| Eider | |
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Eider bei Breiholz |
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| Daten | |
| Lage | Schleswig-Holstein |
| Länge | 188 km |
| Quelle | südöstlich von Wattenbek |
| Mündung | Nordsee |
| Abflussmenge | 6,5 m³/s |
| Mittelstädte | Rendsburg |
| Kleinstädte | Tönning, Friedrichstadt |
| Hafen Schülperneuensiel | |
Die Eider (dänisch Ejderen) ist mit 188 Kilometern der längste Fluss in Schleswig-Holstein. Sie entwässert ein Gebiet von 3275 km³. Ihr mittlerer Abfluss beträgt 6,5 m³/s.
Inhaltsverzeichnis |
Der Name des Flusses leitet sich vom nordischen Riese der See Ägir ab. Die Eider war seine Tür zum Binnenland, die Ägir Dör, oder latinisiert Egidora. Als Egidorae fluminis taucht der Fluss erstmal in den Reichsannalen im 9. Jahrhundert in einer schriftlichen Quelle auf. Über die Jahrhunderte verkürzte sich der Name, zum Beispiel zu fluvius Eidorus bei Saxo Grammaticus im 12. Jahrhundert, Heinrich der Löwe ließ 1148 in einer Urkunde von de Eidera schreiben, der dänische König Waldemar 1231 von der Eydear, die ihren Namen seitdem nur noch wenig änderte.
Verursacht durch mehrere Sperrwerke und den Nord-Ostsee-Kanal gliedert sich die Eider in mehrere Teile, sich sowohl ökologisch als auch limnologisch stark unterscheiden. Die Obereider von der Quelle bis zur Mündung in den Nord-Ostsee-Kanal, wo sie ein kleiner Süßwasserfluss ist. Ein Teil in dem sie im Nord-Ostsee-Kanal, der am dichtesten befahrenen künstlichen Wasserstraße der Welt, verläuft. Von Rendsburg bis zur Schleuse Nordfeld ist die Binneneider faktisch ein stehendes Gewässer, das sich lang durch die Eider-Treene-Niederung zieht. Von Nordfeld bis zum Eidersperrwerk verläuft die Tideneider, die stark von den Gezeiten der Nordsee beeinflusst wird, Brackwasser und Tidenhub ausweist und schließlich die Außeneider jenseits des Sperrwerks, die sich als einziges noch in einem halbwegs natürlichen Zustand befindet.
Die Eider entspringt als Dröge Eider nordöstlich von Neumünster bei Klein Buchwald am Klaster Teich (54° 8' N, 10° 8' O) bzw. südlich des Bothkamper Sees, der zwischen Bordesholm und Preetz liegt. Vom See fließt sie erst ein kleines Stück nach Südwesten, um östlich am Stadtrand von Bordesholm vorbeizufließen. Fortan fließt ihr Wasser nach Norden in den Schulensee, der am südwestlichen Stadtrand von Kiel liegt.
Obwohl sie sich bei dieser Großstadt dicht an der Ostsee vorbeischlängelt, verhindert eine Moräne den Abfluss in die Kieler Förde und die Eider wendet sie sich fortan der Nordsee zu: Nach Durchfließen des Schulensees fließt sie in Richtung Westen in den Westensee und durch ihn nach Norden. Beim Flemhuder See, an dem sie nur knapp östlich vorbei fließt, mündet sie in den Nord-Ostsee-Kanal, der bis Rendsburg im wesentlichem dem alten Flusstal folgt. In diesem Bereich existieren aber noch Altarme der Eider. Auch fließt der Kanal (und damit die Eider) durch den Schirnauer und Audorfer See. In Rendsburg entspringt die Eider sozusagen neu, da kein Wasser aus dem Nord-Ostsee-Kanal zurück in den Fluss gelangt.
