der Künste (Berlin), der Bayerischen Akademie der Schönen Künste in München[6] und der Neuen Gruppe (München), Mitglied des Vereins für Kunstwissenschaft und seit 1963 Ehrenmitglied der Akademie der Bildenden Künste München sowie 1968 Ehrengast der Villa Massimo in Rom.
An seine Wirkungszeit in Halle (Saale) erinnern der Carl-Crodel-Weg und die Crodel-Halle der Moritzburg (Halle).
Der schriftliche Nachlass kam seit 1974 in das Archiv für Bildende Kunst im Germanischen Nationalmuseum (u. a. 20 Tagebuchbände mit Zeichnungen und kleineren Aquarellen).[7] Weitere Bestände in der Akademie der Künste[8] und der Universität von Louisville.[9]
Das Werkverzeichnis der baugebundenen Arbeiten unten unter "Werkverzeichnisse".
Die Glasmalerei hatte Crodel während seines Studiums im München 1914 bei Richard Riemerschmid kennengelernt und in Halle 1932 anlässlich der Erneuerung des Naumburger Domes wiederaufgegriffen. Nach dem 2. Weltkrieg entwarf er u.a. die auch meist eigenhändig ausgeführten fünf Westchorfenster von St. Michaelis in Hildesheim, die Farbglasfenster der Kart(h)äuserkirche in Köln [10], die Chorfenster von St. Jacobi in Hamburg, St. Andreas in Braunschweig, Verglasungen von mehreren Kirchen in Frankfurt am Main in Verbindung mit dem Architekten Theo Kellner – Dreikönigskirche, St. Jakobskirche, Katharinenkirche und Peterskirche – ferner die Glasfenster von St. Petri in Magdeburg, von St. Georg in Schmalkalden, der Dorfkirche von Nieder Neuendorf, der Martin-Luther-Kirche in Bestenheid, der Herz-Jesu-Kirche in Sangerhausen und Glasfenster im Erfurter Dom, in der Stadtkirche von Friedberg (Hessen), in der neuen Martinskirche in Bad Godesberg-Muffendorf, in der Kilianskirche in Heilbronn und in Schweden - u.a. in Mjölby (Östergötland).
Ein Probeglasfenster zur Hauptkirche St. Jacobi ist im Museum für Kunst und Gewerbe in Hamburg erhalten.
Griechenland und die Vertreibung der Türken von der Athenischen Burg (1925) Friedrich-Schiller-Universität Jena, St. Martin 5,97 m * 4,60 m (1926), Haus zu den vier Jahreszeiten in Erfurt (früher Hospital am Schottenring), Sage der Erfurter Brunnenkapelle, Schloßmuseum Weimar (1927 aus Jena nach überführt, derzeit nicht zugänglich). Die 1933 und 1936 in Bad Lauchstädt und Halle überstrichenen Wandbilder u.a. in der Crodel-Halle der Moritzburg (Halle) und der Burse zur Tulpe sind noch nicht wiederhergestellt.
Weißer Saal (139 m²) im Saalbau Essen (1954); Studentenwohnheim Biederstein München-Schwabing in Zusammenarbeit mit Sep Ruf (1955).
Auswahl ohne Industrieglas der Vereinigten Lausitzer Glaswerke, Porzellan ( KPM) und Keramik (u.a. HB-Werkstätten)
Akademie der Künste, Berlin, Vesuvlandschaft. Öl;. etwa 1951 und weitere Werke.
Alte Nationalgalerie Berlin, u.a. Erfurter Dom und Severikirche, 1929; Karussell, 1966, Am Vogelhaus, Aquarell sowie 24 Graphiken im Kupferstichkabinett.
Graphothek Berlin 14 Blatt Graphik und Zeichnungen.
Angermuseum Erfurt Der Katalog "Angermuseum Erfurt", Erfurt 1986 führt 23 im Zuge der Aktion "Entartete Kunst" 1937 beschlagnahmte Werke auf.[11] Der heutige Bestand enthält u.a die von Crodel bemalte Gruppe Griechinnen von Gerhard Marcks (1931), Crodels Kopenhagen (1938) sowie 5 weitere Bilder, 6 Graphiken und 9 Aquarelle und 1 Stickerei von Charles und Elisabeth Crodel.
