Dvin

Dvin (armenisch Դվին) war eine antike Stadt in Armenien, gelegen im Ararattal, etwa 35 km südlich der heutigen armenischen Hauptstadt Eriwan. In älteren armenischen Quellen wird die Stadt als Dowin bezeichnet (zur Etymologie vgl. den EIr-Eintrag). Dvin wurde wohl schon seit dem 3. Jahrtausend v. Chr. bewohnt. Seit den 30er Jahren des 20. Jahrhunderts fanden vor Ort Ausgrabungen statt.

Geschichte

Dvin spielte eine bedeutende Rolle in der Geschichte Armeniens. In der Zeit der armenischen Arsakidenkönige wurde der Ort wohl befestigt und ein Jagdpark eingerichtet. Als es im Jahr 387 zu einem Vertrag zwischen dem römischen Reich und dem Sassanidenreich kam, der eine Aufteilung des zwischen den beiden spätantiken Großmächten stets umstrittenen Armeniens beinhaltete, fiel Dvin in die persische Machtspähre. Nach dem Aussterben der Arsakiden 428 wurde die Hauptstadt von Persarmenien nach Dvin verlegt, wo ein persischer marzban (sehr frei: „Markgraf“) residierte. Spätere Versuche der Sassaniden, die christliche Bevölkerung zum Zoroastrismus zu bekehren, schlugen jedoch fehl; die Errichtung eines Feuertempels in Dvin führte im 6. Jahrhundert sogar zu einer Rebellion. Die Stadt wurde auch zum Zentrum der armenischen Kirche, die mehrere Synoden in Dvin abhielt. 506 wurde hier abgelehnt, die Beschlüsse des Konzils von Chalkedon anzuerkennen. Auch die wirtschaftliche Bedeutung der Stadt, etwa hinsichtlich des Fernhandels mit Zentralasien, nahm zu.

Dvin wurde in jedoch in den folgenden römisch-persischen Kriegen wiederholt von den Oströmern/Byzantinern belagert bzw. erobert, bevor es wieder an Persien fiel. Nachdem Kaiser Maurikios dem persischen Großkönig Chosrau II. geholfen hatte, seinen Thron zurückzugewinnen, lag Dvin direkt an der oströmischen Grenze (591). Im letzten römisch-persischen Krieg (603–628) fiel die Stadt im Zuge des Perserfeldzugs des Herakleios an Ostrom, wurde jedoch infolge der Kämpfe zerstört. Mit dem Beginn der Islamischen Expansion (ab etwa 636) überrannten die muslimischen Araber Armenien. 640 nahmen sie Dvin ein, das rasch an Bedeutung verlor.

Ab dem 8. Jahrhundert saß in Dvin ein Statthalter des Kalifats. Die Stadt wurde auch in die Auseinandersetzung zwischen lokalen armenischen Adligen und den Arabern verwickelt. Im 10. Jahrhundert gewannen die Byzantiner Dvin zurück. Die Stadt erlebte unter den armenischen Herrschern aus dem Hause der Bagratiden eine neue Blütezeit; der Großteil der archäologischen Funde stammt auch aus dieser Zeit. Diese Phase der Prosperität wurde jedoch durch die Türken und Mongolen beendet, welche die Stadt um 1100 bzw. in den 30er Jahren des 13. Jahrhunderts heimsuchten. Die Stadt verfiel immer mehr und ist heute nur noch eine unbedeutende kleine Ansiedlung.

Weblinks

Quelle:
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