Einruhr
Einruhr ist ein Ortsteil der Gemeinde Simmerath im Bereich der Rurtalsperre in der Nord-Eifel.
Geografie
Geografische Lage
Einruhr ist heute ein Ferienzentrum an der Peripherie des Nationalparks Eifel.
Geschichte
Einruhr mit Obersee
In Einruhr endet eine historische Römerstraße, welche vom Hohen Venn über Monschau-Konzen, Simmerath und Kesternich verlief. Bodenfunde aus dem 2. und 3. nachchristlichen Jahrhundert belegen eine römische Besiedlung der Gegend; allerdings fehlen schriftliche Quellen.
Ob in fränkischer und frühmittelalterlicher Zeit, als die Grafen von Monschau (Montjoie) das Gebiet kontrollierten, noch Menschen hier lebten, kann nicht nachvollzogen werden.
Erst 1470, als das Eisenwerk Pleushütte am Ufer der Rur gegründet wurde, tritt eine Ansiedlung gleichen Namens in Erscheinung, die die Fabrikarbeiter und ihre Familien beherbergte. Roheisen wurde hier aus Raseneisenstein gewonnen. Zum Zeitpunkt der Fabrikgründung gehörte das Monschauer Land zum Herzogtum Jülich, und Pleushütte teilt seine Geschichte.
Im Zweiten Weltkrieg wurde der Ort verschont, da er nicht unmittelbar am Westwall gelegen war.
Im Zuge der zweiten Ausbaustufe der Rurtalsperre (1955-1959) endet die Geschichte von Pleushütte im Jahr 1957. Das Eisenwerk wurde geschlossen, Familien umgesiedelt, Häuser abgetragen und das Gebiet geflutet.
Unabhängig vom Industriestandort Pleushütte war spätestens im 17. Jahrhundert nördlich der steinernen Rur-Brücke eine Bauernsiedlung namens Einruhr entstanden. Der 1888 gegründete Eifelverein etablierte hier 1926 eine eigenständige Ortsgruppe, die Theater, Musik, Fastnacht, Kirmes und andere dörfliche Aktivitäten organisierte. Nach dem Untergang von Pleushütte avancierte der Tourismus zur neuen Lebensgrundlage von Einruhr. Ein Wanderwegenetz von ca. 85 km Länge wurde angelegt und kartographiert; Unterkünfte und Gastronomiebetriebe entstanden.
Durch das Gesetz des Landes Nordrhein-Westfalen zur Neugliederung der Gemeinden und Kreise des Neugliederungsraumes Aachen (das so genannte Aachen-Gesetz) vom 14. Dezember 1971 wurde Einruhr aus der amtsfreien Gemeinde Dreiborn ausgegliedert und zur neuen Gemeinde Simmerath zugefügt.
Seit dem 1. Januar 2004 liegt Einruhr am Rande des Nationalparks Eifel.
Kultur und Sehenswürdigkeiten
Bauwerke
Typischer Winkelhof Rurstraße (heute Restaurant)
- Ein Winkelhof in Fachwerk Römerstraße 3 stammt laut Türsturzdatierung von 1634. Der Komplex wurde allerdings in späteren Jahrhunderten stark verändert.
- Ein weiterer gut erhaltener Hof in ähnlicher, für die Nordeifel des 17. Jahrhunderts typischer Bauweise befindet sich in der Rurstraße.
- Der Heilsteinbrunnen, eine aus 43 m Tiefe sprudelnde Quelle, wurde 1826 entdeckt. Es ist durch Münzfunde naheliegend, quellenkritisch jedoch nicht bewiesen, dass die Römer das Wasser schon nutzten. Das saure Quellwasser (von den Einheimischen auch sure Pötz genannt) wurde erst per 1. Juni 2003 durch einen Brunnen im Innenhof des ehemaligen Bürgerhauses (heute Heilstein-Haus; Touristeninformation) der Öffentlichkeit wieder zugänglich gemacht. Die eigentliche Heilsteinquelle befindet sich am Sauerbach unterhalb der Dreiborner Hochfläche; sie lag innerhalb des Truppenübungsplatzes Vogelsang und ist erst seit dem 1. Januar 2006 wieder begehbar.
