Die Religion innerhalb der Grenzen der bloßen Vernunft ist Kants 1793 erschienene religionsphilosophische Schrift. Kant verstand sie als Übergang von der Kritik zur Doktrin und entwickelt hier eine philosophische Religionslehre, die am Ende der Aufklärungsphase das Prinzip des Bösen postuliert. Das Böse sei dem menschlichen Wesen innewohnend und wesentlich (vgl. Immanenz). Postuliert wird die Existenz Gottes und die Unsterblichkeit der Seele.
Kant untersucht hierbei kritisch seine Überlegungen zur praktischen Vernunft, die er in der Grundlegung zur Metaphysik der Sitten und der Kritik der praktischen Vernunft ausarbeitete. Nicht nur die Befolgung der christlichen Lehre und der Praxis gilt Kant als sichere Unterweisung für die von der Philosophie angestrebte Moral. Im Gegensatz zu anderen Religion billigt der Protestant Kant allein dem Christentum, wesentlichen Teilen seiner Tradition und der Einrichtung der Kirche, zu über Wahrheiten zu verfügen, die von Seiten der Philosophie unanfechtbar erscheinen. In Abgrenzung zur Christlichen Lehre stellt Kant das Judentum als veraltete, in Erziehungsfragen unterlegene und ungleichwertige Religion dar. Das Judentum und der Islam sowie rituelle kirchliche Praktiken werden von Kant abschätzig behandelt.
Als populärstes Werk Kants in seiner Zeit, gehört es prägend zum deutschen Idealismus.
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Ursprünglich war eine Veröffentlichung 1792 geplant. Jedoch wollte die preußische Zensurbehörde, Vertreten durch Johann Christoph Wöllner, eine Veröffentlichung der Schrift verbieten. So konnte 1792 lediglich das erste Stück in der Berlinischen Monatsschrift erscheinen. Ein späteres Verbot der Immediatexamenskammer des Kabinetts in dieser Sache zu publizieren, wurde von Kant für die Zeit der Regierung akzeptiert und eingehalten.
Von der Einwohnung des bösen Prinzips neben dem guten
Vom Kampf des guten Prinzips mit dem bösen um die Herrschaft über den Menschen
Vom Sieg des guten Prinzips über das Böse und der Stiftung eines Reichs Gottes auf Erden
Vom Dienst und Afterdienst unter der Herrschaft des guten Prinzips oder von Religion und Pfaffentum
Nach Kant lässt Gott sich nicht beweisen. Doch konsequentes moralisches Handeln ist nicht möglich ohne den Glauben an Freiheit, Unsterblichkeit und Gott. Daher ist die Moral das Ursprüngliche und die Religion erklärt die moralischen Pflichten als göttliche Gebote. Die Religion folgte also dem bereits vorhandenen Moralgesetz. Um die eigentlichen Pflichten zu finden, muss man nun umgekehrt das Richtige aus den verschiedenen Religionslehren herausfiltern. Die tatsächlich praktizierte Ausübung der Religion mit all ihren Riten lehnte Kant als Pfaffentum strikt ab. (Vgl. den Hauptartikel Immanuel Kant).
Moral führt unausbleiblich zur Religion
Die Moral ... bedarf weder der Idee eines anderen Wesens über ihm ... noch einer anderen Triebfeder als des Gesetzes selbst. … Obzwar aber die Moral zu ihrem eigenen Behuf keiner Zweckvorstellung bedarf, ... so kann es doch wohl sein, daß sie auf einen solchen Zweck eine notwendige Beziehung habe. ... Denn ohne alle Zweckbeziehung kann gar keine Willensbestimmung im Menschen stattfinden
Eine Religion, die der Vernunft unbedenklich den Krieg ankündigt, wird es auf die Dauer gegen sie nicht aushalten.
Im praktischen Glauben an diesen Sohn Gottes (sofern er vorgestellt wird, als habe er die menschliche Natur angenommen) kann nun der Mensch hoffen, Gott wohlgefällig (dadurch auch selig) zu werden.
Der jüdische Glaube ist seiner ursprünglichen Einrichtung nach ein Inbegriff bloß statutarischer Gesetze, auf welchem eine Staatsverfassung gegründet war; denn welche moralische Zusätze entweder damals schon oder auch in der Folge ihm angehängt worden sind, die sind schlechterdings nicht zum Judenthum als einem solchen gehörig. Das letztere ist eigentlich gar keine Religion, sondern bloß Vereinigung einer Menge Menschen, die, da sie zu einem besondern Stamm gehörten, sich zu einem gemeinen Wesen unter bloß politischen Gesetzen, mithin nicht zu einer Kirche formten; vielmehr sollte es ein bloß weltlicher Staat sein, so da wenn dieser etwa durch widrige Zufälle zerrissen worden, ihm noch immer der (wesentlich zu ihm gehörige) politische Glaube übrig bliebe, ihn (bei Ankunft des Messias) wohl einmal wiederherzustellen.
Die Euthanasie des Judentums ist die reine moralische Religion mit Verlassung aller alten Satzungslehren, deren einige doch im Christentum (als messianischem Glauben) noch zurück behalten bleiben müssen; welcher Sektenunterschied endlich doch auch verschwinden muß und so das, was man als den Beschluß des großen Dramas des Religionswechsels auf Erden nennt (die Wiederbringung aller Dinge), wenigstens im Geiste herbeiführt, da nur ein Hirt und eine Herde stattfindet
Es ist hier aber nur vom Hange zum eigentlich, d. i. zum Moralisch-Bösen die Rede, welches, da es nur als Bestimmung der freien Willkür möglich ist, diese aber als gut oder böse nur durch ihre Maximen beurtheilt werden kann, in dem subjevtiven Grunde der Möglichkeit der Abweichung der Maximen vom moralischen Gesetze bestehen muß und, wenn dieser Hang als allgemein zum Menschen (also zum Charakter seiner Gattung) gehörig angenommen werden darf, ein natürlicher Hang des Menschen zum Bösen genannt werden wird.
… um den Krieg (diese Geisel des menschlichen Geschlechts) ja nicht aufhören zu lassen, der, ob er gleich nicht so unheilbar böse ist, als das Grab der allgemeinen Alleinherrschaft (oder auch ein Völkerbund, um die Despotie in keinem Staate abkommen zu lassen), doch, wie ein Alter sagte, mehr böse Menschen macht, als er deren wegnimmt.
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