| Deutsche Börse AG | |
|---|---|
| Unternehmensform | Aktiengesellschaft |
| ISIN | DE0005810055 |
| Gründung | 1993[1] (IPO am 5. Februar 2001)[1] |
| Unternehmenssitz | Frankfurt, Hessen, Deutschland |
| Mitarbeiter | 3.262 (4. Quartal 2004) |
| Umsatz | 1.043,3 Mio. EUR (2006)[2] |
| Branche | Handelsplattform |
| Website | deutsche-boerse.com |
Die Deutsche Börse AG ist eine Aktiengesellschaft mit Sitz in Frankfurt am Main. Sie ging im Jahr 1992 aus der erst 1990 gegründeten Frankfurter Wertpapierbörse AG hervor. Seit dem Jahr 2000 sitzt die AG nicht mehr am traditionellen Handelsplatz der Wertpapierbörse, sondern am Industriehof in Frankfurt-Bockenheim. Zu ihren Aufgaben gehört die Entwicklung und der Betrieb von Handelsplattformen, Teilnehmernetzwerken und Abwicklungssystemen. Sie ist zudem Träger der öffentlich-rechtlichen Frankfurter Wertpapierbörse.
Inhaltsverzeichnis |
Die Deutsche Börse hat weltweit mehr als 3.200 Mitarbeiter. Sie ist 50%ige Eigentümerin der Terminbörse EUREX und betreibt die Handelsplattform Xetra. Außerdem ist sie seit 2002 100%ige Eigentümerin des internationalen Wertpapierabwicklers Clearstream. Die Unternehmen bilden zusammen den Konzern Deutsche Börse Group, der einen Gesamtumsatz von rund 1,854 Mrd. EUR (2006)[3] erzielen konnte.
Die Entwicklung und Bereitstellung technischer Services (Softwareentwicklung, Bereitstellung und Betrieb von Computern und Netzwerken, Bereitstellung und Betrieb des Teilnehmernetzwerks) übernimmt die Konzerntochter Deutsche Börse Systems.
Im Segment Market Data & Analytics stellt die Deutsche Börse AG dem Markt Wertpapierkurse in Echtzeit sowie Informationsprodukte wie Aktienindizes und Referenzdaten (Stamm- und Termindaten zu Wertpapieren) zur Verfügung.
Seit dem Jahr 2004 bemüht sich das Management der Deutschen Börse AG um zahlreiche Fusionen.
Im Jahre 2000 war die Deutsche Börse am Widerstand der Eigentümer der London Stock Exchange (LSE) gescheitert, die LSE zu übernehmen.
Ende 2004 bemühte man sich zum zweiten Mal um die Übernahme der LSE. Gleichzeitig bot ebenfalls Konkurrent Euronext um die LSE. Medienberichte gingen seinerzeit davon aus, dass der Bieter den Zuschlag erhält, der den höheren Preis bezahle.
Mitte Januar 2005 wandte sich erstmals ein größerer Aktionär der Deutschen Börse AG gegen die geplante Übernahme der LSE. Es handelte sich dabei um den britischen Hedge-Fonds The Children's Investment Fund (TCI). TCI argumentierte, eine Übernahme der Londoner Börse sei zu teuer und wertvernichtend für die Aktionäre der Deutschen Börse. Der Fonds schlug der Deutschen Börse AG vor, stattdessen solle sie eigene Aktien zurückkaufen. Die Deutsche Börse argumentierte, es böten sich der Börse Investitionsmöglichkeiten, die für die Aktionäre langfristig höhere Erträge bedeuten würden, als mit einem Aktienrückkaufprogramm zu erzielen wären. Zu diesem Zeitpunkt war der Aktienkurs der London Stock Exchange schon so stark gestiegen, dass Analysten der französischen Großbank Société Générale äußerten, eine Übernahme sei kaum noch gerechtfertigt.
Anfang März 2005 scheiterte der zweite Anlauf zur Übernahme. Die Deutsche Börse AG zog ihr Übernahmeangebot für 5,30 Pfund je Aktie oder umgerechnet 1,94 Milliarden Euro zurück. Gleichzeitig zog sich Euronext im Bieterverfahren um die LSE zurück. Die Deutsche Börse AG hielt sich trotz der Offertenrücknahme eine Option auf einen erneuten Übernahmeversuch offen, sollte ein anderer Interessent ein Gebot für die LSE abgeben.
