| Klassifikation nach ICD-10 | ||
|---|---|---|
| A00.0 | Cholera durch Vibrio cholerae O:1, Biovar cholerae | |
| A00.1 | Cholera durch Vibrio cholerae O:1, Biovar eltor | |
| A00.9 | Cholera, nicht näher bezeichnet | |
| ICD-10 online (WHO-Version 2006) | ||
Die Cholera (gr.: Gallenbrechdurchfall) ist eine schwere, bakterielle Infektionskrankheit, die vorwiegend den Dünndarm befällt. Sie kann extremen Durchfall und starkes Erbrechen verursachen, was zu einer schnellen Austrocknung (Exsikkose) mit Elektrolytverlust führen kann. Obwohl die meisten Infektionen asymptomatisch verlaufen (etwa 85 %), beträgt die Letalität bei Ausbruch der Krankheit unbehandelt zwischen 20 und 70 %.
Inhaltsverzeichnis |
Nach einer Inkubationszeit von 2-3 Tagen verläuft Cholera meist in drei Stadien:
Menschen mit der Blutgruppe O sind besonders gefährdet, solche mit der Blutgruppe AB am wenigsten.
Die Diagnose geschieht
Eine Krankheit, die nach heutigem Dafürhalten möglicherweise die Cholera war, wurde seit etwa 600 v. Chr. im Gangestal in Indien beobachtet. Seit dem ausgehenden 18. Jahrhundert breitete sich die Seuche von Indien kommend nach Westen aus. Um 1830 brachten die gegen den polnischen Aufstand herangerufenen russischen Truppen von der indischen Grenze die Krankheit erstmals nach Europa (Tod von Gneisenau, Clausewitz, Hegel u.v.a.). Binnen weniger Jahre wurden fast alle europäischen Länder von verheerenden Seuchenwellen heimgesucht. Mitte des 19. Jahrhunderts gab es große Cholera-Epidemien in London. Durch den Bau eines großen Abwassernetzes unter Joseph Bazalgette konnten sie beendet werden. Tragische Figur dieser Epidemien in London ist der Arzt John Snow, der bereits 1854 die Übertragung der Cholera über verschmutztes Trinkwasser entdeckte, dessen Theorien sich aber nur langsam durchsetzen konnten. Im gleichen Jahr entdeckte Filippo Pacini in Florenz im Darminhalt mehrerer Choleraopfer große Zahlen an Bakterien (Vibrionen), die er für die Erreger der Seuche hielt. Auch er konnte sich aber mit seiner Auffassung nicht durchsetzen.
Im Krimkrieg (1853 bis 1856) kamen auf beiden Seiten mehr Soldaten durch die Cholera um als in Kampfhandlungen. So starben u. a. der britische Oberbefehlshaber Lord Raglan und der Befehlshaber der französischen Flotte Armand Joseph Bruat daran.
Um 1892 grassierte die Cholera in Afghanistan und gelangte nach Russland. In Hamburg kam es in diesem Jahr zur großen Choleraepidemie von 1892. Robert Koch, der als Entdecker des Cholera-Erregers gilt, vermutete, dass russische Amerika-Auswanderer sie mit in die deutsche Hafenstadt gebracht hätten. Es gibt jedoch starke Zweifel an dieser Hypothese, da die ersten Cholerafälle unter Einheimischen entdeckt wurden. Durch die fehlende Aufklärung der Bevölkerung und zu wenig Kläranlagen wurde der Ausbruch des Erregers begünstigt. Allein in Hamburg starben mehr als 8600 Personen.
Die letzte größere Choleraepidemie weltweit breitete sich in Peru 1991 aus. Am 9. Februar rief die peruanische Regierung den nationalen Notstand aus, trotzdem trat die Epidemie auch in Ecuador, Kolumbien, Mexiko und Nicaragua auf. Von den rund 400.000 damals in Südamerika Erkrankten starben schätzungsweise 12.000.
Die Cholera-Epidemien mit den Massenerkrankungen und Massentoten forderten von den betroffenen Behörden immer wieder innovative Organisationsformen. So brachte die Cholera-Epidemie von 1830 in den betroffenen Städten Mittel-Osteuropas die neue Erscheinung der „Cholera-Zeitungen“ hervor, in denen die getroffenen Maßnahmen verkündet wurden. Sie enthielten auch lange Namenslisten der an Cholera Erkrankten und Verstorbenen.
Die wichtigste Behandlungsmaßnahme ist der ausreichende Ersatz von Flüssigkeit, Zucker und Salzen. Dieser Ersatz erfolgt am besten intravenös, da so der entzündete Magen-Darm-Trakt umgangen wird. In Ländern der Dritten Welt wird aber auch der orale Flüssigkeitsersatz einfach und erfolgreich praktiziert.
Die WHO empfiehlt eine oral zu verabreichende Salz- und Glukoselösung in Wasser, die aus folgenden Komponenten besteht:
Die optimale Mischung enthält die Lösung 'ORS' (Oral Rehydration Solution), die es als Fertigpulver zu kaufen gibt. Ein Antibiotikum vom Fluorchinolonetyp, z. B. Ciprofloxacin ist bei schweren Verläufen empfehlenswert. Verkürzt jedoch v. a. die Zeit der Infektiosität, selten den Krankheitsverlauf. Eine Untersuchung in Bangladesh konnte kürzlich zeigen, dass eine Einmalgabe des besser verträglichen Antibiotikums Azithromyzin wirksamer war als Ciprofloxacin. Mit diesen Maßnahmen kann die Sterblichkeitsrate von 60 % auf unter 1 % gesenkt werden. Zur Vorbeugung empfiehlt sich vor allem die Einhaltung hoher hygienischer Standards, vor allem die Bereitstellung hygienisch einwandfreien Trinkwassers. Auch eine Impfung ist möglich, wird allerdings im allgemeinen nicht empfohlen. Neuere Entwicklungen (Schluckimpfung) sind wirksamer und verträglicher und schützen auch zu einem gewissen Grad vor dem klassischen Reisedurchfall. Die frühere intramuskuläre Impfung ist als veraltet und wirkungslos zu beurteilen.
Das Choleratoxin ist ein hexameres Protein, das aus einer alpha- und fünf beta-Untereinheiten aufgebaut ist. Es durchquert die Plasmamembran und hemmt GTPase-Aktivität von G-Proteinen , indem es eine ADP-Ribose (aus intrazellulärem NAD+) an die alpha-Untereinheit des G-Proteins anhängt. Diese ist (unter Anderm) für die Umsetzung von GTP zu GDP zuständig und damit für die Inaktivierung selbiger. Somit blockiert es die Signalabschaltung in der Zelle. Es kommt zu einem Überschuss des Second Messengers cAMP durch permanente Aktivierung der Adenylatcyclase. Damit wird die Aktivität bestimmter Membranproteine erhöht, wodurch es zu einem massiven Ausstrom von Na+ Ionen und Wasser kommt.
Ein neuer oraler Cholera-Impfstoff wirkt nicht nur antibakteriell (gegen den Erreger) sondern zusätzlich antitoxisch (gegen das Choleraexotoxin).
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