Dorfkirche Marienfelde

Die Dorfkirche Marienfelde in Berlin-Marienfelde ist seit etwa 1220 der Mittelpunkt des Marienfelder Dorfangers.

Dorfkirche
Dorfkirche

Inhaltsverzeichnis

Entstehung

Etwa 1220 wird auf einem bestehenden Begräbnisplatz die Feldsteinkirche errichtet, denn christliche Begräbnisse fanden sich unter der Kirche. Es wird daher vermutet, dass es schon vorher an diesem Standort einen hölzernen Kirchenbau gab. Die lokale Heimatforschung behauptet: Die jetzige Steinkirche ist von der Bauhütte Kloster Zinna erbaut, als der erste bekannte Bau dieser Bauhütte nach Fertigstellung der Klosterkirche in Zinna, die 1226 geweiht wurde. Mit dem Datum wird diese Kirche in allen vorliegendenden Publikationen als die älteste Dorfkirche und das älteste erhaltene Bauwerk in der Stadt Berlin bezeichnet. Dagegen hat die jüngste Bauforschung in Zinna festgestellt, dass die dortige Klosterkirche zwar um 1220 begonnen wurde, aber bei der Weihe 1226 noch nicht vollendet war; dies geschah erst nach 1230.[1] Allein schon aus diesem Grunde scheidet die Bauhütte Zinna als Erbauer der Dorfkirche Marienfelde aus, ganz abgesehen davon, dass dann mit gleichem Recht diese Bauhütte als Erbauer für die zahlreichen typgleichen Dorfkirchen auf dem Teltow und Barnim in Anspruch genommen werden könnte, was sowohl eine Überforderung als auch eine Überschätzung der Rolle der Zisterzienser beim mittelalterlichen Landesausbau in Brandenburg darstellen würde.

Das Datum von Baubeginn und Fertigstellung ist, wie bei anderen mittelalterlichen Bauten auch, nicht überliefert und kann nur aus kunsthistorischen und archäologischen Befunden eingegrenzt werden. Als hartes Faktum ist der dendrochronologische Befund an einem Dachbalken festzuhalten, der von 1230 stammt. Das berechtigt zu der Vermutung, dass die Kirche um 1231/32 fertiggestellt wurde.

Die Kirche ist spätromanisch mit frühgotischen Anbauten. Die 110 bis 175 cm starken Mauern, die ursprünglich schlitzartigen Fenster und schweren Türen zeugen von der Schutzfunktion des Kirchenbauwerks. Bemerkenswert ist die Kirche auch, weil sie von vornherein eine vollständige Anlage mit Westturm (der die volle Breite des Kirchenschiffs hat), Kirchenschiff, Chor und Apsis war und in dieser ursprünglichen Gestalt trotz einiger späterer Anbauten noch erkennbar ist.

Für die Annahme, dass andere Kirchenbauten in Berlin älter sind, konnten keine Belege gefunden werden (siehe Dorfkirche Karow, dem angeblich ältesten Kirchenbau auf dem Barnim). Indessen hatte die heutige Dorfkirche Tempelhof (um 1250, siehe Dorfkirchen in Berlin#Bezirk Tempelhof-Schöneberg) einen steinernen Vorgängerbau, der anlässlich des Wiederaufbaus der kriegszerstörten Dorfkirche Tempelhof archäologisch festgestellt wurde. Der Ausgräber setzte diesen Bau, der wohl um 1239/45 brandzerstört wurde, in die Zeit um 1200.[2] Dafür spricht, dass die Kirche des Komturhofs der Tempelritter wohl älter sein musste als die Kirche im Templer-Filialdorf Marienfelde.

Weitere Baugeschichte

Rückansicht der Kirche
Rückansicht der Kirche

Nach Einführung der Reformation wurde sie 1539 innen umgestaltet. Chorgestühl und Chorschranke wurden entfernt. Von 1595 stammt die Windfahne, deren Nachbildung heute den Turm krönt. 1624 wurde der Altar und 1629 der Taufstein neu gestiftet. Der Taufstein mit dem Adler der Stadt Cölln steht noch heute in der Kirche. Eine weitere Umgestaltung erfuhr die Kirche 1835 mit dem Einbau einer dreiseitigen Empore und der Patronatsloge. Ein Kanzelaltar ersetzte den Bildaltar von 1624.

