Das Treibhaus ist ein Roman von Wolfgang Koeppen aus dem Jahr 1953.
Der Roman spielt in der Zeit der Wiederbewaffnung weitgehend in der Bundeshauptstadt Bonn – das Treibhaus des Titels, zum einen aufgrund der klimatischen Besonderheiten der Kessellage der Stadt, zum anderen aber aufgrund der politischen Landschaft, deren Ghettoisierung sich hier bereits vier Jahre nach Gründung der Bundesrepublik unter Verlust der Bezüge zur Realität und zum Volk bemerkbar macht.
Obwohl Koeppen in seinem Vorwort schreibt: »Die Dimension aller Aussagen liegt jenseits der Bezüge vom Menschen, Organisation und Geschehnissen unserer Gegenwart, der Roman hat seine eigene poetische Wahrheit«, wurde er immer als politischer Schlüsselroman verstanden, zumal die Handelnden zum Teil deutlich kenntlich gemacht sind. Der Autor hingegen sah vielmehr das Buch als einen Roman »des Scheiterns« eines Einzelnen.
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Die Hauptfigur ist der Mittvierziger Felix Keetenheuve, Journalist in der Weimarer Republik, im Dritten Reich vorwiegend in England im Exil und dort für Rundfunksendungen Richtung Deutschland eingesetzt, und nach seiner Rückkehr Bundestagsabgeordneter der SPD. Keetenheuve hat gerade seine junge Frau verloren, die den Krieg nicht verarbeiten konnte und dem Alkohol verfiel, und ist zu Beginn des Romans auf der Zugreise von der Beerdigung nach Bonn, wo im Parlament die entscheidenden Abstimmungen zur Westintegration der jungen Republik stattfinden sollen.
Keetenheuve ist – nicht nur aufgrund des erlittenen Verlustes – verstört und unsicher. Er ist ein kompromissloser Intellektueller, ein Schöngeist, der der Lyrik von E.E. Cummings und Charles Baudelaire mehr abgewinnen kann als einem bürgerlichen Lebensstil. Aufgrund seines Exils ist er das Aushängeschild seiner Partei, gleichzeitig dort aber genauso isoliert wie im gesamten Parlament: die pragmatische Arbeit der Abgeordneten ist ihm zuwider, den Fraktionszwang lehnt er ab, besteht darauf, sich in eigener Verantwortung zu entscheiden. Er sieht die alten Eliten aus Weimarer Jahren und den Jahren der Diktatur wieder nach der Macht greifen und die Mitläufer von damals bereits wieder an den entscheidenden Positionen sitzen.
Keetenheuve wird benutzt. Zum einen von seinem Fraktionsvorsitzenden Knurrewahn (Kurt Schumacher), der ihn als Redner in die Debatte schickt, um die pazifistische Fassade der Partei zu wahren, ihm aber gleichzeitig Verhaltensmaßregeln mitgibt sowie die Bemerkung, dass man ja nicht grundsätzlich gegen die Wiederbewaffnung sei. Zum zweiten aber auch von der Parlamentsmehrheit und ihrem fast autoritär regierenden Kanzler (Konrad Adenauer), die Frost-Forestier, ein wichtiges Mitglied der Regierung, wenn auch ohne Amtsbezeichnung (Reinhard Gehlen?), auf ihn ansetzt, um ihm das Amt eines Botschafters in Guatemala anzubieten und den Störfaktor Keetenheuve damit endgültig ins Abseits zu schieben. Und schließlich zum dritten von einem den Westmächten nahestehenden Journalistenkollegen, der ihm vertrauliches Material zur Verwendung in seiner Rede zukommen lässt, dies aber gleichzeitig auch der Gegenseite aushändigt, so dass in dem Moment, in dem Keetenheuve seinen Auftritt hat, bereits die Stellungnahme der westdeutschen Regierung ebenso wie die ihr den Rücken stärkenden Stellungnahmen der Westmächte vorliegen – und Keetenheuves Rede damit nichts mehr wert ist.
Am Ende der Debatte weiß Keetenheuve, dass er verloren hat. Wie schon am Abend zuvor irrt er noch einmal durch die nächtliche Stadt und erreicht schließlich die Brücke über den Rhein. Mit dem Satz »Der Abgeordnete war gänzlich unnütz, er war sich selbst eine Last, und ein Sprung von der Brücke machte ihn frei« endet der Roman.
Eine nicht unwesentliche Rolle in dem Roman als einer der roten Fäden spielt das Gedicht Le beau navire von Charles Baudelaire, das 1853 in der Gedichtsammlung Les Fleurs du Mal veröffentlicht wurde. Keetenheuve versucht das Gedicht im Gedenken an seine Frau zu übersetzen, kommt aber in der Folge der Ereignisse nicht über die ersten Zeilen hinaus:
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Kurt Sontheimer stellt in seinem Buch Die Adenauer-Ära Keetenheuve als literarische Figur gleichrangig neben die Politiker Konrad Adenauer, Theodor Heuss und Kurt Schumacher. „[...] Keetenheuves Begegnung mit der Bonner Politik enthüllt – treffend, wenngleich oft zugespitzt – so viele Facetten der Wirklichkeit des politischen Lebens im deutschen »Treibhaus«, daß der Roman zum Verständnis deutscher Politik in der Adenauer-Zeit fast unersetzlich ist. Bis heute ist dieses literarische Bild der Adenauer-Zeit unter dem beherrschenden Gesichtspunkt ihrer restaurativen Tendenzen nicht mehr erreicht worden.“[1]
1987 wurde die Geschichte unter dem gleichen Titel von Peter Goedel für das Kino verfilmt. Der Film wurde mit einem Bundesfilmpreis ausgezeichnet.