Das Deutsche Stadion wurde von Albert Speer für das Reichsparteitagsgelände in Nürnberg entworfen. Die Grundsteinlegung erfolgte am 9. Juli 1937. Bis zum Ausbruch des Zweiten Weltkriegs war erst die Baugrube ausgehoben. Nach Kriegsausbruch wurden die Bauarbeiten eingestellt, die Baugrube wurde allerdings trocken gehalten. Nach dem Krieg ließ man diese volllaufen. Sie bildet heute den Silbersee in Nürnberg.
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Der Entwurf war, wie Speer selbst sagte, nicht durch den Circus Maximus, sondern durch das Odeion von Herodes Atticus inspiriert[1], das ihn in hohem Maße beeindruckt hatte, als er 1935 Athen besichtigte. Speers Stadion in Nürnberg war geplant als eine gigantische Vergrößerung des griechisch-römischen Vorbilds, von dem er die Hufeisen-Bauform und die Propyläen übernahm, allerdings umgewandelt in eine angehobene, auf Pfeilern errichtete Struktur mit großem Säulenhof, die zum geöffneten Ende des Stadions einen mit Pfeilern versehenen inneren Hof erhalten sollte[2].
Die Planungen für das Stadion in Nürnberg konnten nicht wie beim Odeon in Athen auf eine Lage am Grund einer Schlucht zurückgreifen, sondern mussten ausgerichtet werden auf ein flaches Stück Land (24 Hektar). Deswegen hätten seine fünf Sitzreihen für 400.000 Zuschauer in der üblichen römischen Weise durch massive Tonnengewölbe gestützt werden müssen. Rosafarbene Granitblöcke waren für die Außenfassade vorgesehen, die zu einer Höhe von ungefähr 90 Metern aufgeragt hätte: eine Reihe aus 65 Meter hohen Bögen sollte auf einem Unterbau aus dunkelrotem Granit ruhen.
Der Bogengang und das Podest deuten wiederum ein römisches Rondell oder Stadion an und nicht ein griechisches, welches nämlich der Tradition nach nicht zwingend auf einem Unterbau ruhte. Um eine breiten Masse an Zuschauern schnell zu ihren Reihen zu bringen sollten Expreß-Aufzüge installiert werden, die 100 Zuschauer gleichzeitig zu den Sitzen auf den oberen drei Rängen befördern[3]. Die kurze Quermittellinie des Stadions kulminierte an jedem ihrer Enden in die große Ehrentribüne für den Führer, die Ehrengäste und die Presse. Noch einmal diente die römische Bauweise als Vorbild[4].
Speer wählte anscheinend eine Hufeisenform für sein Gebäude, nachdem er die ovale Form eines Amphitheaters zurückgewiesen hatte. Der zuletzt erwähnte Plan hätte nach Speers Behauptung die Hitze intensiviert, sowie einen psychologischen Nachteil hervorgerufen - ein Kommentar, den er nicht weiter erläuterte. Als Speer die enormen Kosten des Bauwerks erwähnte, antwortete Hitler, der den Grundstein am 9. September 1937 legte, dass der Bau weniger als zwei Linienschiffe der Bismarck-Klasse kosten würde [5].
Wolfgang Lotz, der 1937 über das Deutsche Stadion schrieb, kommentierte, dass es zweimal die Anzahl von Zuschauern aufnehmen würde, die im Circus Maximus in Rom Platz gefunden hätten. Unvermeidlich in jener Zeit, hob er auch das Gemeinschaftsgefühl hervor, das solch ein Gebäude zwischen Konkurrenten und Zuschauern erzeugen würde:
„Wie im antiken Griechenland werden hier die Elite und höchst erfahrene Männer auserwählt aus der Masse der Nation gegeneinander antreten. Eine gesamte Nation in mitfühlendem Erstaunen sitzt in den Rängen. Zuschauer und Wettbewerbsteilnehmer gehen über in eine Einheit.“[6].
Die Idee, hier Pan-Germanische Leichtathletik-Wettbewerbe zu veranstalten wurde möglicherweise durch die Panathenäen angeregt, aber Speers Stadion war stilistisch eher dem antiken Rom verpflichtet als den Griechen, mit seinem riesigen gewölbegestützten Unterbau und der im Bogengang offenen Außenfassade ähnelte es mehr dem Circus Maximus als dem Stil des Atheners Herodes Atticus. Einmal mehr stellt das Nazi-Gebäude eine Mischung aus Griechischen und Römischen Elementen dar, mit überwiegendem Anteil des Römischen[7].
Aber Hitler wollte ein derartiges Stadion nicht hauptsächlich, damit es als Mittelpunkt für deutsche Leichtathletik dient. Das wieder hergestellte Stadion von Herodes Atticus in Athen war für die olympischen Spiele 1896 und die olympischen Sonderspiele von 1906 benutzt worden[8]. 1936 wurden diese Spiele auf dem Reichssportfeld in Berlin abgehalten, aber Hitler beharrte darauf, dass nach 1940, als die Spiele in Tokio geplant waren, alle zukünftigen Spiele im Deutschen Stadion stattfinden sollten[9]. Dieses Stadion war in allen Maßen weit größer als das Berliner Olympiastadion, das über eine Kapazität von 115.000 Zuschauern verfügte[10]. Hitlers Annahme steht ohne Zweifel, dass nach seinem Sieg im Zweiten Weltkrieg die unterworfene Welt keine andere Wahl gehabt hätte als immer im Abstand von vier Jahren zu den Olympischen Spielen alle Athleten nach Deutschland zu schicken. Pan-Germanische Spiele sollten gleichbedeutend sein mit einem weltweiten Wettbewerb, bei dem die Sieger ihre Belohnung vom Führer erhalten hätten, umgeben von den Getreuen der Partei, die in der geraden Querachse des Stadions auf an antike Götterbilder erinnernde Polster gebettet werden sollten. Demzufolge ließ dieser Stadionentwurf in Nürnberg Hitlers Verlangen nach der Weltherrschaft bereits ahnen (wie auch die Volkshalle, Berlin), lange bevor dieses Ziel in Worte gefasst wurde[11].
Um die optimale Anordnung der Reihen auszutesten, wurde auf einem Hang im Hirschbachtal auf dem Hohen Berg (49° 34' N, 11° 34' O) ein Modell einer Sitzreihe des Deutschen Stadions im Originalmaßstab errichtet. Es bestand aus fünf Rängen, die mit unterschiedlichen Neigungswinkeln ausgeführt wurden, um die optimalen Sichtverhältnisse festzustellen.
Dieses Modell bestand aus Betonblöcken, auf denen Holzaufbauten mit den Rängen standen. Nach 1945 wurde die Holzaufbauten entfernt. Die Betonfundamente existieren noch heute.
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