Chronologie der christlichen Kirchen, Konfessionen und Sondergruppen

Der Titel Chronologie der christlichen Kirchen, Konfessionen und Sondergruppen dieser Chronologie ist bewusst gewählt. Er verzichtet auf den im kirchlichen Sprachgebrauch diskriminierend eingesetzten Begriff Sekte. Das Problem wird unter anderem darin deutlich, dass selbst die ersten Christen vielen Juden und Römern als eine „Sekte“ galten (vgl. Apostelgeschichte 24, 5.24) und z. B. die Katholische Kirche selbst von einigen Konfessionen als „größte existente Sekte“ bezeichnet wird, so dass eine Erörterung des Begriffes im Wikipedia-Artikel Sekte erfolgt.

Die Chronologie legt stattdessen darauf Wert, durch eine (notwendigerweise stark verkürzende) prägnante Charakterisierung der einzelnen Gruppe gerecht zu werden.

Inhaltsverzeichnis

Von den Anfängen bis zur römischen Reichsteilung

1. Jahrhundert

2. Jahrhundert

  • unabhängige aber in Kommunion stehende Gemeinden in apostolischer Tradition in Alexandria, Antiochia, Kleinasien, Griechenland, und Rom, in der zweiten Hälfte des Jahrhunderts auch in Frankreich und Afrika. Im Laufe des Jahrhunderts fortschreitende theologische Definition in Abgrenzung zu anderen Gruppen (z. B. Ignatius, Justin der Märtyrer, Irenäus von Lyon, altrömisches Glaubensbekenntnis, Kanon Muratori)
  • Ebioniten (Nazoräer). Palästinensische Judenchristen, sowohl von Juden als auch von nichtjüdischen Christen geächtet.
  • Elkesaiten (Sobiai). Gnostischsynkretistische Judenchristen.
  • Christliche Gnostiker:
  • Markioniten antijüdisch-gnostische Kirche, von Markion gegründet.
  • Montanisten Anhänger des Propheten Montanus, Belebung der Endzeiterwartung, gegen Sittenverfall und Verweltlichung.
  • Aloger (spött.: die Unvernünftigen) Gegner der Montanisten u. Gnostiker, lehnen Logos-Lehre ab.
  • Dynamistische Monarchianer (Adoptianer) Theologische Gruppe, suchte im trinitarischen Streit die „Monarchie“ Gottes zu wahren
  • 190 Quartodecimanianer in Kleinasien beharren auf dem jüdischen Passadatum für Ostern im Konflikt mit dem westlichen Osterdatum. Zeitweilige Exkommunikation durch Bischof Viktor von Rom, zurückgezogen nach allgemeinem Protest. Endgültig beigelegt im Konzil von Nicäa.
  • Theodotianer (Melchisedekianer wg. Hebr. 5,6 ) Gruppe dynamistischer Monarchianer, genannt nach Theodotos dem Gerber und Theodotos dem Wechsler.

3. Jahrhundert

  • Modalistische Monarchianer, Partei im arianischen Streit: Christus sei eine Erscheinungsweise (modus) Gottes. Patripassianer: auch der Vater habe gelitten.
  • Sabellianer, modalistische Monarchianer, glaubten an Identität von Vater und Sohn.
  • 218? 235, Schisma des Hippolyt, Absplitterung einer rigoristischen Gruppe von der römischen Gemeinde, die bestritten, Unzucht-Sündern eine zweite Buße zu gewähren.
  • Manichäer, Anhänger des Mani (216–273), griechische, gnostische, buddhistische, zoroastrische, vor allem christlicher Elemente.
  • Novatianer, Anhänger des rigoristischen römischen Presbyters Novatian, der Kirchengemeinschaft mit (während der Verfolgungen) Abgefallenen (= Todsündern) nicht duldete. Bestanden bis ins 7. Jahrhundert.

4. Jahrhundert

Die Grabeskirche in Jerusalem wurde 335 zum ersten mal eingeweiht. Sie wurde danach mehrfach zerstört und wieder aufgebaut.
Die Grabeskirche in Jerusalem wurde 335 zum ersten mal eingeweiht. Sie wurde danach mehrfach zerstört und wieder aufgebaut.

