Der singende Knochen

Der singende Knochen ist ein Märchen (Typ 780 nach Aarne und Thompson) aus den Kinder- und Hausmärchen der Brüder Grimm (KHM 28).

Inhaltsverzeichnis

Inhalt nach der Fassung von 1819

Zwei Brüder folgen dem Ruf eines Königs, der seine Tochter demjenigen verspricht, der das Land von einem Wildschwein befreit. Der jüngere betritt den Wald von Osten und begegnet einem Männlein, das ihm wegen seines guten Herzens einen schwarzen Speer gibt. Damit erlegt er das Wildschwein. Der Ältere, ein hinterlistiger, hochmütiger Mann, kommt von Westen. Er geht in ein Haus am Waldrand, wo er sich Mut antrinkt. Als der jüngere Bruder mit der Beute kommt, hält er ihn bis zum Abend hin und erschlägt ihn auf dem Heimweg in der Dunkelheit auf einer Brücke. Er begräbt ihn unter der Brücke, bringt das erlegte Schwein dem König und erhält die Königstochter.

Nach Jahren findet ein Hirte einen Knochen im Sand unter der Brücke und schnitzt daraus ein Mundstück für sein Horn. Als er darauf bläst, singt ihm der Knochen die Wahrheit vor.

„Ach du liebes Hirtelein,
Du bläst auf meinem Knöchelein
Mein Bruder hat mich erschlagen,
Unter der Brücke begraben …“

Der Hirt wundert sich über den singenden Knochen und geht damit zum König Wieder ertönt das Lied. Der König versteht, lässt das Gerippe des Ermordeten ausgraben und ehrenvoll bestatten. Der Mörder dagegen wird in einen Sack eingenäht und ertränkt.

Herkunft

Die Kinder- und Hausmärchen enthalten das Märchen seit der ersten Auflage von 1812 als Nr. 28. Während in der Fassung von 1812 noch die zwei älteren Brüder ihren jüngsten Bruder ermorden, wird der Konflikt in der Fassung von 1819 unter zwei Brüdern ausgetragen.

Die Grundstruktur ähnelt anderen (weniger gewalttätigen) Dummlingsmärchen, in denen stets der jüngste und einfältigste Bruder das Erbe verdient: Die Bienenkönigin, Die drei Federn, Der arme Müllersbursch und das Kätzchen. Im Gegensatz dazu wird beim singenden Knochen das biblische Kain und Abel-Motiv aufgegriffen.

In abgewandelter Form findet sich das Märchen vom singenden Knochen auch bei Ludwig Bechstein unter dem Titel Das klagende Lied. Dort ist es allerdings kein Wildschwein, sondern eine zepterförmige Blume. Gustav Mahler verwendete beide Märchen für den Text und die Komposition seines Erstlingswerkes, des klagenden Liedes.

Literatur

  • Grimm, Brüder. Kinder- und Hausmärchen. Vollständige Ausgabe. Mit 184 Illustrationen zeitgenössischer Künstler und einem Nachwort von Heinz Rölleke. S. 189-191. Düsseldorf und Zürich, 19. Auflage 1999. (Artemis & Winkler Verlag; Patmos Verlag; ISBN 3-538-06943-3)
  • Grimm, Brüder. Kinder- und Hausmärchen. Ausgabe letzter Hand mit den Originalanmerkungen der Brüder Grimm. Mit einem Anhang sämtlicher, nicht in allen Auflagen veröffentlichter Märchen und Herkunftsnachweisen herausgegeben von Heinz Rölleke. Band 3: Originalanmerkungen, Herkunftsnachweise, Nachwort. S. 67-68, 454-455. Durchgesehene und bibliographisch ergänzte Ausgabe, Stuttgart 1994. (Reclam-Verlag; ISBN 3-15-003193-1)

Weblinks

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