Die
Die ist eine französische Kleinstadt im Département Drôme. Die Umgebung der Stadt in den Voralpen ist provenzalisch geprägt. Sie wird Diois genannt, was „im Land an der Drôme“, dem prägenden Fluss, bedeutet. Das touristische Städtchen liegt 67 km östlich von Valence um 400 m ü. NN in einer weiten, flachen Talebene. Umrahmt wird diese Landschaft vom Gebirge und Naturschutzgebiet der Vercors, der Montagne de Lans, der Triéves und Ketten alpiner Bergzüge im Osten.
Rund 30% des Departements sind bewaldet. Etymologisch wird der Name der Drôme von dem griechischen Wort "Druna" (= Eiche) abgeleitet, da dieses Gebiet früher insbesondere in den ebenen Teilen große, geschlossene Eichenwald beherbergte. Die (früher: Dye) leitet sich von der gallisch-römischen Göttin Andarta (Dea Augusta Vocontiorium) ab, die hier in der nördlichen Hauptstadt des Volksstammes der Voconces verehrt wurde. Aus dieser Zeit stammen die Stadtmauern und das historisch wertvolle Tor "Saint Marcel". Vom 4.–18. Jahrhundert war Die Bischofssitz und hat daher die Kathedrale Notre Dame und die Kapelle St. Nikolaus erhalten.
Die Stadt gibt den Weinen Clairette de Die und Crémant de Die ihren Namen.
Sehenswürdigkeiten
Der Touristenverband hat auf Deutsch einen interessanten Flyer herausgebracht, der zu einem "Kleinen Rundgang durch die Geschichte von Die ..." einlädt. Die zwei lohnenden Routen durch die Altstadt und entlang der Stadtmauer sind markiert.
- Die römische Stadtmauer mit dem berühmten Stadttor St. Marcel aus dem 3.Jh..
- Das römische Mosaïque quatre fleurs (Mosaik der vier Blumen) im Museum (ehemaliges Stadthaus). Damit es nicht übermäßig strapaziert wird, dürfen es nur Brautpaare direkt nach der Vermählung im hiesigen Standesamt betreten!
- Der katholische Dom (= Cathédrale) "Notre-Dame" aus dem 6.Jh..
- Die protestantische Kirche (= Temple): kalvinistische Angehörigkeit.
- Die Cave coopérative (Weinkeller), eine Kooperative die u.a. die traditionelle und in ganz Frankreich bekannte "Clairette", Rot- und Weißweine anbietet. Werbung: "Clairette de Die non de Dieux" und als Wortspiel "Clairette des Dieux non de Die". (Dieses Wortspiel lässt sich nicht direkt übersetzen, hier zumindest das hintersinnige Anliegen: "Das ist die Clairette von Die und nicht von den Göttern" und das Wortspiel "Aber verdammt noch mal, das muss doch eine Clairette der Götter und nicht aus Die sein.")
- Sehenswert ist jeden Mittwoch- und Samstagvormittag der Markt vor dem Dom: Ziegenkäse, frische Wurst, Walnüsse, Gemüse, verschiedene Honig-, Obstsorten, handwerkliche Gegenstände ... .
Blick in den nördlichen Abschnitt des Drômetals vom Col de Rousset kommend; Blickrichtung Westen.
Lavendelfelder im Sackgassental Le Quint. Im Hintergrund die Butte St. Genix im Nationalpark
Vercors.
- Malerische Lavendelfelder und alte Destillerien in der Umgebung.
- Das Aquarium tropical in Allex mit jährlich wechselnde Ausstellungen wie: Schmetterlinge, fleischfressende Pflanzen usw..
- Die Seidenraupenzucht in Saillons - früher ein größerer Einkommenszweig der Region und daher authentische Informationen.
- Die ehemalige Abtei Abbaye de Valcroissant im Sackgassental Valcroissant; jetzt private Übernachtungsmöglichkeiten und Führungen. Hinter der Schmalstelle zum Teileingang ein schönes kleines Sportklettergebiet.
- Les Claps ("das Chaos") sind ein Trümmerfeld von bis 3 Stockwerk hohen Gesteinsblöcken südlich von Die an der D 93. Sie sind ein beliebtes kleines Sportklettergebiet. Die vorbeifließende Drôme bildet einen Wasserfall und kleinen See. Anekdote zur Entstehung des Steinrutsches: ein etwas unkeusches Mönchskloster wurde vor mehreren hundert Jahren in Form eines himmlischen Felsschlages bestraft. Sehenswertes Naturdenkmal.
- Schon die Auffahrt und der Blick vom Pass des Col de Rousset, dem Einfallstor zum Vercors sind einen Ausflug wert.
- Die Die beherrschende Bergkuppel des Justin im Westen zum Bergwandern (Weg der 40 Serpentinen) auf einfachem Niveau mit Blick über das gesamte Tal.
- Die schon alpine Glandasse (2041 m) im Osten für anspruchsvollere Bergwanderer und Bergsteiger.
- Das touristische, charmante mittelalterliche Städtchen Châtillon-en-Diois.
- Das pittoreske Dorf Pontaix.
- Der mit 52 m höchste Wehrturm Frankreichs in Crest aus dem 12.Jh., ein Überrest des Schlosses von Ludwig dem XIII.
