Christian Lassen

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Christian Lassen (* 22. Oktober 1800 in Bergen; † 9. Mai 1876 in Bonn) war Altertumsforscher und Indologe.

Christian Lassen, Begründer der indischen Altertumswissenschaft, studierte in Christiania, dann in Heidelberg und Bonn, wo er durch August Wilhelm von Schlegel den indischen Studien zugeführt wurde und durch dessen Vermittlung ein Reisestipendium zu einem zweijährigen Aufenthalt in Paris und London erhielt. Hier fand Lassen Gelegenheit, aus der indischen Literatur Sammlungen anzulegen, die er allmählich dem Publikum bekannt gemacht hat. Im Verein mit Eugène Burnouf widmete er sich der Erforschung der noch ganz unbekannten Pâlisprache der südlichen Buddhisten und veröffentlichte 1826 mit ihm seinen Essai sur le Pâli. Nach Bonn zurückgekehrt, habilitierte er sich daselbst 1827, wurde 1830 zum außerordentlichen, 1840 zum ordentlichen Professor der altindischen Literatur ernannt und entwickelte jahrzehntelang die anregendste Lehrtätigkeit, bis zunehmende Augenschwäche und schließlich völlige Erblindung ihn am Dozieren verhinderte.

Im Verein mit Schlegel gab Lassen die Fabelsammlung Hitopadesa (Bonn 1829-31, 2 Bde.) heraus, deren 2. Teil fast ganz von ihm herrührt und vorzugsweise kritischen Inhalts ist. Durch Henry Thomas Colebrookes Arbeiten angeregt, unternahm L. das schwierige Studium der bedeutenden Werke der indischen Philosophie und veröffentlichte in dem Gymnosophista (Bonn 1832 ein kurzes indisches Lehrgedicht über die so genannten Sankhyaphilosophie.

Später lieferte er eine Ausgabe und lateinische Übersetzung des berühmten, von Friedrich Rückert ins Deutsche übersetzten Gedichts Gîtagovinda von Dschayadewa (Bonn 1837) und eine neue Ausgabe von Schlegels Edition du Bhagavad-Gîtâ" (Bonn. 1846). In einer Anthologia sanscrita (Bonn 1838; neu bearbeitet von Gildemeister, 2. Aufl., das. 1868) half Lassen einem Bedürfnis des ersten akademischen Unterrichts ab.

Seine Institutiones linguae pracriticae (Bonn 1837) behandeln die in den indischen Dramen gebrauchten Töchtersprachen des Sanskrit. In seinen beiden Abhandlungen, die als Beiträge zur Erklärung der Eugubinischen Tafeln in dem "Rheinischen Museum" erschienen, trug er wenigstens einiges zur Aufhellung dieser altitalischen Sprachdenkmäler bei. Glücklicher noch war er in seinen Versuchen zur Erklärung der sogen. Keilinschriften (Die altpersischen Keilinschriften zu Persepolis, Bonn 1836), an die er schätzbare Untersuchungen über die alte Geographie Persiens knüpfte.

Ein Werk emsigen Bienenfleißes ist die Abhandlung Zur Geschichte der griechischen und indoskythischen Könige in Baktrien, Kabul und Indien (Bonn 1838). Sein Hauptwerk aber, worin er auf dem Gebiet der indischen Forschungen bahnbrechend wurde und unerreicht blieb, ist die Indische Altertumskunde die sich als den Inbegriff alles bis dahin erreichten antiquarischen Wissens über Indien darstellt. Seine früheren Einzeluntersuchungen: De Pentapotamia indica (Bonn 1827) u. a., sind als Vorarbeiten zu seiner Altertumskunde zu betrachten. Außerdem hat Lassen zu der Indischen Bibliothek Schlegels, dem Rheinischen Museum und der Zeitschrift für die Kunde des Morgenlandes viele Beiträge geliefert.

Lassen war zudem Lehrer von bedeutenden Orientalisten.

Werke

  • Zur Geschichte der griechischen und indoskythischen Könige in Baktrien, Kabul und Indien durch Entzifferung der Alt-Kabulischen Legenden auf ihren Münzen/ Bonn 1838.
  • Vendidadi 1852
  • Geschichte des Handels und des griechisch-römischen Wissens von Indien und Geschichte des nördlichen Indiens von 319 nach Christi Geburt bis auf die Muhammedaner: Indische Alterthumskunde. Leipzig 1858
  • Geschichte des Dekhans, Hinterindiens und des Indischen Archipels von 319 nach Christi Geburt bis auf die Muhammedaner und die Portugiesen: nebst Umriß der Kulturgeschichte und der Handelsgeschichte dieses Zeitraums : Indische Alterthumskunde. Leipzig 1871
  • Geschichte von Buddha bis zu dem Ende der älteren Gupta-Dynastie: Indische Alterthumskunde. Leipzig 1874
  • Geographie, Ethnographie und älteste Geschichte: Indische Alterthumskunde. Leipzig 1878
  • Geschichte des nördlichen Indiens von 319 nach Christi Geburt bis auf die Muhammedaner: Indische Alterthumskunde

Weblinks


Dieser Artikel basiert auf einem gemeinfreien Text („public domain“) aus Meyers Konversations-Lexikon, 4. Auflage von 1888–1890. Bitte entferne diesen Hinweis nur, wenn Du den Artikel so weit überarbeitet oder neu geschrieben hast, dass der Text den aktuellen Wissensstand zu diesem Thema widerspiegelt und dies mit Quellen belegt ist, wenn der Artikel heutigen sprachlichen Anforderungen genügt und wenn er keine Wertungen enthält, die den Wikipedia-Grundsatz des neutralen Standpunkts verletzen.
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