Die Kilometerzählung des Wasser- und Schiffahrtamtes setzt deshalb den Kilometer Null bei Rendsburg, bis Kilometer 78 in Nordfeld reicht die Binneneinder, in die auch die Sorge mündet. Durch die ehemals bei Ebbe und Flut auftretenden gewaltigen Strömungen hat sich das Flussbett der Eider sehr tief in den weichen Marschboden geschnitten, der vorwiegend aus Klei besteht. So findet man vor allem in den scharfen Flusskurven Wassertiefen bis zu 20 m vor. Die Binneneider ist durch den Gieselau-Kanal mit dem Nord-Ostsee-Kanal verbunden.
Nach dem Stauwerk Nordfeld mäandert die Eider nach Westen über Friedrichstadt nach Tönning. Der von der Nordsee beeinflusste Tideneider ist 30 Kilometer lang, die bei Flut überschwemmten Flächen (Eulitorale Flächen) sind bis Tönning weniger als 200 Meter breit. Ab Tönning beginnt der neun Kilometer lange im beständigen Flussbett 200 Meter bis 300 Meter breite und inclusive eulitoraler Flächen bis zu zwei Kilometer breite Purrenstrom - Mündungstrichter.
Im gesamten Unterlauf ist die Eider ein Tidefluss, der Brackwasser- und Süßwasserwatten aufweist. Der Tidenhub beträgt dabei am Eidersperrwerk im Schnitt 3,1 Meter, in Tönning 2,6 Meter und in Nordfeld schließlich 2,0 Meter. Der Brackwasserbereich mit einer Salinität von 5 bis 18 PSU ist etwa 6 bis 7 Kilometer lang, liegt bei Ebbe direkt am Eidersperrwerk, wird aber bei Flut etwa 10 Kilometer flussaufwärts geschoben, die zehn Kilometer am Sperrwerk haben dann Salinitäten von über 18 PSU. Die Bodenzusammensetzung, die am Sperrwerk vor allem aus Fein- und Mittelsanden besteht, nimmt flussaufwärts an Teichengröße ab und ist bis Friedrichstadt auf reines Schlick zusammengesunken. Am Purrenstrom befinden sich zwei Naturschutzgebiete: Dithmarscher Eiderwatt am Süd- und Grüne Insel mit Eiderwatt im Katinger Watt an der Nordseite.
Am Südwestende des Purrenstroms befindet sich das große Eidersperrwerk. Direkt dahinter beginnt die Außeneider mit dem Wattenmeer der Nordsee und einem weiteren bis zu sieben Kilometer breiten eulitoralen Bereich bei Wassertiefen zwischen drei und acht Metern.
Der größten Nebenflüsse der Eider sind die Treene und die Sorge.
Die menschliche Siedlungsgeschichte der Eider ist die Geschichte ihrer Abdämmung. Beeinflusst durch die Gezeiten, Spring- und Sturmfluten waren große Gebiete der Eider-Treene-Niederung vor der Entwicklung von Wasserbautechniken nicht besiedelbar, da es sich bei den Flussufern vor allem um Moore und Sumpfflächen handelte.
Die ersten Versuche, das Ufergebiet dauerhaft bewohnbar zu machen, war die Erschaffung von Kögen an der Eider und deren Schutz durch Deiche, sowie erste Entwässerungsmaßnahmen im Hinterland. Die so geschützten Gebiete waren bewohnbar, da die Nordseefluten jedoch weniger Raum hatten, setzte sich die Flut weiter nach oben den Flusslauf entlang.
1570 ließ Adolf von Holstein-Gottorf die Treene komplett von der Eider abdämmen. Auf dem alten Mündungsgebiet gründete sein Nachfolger Friedrich III. die Stadt Friedrichstadt, die Treene wandelte sich von einem von Tiden beeinflussten Fluss zu einem reinen Süßwassergewässer mit nur geringer Strömung. Gleichzeitig jedoch zogen die Fluten weiter flußaufwärts, der Tidenhub ebenso wie die Sturmflutgefahr stiegen, so dass selbst der Oberlauf der Sorge oder Rendsburg flutgefährdet wurden. Die komplette Abdämmung der Sorge erfolgte 1624, wieder mit ähnlichen Folgen wie bei der Treeneabdämmung.