Der damalige Vorsitzende des Vorstands Werner Seifert verlor – nach teilweise in der Öffentlichkeit geführten Auseinandersetzungen mit Aktionären – seinen Job. Dies beflügelte auch die so genannte Heuschreckendebatte. Später gab der Aufsichtsratsvorsitzende Rolf-E. Breuer und andere Mitglieder des Aufsichtsrats ihre Posten ab.
Im Jahre 2006 startete die Deutsche Börse AG mit ihrem neuen Vorstandsvorsitzenden Reto Francioni den Versuch einer Fusion mit der Vierländer-Börse Euronext.
Das Vorhaben regte zahlreiche wirtschaftspolitische Diskussionen an. Der französische Staatspräsident Jacques Chirac plädierte für eine deutsch-französische Lösung. Der Präsident der Europäischen Zentralbank Jean-Claude Trichet präferierte eine Börsenfusion innerhalb Europas. Bundeskanzlerin Angela Merkel machte sich für eine etwaige Fusion der beiden Börsen stark und bezeichnete dies als interessantes Projekt.
Der französische Finanzminister Thierry Breton kritisierte in dem Kontext das Geschäftsmodell der Deutsche Börse AG als wettbewerbswidrig. Bundesfinanzminister Peer Steinbrück wies auf den wirtschaftlichen Erfolg des Modells hin und dass bei einer möglichen Fusion die Marktkapitalisierung berücksichtigt werden müsse.
Neben der Deutsche Börse AG bemühte sich die NYSE um eine Kooperation mit Euronext.
Die Deutsche Börse hatte Euronext Mitte Februar 2006 eine „Fusion unter Partnern" vorgeschlagen, ohne dabei die Offerte mit Details zu versehen. Medien berichteten, dass sich der zukünftige Firmensitz, die Firmenstruktur sowie die Abwicklungsaktivitäten eines fusionierten Unternehmens zu zentralen Streitpunkten entwickelten. Euronext wolle unter allen Umständen vermeiden, als Juniorpartner zu gelten. In Frankreich existierte die Besorgnis, die Deutschen wollten in Wahrheit keine Fusion gleichberechtigter Partner, sondern eine verdeckte Übernahme.
Nachdem sich der Aufsichtsrat von Euronext für eine Fusion mit der NYSE aussprach, da das Angebot attraktiver sei als das der Deutschen Börse, legt Frankfurt erstmals ein konkretes Kaufangebot für Euronext vor, dass das der NYSE übertraf. Man bot 76,60 EUR je Euronext-Aktie oder rund 8,6 Mrd. EUR in bar und in Anteilen der neuen Gesellschaft. Euronext wies die Offerte jedoch zurück. In der darauf folgenden Zeit stellte Euronext zahlreiche Bedingungen für eine eventuelle Fusion. So solle sich die Deutsche Börse AG beispielsweise von ihrem einträglichen Clearstream-Geschäft trennen.
Im Oktober 2006 meldete die Deutsche Börse das Fusionsvorhaben mit der Vierländerbörse Euronext offiziell bei der EU-Kommission an. Als Reaktion ließ der Euronext-Vorstandsvorsitzende Jean-François Théodore gegenüber der Zeitung „La Tribune“ verlauten, "die beste Lösung zur Bildung einer großen europäischen Börse“ sei eine begrenzte Zusammenarbeit mit den Frankfurtern; Euronext wolle jedoch an einem Zusammenschluss mit der New Yorker Börse NYSE festhalten. Einer kompletten Fusion von Euronext mit Frankfurt erteilte Théodore erneut eine klare Absage, da Euronext bei einem solchen Zusammenschluss ein zu geringes Gewicht hätte. Als Reaktion darauf gab die Deutsche Börse ihre Fusionspläne Mitte November auf.
Die französische Finanzmarktlobby Paris Europlace unter Präsident Henri Lachmann warnte Anfang Oktober 2006 vor der Fusion mit der NYSE und empfahl stattdessen die Bildung einer europäischen Großbörse. Lachmann schlug vor, dass die Deutsche Börse nur ihre Aktivitäten im Aktienhandel in die Euronext einbringt und im Gegenzug eine 15- bis 20-prozentige Beteiligung bekommt. Staatspräsident Jacques Chirac unterstützte die Empfehlungen der Europlace bei einer Rede auf dem deutsch-französischen Ministerrat in Paris. Im Dezember 2006 stimmten die Euronext-Aktionäre für eine Fusion mit der NYSE, Anfang 2007 gaben die Aufsichtsbehörden ihre Genehmigung.
