Christoph Blocher

Christoph Blocher
Christoph Blocher

Christoph Blocher (* 11. Oktober 1940 in Schaffhausen) ist ein rechtsbürgerlicher Schweizer Politiker (SVP) und seit 2004 Justizminister im Bundesrat.

Blocher spielt seit den frühen neunziger Jahren eine zentrale Rolle in der Schweizer Politik, vor allem als Gegner einer Eingliederung der Schweiz in die EU und als Befürworter einer starken unabhängigen und neutralen Schweiz. (siehe: AUNS)

Inhaltsverzeichnis

Leben

Christoph Blocher wuchs in Laufen-Uhwiesen am Rheinfall als Sohn des Dorfpfarrers auf und war das siebte von elf Kindern.

Berufliche Karriere

Von 1955 bis 1959 absolvierte er eine landwirtschaftliche Anlehre in Ossingen. Nach landwirtschaftlichen Praktika holte er in den Jahren 1961 bis 1963 seine Matura nach. Von 1964 bis 1969 studierte er Rechtswissenschaften in Zürich, Montpellier und Paris und schloss mit dem Lizentiat ab. 1971 promovierte er mit der Arbeit Die Funktion der Landwirtschaftszone und ihre Vereinbarkeit mit der schweizerischen Eigentumsgarantie zum Doktor der Rechtswissenschaften.

1969 trat Blocher in die Rechtsabteilung der Ems-Chemie AG (vormals Emser Werke) in Domat/Ems ein. Ab 1972 war er Direktionsvorsitzender und Delegierter des Verwaltungsrates der Ems-Chemie AG sowie Mitglied verschiedener Verwaltungsräte der Ems-Gruppe. Er wurde Präsident und Delegierter des Verwaltungsrates der Ems-Chemie Holding AG im Jahre 1984, nachdem er 1983 die Aktienmehrheit übernommen hatte.

Blocher verdiente mit der Ems-Chemie mehrere Milliarden Schweizer Franken, die er hauptsächlich in das Unternehmen reinvestierte. Damit zählt Blocher zu den reichsten Schweizern. Seine Aktienmehrheit gab er Ende 2003 nach seiner Wahl in den Bundesrat an seine Kinder ab.

Politische Karriere

Als Student half Blocher bei der Gründung der bürgerlichen Studentengruppe Studentenring an der Universität Zürich mit. Weiter war er während seiner Studienzeit Präsident der juristischen Fachschaft und Mitglied des Grossen Studentenrates.

Von 1974 bis 1978 war er Mitglied des Gemeinderates Meilen und von 1975 bis 1980 Mitglied des Zürcher Kantonsrates.

1982 gründete Blocher die Arbeitsgruppe südliches Afrika (ASA), der er als Präsident vorstand.

In den Jahren von 1977 bis 2003 war Christoph Blocher Präsident der Schweizerischen Volkspartei (SVP) des Kantons Zürich und von 1979 bis 2003 Mitglied des Nationalrates.

Als Redner und Diskussionsteilnehmer sowie mit finanziellen Beiträgen trug er wesentlich zum Erfolg der SVP in Kantonen und Bund bei. Blocher war die treibende Kraft bei der Neupositionierung der Partei. Er machte aus einer deutschschweizerischen, protestantischen und gewerblich-bäuerlichen Partei eine schweizweit aktive rechtsbürgerliche Partei. Gewann die SVP bei den Nationalratswahlen 1975 als kleinste der vier Bundesratsparteien noch 9,9 Prozent der Stimmen, war sie 2003 mit 26,7 Prozent die Partei mit dem grössten Stimmenanteil.

1986 bis 2003 war Christoph Blocher zudem Präsident der Aktion für eine unabhängige und neutrale Schweiz (AUNS), die von Gegnern eines schweizerischen UNO-Beitritts gegründet wurde.

Zu den Meilensteinen seiner Karriere als Nationalrat zählen:

  • 1985: Ein rechtsbürgerliches Komitee um Blocher verliert die Abstimmung vom 22. September über das neue Eherecht, das die Gleichheit von Mann und Frau in der Ehe garantiert.
  • 1988: Unter Federführung von Blocher wird ein Kompromiss zur Aufgabe des geplanten AKW in Kaiseraugst beschlossen, das auf breiten Widerstand gestossen war.
  • 1992: Blocher spielt eine herausragende Rolle in der Diskussion im Vorfeld der Abstimmung über einen Beitritt der Schweiz zum EWR, der am 6. Dezember 1992 durch das Volk schliesslich abgelehnt wird. Wegen seines Engagements gegen den EWR stellt ihn die Schweizerische Bankgesellschaft (heute Teil der UBS) 1991 nach zehn Jahren als Verwaltungsrat nicht mehr zur Wiederwahl auf.[1]
  • 1994: Blocher erhält unter wahrung seiner parlamentarischen Immunität von der damaligen Nationalratspräsidentin Gret Haller einen Verweis, weil er bei einer Abstimmung im Nationalrat zwei Stimmen abgibt.