5. Jahrhundert

Santa Maria Maggiore wurde 440 fertiggestellt, wurde seitdem zwar erweitert, ist im Kern jedoch erhalten.
Santa Maria Maggiore wurde 440 fertiggestellt, wurde seitdem zwar erweitert, ist im Kern jedoch erhalten.
  • Akoimeten (Schlaflose) Rigoristische Mönche, die sich gegenseitig zum ewigen Gebet ablösten.
  • 410, Persische Nationalkirche Selbständigkeit durch das Konzil von Seleukia-Ktesiphon.
  • Massilienser ?Halbpelagianer?. Partei im Streit um den Halbpelagianismus (429–529), unter Johannes Cassianus und Vinzenz von Lerinum. Mittelweg zw. Augustin und Pelagius (menschlicher Wille und Gnade Gottes).
  • Monophysiten Lehren eine Natur Christi (gegen die Zwei-Naturen-Lehre der Großkirche); Abspaltung weiter Gebiete von der oströmischen Reichskirche durch IV. Ökumenisches Konzil (Chalkedon 451), wonach Christus vollkommen Gott und vollkommen Mensch in zwei Naturen sei, weder vermischt noch getrennt.
  • 482 Alexandria: Akephaloi Monophysiten trennen sich von den Patriarchen von Alexandria und Antiochia. Ablehnung des Henotikon.
  • 483 Assyrische Kirche des Ostens orientalische Nationalkirche. Von Persien bis in das Kaiserreich China ausgedehnt.
  • 484–519, Akakianisches Schisma zwischen Ost- und Westkirche: Wegen Preisgabe des Chalcedonense durch Kaiser Zenon.

Von Chalcedon zum großen Schisma

6. Jahrhundert

7. Jahrhundert

9. Jahrhundert

Der erste Bau von Fraumünster in Zürich wurde 874 eingeweiht
Der erste Bau von Fraumünster in Zürich wurde 874 eingeweiht

10. Jahrhundert

Die erste Bautätigkeit am Mainzer Dom datiert von 975
Die erste Bautätigkeit am Mainzer Dom datiert von 975
  • ab 910, Cluny,Cluniazenser Klosterreformatoren in Frankreich und Italien
  • Lothringische Reformer, Den Cluniazensern verwandte Reformer, jedoch von Bischöfen begünstigt, da keine Kritiker des Episkopats.
  • Balkan: Bogomilen (Gottesfreunde). Dualistische Gemeinschaft gnostisch-manichäisch-euchitisch-paulikianischen Ursprungs. Wurzel der Katharer.

11. Jahrhundert

Baubeginn am Speyerer Dom war 1030
Baubeginn am Speyerer Dom war 1030
der Augsburger Dom wurde 1065 geweiht
der Augsburger Dom wurde 1065 geweiht

Vom großen Schisma bis zur Reformation

12. Jahrhundert

Der Wormser Dom wurde zwischen 1130 und 1181 erbaut
Der Wormser Dom wurde zwischen 1130 und 1181 erbaut

13. Jahrhundert

Der im 13. Jahrhundert erbaute Paderborner Dom ist bekannt für sein Drei-Hasen-Fenster
Der im 13. Jahrhundert erbaute Paderborner Dom ist bekannt für sein Drei-Hasen-Fenster

14. Jahrhundert

Grundsteinlegung für das Ulmer Münster war im Jahre 1377
Grundsteinlegung für das Ulmer Münster war im Jahre 1377
  • Köln, Straßburg: Deutsche Mystiker Meister Eckhart (ca. 1260–1327 während des Ketzerprozesses), Tauler (ca. 1300–1361), Seuse (1295–1366), Ruysbroek (1293–1353).
  • Lullisten Bettelmönche, Anhänger des Raimundus Lullus (gesteinigt 1315), versuchten, philosophisch gebildete Muslime vom Christentum zu überzeugen.
  • 1346 Birgitten Doppelorden, gegründet von Birgitta Birgersdotter (Hl. Birgitta von Schweden, 1303–1373).
  • Sinai-Kloster: Hesychasten Ostkirchliche Mönche, suchten in mystischen Gebetsübungen Herzensruhe (griech. hesychia) und Schau des göttlichen Lichts. Später in Athos-Klöstern übernommen. Siehe: Gregorios Palamas.
  • Geißler (Flagellanten) Ekstatische Buß-Asketen, suchten zur Pest-Epidemie 1348–1351 Gott durch Selbstpeinigung zu versöhnen, zogen sich geißelnd, durch Ungarn, Deutschland, Schweiz, Niederlande, England und Schweden.
  • Straßburg, Basel: Gottesfreunde Anhänger der deutschen Mystiker.
  • 1380 Deventer (Niederlande): Brüder vom gemeinsamen Leben Freier religiöser Verein von Klerikern und Laien mit klosterartigem Leben, ohne Mönchsgelübde.

