Deutsches Theater Berlin

die späteren Kammerspiele (links) und das Deutsche Theater (rechts), ca. 1903
die späteren Kammerspiele (links) und das Deutsche Theater (rechts), ca. 1903
Kammerspiele (links) und Deutsches Theater (rechts), 2002
Kammerspiele (links) und Deutsches Theater (rechts), 2002

Das Deutsche Theater in Berlin-Mitte (Schumannstraße 13a) wurde 1850 als Friedrich-Wilhelmstädtisches Theater mit rund 600 Plätzen eröffnet und pflegte zunächst ein Unterhaltungsrepertoire. Seit Ende des 19. Jahrhunderts wurde es zu einer stets noch privaten geführten und finanzierten Bühne mit bildungsbürgerlichem Spielplan. Im 20. Jahrhundert blieb es dem Schauspiel gewidmet, mit einem großen Anteil klassischer Stücke und eher konservativem Publikum. Heute gehört es zu den vier subventionierten Sprechbühnen Berlins.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Das Possentheater

Das Gebäude des Theaters wurde 1849/1850 von Eduard Titz erbaut. Den Auftrag hierzu erteilte Friedrich Wilhelm Deichmann, der ein Casino betrieb, in dessen Garten bereits über den Sommer eine kleinere Bühne erfolgreich Lustspiele und Possen darbot. Eröffnet wurde das neue Gebäude 1850 als Friedrich-Wilhelm-Städtisches Theater mit volkstümlich-unterhaltendem Anspruch, in der Zeit, als das Königsstädtische Theater, das ursprünglich dieselbe Zielsetzung hatte, am Ende war. Ab 1860 wurden hier auch Operetten gegeben. Oft mit dieser Bühne verwechselt wird das Woltersdorff-Theater, das sich ab 1883 Neues Friedrich-Wilhelm-Städtisches Theater nannte.

Abwendung von der Unterhaltung

1883 begründete der Schriftsteller und Theaterkritiker Adolf L'Arronge mit einer Gruppe vermögender Schauspieler ein Theater mit einem anspruchsvolleren Programm, das die beliebten volkstümlichen Stücke mit Klassikern mischte. Er leitete dieses Deutsche Theater, das nun das Wilhelmstädtische Gebäude übernahm, bis 1894 selbst. Ihm folgte von 1894 bis 1903 Otto Brahm. Brahm, der als Kritiker noch gegen L'Arronge eingewandt hatte, dieser habe zu wenig „gute Stücke“ inszeniert, brachte neben der Aufführung der Klassiker nun auch zeitgenössische Stücke des Naturalismus auf die Bühne.

Die Ära Reinhardt

Ab 1905 übernahm der schon 1895 als Schauspieler engagierte Max Reinhardt die Leitung des Hauses, das er 1906 auch erwarb. 1906 ließ Reinhardt einen 1850 von F. W. Deichmann auf dem Nachbargrundstück erbauten Ballsaal durch William Müller zu einem weiteren Theater umbauen, das 1906 als Kammerspiele eröffnet wurde. In engerem Rahmen und privater anmutender Atmosphäre sollte hier die damalige Moderne zugänglich gemacht werden.

Zeit des Nationalsozialismus

Nachdem Reinhardt 1932 das Haus verlassen hatte, wurde Heinz Hilpert 1934 Intendant und führte das Haus durch die Zeit des Nationalsozialismus bis zur Schließung 1944. Verglichen mit seinem Hauptkonkurrenten – dem repräsentativen Staatstheater am Gendarmenmarkt –, war das Deutsche Theater Reinhardts und Hilperts eine Bühne der feinen Nuancen und der leisen Töne.

DDR

1945 wurde das Theater unter dem Aristokraten und überzeugten Kommunisten Gustav von Wangenheim wiedereröffnet. Ihm folgte als Intendant Wolfgang Langhoff (1946-1963), der zu einer Polarisierung zwischen Ost- und West-Berliner Theatern beitrug, aber später in gewisser Distanz zum „Zentralkomitee“ blieb. Nach einem Zerwürfnis folgten ihm Wolfgang Heinz (1963-1969), Hanns Anselm Perten (1969-1972), Gerhard Wolfram (1972-1982), Rolf Rohmer (1982-1984) und Dieter Mann (1984-1991).