Am 10. Dezember 2003 wurde Christoph Blocher in den Bundesrat gewählt. Mit dieser Wahl erhielt die SVP einen zweiten Bundesratssitz und sprengte die so genannte Zauberformel. Dies auf Kosten der CVP, die seither lediglich mit einem Sitz vertreten ist. Am 1. Januar 2004 übernahm Blocher von Ruth Metzler-Arnold das Eidgenössische Justiz- und Polizeidepartement.

Privates

Christoph Blochers Bruder Gerhard amtierte als Pfarrer im Kanton Schaffhausen. Schon der Vater war in Laufen-Uhwiesen als Pfarrer angestellt und wurde dort abgewählt. In der Folge konnte er seinem Sohn Christoph keinen Landwirtschaftsbetrieb finanzieren, so dass sich dieser entschloss, Jurisprudenz zu studieren.

Christoph Blocher ist mit Silvia Blocher geb. Kaiser verheiratet und heimatberechtigt in Schattenhalb, Zürich und Meilen. Zusammen haben sie drei Töchter und einen Sohn sowie fünf Enkelkinder. Blochers Ururgrossvater Johann Georg Blocher stammte aus dem Königreich Württemberg und liess sich 1861 in Schattenhalb einbürgern.

Die Familie Blocher wohnt heute in Herrliberg.

Kritik

Christoph Blocher polarisiert wie kaum ein anderer Schweizer Politiker. Während sein Engagement gegen eine Integration der Schweiz in supranationale Organisationen und gegen angebliche Missbräuche des Asylrechts von seinen Anhängern unterstützt wird, werfen ihm seine Gegner und ein Teil der Medien demagogischen Stil, Populismus und Fremdenfeindlichkeit vor. Im Ausland wurden Blochers Erfolge auch mit denjenigen von Jean-Marie Le Pen und Jörg Haider verglichen.

Seit seiner Wahl in den Bundesrat kommt es wieder vermehrt zu Diskussionen über Sinn und Inhalt des Kollegialitätsprinzips.

Literatur

  • Andreas Blocher: Mein Bruder Christoph. Ein Essay. Weltwoche 1994, ISBN 3-8550-4156-3 (vergriffen)
  • Thomas Buomberger: Kampf gegen unerwünschte Fremde: von James Schwarzenbach bis Christoph Blocher. Orell Füssli 2004, ISBN 3-280-06017-6
  • Fredy Gsteiger: Blocher – ein unschweizerisches Phänomen. Opinio 2002, ISBN 3-03999-015-2
  • Andreas Iten: Blochers Populismus + Widerspruch: über die Wahrheitsgehalt der Albisgüetlirede '99. Werd 1999, ISBN 3-85932298-2
  • Wolf Mettler: Liebi Fraue und Manne... Christoph Blocher – ein Lebensbild. Meier 1995, ISBN 3-85801-137-1
  • Christoph Schilling: Blocher. Aufstieg und Mission eines Schweizer Politikers und Unternehmers. Limmat 1994, ISBN 3-85791-226-X (vergriffen)
  • Lukas Zollinger: Der Mittelstand am Rande. Christoph Blocher, das Volk und die Vorstädte. Institut für Soziologie der Universität Bern, 2004, ISBN 3-9523100-4-2
  • Matthias Ackeret: Das Blocher-Prinzip - Ein Führungsbuch Meier 2007, ISBN 3-85801-188-6

Quellen

  1. Artikel Christoph Blocher: Der neue Bundesrat auf Swissinfo

Weblinks



Quelle:
Artikel Christoph Blocher aus der freien Enzyklopädie Wikipedia mit dieser Versionsgeschichte
Lizenz:
Kategorien:
Empfehlungen

Von Dieter Blocher, Hermann Jakob, Thomas Kramer u. a.
27,00 €



Fuchs, Michael; Blöcher, Andy; Friedrich, Luise
9,90 €

Giovannelli-Blocher, Sergio
21,00 €




Donatsch, Andreas; Blocher, Felix; Hubschmid Volz, Annemarie
35,00 €


Bookmarks
delicious wong linkarena google
Sponsoren