1920 bis 21 wurde unter der Leitung des in Marienfelde wohnhaften Architekten Bruno Möhring die Kirche restauriert und umgestaltet. Die Seitenemporen und der Kanzelaltar von 1835 wurden entfernt. Die Orgelempore wurde in den Turm hinein erweitert und eine Tonnendecke wurde eingebaut. Neu geschaffen wurde die Eingangssituation. Die Seitentüren wurden verschlossen und der heutige Turmeingang angelegt.

Den Zweiten Weltkrieg überstand die Dorfkirche weitgehend unbeschadet. 1953 bis 58 wurden die Patronatsloge entfernt und im Chorquadrat zwei Fester eingesetzt. Die Wandmalereien im Jugendstil von Bruno Möhring wurden durch Überstreichen entfernt. Die Fenster der Apsis wurden mit Glasarbeiten zum Thema Schöpfungsgeschichte von Georg Lippmann neu gestaltet.

Im Rahmen von Instandsetzungen wurden 1994 archäologische Untersuchungen im Inneren der Kirche vorgenommen. Dabei wurden 20 Grabstellen freigelegt, die teilweise aus der Zeit vor der Erbauung der Kirche stammen. Ein männliches Skelett wurde an seiner Fundstelle im Turmeingang belassen und kann durch eine Glasabdeckung betrachtet werden. Und eine neue Orgel macht die Dorfkirche seit 1994 zu einem begehrten Ort für Orgelkonzerte. 1997 wurde ein neuer Altar aufgestellt.

Bis Oktober 1889 war der Kirchhof um die Dorfkirche die Begräbnisstätte für Marienfelde. Dann wurde der neue Friedhof der ev. Kirchengemeinde Marienfelde nördlich der Dorfaue eingeweiht. Auf dem alten Kirchhof sind einige Grabmale noch erhalten. Verblieben und nach 1889 weiter genutzt ist die Grablege der Familie Kiepert.

Quellen

Literatur

  • Guido Brendgens & Norbert König: Berlin Architektur, jovis Verlag, Berlin 2003, ISBN 3-931321-46-0
  • Hans-Werner Fabarius: Marienfelde - Vom Dorf zum Stadtteil Berlins, Herausgegeben vom Gemeindekirchenrat der ev. Kirchengemeinde Marienfelde, Berlin 2001
  • Jan Feustel & Christel Wollmann-Fiedler (Bilder): Alte Dorfkirchen in Berlin, Quintessenz Verlag, Berlin 2001, ISBN 3-8148-0089-3
  • Marcus Cante: Kirchen bis 1618, In: Berlin und seine Bauten, Teil VI Sakralbauten, Ernst & Sohn Verlag für Architektur, Berlin 1997, ISBN 3-433-01016-1
  • Hans-Werner Fabarius: Aus der Geschichte der Evangelischen Kirchengemeinde Berlin-Marienfelde, Herausgegeben vom Gemeindekirchenrat der ev. Kirchengemeinde Marienfelde, Berlin 1984
  • Kurt Pomplun: Berlins alte Dorfkirchen, 4. Auflage, Haude & Spenersche Verlagsbuchhandlung, Berlin 1973, ISBN 3-7759-0160-4
  • Walter C. Türck: Die Dorfkirchen von Berlin, Evangelische Verlagsanstalt Berlin, Berlin 1950

Einzelnachweise

  1. Brandenburgisches Klosterbuch, Berlin 2007, Band 2, S. 1370.
  2. Ernst Heinrich: Die Dorfkirche von Tempelhof. Eine baugeschichtliche Untersuchung. In: Der Bär von Berlin, 4, 1954, S.45-88.

Weblinks

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Quelle:
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