15. Jahrhundert

Der Nordturm des Straßburger Münsters wurde 1439 vollendet
Der Nordturm des Straßburger Münsters wurde 1439 vollendet
  • Hussiten (tschechische Wiclifiten). Parteien:
    • 1419 Tábor: Taboriten Apokalyptisch-kommunistisch. Verwerfen Zeremoniell, Priestergewänder, Heiligen-, Bilder-, Reliquiendienst, sowie Beichte, Fasten, die Seelenmessen und den Eid.
    • 1419 Prag: Utraquisten (forderten das Abendmahl in beiderlei Gestalt; Kalixtiner Kelchler ). Gemäßigt.
  • 1438, Frankreich: Gallikanische Kirche Französische Nationalkirche, durch die Annahme der Sanktion von Bourges (Reformdekrete von Basel).
  • 1439 Bursfelder Kongregation Vereinigung reformierter Benediktinerklöster.
  • 1467 Böhmische und mährische Brüder aus Hussiten, Gemeinschaft (Brüderunität), Reste der Taboriten, böhmischen Waldensern und Utraquisten. Brüderliches schlichtes Leben; Heiligkeitsideal; verweigern Kriegsdienst, Eid und Staatsämter.

Von der Reformation bis zu Neuzeit

16. Jahrhundert

Der Grundstein für den Petersdom wurde 1506 gelegt.
Der Grundstein für den Petersdom wurde 1506 gelegt.

