Eisengallustinte (oder kurz: Gallustinte) ist eine seit dem 3. Jahrhundert v. Chr. gebräuchliche dokumentenechte schwarze Tinte, die sich gut mit Stahlfedern, allerdings schlecht mit Füllfederhaltern (Verstopfungsgefahr) schreiben lässt.
Die Herstellung im Mittelalter erfolgte aus Eisen(II)-sulfat (Eisenvitriol), Galläpfeln, Wasser und Gummi arabicum. Die getrockneten Galläpfel werden zerstampft und zerkocht, wobei Gallsäure (Tannin) entsteht. Hinzu wird das Eisensulfat und das Gummi arabicum gegeben. Das Gummi arabicum dient der besseren Schreibbarkeit und gegen Ausflockungen.
Die fertige Tinte entsteht erst auf dem Papier durch Oxidation des zweiwertigen Eisens mit Luftsauerstoff zu dreiwertigem Eisen, welches mit der Gallussäure eine tiefschwarze Komplexverbindung eingeht. Dies dauert rund einen Tag. Damit die Tinte beim Schreiben besser sichtbar ist, wird noch ein Farbstoff wie Methylblau hinzugegeben, der später verblasst. Dies wurde bei den Vertragstinten teilweise als Stilelement ausgenützt. Die Tinten schrieben schwarzblau und wurden nach dem Trocknen mehr oder weniger schwarz.
Aber auch die Eisengallustinte selbst kann unter ungünstigen Bedingungen im Laufe der Jahre verblassen.Verblasste Eisengallus-Schriften können mit einer Lösung von Kaliumhexacyanoferrat(II) mit überschüssiger Salzsäure wieder sichtbar gemacht werden.
Diese Vertrags- (und teilweise auch Kanzleitinten) waren bis in die 1960er Jahre auch für Füllfederhalter üblich, zumindest im Geschäftsbereich. Da die Verwendung von Eisengallustinten in Füllfederhalter wegen der auch dort erfolgenden Oxidation des Ausgangsstoffes des Farbstoffes die Gefahr des Verstopfens bestand, waren solche Tinten mit etwas Pflege der Füllfederhalter verbunden. Der einzige verbleibende große Markt für Füllfederhalter ist die Pflichtschule, und dort beherrschen aus praktischen Gründen meist reduzierbare Farbstofftinten, (z. B. königsblaue Füllertinte) den Markt, welche problemloser in der Handhabung sind und auch aus Wäsche leicht auswaschbar sind, was für Eisengallustinten nicht zutrifft. Neben Eisengallustinten nach antiken Rezepten, welche nicht für Füllfederhalter tauglich sind, gibt es nur mehr sehr wenige Hersteller, die eine solche Tinte für Füllhalter herstellen: Der bekannteste ist der Füllfedernproduzent Montblanc International, dessen eigene blauschwarze Tinte noch Eisengallustinte enthält. Die blauschwarze Tinte von Lamy ist ebenfalls eine eisengallushaltige Tinte und angeblich identisch mit der von Montblanc International. Außerdem noch die Firma Rohrer & Klingner die Tinten und Tuschen für Künstler herstellt. Tinten in Tintenpatronen sind seltener Eisengallustinten, da hier das erforderliche regelmäßige Spülen etwas schwerer ist. Die blauschwarze Tinte von Montblanc ist nur aus dem Glas eisengallushältig, während die blauschwarze Tinte von Lamy angeblich auch in der Patrone die gleichen Bestandteile enthält wie im Glas.
Die Eisengallustinte verursacht Tintenfraß und wird heutzutage nur noch für wichtige Dokumente (Dokumentenechtheit) und in der Kalligrafie verwendet.
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Tannin, Eisen(II)-sulfat und Gummi Arabicum sind getrennt in je 300 g Wasser vollständig zu lösen (das Gummi Arabicum ist zweckmäßigerweise zu pulvern). Man fügt die Eisen(II)-sulfat-Lösung zur Tanninlösung und gibt dann die Lösung mit dem Gummi hinzu.
Die Gesamtlösung wird in einem Emailtopf zum Kochen gebracht und 15 Minuten am Sieden gehalten. Die Tinte soll nun eine Woche in geschlossenem Gefäß ruhen. Dann wird klar abgegossen und das Methylenblau zugegeben. Nochmaliges Erhitzen ist zweckmäßig.
Das Gummi Arabicum kann nicht durch gummi senegal ersetzt werden, da dieses nicht löslich ist! Ein Ersatz ist mit gleicher Menge Dextrin möglich, gummi arabicum ist besser. [1]
Das Methylenblau kann durch einen anderen, wasserlöslichen Farbstoff ersetzt werden, nicht durch ein Pigment. Es dient zum Auffärben der ansonsten blassen Tinte, die erst beim Trocknen tiefdunkel wird.
