Unter Dogma (griech. δόγμα, dógma, „Meinung, Lehrsatz“; Plural Dogmen oder seltener nach dem Griechischen Dogmata) versteht man eine festlegende Definition, um einem Glauben, eine Übereinstimmung mit der Wirklichkeit voraussetzend, einen unumstößlichen Wahrheitsgehalt zuzuschreiben.
Dogmen findet man häufig in Religionen sowie in autoritären, absolutistischen und totalitären Gesellschaftsformen in denen dann eine Religion, Weltanschauung oder eine Wertvorstellung als allein wahr, allgemeingültig, verbindlich und oft sogar als für alle Zeit gültig erklärt wird.
Dogmen oder Paradigmen, die diese Anschauungen bilden, werden unter Berufung auf göttliche Offenbarung, besondere Erkenntnisse, als wahr erachtete Theorien oder naturrechtliche Legitimation formuliert, sodass eine Kritik am Dogma selbst automatisch auch eine Missachtung der Autorität ergibt und so eine Selbstimmunisierung gegen jede Kritik entsteht. Die systematische Lehre der Dogmen wird Dogmatik genannt.
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In Antike und Mittelalter war Dogma ein positiv besetzter Begriff, der für Klarheit und Eindeutigkeit stand. Seit dem Zeitalter der Aufklärung werden Dogmen kritisch als eine auf Autoritäten beruhende Denkweise oder Glaubensüberzeugung abgelehnt. Einer der zentralen Leitgedanken der Aufklärung, der durch Immanuel Kant zitierte und so wieder bekannt gewordene Spruch des lateinischen Dichters Horaz, "Sapere aude" (lateinisch "Habe Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen!"), bildet nach moderner Auffassung einen unvereinbaren inhaltlichen Gegensatz zum Dogma bzw. zur entsprechenden Lehre, der Dogmatik.
Oft gehen Dogmen mit einem geschlossenen Weltbild einher. Da das Dogma keines weiteren Beweises bedarf, weil es unverhandelbar ist, könnten abgespaltene Denkwelten entstehen. Dogmen werden trotzdem meist in einer, nicht notwendigerweise schlüssigen, Logik begründet und sind teilweise begrenzt auch kritischen Reflexionen gegenüber offen. Heute sind beispielsweise die Dogmen der römisch-katholischen Kirche nach der Trennung von Kirche und Staat mehr Hilfestellung und Empfehlung an die Gläubigen im Sinne einer Theosophie als im Sinne einer Gesetzesvorgabe. Eine Neuformulierung von Dogmen zeigt besonders in der römisch-katholischen Kirche in den letzten Jahrzehnten eine Anpassung bzw. Selbstkritik, jedoch ist eine konservative Haltung in der Regel immer noch erkennbar. Im Islam sind Dogmen in Form der so genannten Schari'a auch heute oft noch verbindliche Gesetze, deren Achtung teilweise mit äußerster Härte durchgesetzt wird. Der Begriff Dogma wird heute weiter in den modernen Naturwissenschaften als Kritik verstanden, wenn ein überkommener Standpunkt oder eine veraltete Theorie vertreten wird, die neuere Erkenntnisse ignoriert.
Extreme Formen dogmatischer Lehren sprechen jeder Kritik die Legitimität ab und rechtfertigen dadurch unter Umständen sogar die Tötung der Kritiker, denen sie dann Häresie bzw. Ketzerei oder Gotteslästerung vorwerfen. Im Mittelalter dienten Dogmen der römisch-katholischen Kirche als Legitimation für ihre Inquisitionsgerichte die nach der Erpressung von Geständnissen mittels Folter häufig in besonders unmenschliche Tötungen (z. B. Hexenverbrennungen auch in protestantischen Gebieten) der Kritiker bzw. Verurteilten endete.