Der Bau des Kaiser-Wilhelm-Kanals (heute: Nord-Ostsee-Kanal) schließlich schnitt die Eider von ihrem kompletten Oberlauf und einem größeren Teil des Einzugsgebiets ab. Der Süßwasseranteil im Fluss sank ebenso weiter wie die Strömung, der Einfluss der Nordsee auf den Flusslauf stieg weiter.
Von 1935 bis 1937 wurde südöstlich von Friedrichstadt bei Drage bzw. Nordfeld die Eiderabdämmung Nordfeld gebaut. Grund dafür waren neben der Schiffbarmachung der Eider auch die immer wiederkehrenden Überschwemmungen und Zerstörungen in den Marschen links und rechts der Eider. Diese wurden durch die Abdämmung verhindert. Seitdem ist die Eider nur noch zwischen Nordfeld und der Mündung ein Tidengewässer.
Der Teil der Eider zwischen Rendsburg und Nordfeld hat seitdem eher den Charakter eines Sees, während westlich der Eiderabdämmung Nordsee ihren Einfluss ausdehnte. Der Tidenhub bei Friedrichstadt beispielsweise stieg von 1,6 Meter vor dem Bau der Schleuse auf 3,4 Meter. Eine weiterer der ungeahnten Effekte des Eiderabdämmungsbaus war ebenso die Versandung der Eider. Der Flutstrom trägt mehr Sedimente mit sich als Ebbe und schwache Eigenströmung des Flusses wieder abtragen können. Der Unterlauf engte sich ein, die noch vorhandene Schifffahrt wurde erschwert, vor allem aber stiegen die Entwässerungsprobleme im Hinterland.
Mit dem Bau des Eidersperrwerks (1967 - 1973) an der Eidermündung (Katinger Watt) zur Nordsee wurde dem Bedürfnis nach Sturmflutsicherheit Rechnung getragen, die Tide wird jedoch geregelt beibehalten, wenn es die Wetterlage zulässt, der Tidenstrom wird dennoch empfindlich gedrosselt. Sowohl ist der Tidenhub ist den Gemeinden flusaufwärts stark abgesunken (in Friedrichstadt von 3,4 Meter auf 2,1 Meter) auf ist die Zone mit Salz- und Brackwasser wesentlich geschrumpft. Da sich die Sediementablagerungen in der Eider weiter erhöhten, begann man ab 1980 die Flut zu drosseln, was seit den 1990er Jahren zu einem erhöhten Rückstau führt, weil man nicht genügend Oberflächenwasser entwässern kann.
Der Unterlauf der Eider wird durch zwei große Sperrwerksanlagen geregelt und maßgeblich beeinflusst. Die Schleuse Nordfeld bei Eiderkilometer 78 bildet die Grenze zwischen Binneneider und gezeitenbeeinflusster Tideneider, das Eidersperrwerk bei Kilometer 109 den Abschluss zur Nordsee.
Die Schleuse Nordfeld gehört ein Schleuse mit einer Kammerlänge von 76 Meter und einer Breite von 9,60 Meter sowie eine 43 Meter breite Wehranlage. Damals gebaut in der ersten Deichlinie, gehörten zur Schleuse ursprünglich ein Flut- zwei Sturmflut und zwei Ebbetore, seit dem Bau des Eidersperrwerks ist ein Sturmfluttor außer Betrieb gesetzt.[1]
Das Eidersperrwerk ist insgesamt 4,8 Kilometer breit und befindet sich direkt im Ästuar des Flusses. Es besteht aus einem 236 Meter breiten Sielbauwerk mit fünf je 40 Meter breiten Öffnungen, einer Meter breiten Schifffahrtschleuse, mit einer nutzbaren Kammerlänge von 75x14 Meter und dem über vier Kilometer langen Eiderdamm.
