Demokratische Volkspartei

Die Demokratische Volkspartei (DVP), nicht zu verwechseln mit der Deutschen Volkspartei, ist heute unter dem Namen FDP/DVP der Landesverband Baden-Württemberg der FDP. Historisch steht diese Partei in der Tradition der Württembergischen Volkspartei, die sich 1910 der Fortschrittlichen Volkspartei und Ende 1918 der Deutschen Demokratischen Partei anschloss.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Deutsches Reich

Die Württembergische Volkspartei wurde am 6. Januar 1864 von Karl Mayer, Julius Haußmann und Ludwig Pfau im Königreich Württemberg gegründet und war der Zusammenschluss vieler demokratischer Revolutionäre von 1848. Sie war lange die bestimmende politische Kraft im „Ländle“. 1866 trafen sie sich in Stuttgart zu ihrer ersten "Dreikönigsparade", einer Art Landesvertreterversammlung. Die Deutsche Volkspartei (DtVP), die zunächst im Gebiet des heutigen Rems-Murr-Kreises und in der Rhein-Neckar-Gegend vertreten war, konstituierte sich 1871 in Württemberg und Baden als überregionale linksliberale Parteiorganisation. Insofern kann man die Württembergische Volkspartei als Landespartei der reichsweit organisierten Deutschen Vokspartei (DtVP) des ersten gesamtdeutschen Nationalstaats, dem Kaiserreich sehen. Die DtVP ging 1910 in der Fortschrittlichen Volkspartei auf . Die in Württemberg oft nur "Volkspartei" genannte Partei war deshalb seit 1910 die württembergische Parteiorganisation der Fortschrittlichen Volkspartei. Die württembergische Volkspartei umfasste das, was man im Königreich Württemberg unter den "Demokraten" verstand. Die Anhänger der Volkspartei nahmen das Wort "Demokratie" ganz für sich in Anspruch, ihre Führer waren im Sprachgebrauch ihrer Anhänger die "Volksmänner". Bedeutende Vertreter der Volkspartei in Württemberg bis zum Ende der Monarchie 1918 waren Friedrich Payer und die Gebrüder Conrad und Friedrich Haußmann.

Bei der Gründung der Deutschen Demokratischen Partei (am Ende des Jahres 1918) schlossen sich die „Demokraten“, wie sie von der Bevölkerung nur genannt wurden, dieser linksliberalen Partei an und wurden deren Württemberger Landesverband. Bekannte Parteimitglieder der DDP während der Weimarer Republik waren zum Beispiel Theodor Liesching, Johannes von Hieber, Peter Bruckmann, Julius Baumann, Wilhelm Schall und Reinhold Maier.

1933 löste sie sich auf Druck der Nationalsozialisten auf, um einem Verbot zuvorzukommen.

Bundesrepublik Deutschland

1945 wurde die DVP von liberalen Persönlichkeiten wie Theodor Heuss und Reinhold Maier wiedergegründet. 1947 beteiligte sie sich an der Gründung der kurzlebigen Demokratischen Partei Deutschlands, deren Co-Vorsitzender Heuss wurde. Nach dem Scheitern dieser gesamtdeutschen liberalen Partei beteiligte sie sich 1948 an der Gründung der FDP in Heppenheim und ist seither deren Landesverband, erst in Württemberg-Baden und Württemberg-Hohenzollern, nach Gründung des Landes Baden-Württemberg unter der Bezeichnung FDP/DVP im gesamten Südweststaat. Mit Reinhold Maier (in Württemberg-Baden und Baden-Württemberg) stellte die DVP den einzigen liberalen Ministerpräsidenten in der Bundesrepublik Deutschland. Die DVP ist der einzige FDP-Landesverband, der noch nie an der Fünf-Prozent-Hürde gescheitert ist.

Derzeitige Vorsitzende ist die Bundestagsabgeordnete Birgit Homburger.

Programmatik

Siehe Ilshofener Erklärung.

Wahlergebnisse

Landtagswahlen

Württemberg

  • 1919: 25,0 % – 38 Sitze
  • 1920: 14,7 % – 15 Sitze
  • 1924: 10,6 % – 9 Sitze
  • 1928: 10,1 % – 8 Sitze
  • 1932: 4,8 % – 4 Sitze

Württemberg-Baden

  • 1946: 19,5 % – 19 Sitze
  • 1950: 21,1 % – 22 Sitze

Württemberg-Hohenzollern

  • 1947: 17,7 % – 11 Sitze

Baden-Württemberg

  • 1952: 18,0 % – 23 Sitze
  • 1956: 16,6 % – 21 Sitze
  • 1960: 15,6 % – 18 Sitze
  • 1964: 13,1 % – 14 Sitze
  • 1968: 14,4 % – 18 Sitze
  • 1972: 8,9 % – 10 Sitze
  • 1976: 7,8 % – 9 Sitze
  • 1980: 8,3 % – 10 Sitze
  • 1984: 7,2 % – 8 Sitze
  • 1988: 5,9 % – 7 Sitze
  • 1992: 5,9 % – 8 Sitze
  • 1996: 9,6 % – 14 Sitze
  • 2001: 8,1 % – 10 Sitze
  • 2006: 10,7 % – 15 Sitze

Bundestagswahlergebnisse in Baden-Württemberg

  • 1949: Württemberg-Baden: 18,2 % – 7 Sitze / Württemberg-Hohenzollern: 15,3 % – 1 Sitz
  • 1953: 12,7 % – 9 Sitze
  • 1957: 14,4 % – 11 Sitze
  • 1961: 16,6 % – 12 Sitze
  • 1965: 13,1 % – 10 Sitze
  • 1969: 7,5 % – 6 Sitze
  • 1972: 10,2 % – 8 Sitze
  • 1976: 9,1 % – 7 Sitze
  • 1980: 12,0 % – 9 Sitze
  • 1983: 9,0 % – 7 Sitze
  • 1987: 12,0 % – 9 Sitze
  • 1990: 12,3 % – 10 Sitze
  • 1994: 9,9 % – 8 Sitze
  • 1998: 8,8 % – 7 Sitze
  • 2002: 7,8 % – 6 Sitze
  • 2005: 11,9 % – 9 Sitze

Literatur

  • Paul Rothmund, Erhard R. Wiehn, Die FDP/DVP in Baden-Württemberg und ihre Geschichte, Stuttgart 1979.
Quelle:
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