In kommunistischen Regimen fanden analoge Dogmen als so genannte Doktrin ebenso gewaltvolle Durchsetzung. Widerspruch gegen eine nationale Doktrin oder eine Parteilinie führte zu massiven Repressionen, bis zu Gefängnissen und Hinrichtungen. Ebenso wurde die Verfolgung unamerkanischer Umtriebe in der McCarthy-Ära gelegentlich mit den Hexenprozessen verglichen.
Bis in die Gegenwart ist in streng islamischen Ländern ein Verstoß gegen einige Dogmen der religiösen Dogmenlehre des Islam, die Schari'a, noch heute mit der Todesstrafe (Köpfungen, Steinigungen und andere Formen der Tötung) verboten. Diese werden oft auch von informellen Gruppen ausgeführt, die eine de facto Gerichtsbarkeit/Lynchjustiz ausüben.
Unter „Dogmen“ versteht man im Laufe der Kirchengeschichte durch die lehramtliche Autorität formulierte Sätze (sowie seit dem II. Vatikanischen Konzil auch Aussagen darstellender Texte), die wichtig sind für die inhaltliche Profilierung ihres Glaubens. Sie „sind Lichter auf dem Glaubensweg. Sie erleuchten und sichern ihn.“ (Katechismus der Katholischen Kirche KKK 89). Der Entstehungskontext von Dogmen ist in der Regel eine strittige Situation in Glaubensfragen.
Konzilien und Synoden werden einberufen, um die Sachfragen zu klären und ggf. entsprechende Dogmatisierungen vorzunehmen.
Der Begriff Dogma wird je nach konfessioneller Tradition und theologischer Lehrmeinung unterschiedlich verstanden bzw. verwendet:
diese von Konzilien verkündeten dogmatischen Definitionen wurden stets von den Päpsten bestätigt.
Dogmatik der katholischen Kirche:
Bis 1950 wurden mehrere frühere päpstliche Entscheidungen als "ex cathedra" (unfehlbar) ergangene Definitionen angesehen. Unter dem Einfluss der Kriterien des I. Vatikanums wird diese Liste auf die Entscheidungen von 1854 und 1950 eingeengt, während alle früheren Definitionen (je nach Zählung etwa zehn bis zwanzig) dem allgemeinen, affirmativen Lehramt zugeordnet werden. Zu diesen, gleichwohl Geltung beanspruchenden Bekräftigungen zählt nach amtlicher Auffassung auch die Entscheidung des Papstes Johannes Paul II., dass eine Priesterweihe für Frauen definitiv unmöglich ist. Eine bekannte Regel, die nach katholischer Ansicht definitiv kein unveränderliches Dogma darstellt, ist dagegen die verpflichtende priesterliche Ehelosigkeit (Zölibat).
Das II. Vatikanum (1962-1965) lehrt die notwendige Unveränderlichkeit der Glaubenswahrheit als ganzer, öffnet diese jedoch dem Dialog mit den Andersdenkenden. Die Kompetenz zur Unterscheidung des Wesentlichen vom Veränderlichen liegt beim kirchlichen Lehramt des Papstes (allein oder mit) resp. dem Bischofskollegium der Weltkirche.
In den evangelischen Kirchen vertretene „Glaubenswahrheiten“:
Ökumenische Annäherungen: Die „gerechten Werke“ (kath.) sind Werke der Gnade Christi (Konvergenz Augsburg 1999); die Hl. Schrift lebt in der Kirche, die als ganze die Einheit Christi mit den Menschen bewirkt.
Dogmen einer Kirche gelten im allgemeinen als unwiderruflich. Sie sind jedoch offen für Präzisierungen sowie „Neuinterpretationen“ in veränderten Kontexten und in neuem Sprachgebrauch. Es gibt deshalb - aus römisch-katholischer Sicht - durchaus eine Geschichtlichkeit des Dogmas:
(Kongregation für die Glaubenslehre, Erklärung Mysterium ecclesiae zur katholischen Lehre über die Kirche und ihre Verteidigung gegen einige Irrtümer von heute; vom 24. Juni 1973, Trier 1975 (Nachkonziliare Dokumentation 43) Nr. V, S. 147 f.)
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