Im Originalrezept sind auch noch 1 g Phenol als Konservierungsstoff und 6 g Schwefelsäure als Lösungshilfe angeführt. Beide Substanzen scheinen dem Autor nicht erforderlich, da eine Konservierung bei reinen Chemikalien überflüssig ist und ein Säurezusatz keine Vorteile erbringt, wohl aber den Tintenfraß fördern kann.
Selbst mit sehr einfachen Mitteln kann man sich im Haushalt seine eigene Eisengallustinte herstellen. Benötigt wird dafür lediglich
Dabei werden zwei verschiedene Essenzen hergestellt.
Essenz I: Die Nägel oder Schrauben werden in ein Gefäß gegeben und mit der Essigessenz übergossen. Sie sollten vollständig bedeckt bleiben. Möglicherweise empfiehlt es sich, das Gefäß zu verschließen, da der Geruch nicht jedermanns Sache ist. In regelmäßigen Abständen sollte man aber mal daran riechen. Der Geruch ist anfangs noch stark stechend, nimmt aber im Laufe der Zeit ab. Im Gegenzug nimmt die Verschmutzung des Gefäßes zu. Die Schrauben / Nägel verfärben sich, bis sie schwarz sind, es steigen kontinuierlich Bläschen auf. Wenn der Geruch nicht mehr so stechend ist und die Bläschen weniger häufig sind, ist das ein Zeichen, dass die Säure schon viel am Eisen gearbeitet hat. Nach ca. einer halben Woche sollte die Aktivität deutlich nachgelassen haben. Die Essenz I ist damit bereit. Sie muss nun sorgfältig mit dem Kaffeefilter gefiltert werden.
Essenz II: Die Eichenblätter klein schneiden. Man kann auch noch Eicheln zerstoßen und dazu geben. Die Eichenblätter mit ein wenig Wasser in ein Reagenzglas geben und über dem Brenner erhitzen. Das Gemisch muss über eine Stunde köcheln. Möglicherweise verdampft zwischendurch immer wieder etwas Wasser, das muss man dann nachfüllen (man kann auch die Öffnung mit etwas abdecken, daran kondensiert das verdampfende Wasser und steht wieder zur Verfügung). Wenn die Blätterstückchen ausgekocht sind, muss auch hier die Flüssigkeit sorgfältig gefiltert werden. Ist die Lösung danach noch stark trübe, kann man sie sogar noch ein zweites mal filtern.
Ist einem diese Arbeit zu viel, kann man als Essenz II auch einfach Schwarzen Tee verwenden, wobei damit der Effekt nicht ganz so schön wird.
Die Essenzen I und II lässt man getrennt voneinander. Will man etwas schreiben, nimmt man sich ein weiteres Gefäß und mischt sich seine Tinte neu an. Je nachdem, wie man die beiden dosiert, bekommt man unterschiedlich intensive Farbe. Es empfiehlt sich, beim Schreiben Papier von guter Qualität (z. B.: Elefantenhaut zu verwenden).
Sobald man die Essenzen ineinander schüttet, sollte sich das Gemisch dunkel färben. Nimmt man die Flüssigkeit aber als Tinte auf (Achtung: Nur mit Schreibfeder oder sogar Federkiel schreiben. Füller können mit der Tinte kaputt gehen!) und schreibt damit, ist die Tinte fast durchsichtig. Nur kleine schwarze Pigmentkörnchen schwimmen darin. In den nächsten Minuten ändert sich das aber schnell. Die selbstgemachte Tinte trocknet auf billigem Papier dunkelbraun, auf qualitativ höherwertigem fast schwarz.
Das Problem ist dabei aber, dass man die Essenz II davor bewahren muss, zu verschimmeln. Mit Alkohol (Spiritus) versetzt, hält sie sich etwas länger. Gut verschlossen, kühl und unter Lichtabschluss gelagert, noch etwas länger.
In einem Liter müssen mindestens 27 g Gerbsäure und Gallussäure sowie mindestens 4 g metallisches Eisen enthalten sein. Der Maximalgehalt an Eisen darf bei o. Mengen nicht mehr als 6 g/l betragen.
Die Tinte soll nach 14 Tagen im Glas weder Blätterbildung, noch Wandbeschlag, noch Bodensatz zeigen.
Acht Tage alte Schriftzüge müssen nach Waschen mit Wasser und Alkohol tiefdunkel bleiben.
Die Tinte muss leicht aus der Feder fließen und darf selbst unmittelbar nach dem Trocknen nicht klebrig sein. [1]
Eisengallustinten gelten (wenn die amtlichen Vorschriften erfüllt werden) als „urkundenecht“. Damit diese Bedingung zuverlässig erfüllt wird, sollen frische Schriftzüge nicht „abgelöscht“ werden, weil damit dem Papier Tinte entzogen wird.