Das Reich war eine von 1940 bis Kriegsende erscheinende nationalsozialistische Wochenzeitung, die sich nach dem Willen des Initiators Rolf Rienhardt durch ein hohes journalistisches Niveau von der propagandistischen Einheitspresse abheben sollte. Dem Blatt lag ein Konzept zugrunde, das sich den englischen Observer zum Vorbild genommen hatte. Rienhardt, Stabsleiter im Verwaltungsamt der NS-Presse, hatte es bereits 1937 vorgelegt. Die Bezeichnung "Das Reich" sollte in der NS-Propaganda ein deutsches Gegenstück zum englischen the empire darstellen.
Max Amann, Reichsleiter für die Presse der NSDAP und Präsident der Reichspressekammer, machte sich die Idee seines Mitarbeiters zu eigen: "Die Zeitung soll nicht eine unter vielen Zeitungen und Zeitschriften, sondern sie soll die führende große politische Wochenzeitung sein, die das deutsche Reich für In- und Ausland gleich wirksam eindringlich publizistisch repräsentiert."
Eugen Mündler, zuvor Chefredakteur des vergleichsweise liberalen Berliner Tageblatts, wurde zum Hauptschriftleiter berufen. Für seine Redaktion stellte Mündler prominente, zeitgenössische Autoren zusammen, die sich durch ihre journalistischen Qualitäten, nicht durch ihre Parteizugehörigkeit, auszeichnen sollten. Mitarbeiter wie Theodor Heuss, Max Planck, Elisabeth Noelle-Neumann und Werner Höfer schrieben für das Blatt, sowie auch Joseph Goebbels, der sich, als er Das Reich von den Anweisungen des Reichspressechefs freistellte, vorbehalten hatte, die Leitartikel zu schreiben.
Die willkürlichen Methoden der Presselenkung machten selbst dem NSDAP-eigenen Blatt zu schaffen. Die konträren Verlautbarungen der mit der Presselenkung betrauten Institutionen, der häufige Interessenwechsel der politischen Führung griffen zunehmend in die redaktionelle Arbeit ein. Im Dezember 1942 trat Hauptschriftleiter Eugen Mündler zurück. Das Reich setzte sein Erscheinen fort und passte sich mehr und mehr der Tendenz der übrigen NS-Presse an.
Trotz des unbestritten hohen Niveaus war Das Reich keineswegs eine antinationalsozialistische Publikation. Vielmehr nützte das NS-Regime die Zeitung als Aushängeschild und als Plattform für eigene Zwecke.
Nach seinem Erscheinen am 26. Mai 1940 entwickelte sich Das Reich neben dem Völkischen Beobachter zum zweitgrößten Presseorgan Deutschlands. Die geplante Auflagenhöhe von 100.000 Exemplaren musste schon für die Erstausgabe nachträglich verdoppelt werden. Bis April 1945 stieg die Auflage auf 1,4 Millionen.
Erika Martens: Zur Phänomenologie der Presse im totalitären Regime. Zum Beispiel "Das Reich", Hamburg 1972.
ISSN: 0932-2868
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