Veranstaltungstermine
Auswahl
- Ende Juni gibt es in Die die weit über die Grenzen hinaus bekannte Transhumence. Hierbei handelt es sich um einen alten Brauch, bei dem Tausende von Ziegen auf die Alm getrieben werden - und zuvor mitten durch die Stadt Die. Selbstverständlich wird das Ganze von Festivalitäten begleitet.
- Am ersten Wochenende im Juli ist in Die das bekannte Fest Vogue mit Kirmes und Tanz, handwerklichen Märkte (Keramiken, "Bioprodukten" etc.) und andere Veranstaltungen über vier Tage. Abends auf dem ehemaligen Place der la Mairie (Rathausplatz): Ball mit Tanz und Lifemusik. Samstags und sonntags überwiegend moderne Musik, Montagabend ist für die Älteren "ball musette" mit franz. Volkstanz, Walzer zu Akkordeonmusik - eine echte Touristenattraktion
- Im Juli gibt es in Saoû ein Straßenfest unter dem Motto die Fête du Picodon (Ziegenkäse).
- Im nahelegenen Crest findet u.a. Mitte August ein Open-Air-Jazzfestival statt. Reservierungen können bei der Touristinformation in Die vorgenommen werden.
- Jedes Wochenende von Juli bis Ende September finden Dorffeste mit Tanzen, viel Clairette, Marquisette (Clairette mit Limo, Obst und Rum) in verschiedenen Dörfern des ganzen Departements der Drôme statt. Die Termine werden in der Zeitung und auf dem Fremdenverkehrsamt bekannt gegeben. Die schönsten sind in Pontaix (August), Barsac (bei Pontaix), Espenel (Mitte August) und Châtillon. Das letzte ist in Crest am letzten Wochenende im September mit großem Abschlussfeuerwerk.
- Am 14. Juli ist Tag der französischen Revolution mit Festen und abendlichem Feuerwerk. In der Kirche von Crest werden Requiems von den kleinen Sängern des "Orchestre du Palais Royal" aufgeführt. Anschließend gibt es auf dem Place des Cagnards ein Dinner unter den Platanen.
- In den ersten zwei Augustwochen gibt es in Tarentaise ein Festival barocker Musik und Kunst zu sehen.
- September: Festival Est-Ouest in Die. Dies dient der Völkerverständigung, in den letzten Jahren vor allem zu dem ehemaligen Ostblock.
U.v.m..
Hugenottenverfolgung in Die
Im Winter 1683 auf 1684 wüteten die Dragoner schrecklich im Diois und im März 1684 waren bereits neun protestantische Temples (Kirchen) geschlossen sowie neunzehn zerstört. Der für das Diois zuständige Intendant wird gegenüber den Protestanten (Hugenotten) als besonders hart und gehässig beschrieben. Die Fluchtwege der Menschen waren die Wälder und die unwegsamen Schluchten durch das Gebirge. Für die Menschen aus dem mittleren Diois und Die selbst war es der Col de Menée nach Mens und Triéves (Trier). Da dies Zentren der Protestanten waren (wie auch Die), konnten sie mit Hilfe rechnen. Etliche Flüchtlinge zog es weiter nach Frankfurt am Main, dann in den Großraum Marburg, wo ihnen von höchsten Stellen Ansiedlungshilfe gewährt wurde. Bis heute gibt es in dieser Region noch nachweisbare hugenottische Familienwurzeln und altfranzösische Inschriften, z.B. an Scheunenbalken.
Diese historische Begebenheit war ein wichtiger Auslöser für eine sehr frühe und bis heute sehr rege deutsch-französische Städtepartnerschaft. Die deutsche Partner"stadt" von Die ist Frankenau bei Marburg, genau genommen das kleine Dorf Louisendorf-Frankenau, das seine hugenottische Vergangenheit bis heute intensiv pflegt.
Wirtschaft
Fast alle Erzeugnisse, hauptsächlich landwirtschaftlicher Natur der Gegend eignen sich auch als Souvenirs: Kräuter, Oliven, Walnüsse, Esels-, Ziegen-, Wildschweinwurst, Lavendel-, Akazien-, Tannen-, Kastanienhonig, Ziegenkäse, Lavendelöl,/-wasser,/-kissen und andere Produkte, Obstsorten (leckere weiße Pfirsiche, Melonen "de Cavaillon", Erdbeeren, Kirschen usw.), spezielles Nougat, Trüffel (Pralinen) und Trüffel (Pilz), Lammfellerzeugnisse, und natürlich Clairette, Weine usw. usf.. Ferner gibt es noch eine kleine Möbelindustrie, die u.a. wertvolles Kischholz verarbeitet. Der Sommer- und zunehmend Wintertourismus spielt eine sehr wichtige wirtschaftliche Rolle.
Literatur
- François Isler / Pierre Boulais: Drôme - des pays et des hommes. Aix-en-Provence: Édisud, 1991. ISBN 2-85744-542-3 (Ein herrlicher Bild- und Textband; franz.)
- Die, historie d'une cité. Hrsg.: Patrimoine de la vallée de la Drôme (Association), 1999. ISBN 2-9514779 (formal falsche ISBN) (Umfassende Informationen zur Geschichte von Die und Umgebung; franz.)
Weblinks