Creuzburg

Wappen Deutschlandkarte
Wappen von Creuzburg
Markierung
Deutschlandkarte, Position von Creuzburg hervorgehoben
Basisdaten
Bundesland: Thüringen
Landkreis: Wartburgkreis
Verwaltungsge-
meinschaft
:
Creuzburg
Koordinaten: 51° 3′ N, 10° 15′ O
Höhe: 200 m ü. NN
Fläche: 35,33 km²
Einwohner: 2544 (31. Dez. 2006)
Bevölkerungsdichte: 72 Einwohner je km²
Postleitzahl: 99831
Vorwahl: 036926
Kfz-Kennzeichen: WAK
Gemeindeschlüssel: 16 0 63 013
Stadtgliederung: 2 Stadtteile
Adresse der Stadtverwaltung: Michael-Praetorius-Platz 2
99831 Creuzburg
Webpräsenz:
Bürgermeister: Arndt Breustedt

Creuzburg ist eine Kleinstadt im Wartburgkreis in Thüringen, Deutschland.

Der Sitz der Verwaltungsgemeinschaft Creuzburg befindet sich im Stadtteil Creuzburg. In Creuzburg, das durch die Burg Creuzburg weithin bekannt ist und sich sich auf 35,33 km² Fläche erstreckt, leben 2.553 Einwohner.

Inhaltsverzeichnis

Geografie

Geografische Lage

Creuzburg liegt zwischen Ringgau im Westen, Hainich im Osten, Thüringer Wald im Süden und Eichsfeld im Norden. Es befindet sich rund 2 km östlich der ehemaligen Innerdeutschen Grenze bzw. zur hessischen Grenze am Ufer der Werra.

Nachbargemeinden und -städte

Nachbarorte sind (etwa im Uhrzeigersinn beginnend im Norden): Treffurt, Mihla, Krauthausen, Eisenach, Herleshausen, Ifta und Ringgau.

Stadtgliederung

Creuzburg hat zwei Stadtteile: Creuzburg und Scherbda.

Geologie

Geologisch betrachtet liegt Creuzburg im Bereich eines Grabenbruchs, in der geologischen Formation Trias. Diese geologische Situation führt dazu, dass auf dem Gebiet der Stadt einige so genannte geologische Fenster zu sehen sind. Dazu gehören:

  • der Steinbruch Ebenau und der Steinbruch Scherbda (beide in Betrieb) (Muschelkalk)
  • die ehemaligen Steinbrüche Schlierberg und Eichelberg bei Madelungen (Buntsandstein)
  • der Berg Roter Kopf bei Krauthausen sowie die ehemalige Kiesgrube Hohleite südlich von Ütteroda, ein Aufschluss des (Keuper).

Geschichte

Stadtgeschichte

Creuzburg blickt auf eine über 1000-jährige Geschichte zurück und gehört zu den ältesten Städten Thüringens. Hügelgräber auf dem Gebiet der Stadt weisen auf eine frühzeitliche Besiedlung mindestens in karolingischer Zeit hin. Die Anfänge der Besiedlung um den späteren Burgberg gehen auf eine günstige Straßenlage zurück. An der Werrafurt trafen sich die alte West-Ost- Handelsstraße mit dem Handelsweg aus dem Süden. Im 10. und 11. Jahrhundert war die Region im Besitz der Fürstabtei Fulda, die hier eine wirtschaftlich blühende Grundherrschaft unterhielt.

Die 1225 erbaute steinerne Werrabrücke mit der 1499 daneben errichteten Liborius-Kapelle im herbstlichen Morgennebel
Die 1225 erbaute steinerne Werrabrücke mit der 1499 daneben errichteten Liborius-Kapelle im herbstlichen Morgennebel

1137 kam die Propstei Creuzburg in den Besitz der thüringischen Ludowinger. Landgraf Ludwig I. erwarb sie im Austausch gegen einen Teil der Ländereien, die ihm durch Erbschaft in Hessen zugefallen waren. In Erkenntnis der wirtschaftlichen und strategischen Bedeutung des Platzes bauten seine Nachfolger die Stellung Creuzburgs aus. Landgraf Hermann I. begann auf dem Berg mit dem Bau einer Burg und ließ die in der Region verstreuten Bauern in einer Siedlung am Fuß des Berges zusammenfassen. So wurde die Stadt Creuzburg planmäßig angelegt, 1213 mit Stadtrechten wie Wappenführung und Gerichtsbarkeit ausgestattet und von einer Mauer umgeben. Das benachbarte Dorf Scherbda, heute zu Creuzburg gehörig, wurde erstmals 1229 als Siedlung um ein Lehnsgut urkundlich erwähnt.

