Der Elbe-Seitenkanal (ESK) ist ein nach achtjähriger Bauzeit am 15. Juni 1976 eröffneter, nach einem Dammbruch am 18. Juli 1976 am 24. Juli 1977 wiedereröffneter Kanal zwischen dem Mittellandkanal bei Edesbüttel (westlich Wolfsburg) über Uelzen und Lüneburg zur Elbe bei Artlenburg und kostete die Bundesrepublik rund 1,3 Milliarden DM (ca. 665 Millionen Euro). Bereits 1911 gab es Pläne für eine Kanalverbindung zwischen Elbe und Mittellandkanal.
Eröffnet wurde der Kanal 1976 durch den damaligen Bundesminister für Verkehr Kurt Gscheidle, den Bürgermeister der Hansestadt Hamburg Hans-Ulrich Klose und den Ministerpräsidenten von Niedersachsen Ernst Albrecht.
Der Hauptzweck des Kanals besteht darin, die Elbe mit ihren schwankenden Wasserständen zu umgehen. Zu Zeiten des Kalten Krieges diente er auch dazu, von Hamburg aus (über die Elbe) innerhalb des Territoriums der Bundesrepublik (Alte Bundesländer) einen Zugang zum Mittellandkanal zu erhalten. Ferner entstand so ein natürliches Hindernis bzw. eine nachhaltige Sperre für Panzertruppen in Ost-/Westrichtung. Die Kanalböschungen wurden als Sperre für Panzer aus Richtung Osten angelegt, aus Westen konnten die Böschungen in Richtung Osten in bestimmten Bereichen befahren werden. Wirtschaftlich profitieren konnte von dem Kanal besonders die damals bundeseigene Salzgitter AG und weitere Industrieunternehmen im Raum Hannover-Braunschweig.
Für den Bau des überwiegend über dem Geländeniveau liegenden Elbe-Seitenkanals wurden 63 Millionen Kubikmeter Abraum bewegt.
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Die Länge des Kanals beträgt 115,2 km. Der Höhenunterschied von 61 m vom Staubereich der Elbe oberhalb von Geesthacht bis in die Scheitelhaltung wird mit 2 Abstiegsbauwerken überwunden. Der Kanal wurde vorwiegend im Trapezquerschnitt errichtet. Über weite Strecken u. a. bei Isenbüttel verläuft der Kanal als Dammstrecke, d. h., der Kanal steht in aufgeschütteten Dämmen. In diesen Bereichen wird der Kanal mittels Trogbrücken über Straßen, Bahnstrecken und Flüsse geführt. In der obersten Haltung sind bei den Orten Osloß, Weißes Moor und Bad Bodenteich Liegestellen für die Schifffahrt, und in Wittingen ein Hafen errichtet worden. In der Kanalhaltung zwischen der Schleuse Uelzen und dem Hebewerk Scharnebeck wurden in Bad Bevensen und Wulstorf Liegestellen und in Uelzen und Lüneburg Häfen gebaut. In der unteren Kanalhaltung gibt es keine Anlegstellen oder Häfen.
Im zweitgrößten senkrechten Schiffshebewerk Europas überwinden die Schiffe wie in einem großen Fahrstuhl einen Höhenunterschied von 38 Metern. Es handelt sich um ein Doppel-Schiffshebewerk mit zwei von einander unabhängigen Trögen. Jeder Trog hat eine Länge von 105 m und eine Breite von 12 m, aufgrund von Schutzvorrichtungen an den Trogtoren ist die nutzbare Länge auf 100 m beschränkt. Zur Zeit des Baus war das Standardschiff das sogenannte Europaschiff mit 85 m Länge und 9,50 m Breite. Für diese Schiffe war die Troglänge ausreichend, die heutigen GMS (Großmotorschiff) von 110 Meter Länge und die ÜGMS (Übergroßmotorschiffe) von 135 Meter Länge können das Hebewerk nicht passieren. Schubverbände müssen auseinandergekoppelt werden und einzeln gehoben oder gesenkt werden. Dies funktioniert natürlich nur, wenn beide Teile des Schubverbandes jeweils kürzer als 100 m sind.
Die Schleuse Uelzen überwindet als Sparschachtschleuse einen Höhenunterschied von 24 Metern. Sie hat die Abmessungen von 190 Meter Länge und 12 Meter Breite, und kann somit von den GMS, ÜGMS und Schubverbänden bis 185 Meter Länge passiert werden. Die Schleuse Uelzen ist eine sog. Sparschleuse, bei Talschleusungen wird ein Großteil des Wassers in drei seitliche Becken geleitet. Dieses Wasser wird bei Bergschleusungen wieder zurück in die Schleusenkammer gelassen. Durch die Sparbecken wird so ca. 60 % des Wassers für die nächste Schleusung wiederverwendet. Nur ca. 40 % des Schleusenwassers fließt in die mittlere Kanalhaltung ab. Neben der Schleuse befindet sich ein Pumpwerk, mit dem nachts das verbrauchte Wasser in die obere Kanalhaltung zurückgepumpt wird. Da die alte Schleuse trotz ihres relativ geringen Alters stark baufällig ist wurde östlich eine neue Schleuse gebaut. Die Abmessungen sind so ziemlich die selben wie bei der alten Schleuse, nur die Durchfahrtsbreite wurde um eine halben Meter vergrößert. Dies hat den Vorteil, dass Schiffe mit einer Breite von 11,45 m leichter in die Schleuse ein und ausfahren können.
Die Mündungsstrecke unterhalb des Schiffshebewerks wird durch ein Sperrtor in Artlenburg gegen Elbehochwasser bei Wasserständen über NN + 8,0 m abgeschlossen.
Der Elbeseitenkanal entspricht der Wasserstraßenklasse Vb, diese erlaubt die folgenden Schiffsgrößen.
Obwohl etwa 80% der Kanalstrecke mit 22 cm dickem Asphaltbeton gegen Wasseraustritt gesichert ist, brach am 18. Juli 1976 in der Gemeinde Adendorf im Ortsteil Erbstorf bei Lüneburg der Elbe-Seitenkanal an einer Unterführung. Über 5 Millionen Kubikmeter Wasser überfluteten das Umland. Auf Luftaufnahmen ist noch heute das Ausflussgebiet gut zu erkennen.
Um ein Auslaufen des gesamten Kanalabschnittes zwischen der Schleuse Uelzen und dem Schiffshebewerk Scharnebeck zu verhindern, wurden neben dem im ESK eingebauten Sicherheitstor Erbstorf auch während des Kanalbaus verwendete Absperrungen mit Spundwänden u.a. in Jastorf bei Bad Bevensen eingesetzt.
Alljährlich findet ein Marathonlauf statt, der fast komplett (40 von 42,2 km) auf der westlichen Böschung bzw. Krone des Elbe-Seitenkanals gelaufen wird. Der Wettkampf wird im Landkreis Gifhorn zwischen Stüde (Start und Ziel) und einem Wendepunkt nahe Wittingen ausgetragen. Organisator ist der Marathonverein Stüde.
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