Nach der Wende

Nach der Wende übernahm Wolfgang Langhoffs Sohn Thomas Langhoff erfolgreich die Bühne (1991-2001). Seit 2001 wird das Deutsche Theater von Bernd Wilms geleitet.

Am 8. Oktober 2004 bestätigte der Berliner Kultursenator Thomas Flierl, dass mit Christoph Hein Vertragsverhandlungen über die Intendanz des Theaters geführt werden. Hein sollte das Theater ab der Spielzeit 2006/07 übernehmen und somit Nachfolger von Bernd Wilms werden, dessen Vertrag nicht verlängert werden sollte.

Ende Dezember 2004 erklärte Hein, dass er sein Amt nicht antreten werde. Neben „massiven Vorverurteilungen“ und einem „vergifteten feindseligen Klima“ machte der Autor die angespannte Haushaltslage Berlins für seinen Rücktritt verantwortlich. Bernd Wilms bleibt voraussichtlich bis 2008 Intendant des DT, die Künstlerische Leitung übernehmen ab der Spielzeit 2005/06 neben Wilms der Regisseur Michael Thalheimer, der Chefdramaturg Oliver Reese und der Künstlerische Betriebsdirektor Michael de Vivie.

2002 und 2005 waren Produktionen des Theaters für den Nestroy-Theaterpreis nominiert.

Personen

Reinhardt-Ära

Zum Ensemble des Deutschen Theaters gehörten unter der Intendanz von Max Reinhardt u. a. Lída Baarová, Ewald Balser, Elisabeth Bergner, Curt Bois, Paul Dahlke, Marlene Dietrich, Käthe Dorsch, Tilla Durieux, Willy Fritsch, Gustav Fröhlich, Otto Gebühr, Heinrich George, Dolly Haas, Paul Henckels, Lucie Höflich, Marianne Hoppe, Paul Hörbiger, Brigitte Horney, Emil Jannings, Friedrich Kayßler, Eugen Klöpfer, Hermine Körner, Harry Liedtke, Theodor Loos, Alexander Moissi, Grete Mosheim, Max Pallenberg, Erich Ponto, Fritz Rasp, Leni Riefenstahl, Heinz Rühmann, Adele Sandrock, Sybille Schmitz, Conrad Veidt, Elsa Wagner, Hermann Wedekind, Paul Wegener, Mathias Wieman und Eduard von Winterstein.

Gustaf Gründgens arbeitete hier von 1928 bis 1933 als Regisseur.

DDR

Regisseure waren u.a.: Wolfgang Langhoff, Wolfgang Heinz, Benno Besson, Friedo Solter, Adolf Dresen. Autoren des Hauses waren u.a. Heinar Kipphardt, Peter Hacks und Armin Stolper. Berühmte Schauspieler waren u.a. Herwart Grosse, Dieter Franke, Fred Düren, Elsa Grube-Deister, Klaus Piontek, Eberhard Esche, Rolf Ludwig und Kurt Böwe.

Nachwendezeit

Regisseure sind u.a.: Thomas Langhoff, Michael Thalheimer, Jürgen Gosch, Barbara Frey und Andreas Dresen. Auf der Bühne stehen u.a.: Inge Keller, Otto Mellies, Jutta Wachowiak, Dieter Mann, Jörg Gudzuhn, Dagmar Manzel, Ingo Hülsmann und Nina Hoss. Als Gäste wurden u.a. Corinna Harfouch, Ben Becker, Martina Gedeck und Angela Winkler engagiert.

Literatur

  • Siegfried Jacosohn: Das Theater der Reichshauptstadt. München 1904.
  • Alfred Dreifuss: Deutsches Theater Berlin Schumannstraße 13a. Fünf Kapitel aus der Geschichte einer Schauspielbühne. Berlin 1983
  • Herbert Ihering (Hrsg.): 70 Jahre Deutsches Theater. Berlin 1953
  • Heinar Kipphardt (Hrsg.): Deutsches Theater. Bericht über 10 Jahre. Berlin 1957
  • Michael Kuschnia (Hrsg.): 100 Jahre Deutsches Theater Berlin. Berlin 1983
  • Alexander Weigel: Das Deutsche Theater. Eine Geschichte in Bildern. Berlin 1999

Weblinks

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