Den Höhepunkt Creuzburgs bildeten die Regierungsjahre Landgraf Ludwigs IV., des Heiligen, und seines Sohnes Hermanns II. Nach der Hochzeit Ludwigs mit der ungarischen Königstochter Elisabeth, die später als Heilige Elisabeth in die Geschichte einging, wurde die Creuzburg, nach der Wartburg, zur Zweitresidenz. Hier wurden Feste gefeiert und die Kinder des jungen Paares geboren. Ludwig ließ die Burg verschönern und sorgte durch den Bau der ersten steinernen Brücke über die Werra für die Sicherung des Handelsweges. Ehe er 1227 zur Kreuzfahrt aufbrach, verabschiedete er sich von seinen Getreuen in einer großen Versammlung der thüringischen Edelleute auf der Burg.

Die 1215 erbaute Nikolaikirche im Stadtzentrum
Die 1215 erbaute Nikolaikirche im Stadtzentrum

Ludwig kehrte nicht zurück. Sein Bruder Heinrich Raspe übernahm die Vormundschaft für den unmündigen Neffen Hermann II. Elisabeth verließ Thüringen und zog sich in die hessischen Besitzungen zurück, wo sie wenige Jahre später in Marburg starb. Mündig geworden, übernahm Hermann die Regierung als Landgraf von Thüringen und Hessen. Die Creuzburg blieb seine Residenz bis zu seinem plötzlichen Tod im Alter von nur 18 Jahren. Sein Onkel und Nachfolger Heinrich Raspe verlegte den Regierungssitz wieder allein auf die Wartburg. Für die Stadt Creuzburg wie die Burg war die Blütezeit beendet. Sie versank in den kommenden Jahrhunderten in wirtschaftlicher und kultureller Bedeutungslosigkeit.

Saline Wilhelmsglücksbrunn

Im Werratal, etwa zwei Kilomter südwestlich der Stadt, wurden bereits im Spätmittelalter salzhaltige Quellen entdeckt, deren Nutzung erstmals 1426 urkundlich belegbar ist. Begüterte Creuzburger Bürger begannen mit Zustimmung des Landesherren und beraten von auswärtigen Spezialisten mit dem Aufbau einer Saline. Nach anfänglichen Schwierigkeiten produzierte das Werk nach einem im XII. Buch bei Agricola (De re metallica libri XII) beschrieben Verfahren unter Verwendung von Schöpfwerken und Siedepfannen. Diese erste Saline musste aber bereits in der Mitte des 16. Jahrhunderts wegen finanzieller Probleme aufgegeben werden.

Nach mehreren, auch durch Krieg, Pest und Naturkatastrophen vereitelten Versuchen erlangte die Creuzburger Saline unter dem Bergbau- und Salinenexperten Freiherr von Beust um 1730 eine bis dahin nie erreichte wirtschaftliche Blüte. Mit der Dorngradierung, einem von Beust erdachten Verfahren, war das Gradierwerk die zu dieser Zeit effizienteste Lösung der Soleanreicherung. Die Wirtschaftlichkeit der Saline und die Qualität des Salzes konnten enorm gesteigert werden.

Zur Ehre des Landesherren, des sächsischen Herzogs Johann Wilhelm wurde die Saline bei Creuzburg auf den Namen „Wilhelmsglücksbrunn“ umbenannt.

Durch Förderung und Ausbau des Gradierwerkes und Erschließung weiterer Solquellen war der Betrieb bis zum Ausscheiden Beusts 1736 jährlich weiter gesteigert worden. Den Nachfolgern fehlte das Glück und technische Wissen, hinzu kamen Schäden durch Hochwasser und technischen Verschleiß an den Anlagen. Um 1800 wurde ein letzter, aber vergeblicher Versuch unternommen, das Unternehmen noch einmal in Gang zu bringen.