Staatliche Galerie Moritzburg Halle, Bilder, Graphik und Kunsthandwerk und Industriearbeiten; Wandbild in der Crodelhalle (noch nicht wiederhergestellt).
Museum der bildenden Künste Leipzig, Frau mit schwarzem Spitzenschal und Lithographie: Erfurt mit Sichelmond.
Allen R. Hite Institute der University of Louisville, mehrere Graphiken und Zeichnungen.
Luther College, Decorah, Iowa. Henri Friedlaender Collection, "Women pouring water" und Graphik von Franz Wildenhain und Marguerite Friedlaender aus den von Crodel geleiteten Druckwerkstätten der Burg Giebichenstein (stilistisch im Anschluß an Crodel und Marcks).[12]
Städtische Galerie im Lenbachhaus München Märchenerzähler (Tunisreise 1935) und 8 weitere Werke (u.a. Cafe Langlinie in Kopenhagen, 1927 und Bildnis Edvard Munch, 1934).
Bibliothèque Nationale de France: Cabinet des estampes, Paris mehrere Graphiken.
The North Carolina Museum of Art, Raleigh, Mexican Painter (1961).
Virginia Museum of Fine Arts. The Ludwig and Rosy Fischer Collection, Richmond vier Graphiken.
Verzeichnis der Ausstellungen:[2] und der im Deutschen Künstlerbund ausgestellten Werke [3]
Verzeichnis baugebundener Werke: [4]
Verzeichnis der Gemälde: Erika Lehmann: Graphik, Malerei und Kunsthandwerk von Charles Crodel. Umfeld, Leben und Werk, Diss. Halle-Wittenberg 1984, Bd. II, S. 129 - 186 = 1209 Nummern (Belegexemplar in der Bibliothek der Hamburger Kunsthalle)
Verzeichnis der Graphik: Cornelius Steckner: Charles Crodel: das graphische Werk, München 1985.
Verzeichnis der monumentalen Bildkeramik: Cornelius Steckner: Charles Crodel's monumentale Bildkeramik. Keramos, Heft 164, 1999, S. 59 - 80 ISSN 0453-7580
Zu den Vorfahren Crodels gehören der Humanist Marcus Crodel (* um 1487 in Weimar)[5] und die Mitglieder der gleichnamigen Malerfamilie aus dem Umkreis des Lucas Cranach (Krodel-Brunnen in Schneeberg). Paul Eduard Crodel), genannt Schnee-und-Regen-Crodel, war an der Weimarer Malerschule ausgebildet und wichtiger Mitbegründer der Münchner Sezession und dem jungen Crodel ein Vorbild.
Bereits in Jena bildete sich um Crodel, der dem Vorstand des Jenaer Kunstvereins angehörte und die Kunstvereine Mitteldeutschlands zu einen Verbund zusammenbrachte, die Thüringer Gruppe (Ausstellungen u.a. in Hamburg). Sein Wirken in Halle seit 1927 war mit seiner Berliner Präsenz als Mitglied u.a. der Berliner Sezession verbunden. Nachhaltig wirkte Crodel auf die serienbezogene Dekorentwicklung in der Glas- und Keramikindustrie sowie die Kunstentwicklung der DDR und die Münchner Malerei. Auch für seine Monumentalarbeiten und Ausstellungen hatte die damals bestehende innerdeutsche Grenze keine Bedeutung.
Crodes Glasfensterwerk und baubezogene Keramik gehört zu den bedeutendsten Bildschöpfungen der Moderne in Deutschland.
Crodel hatte einen umfangreichen Schülerkreis an der Burg Giebichenstein Halle (zwischen 1933 und 1939 privat in Verbindung mit Paul Frankl), vermutlich an der Städelschule in Frankfurt sowie nach 1945 in Dresden, Berlin und Halle sowie an der Münchener Akademie und in den Vereinigten Staaten. Crodel unterrichtete auch an kleineren Institutionen u.a. in Mannheim und an der Münchner Schule für Kostümkunde und Design Hermine von Parish.[13]
Kurt Bunge, Albert Ebert, Fritz Freitag, Urd von Hentig, Otto Müller, Hans Rothe, Stefan Vucmanovic, Hannes Wagner.