Das Unglück des Junggesellen

Das Unglück des Junggesellen ist eine Prosaskizze von Franz Kafka, die 1913 im Rahmen des Sammelbandes Betrachtung erschien.

Inhaltsverzeichnis

Inhalt

Das kurze Prosastück beginnt mit den Worten: "Es scheint so arg, Junggeselle zu bleiben...". Dann wird die Einsamkeit des Junggesellen geschildert ohne Häuslichkeit und ohne vertraute Nähe zu Frau und Kindern. In der Vorstellung entwickelt sich die Figur immer mehr zu dem Prototyp des Junggesellen, wie man ihn in der eigenen Erinnerung hat. Abschließend heißt es, dass man tatsächlich dastehen wird "mit einem Körper und einem wirklichen Kopf, also auch einer Stirn, um mit der Hand an sie zu schlagen."

Entstehungsgeschichte

Die erste Fassung des Textes findet sich in Kafkas Tagebuch am 14. November 1911 mit dem Titel "Vor dem Einschlafen". Für die Veröffentlichung hat er den Text überarbeitet.

Biografischer Hintergrund

Die Schilderung des Junggesellendaseins nimmt in Kafkas Werk einen breiten Raum ein. Da ist u.a. zu nennen Blumfeld, ein älterer Junggeselle, Gregor Samsa aus Die Verwandlung und Josef K. aus Der Process oder Raban aus Hochzeitsvorbereitungen auf dem Lande. Es war für ihn unvereinbar, gleichzeitig Ehemann und Schriftsteller zu sein, damit aber war er verurteilt, Junggeselle zu bleiben. Kafka hat insofern sein eigenes Schicksal in seinen Schriften vorweggenommen.

Eine Deutung

In dem vorliegenden Stück wird die unwürdige Situation dessen beklagt, der im Alter menschliche Geselligkeit suchen muss. Der Junggeselle erscheint bedrückend heimatlos und entfremdet, weil "sein Zimmer nur Seitentüren hat, die in fremde Wohnungen führen". Da ist keine von einer Frau umsorgte Wohnung, in die man sich zurückziehen kann. Da ist keine Vertraulichkeit unter Eheleuten. Fremde Kinder kann er nur anstaunen, weil sie in seinem Lebensentwurf etwas unerreichbares sind. Der Status des Junggesellen wird als etwas absolutes dargestellt, die Möglichkeit vielleicht doch noch eine feste Beziehung zu finden, wird nicht erwogen. Es wird ausschließlich das Negative am Junggesellendasein dargestellt, nie die Freiheit und das leichtere Leben. Diese Existenz wird hier und in anderen Kafka-Werken nur als armselig und lebensuntüchtig beschrieben.

Die kleine Prosasskizze endet mit der Geste, des sich mit der Hand an die Stirn Schlagens. Es ist eine Geste, die schlagartiges Erinnern oder Erkennen ausdrückt, sowie den puren Pessimismus, bzw. die Mischung aus Pessimismus, Trägheit und Dummheit.Oder sagt die Geste "Wie konnte ich nur?" Sie drückt hier ein abruptes sich Besinnen aus über etwas, das sich im eigenen Leben falsch entwickelt hat. Kleine Gesten werden von Kafka mehrfach in Betrachtung eingesetzt, um innere Befindlichkeiten auszudrücken, siehe hierzu Zerstreutes Hinausschaun, Entschlüsse

Ausgaben

  • Franz Kafka. Sämtliche Erzählungen. Herausgegeben von Paul Raabe. Fischer-Taschenbuch-Verlag, 1970. ISBN 3-596-21078-X.
  • Franz Kafka. Der ewige Sohn. Eine Biographie. Herausgegeben von Peter-André Alt. Verlag C.H. Beck, 2005. ISBN 3-406-53441-4

Weblink

Text von Das Unglück des Junggesellen


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