Nach dem Verkauf an Privatleute wurde 1843 der Salinenbetrieb eingestellt und die technischen Anlagen abgebaut. Von der ursprünglichen Anlage blieben bis heute nur das Verwaltungsgebäude, einige Dämme und Wassergräben erhalten. Das Gelände wurde in einen landwirtschaftlichen Betrieb umgestaltet.

Im Jahre 1905 wurde in Eisenach die Kurbad Eisenach GmbH gegründet. Sie erwarb die Nutzungsrechte für die als Karolinenquelle gefasste Mineralwasserquelle bei Wilhelmsglücksbrunn. Am 8. Juli 1906 konnte der Kurbetrieb in der Eisenacher Südstadt eröffnet werden. [1]

Bauwerke

Ortszentrum Creuzburg mit Turm der Nikolaikirche
Ortszentrum Creuzburg mit Turm der Nikolaikirche

Namensgeber der Stadt ist die Burganlage der Creuzburg, die zunächst einer der Residenzorte der Ludowinger und bevorzugter Aufenthaltsort der heiligen Elisabeth, dann Sitz des wettinischen Amtes Creuzburg war. Von der ältesten Pfarrkirche, St. Andreas, verlieren sich urkundliche Spuren bereits 1312 (Cramer), ihre Lage ist unbekannt geblieben. Die Stadtkirche St. Nikolai, am Marktplatz erbaut ab 1215, ist eine kunstgeschichtlich bedeutende romanische Kirche in Thüringen. Sie brannte mehrfach, zuletzt im Zweiten Weltkrieg vollkommen aus, wurde erst nach 1960 gesichert und schrittweise wieder aufgebaut. Die Ausstattung ist schlicht gehalten. Die sogenannte Gottesackerkirche, auch St. Marien, bestand schon vor der Stadtgründung im 13. Jahrhundert. Sie überstand den Zweiten Weltkrieg weitgehend unbeschädigt, wurde aber in den 1970er Jahren zu Gunsten der Nikolaikirche aufgegeben. Sie wird seit Jahren als Ausstellungsort genutzt.

Auf dem Gelände des Creuzburger Kulturhauses und der benachbarten Schule befand sich im Mittelalter das von Landgraf Ludwig IV. gestiftete Augustiner-Nonnenkloster St. Jakob. Es war eines der bedeutendsten Klöster der Thüringer Landgrafschaft, wurde aber mit der Reformation aufgehoben. Sichtbare bauliche Reste fehlen, da die letzten Gebäude um 1860 den Bürgern der Stadt zum Abriss freigegeben wurden.

Im Jahr 1499 veranlasste die Priorin des St.Jakob-Klosters den Bau einer Wallfahrtskapelle, sie wird dem Heiligen Liborius als Schutzpatron geweiht, möglicherweise im Zusammenhang mit der zu dieser Zeit entstehenden Saline. Im Innern befinden sich noch erkennbare Fresken, dargestellt sind u. a. Szenen aus dem Leben der Elisabeth von Thüringen.

Neben der Burg gilt die 1223 erbaute siebenbogige Werrabrücke Steinbogenbrücke als hervorragendes Zeugnis romanischer Profanbaukunst in Creuzburg. Sie ist zugleich die älteste erhaltene Steinbrücke nördlich des Mains.

Erhaltene Reste der mittelalterlichen Stadtbefestigung werden seit Jahren durch die Stadt gesichert und erhalten.

Verkehr

Durch Creuzburg führt ein Abschnitt der B 7, der Kassel im Nordwesten unter anderem über Ringgau, Ifta, Creuzburg und Krauthausen mit Eisenach im Südosten verbindet. An dieser Straße befindet sich sieben Kilometer südlich der Stadt die Anschlusstelle 37 (Eisenach/West, Creuzburg) der A 4.

Am Roten Kopf am westlichen Stadtrand beginnt die B 250 und führt zur Nachbarstadt Treffurt.

Die im Jahr 1907 in Betrieb genommene Werratalbahn verband Creuzburg mit Eisenach, Mihla, Treffurt, Wanfried und Eschwege. Wegen der Sprengung der Werrabrücken am Ende des Zweiten Weltkriegs und der anschließenden Grenzziehung war der Verkehr nach Eschwege ab 1945 nicht mehr möglich. Der Personenverkehr zwischen Mihla und Wartha über Creuzburg wurde 1962 eingestellt.

