Egerland

Das Egerland (Eghaland, tschechisch Chebsko) ist im engeren Sinne eine Region im Westen Tschechiens. Ihre Zugehörigkeit zu Böhmen ist strittig. Im weiteren Sinne umfasst sie auch das fränkische Egereinzugsgebiet. Sie ist benannt nach dem Fluss und der Stadt Eger (tschechisch Cheb).

Inhaltsverzeichnis

Geographie

Das Gebiet des historischen Egerlandes liegt heute in Tschechien und Bayern. Die Fläche ist etwa 2000 km² groß. Der tschechische Teil bildet okres Cheb. Seit 1938 wurde auch der Regierungsbezirk Karlsbad (im Sudetengau) als Egerland bezeichnet. Dieses Gebiet in der Region Karlsbad erstreckt sich vom sogenannten Egerer Becken (Chebská pánev) bis Karlsbad. Von Bedeutung ist dabei auch der Kaiserwald.

Die Gebietsfläche des Egerlands (nicht des historischen, sondern des Gebietes, in dem deutsch gesprochen wurde) beträgt 7466 km².

Geschichte

Zunächst muss zwischen dem historischen und dem Egerland im heutigen Sinne unterschieden werden.

Es wurde bereits unter den Bezeichnungen Regio Egire (1135) oder Provincia Egrensis (1218) in der Geschichtsliteratur erwähnt. In dem Quellenband Monumenta Egrana des Egerer Stadtarchivars Heinrich Gradl sind wichtige Quellen zur Geschichte des Egerlandes gesammelt.

Das Egerland war in römischer Zeit von germanischen Stämmen bewohnt, wurde in der Völkerwanderungszeit von Slawen besiedelt und dann Besitz der Grafen von Vohburg. Es wurde im Zuge der bayerischen Ostkolonisation von Deutschen besiedelt, kam durch Erbschaft an das Haus der Hohenstaufen, blieb kaiserlicher Besitz und war daher reichsunmittelbar. Daher befindet sich in Eger als einzigem Ort der tschechischen Republik eine Kaiserpfalz. Das reichsunmittelbare Land wurde nach dem Sturz der Staufer aufgeteilt.

Die historisch korrekte Bezeichnung für das Egerland ist Reichspfandschaft Eger. Die reichsunmittelbare Stadt Eger und das zugehörige Landgebiet wurden von Kaiser Ludwig dem Bayer 1322 dem König von Böhmen verpfändet „bei Garantie der völligen Unabhängigkeit vom Königreich Böhmen“. Dieses Pfand wurde niemals eingelöst. Nachdem die Krone des Deutschen Reiches und Böhmens unter dem Geschlecht der Luxemburger in einer Hand vereinigt waren, war für eine Einlösung des Pfandes kein Grund mehr gegeben. Dies hatte aber zur Folge, dass das Egerland lange Zeit einen eigenen Landtag besaß und nicht als staatsrechtliches Territorium Böhmens galt. Im Dreißigjährigen Krieg war allerdings die garantierte Unabhängigkeit von Böhmen immer schwieriger zu bewahren. 1628 wurde die staatliche Einheit Bayerns formal wiederhergestellt, das Egerland verblieb dennoch als nichteingelöstes Reichspfand bei Böhmen. Innerhalb der österreichischen Monarchie waren das Egerland und Böhmen politisch getrennt. Nicht ganz präzise wird daher das Egerland oft als böhmisch bezeichnet. Dies ist wissenschaftlich unzutreffend. Verpfändungen von Herrschaften waren im Mittelalter und der frühen Neuzeit gang und gäbe aufgrund einer Art von Staatsprivatrecht.

Da das Reichspfand aber nicht eingelöst war, wurde das Gebiet 1806 auch staatsrechtlich als Teil Österreich-Ungarns Böhmen angegliedert und 1918/19 Teil der Tschechoslowakische Republik.

Nach dem Münchener Abkommen vom (27. September 1938), dem Einmarsch der Deutschen Wehrmacht ins Sudetenland (1. Oktober 1938), der Besetzung der gesamten Tschechei als Reichsprotektorat Böhmen und Mähren (15. März 1939) wurde das Egerland Bestandteil des Deutschen Reichs.

Das Gebiet war bis 1945 durch Deutsche (etwa 800.000 Einwohner) besiedelt, die größtenteils nach dem Zweiten Weltkrieg vertrieben wurden. Dennoch tragen auch heute viele Bewohner der Region deutsche Namen. Im Raum Falkenau liegt zudem eines der Zentren der heutigen deutschen Minderheit in Tschechien. Dort gibt es Gemeinden mit bis zu 6 % deutscher Bevölkerung. Vor 1945 war das Egerland nicht von Tschechen besiedelt. Die Stadt Eger war genauso deutsch wie Nürnberg. Die Egerländer Deutschen wurden entgegen dem Grundsatz des Selbstbestimmungsrechts der Völker von den tschechischen Nationalisten der Masaryk-Regierung gewaltsam in die Tschechoslowakei gezwungen. Zahlreiche Deutsche wurden ermordet. Den Anschluss des Egerlandes an Hitlerdeutschland 1938 mussten die Egerländer 1945 mit dem Verlust ihrer Heimat und ihres gesamten Vermögens bezahlen.

Grenzüberschreitende Zusammenarbeit

Der historische Begriff Regio Egrensis wird neuerdings von der grenzüberschreitenden Landesplanung reaktiviert.

Unter dem Begriff Euregio Egrensis ist eine gesellschaftlich anerkannte Form der grenzüberschreitenden Zusammenarbeit in Mitteleuropa entstanden. 1991 gegründet, wurde die Organisation zu einem Wegbereiter für Zusammenarbeit zwischen Deutschland und Tschechien. Neben der Euregio Egrensis haben sich die grenznahen Orte um das vogtländische Dreiländereck - Ortschaften des Böhmischen Vogtlands und des Vogtlandkreises - zur tschechisch-deutschen Mikroregion Freunde im Herzen Europas zusammengeschlossen.

Kultur

Typisch für das Egerland sind die stattlichen Fachwerkhöfe mit großen Speicherbauten. Neben der Landwirtschaft siedelte sich auch, vor allem im Ascher Gebiet, die Textilindustrie an, im Falkenauer Becken wurde Braunkohle gefördert und in Alt- und Neurohlau, Neusattl und Chodau war die Porzellanindustrie dominierend. Daneben hatten sich die Handwerker einen guten Ruf geschaffen.

1907 wurde der Bund der Eghalanda Gmoin e. V. gegründet, der sich der Pflege der Egerländer Mundart widmet und heute von Deutschland aus weitergeführt wird.

Tourismus

Beliebt und berühmt ist das Egerland auch wegen seiner salzhaltigen Thermalbäder Karlsbad, Marienbad und Franzensbad.

Musik

Ernst Mosch, geboren am 7. November 1925 in Zwodau (heute: Svatava) bei Falkenau (heute Sokolov), gründete 1956 die Original Egerländer Musikanten. Er wird auch als König der Blasmusik bezeichnet. Mit seinem berühmten Orchester spielte er Polkas, wie die Amboss-Polka, Märsche wie den Egerländer Musikantenmarsch oder Wir sind Kinder von der Eger. Außerdem beeindruckte er mit Walzern wie Abschied vom Liebchen.

Darüber hinaus war das Egerland bis nach dem Zweiten Weltkrieg das letzte deutschsprachige Gebiet, in dem der traditionelle böhmische Dudelsack (Bock genannt) gespielt wurde.

Literatur

Siehe auch

Weblinks

Quelle:
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