- Die Steinbrücke über die Rur lobte schon der preußische Kronprinz Friedrich Wilhelm IV., als er 1839 das Monschauer Land besuchte. Die Lage von Einruhr würdigte er als "einzig in ihrer Art".
- Die neoromanische Pfarrkirche St. Nikolaus stammt aus dem 19. Jahrhundert; seit 1864 ist Einruhr, das kirchenrechtlich zuvor zu Wollseifen gehörte, eine eigenständige Pfarrei.
- Das lokale Freibad am Obersee soll 2006 zum ganzjährig betriebenen Erlebnisbad umgestaltet werden; im Winter soll es als Eisstadion dienen.
Parks
Heilsteinbrunnen
Seit den 60er Jahren ist Einruhr durch seine begünstigte Lage am Obersee (Trinkwasserreservoir des Verbundsystems Rurtalsperre) ein beliebter Familien-Ferienort. Er dient als Naherholungsgebiet für Wochenendbesucher aus Aachen, Köln und Bonn sowie als Urlaubsort, außerhalb der Rheinlande, für Deutsche, Niederländer und Belgier. Gästen steht ein breites Angebot an Hotels, Pensionen, Ferienwohnungen und Gaststätten zur Verfügung. Hauptzielgruppe sind Wanderer, Radfahrer, Angler und Biker.
Bis zum 31. Dezember 2005 war der Aktionsradius eingeschränkt durch den Truppenübungsplatz; die nahe Urfttalsperre war nur am Wochenende und an Feiertagen, die Dreiborner Hochfläche sowie die ehemalige Ordensburg Vogelsang überhaupt nicht zugänglich.
Seit dem Abzug der Belgier per 1. Januar 2006 eröffnen sich für den Nationalpark Eifel neue Perspektiven. Ein großflächiger Ausbau des Wanderwegenetzes und die Einrichtung von Naturlehrpfaden sowie Dokumentationszentren sind 2007 in Angriff genommen, Erweiterungen für die Folgejahre geplant.
Naturdenkmäler
- Wander- und Fahrradwege sowie Schifffahrtsverbindungen zur Rurtalsperre Schwammenauel und zur Urfttalsperre
- Seit 1. Januar 2006 zugänglich: die Dreiborner Hochfläche als Teil des Nationalparks Eifel, die sogenannte NS Ordensburg Vogelsang und das nach dem 2. Weltkrieg zwangsweise geräumte und vom anschließenden militärischen Nutzungsbetrieb zerstörte Dorf Wollseifen.
- Die Schöne Aussicht ist ein historischer Aussichtspunkt hoch über dem Südende des Obersees zwischen Einruhr und Dedenborn. Landrat Bernhard Freiherr von Scheibler, der Friedrich Wilhelm IV. bei seinem Besuch im Monschauer Land begleitet hatte, errichtete dort 1887 ein steinernes Kreuz, das seither mehrfach erneuert wurde. Nur der Sockel, der das Familienwappen des Landrats trägt, ist noch der ursprüngliche.
- Erkensruhr, 4 km aufwärts im gleichnamigen Seitental der Rur, eine weitläufige Streusiedlung mit Wellness-Hotel und gastronomischen Einrichtungen. Hierher und südlich auf die Höhe von Dedenborn fährt im Sommer eine historische Postkutsche.
- Monschau liegt ca. 20 km westlich, von dort gelangt man über die belgische Grenze ins Hohe Venn.
- Aachen liegt ca. 40 km nordwestlich, Köln ca. 65 km nordöstlich.
Literatur
- Maria Pfeifer u.a.: Nationalpark Eifel. ThemenTouren, 1. Aufl. Köln 2004, Bachem-Verlag
- Raimund Schumacher: 60 Jahre Eifelvereinsortsgruppe Einruhr/Erkensruhr, Versuch einer Rückschau. in: 60 Jahre Eifelverein 1925-1985, hrsg. vom Eifelverein
- Ders.: Historischer Rückblick und zuversichtliche Vorausschau. ebenda
- Emil Cremer, der letzte Mühlenbesitzer von Einruhr (bis 1957) schrieb ein unveröffentlichtes Manuskript über die Geschichte von Einruhr, das bei der Ortsgruppe aufbewahrt wird.
Weblinks
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