Um den nach der Wende stark angewachsenen Durchgangsverkehr aus der Altstadt fernzuhalten, wurde auf der stillgelegten Bahntrasse im Westen und Süden der Stadt eine Umgehungsstraße gebaut.

Wirtschaft

Neben mehreren Hotels und Restaurants ist Creuzburg auch der Hauptsitz der Pollmeier Massivholz GmbH & Co. KG. Dieses Unternehmen betreibt weltweit die größten und leistungsstärksten Laubholzsägewerke und beschäftigt in Creuzburg 400 Mitarbeiter.

Kriegsbedingt wurden nach 1939 Teile der Berliner Spezialfabrik für Spulen, Transformatoren und Drahtwiderstände Gustav Neumann nach Creuzburg verlagert. Der daraus entstandene Betrieb Gustav Neumann KG war in der DDR-Zeit zeitweise der größte Arbeitgeber im Ort. Ab 1972 hieß die Firma VEB Transformatorenwerk Creuzburg. Die dort produzierten elektronischen Bauteile waren in fast jedem in der DDR produzierten Fernseh- und Rundfunkempfänger enthalten. Ein weiterer wichtiger Zweig war der Bau von Filtern und Übertragern für die Telefontechnik der Post. 1990 wurde das Unternehmen von der hessischen Pikatron GmbH übernommen und im Jahr 1992 durch einen Neubau im 1991 geschaffenen Gewerbegebiet an der B 7 am Stadtrand erweitert.

Bereits nach dem Ersten Weltkrieg begann auf Betreiben Creuzburger Bürger im Nachbarort Buchenau der Aufbau eines Werkes der Kaliindustrie, welches in der DDR-Wirtschaftsgeschichte ein besonderes Kapitel einnahm - die zeitweise im belgischen Besitz befindlichen Solvay-Werke AG, Zweigniederlassung Eisenach, später VEB Sodafabrik Buchenau. Auf dem Werksgelände, zudem auch die in das Stadtgebiet von Creuzburg hineinreichenden Steinbrüche bei Ebenau und einige Abbauhalden gehörten, wurde Soda nach einem von Solvay patentierten Verfahren produziert, wozu auch die in der Tiefe vorhandenen Kalisalzlagerstätten angebohrt und mit Werrawasser angelöst wurden. Gegenwärtig wird der Steinbruchbetrieb in kleinem Maßstab wiederbelebt.

Mit dem Abbau von Kalkstein und -schotter entstand nördlich von Scherbda einer der größten Steinbrüche im Wartburgkreis.

Das Thüringer Forstamt in Creuzburg ist zuständig für Nutzung, Pflege und Erhalt der ausgedehnten Waldbestände zwischen Eisenach und Mühlhausen.

Söhne und Töchter der Stadt

Literatur

  • Rainer Schill, Astrid Thiel: Creuzburg an der Werra: Bilder aus vergangenen Tagen, Geiger-Verlag, ISBN 3892647437
  • Rat der Stadt Creuzburg (Hrsg.): Creuzburg. 775 Jahre Stadt Creuzburg. 1213-1988. Aus der Geschichte der Stadt. Druckerei Fortschritt, Erfurt 1988.
  • Horst Schmidt, Hans-Henning Walter: Creuzburg - Geschichte des Creuzburger Salzwerks, Eisenacher Schriften zur Heimatkunde 39, Eisenach 1988.
  • Fremdenverkehrsverein Creuzburg (Hrsg.): Das Creuzburger Heimatbüchlein. Verlagshaus Frisch, Eisenach, o.J., ISBN 3-931431-24-X.
  • Christine Müller: Landgräfliche Städte in Thüringen. Die Städtepolitik der Ludowinger im 12. und 13. Jahrhundert, Böhlau-Verlag, Köln Weimar Wien, 2003, S.210-233.

Einzelnachweise

  1. Walter Schmidt: Geschichte des Creuzburger Salzwerks. Eisenacher Schriften zur Heimatkunde, Heft 39, Eisenach 1988.

Weblinks

Commons
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