Der Große Gestank (engl.: The Great Stink oder The Big Stink) war im Sommer 1858 die Bezeichnung der Folgen der ungehinderten Einleitung von Abwasser der britischen Hauptstadt London in die Themse. Der aufgrund des heißen Wetters auftretende Gestank wurde von den Stadtbewohnern als derart unerträglich empfunden, dass das Parlament den Bau eines umfassenden Kanalisationssystems beschloss.
Ein Teil des Problems war die Einrichtung von immer mehr moderneren Toiletten mit Wasserspülung. Diese waren zwar ein Fortschritt gegenüber den bisher hauptsächlich verwendeten Nachttöpfen, sie brachten aber auch einen enormen Anstieg der Abwassermenge mit sich, die in die bestehenden Sickergruben floss. Diese Gruben liefen oft über und das Abwasser floss in die Kanalisation, die eigentlich nur für Regenwasser gedacht war. Das Abwasser gelangte daraufhin ungehindert in die Themse. Nicht nur Privathaushalte trugen zum Abwasserproblem bei, sondern auch Fabriken, Schlachthäuser und andere Gewerbebetriebe.
Seit den 1840er Jahren traten in der Stadt immer mehr Cholera-Epidemien auf. Damals glaubte man noch, die Cholera sei ein durch die Luft übertragenes Miasma. 1854 fand der Arzt John Snow nach einer Epidemie mit über 10.000 Toten heraus, dass das verschmutzte Wasser verantwortlich war. Schon 1848 war die „Metropolitan Commission of Sewers“ (Großstädtische Kanalisationskommission) gegründet worden, um das unübersichtliche Kanalisationsnetz zu vermessen und die über 200.000 Sickergruben zu beseitigen. Doch die Zersplitterung des Ballungsraumes in viele kleine Gemeinden führte dazu, dass die Arbeiten nur sehr langsam voranschritten.
Im Jahr 1858 war der Sommer ungewöhnlich heiß. Die Themse und viele ihrer Zuflüsse im Stadtgebiet waren stark verschmutzt. Die hohen Temperaturen förderten die Bildung von Bakterien und der daraus resultierende Gestank war derart unerträglich, dass sogar die Arbeit im House of Commons beeinträchtigt wurde. Die Vorhänge im Palace of Westminster wurden in Zitronensaft getränkt und die Abgeordneten erwogen den Umzug weiter flussaufwärts in den Hampton Court Palace. Die Gerichte planten, nach Oxford und St Albans umzuziehen. Heftige Regenfälle beendeten den heißen Sommer und spülten den größten Dreck weg, womit das Problem wenigstens kurzfristig gelöst war.
Eine Parlamentskommission wurde eingesetzt, um die Folgen des Großen Gestanks zu untersuchen und dauerhafte Lösungen zu erarbeiten. Das Parlament beauftragte den Metropolitan Board of Works (MBW), ein effizientes Kanalisationssystem zu planen und zu bauen. Joseph Bazalgette, Chefingenieur der MBW, hatte bereits vor dem Großen Gestank entsprechende Pläne unterbreitet, war jedoch fünf Mal vom Parlament zurückgewiesen worden. Nach der Vollendung des Abwassersystems hatten alle Londoner sauberes Trinkwasser und die Sterberate sank rapide. Bazalgettes Abwassersystem ist noch heute in Betrieb.
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