Im August 2004 lehnte die Schweizer Börse SWX Pläne für eine Fusion ab. SWX ist bereits Kooperationspartner bei EUREX. Im Oktober 2006 wurde die Gründung der SWX - DBAG Kooperation ALEX bekanntgegeben.
Im Oktober 2006 berichtete das "Wall Street Journal" (WSJ), die Deutsche Börse AG und die Chicago Mercantile Exchange Holdings Inc (CME) prüfen die Möglichkeit eines Zusammenschlusses. Da die amerikanischen Wettbewerber NYSE Group Inc und Nasdaq Stock Market Inc im Ausland nach Expansionsmöglichkeiten suchten, wäre ein Teilhaben an einer Konsolidierung für die CME eine Möglichkeit. Bei einer Fusion der Deutschen Börse AG mit der CME wären die Deutschen jedoch der Juniorpartner; das "Wall Street Journal" taxierte im Oktober 2006 den Wert der CME auf rund 17 Mrd. US-Dollar.
Aus einer Fusion von Deutscher Börse und CME ginge eine transatlantische Gesellschaft hervor, die das wachsende Geschäft mit Derivaten dominieren würde. Die CME betreibt bis dato den größten Markt für solche Produkte, die Deutsche-Börse-Tochter ist in diesem Börsensegment mit Eurex stark vertreten.
Im Juni 2006 wurde bekannt, dass die Deutsche Börse Bemühungen für eine Übernahme der Mailänder Borsa Italiana erwog. Die Varianten sahen offenbar vor, dass der Kassamarkt in Mailand ebenso wie die Anleiheplattform Mercato Telematico all'Ingrosso dei Titoli di Stato (MTS) erhalten bleiben soll. MTS wird von der italienischen Börse gemeinsam mit der Euronext betrieben.
Mitte Oktober 2006 unterzeichnete die Deutsche Börse einen Letter of Intent (LOI) mit der Borsa Italiana. Mit diesem Schritt sollte die Bildung einer europäischen Börse unter Einbeziehung der Euronext vorangetrieben werden. Zudem befanden sich die beiden Börsen in einem Dialog über die Schaffung einer europäischen Börsenorganisation mit föderalem Modell. Massimo Segre, Vorstandsmitglied der Borsa Italiana, erklärte zuvor, die Italiener wollten zusammen mit der Deutschen Börse der Euronext ein Alternativangebot zum Übernahmeangebot der New York Stock Exchange (NYSE) unterbreiten.
Die Deutsche Börse hat am 8. September 2006 die Gespräche mit Borsa Italiana über einen gemeinsamen Ansatz für die Konsolidierung der europäischen Börsenlandschaft ausgesetzt.
2007 kaufte die London Stock Exchange (LSE) die Italienische Börse in Mailand für rund 1,5 Mrd. Euro. [4]
Am 30. April 2007 wurde bekannt, dass die Deutsche Börse die US-Optionsbörse ISE kauft. Durch die Übernahme der International Securities Exchange Holdings (ISE) entsteht der größte transatlantische Marktplatz für Finanzderivate, erklärte der Frankfurter Börsenbetreiber.
Die Übernahme wurde über die Derivatebörse Eurex abgewickelt, ein Gemeinschaftsunternehmen der Deutschen Börse und der Schweizer Börse SWX. Die Eurex hat einen verbindlichen Vertrag mit der ISE abgeschlossen. Die Eurex hat für die ISE 2,8 Milliarden Dollar bezahlt. Die Deutsche Börse hat 85 Prozent und die SWX 15 Prozent des Kaufpreises übernommen.
Der Zusammenschluss erfolgte durch eine Fusion zwischen der ISE und einer Tochtergesellschaft der U.S. Exchange Holdings, die wiederum eine Tochtergesellschaft der Eurex ist. Die Transaktion soll im vierten Quartal 2007 abgeschlossen sein.
Der Umsatz der ISE lag im Jahr 2006 bei rund 178 Millionen Dollar, unter dem Strich lag der Gewinn bei 55 Millionen Dollar. Die Aktie der ISE ist seit März 2005 an der Wall Street gelistet.
Die Übernahme erlaubt der Eurex, ihre Produktpalette auf den Dollarraum auszuweiten. Die Börse hatte bereits 2004 mit der Eurex US versucht, den US-Markt zu erobern, war aber gescheitert.
Die ISE bleibt eigenständig unter Regulierung der SEC und behält ihre Struktur und Marke.
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