17. Jahrhundert

Der Salzburger Dom wurde 1628 eingeweiht
Der Salzburger Dom wurde 1628 eingeweiht
  • 1607 Piaristen Katholischer Klerikerorden, Schulorden
  • 1609, St. Omer, (Frankreich), Jesuitinnen Weiblicher Zweig der Jesuiten, der Engländerin Maria Ward, 1631 von der Kurie aufgehoben, später umgebildet zum Orden der „Englischen Fräulein“.
  • 1610 Visitantinnen (Salesianerinnen) Katholischer Nonnenorden (Ordo de visitatione Mariae virginis), der Johanna Franziska von Chantal und Franz von Sales Mädchenerziehung.
  • 1611 Thomas Helwys gründet in England die erste britische Baptistengemeinde.
  • 1618 Maurianer Römisch-katholische Benediktiner-Kongregation,. Wissenschaftspflege.
  • 1620, England Pilgerväter puritanische Separatisten (Kongregationalisten), von John Robinson geführte Auswanderer nach Nordamerika, gründen Massachusetts.
  • 1620 Niederlande: Arminianer Remonstranten Calvinische Sonderkirche, hervorgegangen aus dem arminianischen Streit (1604–1619), des Jacobus Arminius (gegen Prädestinationslehre).
  • 1621, Holland: Kollegianten Weltoffene, dogmatisch freie Taufgesinnte, Anhänger des Giesbrecht van der Kodde, den Arminianern nahe. Verwerfung von Sonderkirchentum, Bekenntniszwang und berufsmäßigem Predigtamt. Untertauchen bei Erwachsenentaufe.
  • 1624 Lazaristen katholische Priester-Kongregation, von Vinzenz von Paul, Glaubensverkündigung
  • England: Kongregationalisten (Independenten) 3. Freikirche neben Anglikanern und Presbyterianern, gegen Staatskirche, für autarke Einzelgemeinden. Unter Henry Jakob (gest.1624).
  • 1628 USA: Holländisch-reformierte Kirche in Nordamerika. ab 1867: „Reformierte Kirche in Amerika“. Später Zusammenschluss: „Christlich-reformierte Kirche“.
  • 1633 England: Hochkirche Katholisierende Anglikaner, durch William Laud, betonen Bischofsverfassung, katholisieren Zeremonien und Theologie.
  • 1633 Vinzentinerinnen (Filles de la Charitès) katholische Genossenschaft, von Vinzenz von Paul (1576–1660) und Louise de Marillac; bestätigt 1668. Krankenpflege.
  • 1640, England: Besondere Baptisten (Particular Baptists) Abspaltung von Kongregationalisten ohne Einwirkung vom Festland (so: Allgemeine Baptisten). Prädestinationslehre, völliges Untertauchen bei Taufe.
  • ab 1640, Port-Royal-des-Champs: Jansenisten Katholische protestanten- und jesuitenfeindliche Bewegung augustinischer Prägung, geriet in Gegensatz zum Papsttum, das Cornelius Jansen verdammte.
  • Kryptokatholiken (Synkretisten) Strömung um gemäßigten lutherisch-orthodoxen Georg Calixt, der in Beschränkung auf Lehre der 1. fünf Jahrhunderte Kircheneinigung suchte. Von Lutheranern wie Katholiken angefeindet.
  • Religiöse Gesellschaft der Freunde (Quäker) Mystisch-spiritualistische Gemeinschaft, Anhänger des George Fox (1624–1691) sowie des William Penn, (England/Nordamerika).
  • Latitudinaristen Liberale Anglikaner, suchte rationalistisch Rückzug auf Bibel, Wurzel einer unitarische Bewegung des 18. Jahrhunderts
  • Russland: Geistige Christen (Raskolniki = Sektierer) Absplitterung von russisch-orthodoxer Staatskirche. Mystische Gottesverehrung. Vier Untergruppen:
    • Chlysten (Geißler; Gottesmenschen), die an die Inkarnation Gottes und Christi in zwei gewissen Bauern glaubten.
    • Skopzen (Selbstverstümmler), die sich selbst kastrierten, um die Sünde des Geschlechtsverkehrs zu vermeiden.
    • Duchoborzen (Geisteskämpfer).
    • Molokanen, vertraten einen mystischen Spiritualismus.
  • 1653, England: Quintomonarchisten Chiliastisch-apokalyptische Bewegung, erwartete das „fünfte Weltreich“ als Reich Christi.
  • 1664, La Trappe (Normandie): Trappisten Katholischer Mönchsorden des Jean de Bouthillier de Rancè, Reformen; strenge Askese.
  • 1667 Russland: Altgläubige (Starowerzy). Traditionalistische Abspaltung von russisch-orthodoxer Staatskirche, wegen Berichtigung verderbter liturgischer Texte durch Patriarch Nikon auf Konzil von Moskau., diese spalteten sich in
    • Popowzy (Priesterliche) und
    • Bespopowzy (Priesterlose).
  • Quietisten Mystiker, Anhänger Michael Molinos (1640–1701), der 1687 von der Inquisition verdammt wurde.

18. Jahrhundert

Bild:London – St Pauls von Südosten.jpg
Nach dem großen Brand von London wurden die Außenarbeiten an der neuen Saint Paul's Cathedral erst 1708 vollendet

19. Jahrhundert

Sankt Paul vor den Mauern wurde 1854 eingeweiht.
Sankt Paul vor den Mauern wurde 1854 eingeweiht.
Die St. Patrick's Cathedral in New York City wurde 1879 geweiht.
Die St. Patrick's Cathedral in New York City wurde 1879 geweiht.
Der Kölner Dom wurde 1880 nach über 600 jähriger Bauzeit vollendet
Der Kölner Dom wurde 1880 nach über 600 jähriger Bauzeit vollendet
Die Auferstehungskirche in Sankt Petersburg wurde 1883 bis 1897 erbaut.
Die Auferstehungskirche in Sankt Petersburg wurde 1883 bis 1897 erbaut.

20. Jahrhundert

Der Veitsdom auf der Prager Burg konnte erst 1929 fertiggestellt werden
Der Veitsdom auf der Prager Burg konnte erst 1929 fertiggestellt werden

Siehe auch

Literatur

  • Hubert Jedin u. a. (Hrsg.): Handbuch der Kirchengeschichte. 7 Bände, Freiburg 1962 ff.
Quelle:
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