Eberhard Zwirner

Eberhard Zwirner (* 1. Oktober 1899 in Löwenberg (Schlesien); † 11. Juli 1984 in Nottuln-Schapdetten) war ein deutscher Mediziner.

Inhaltsverzeichnis

Leben

Nach Studium in Breslau und Berlin promovierte er zum Dr. med. und zum Dr. phil (1925; Zum Begriff der Geschichte. Eine Untersuchung über die Beziehungen der theoretischen zur praktischen Philosophie).

1924 wurde Zwirner Assistent an der Universitäts-Nervenklinik in Breslau, danach Oberarzt an der Universitäts-Nervenklinik in Münster und seit 1928 war er Abteilungsleiter am Kaiser-Wilhelm-Institut für Hirnforschung in Berlin.

1932 gründete er das Deutsche Spracharchiv und wurde 1940 Direktor des Instituts für Phonometrie der Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft, seit 1949 der Max-Planck-Gesellschaft.

Seit 1950 war Zwirner Privatdozent der Phonetik an der Universität Göttingen. Während der Zeit des Nationalsozialismus arbeitete er außerdem als Sanitätsführer bei der SA und war Mitarbeiter am Forschungsinstitut für Deutsche Ostarbeit im Generalgouvernement.

Zuletzt war Zwirner Inhaber des Lehrstuhls für Phonetik und Phonologie an der Universität zu Köln.

Wissenschaftliches Werk

Seit 1927 entwickelte er mit Kurt Zwirner die Phonometrie. Er sah sich selbst als Begründer eines deutschen Strukturalismus.

Eberhard Zwirner ist zusammen mit Kurt Zwirner ein Entdecker eines Sprachgesetzes der Quantitativen Linguistik: des Textblockgesetzes. Die Hypothese war, dass Laute in Textblöcken sich dem "Gesetz der kleinen Zahl" gemäß verhalten, ein anderer Ausdruck für die Poisson-Verteilung. Man teilt dazu einen längeren Text in Blöcke gleicher Länge ein und untersucht dann, in wie vielen dieser Textblöcke eine bestimmte Spracheinheit keinmal, einmal, zweimal usw. vorkommt. Zwirner und Zwirner konnten die anhand von Lautuntersuchugnen untermauern. In der Nachfolge belegen andere Autoren immer wieder, dass Einheiten verschiedenster Art, also nicht nur Laute, sich bei solchen Untersuchungen ganz entsprechend der Poisson-Verteilung oder anderer ähnlicher Modelle verhalten (Textblockgesetz).

Zwirner gehört u.a. mit dieser Entwicklung zu den frühesten Autoren, die für ein sprachliches Phänomen ein mathematisch formuliertes Gesetz entwickelt haben. Es hat sich vielfach bewährt. Zwirner ist damit einer der Pioniere der modernen Quantitativen Linguistik, neben George Kingsley Zipf, der etwa gleichzeitig Sprachgesetze entdeckte.

Er war Herausgeber der Phonometrischen Forschungen (4 Bde, 1936ff.), des "Archivs für vergleichende Phonetik" und des "Archivs für Sprach- und Stimmphysiologie" (1937-47). Außerdem schrieb er Grundfragen der Phonometrie (1936).

Schriften

  • Eberhard Zwirner: Deutsches Spracharchiv 1932-1962. Geschichte, Aufgaben und Gliederung, Bibliographie. Münster 1962.
  • Eberhard Zwirner, Ezawa, Kennosuke (Hrsg.): Phonometrie, Erster-Dritter Teil. Karger, Basel/ New York 1966, 1968, 1969.
  • Eberhard Zwirner, Kurt Zwirner: Lauthäufigkeit und Zufallsgesetz. In: Forschungen und Fortschritte 11, Nr. 4, 1935, 43-45. (Auch in: Zwirner & Ezawa (Hrsg.), Dritter Teil: 55-59.)
  • Eberhard Zwirner, Kurt Zwirner: Lauthäufigkeit und Sprachvergleichung. In: Monatsschrift für höhere Schulen 37, 1938, 246-253. (Auch in: Zwirner & Ezawa (Hrsg.), Dritter Teil, 68-74.)

Festschrift

  • Kennosuke Ezawa, Karl H. Rensch (Hrsg.) unter Mitwirkung von Wolfgang Bethge: Sprache und Sprechen. Festschrift für Eberhard Zwirner zum 80. Geburtstag. Niemeyer, Tübingen 1979.

Literatur

Weblinks

http://homepage.uni-tuebingen.de/gerd.simon/obst.pdf

Quelle:
Artikel Eberhard Zwirner aus der freien Enzyklopädie Wikipedia mit dieser Versionsgeschichte
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