Disease Mongering (deutscher Begriff Krankheitserfindung) bezeichnet ein unzulässiges Deklarieren normaler Lebensabläufe oder individueller Mängel wie etwa eine Glatzenbildung bei Männern als therapiebedürftige Krankheiten. Der Begriff wurde 1992 von Lynn Payer als Buchtitel verwendet und im British Medical Journal durch den Journalisten Ray Moynihan, die Allgemeinmedizinerin Iona Heath und den Pharmakologen David Henry eingeführt. Der Psychiater David Healy beschäftigt sich mit dem Disease Mongering im Bereich der Psychopharmaka. In Deutschland findet das Phänomen im Buch Die Krankheitserfinder von Jörg Blech seinen Niederschlag. Als konkretes Beispiel nennt er das sogenannte Sissi-Syndrom.
Vom Disease Mongering profitieren inzwischen ganze Berufszweige, Pharma- und Medizintechnikunternehmen, Kliniken, Wellness- und Kurbetriebe, Universitätsinstitute, Wissenschaftler und Forscher, Testlabore, Buchautoren und Verlage usw. In der Kritik steht in diesem Zusammenhang vor allem die Pharmaindustrie, die neue Krankheitsbegriffe prägt, bestehende Begriffe ausweitet oder bestimmte Mängel oder Symptome dramatisiert, um sich neue Absatzmärkte zu erschließen.
Medikalisierung, Individuelle Gesundheitsleistung, Healthism, Betrug und Fälschung in der Wissenschaft