Die Eider ist seit mehr als 1000 Jahren ein wichtiger Verkehrsweg zwischen Nord- und Ostsee. Zu Zeiten der Wikinger, fuhren diese mit ihren Schiffen auf die Schlei, schleppten sie dort über Land bis Hollingstedt, ließen sie in der Treene wieder zu Wasser und fuhren über die Eider in die Nordsee. Eine echte Wasserverbindung zwischen den beiden Meeren kam von 1777 bis 1787 mit dem Bau des Eiderkanals zustande, der die Obereider mit der Ostsee verband und die Eider als wichtige Wasserstraße zur Abkürzung des Skagerraks etablierte. Im 20. Jahrhundert schließlich wurde dieser vom Nord-Ostsee-Kanal abgelöst, der in Teilen weiter im alten Flussbett der Eider fließt.
Die Eider ist von Rendsburg (km 0,000) bis zur Mündung (km 111,150 seewärtige Begrenzung zur Nordsee lt. WaStrG) eine Bundeswasserstraße mit der Abkürzung "Ei" im Zuständigkeits-Bereich des WSA Tönning. Bei km 22,780 mündet der Gieselaukanal als Verbindung zum Nord-Ostsee-Kanal. Die Fahrwassertiefe in der gesamten Tideeider beträgt zwei bis drei Meter.
Die Eider wird von mehreren Fähren und Brücken überquert. In den Saisonwochenenden von Mai bis September können Fußgänger und Radfahrer die Eider zum Beispiel an der Hohner und der Bargener Fähre überqueren.
Die Eider bildete (gemeinsam mit der Levensau, die nördlich von Kiel in die Ostsee mündete) über Jahrhunderte die Grenze zwischen dem Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation und Dänemark bzw. dem sich im 13. Jahrhundert verselbständigenden Herzogtum Schleswig. Sie war – wie Adam von Bremen berichtet – seit dem Frieden 811 zwischen Karl dem Großen und dem dänischen König Hemming die Grenze zwischen den zum Frankenreich gehörigen Sachsen und den Dänen (früher: Angeln). Von größerer Bedeutung war diese Grenze allerdings erst im 19. Jahrhundert mit der Bildung der Nationalstaaten. Tide- und Binneneider gelten aber weiterhin als Grenze zwischen Schleswig und Holstein.
Die Eider war in der Wikingerzeit auch Sprachgrenze zwischen Deutsch, genauer Niederdeutsch und Dänisch. Die Eider bildete - abgesehen von einem unbesiedelten Landstreifen nördlich des Flusses - über 300 Jahre die Grenze zwischen den Nordgermanischen und Westgermanischen Sprachen. Ab etwa 1200 siedelten sich norddeutsche Siedler auch nördlich der Eider an und die Sprachgrenze verschob sich auf die Linie Eckernförde-Treene-Eider, die noch heute als Dialektgrenze im Niederdeutschen von Bedeutung ist. Später wanderte die Sprachgrenze noch weiter nach Norden. Vor allem in den schleswigschen Städten dominierte in der Neuzeit die deutsche Sprache.
In den deutsch-dänischen Konflikten um das Herzogtum Schleswig im 19. Jahrhundert gab es unter den dänischen Nationalliberalen die Parole: Danmark til Ejderen (Dänemark bis zur Eider). Deutsche wie dänische Nationalliberale forderten jeweils das ganze Herzogtum, das jedoch national tief gespalten war. Es kam zu zwei Deutsch-Dänischen Kriegen. Seit 1920 ist Schleswig getrennt in einen deutschen (Südschleswig) und einen dänischen (Nordschleswig) Teil. Nach den Bonn-Kopenhagener Erklärungen im Jahr 1955 wurde den auf beiden Seiten der Grenze lebenden Minderheiten umfangreiche Rechte zugestanden. Seither gilt der Nationalitätenkonflikt in der Region als weitestgehend überwunden.
Heute noch trennt die Eider die beiden Landesteile Schleswig-Holsteins Schleswig (früher: Herzogtum Schleswig) und Holstein (früher: Herzogtum Holstein). Im Osten wird die Grenze durch die Levensau (nördlich von Kiel) markiert.
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