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| Elektronisches Schlagzeug |
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| engl.: electronic drum, ital.: batteria elettronica |
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| Klassifikation |
| Elektrophon Schlaginstrument |
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Das elektronische Schlagzeug (kurz E-Drums) wird wie das klassische Schlagzeug mit Händen und Füßen gespielt. Jedoch werden die Töne digital erzeugt und können über Boxen oder Kopfhörer ausgegeben werden. Zu diesem Zweck sind alle bespielten Komponenten (wie Trommeln und Becken) elektronisch. Der entstehende Sound ist gleichmäßiger sowie mit eigenem Klangcharakter und ahmt daher nur eingeschränkt den Naturklang eines herkömmlichen akustischen Sets nach. Diese Einschränkung, der aufwändigere Aufbau, der hohe Anschaffungspreis und das mangelhafte Spielgefühl des elektronischen Schlagzeugs sind der Grund, dass beide Formen nebeneinander weiter existieren.
Der größte Vorteil des elektronischen Schlagzeugs ist sein fast völlig fehlender Eigenklang, wenn ohne Verstärkung gespielt wird. Es eignet sich deswegen für den Einsatz unter schwierigen akustischen Verhältnissen. Einsatzbeispiele sind: Popmusik in Zimmerlautstärke bei entsprechenden Veranstaltungen, Üben (keine Lärmbelästigung bei Spiel mit Kopfhörern) und Musical-Produktionen, bei denen eine extrem geringe Bühnenlautstärke erforderlich ist. Andererseits lässt sich auch ein sehr leistungsfähiger Verstärker anschließen, um eine sehr große Lautstärke zu erreichen. So fällt die bei einem akustischen Schlagzeug auf großen Bühnen erforderliche Mikrofonierung weg.
Im Gegensatz zu anderen Musiker wie Gitarristen oder Pianisten, welche schon früh mit elektronischen Gitarren und Klavieren arbeiten konnten, gab es für Schlagzeuger lange keine Möglichkeit, Musik in elektronischer Form zu erstellen und so keine Alternativen zum akustischen Schlagzeug.
Inhaltsverzeichnis |
Bereits vor Erfindung als solcher bezeichneter elektronischer Schlagzeuge versuchte die Band Kraftwerk, einen möglichst elektronisch klingenden Rhythmus in ihrer Musik zu verwenden. Die Technik, die dafür verwendet wurde, bestand allerdings prinzipiell daraus, dass ein Stromkreis auf einen Schlag hin geschlossen und anschließend wieder geöffnet wurde, wodurch ein leicht rauschendes Knacken oder Zischen zu hören war, und hatte somit mit späteren elektronischen Schlagzeugen und deren Klangerzeugung nicht viel gemeinsam. Ein ähnlicher Klang wurde auch für einige frühe Spielkonsolen wie das NES verwendet, bei denen ein Rauschgenerator mit kurzen Impulsen weißen Rauschens neben Soundeffekten bei Musik auch die rhythmische Begleitung erzeugte.
Die eigentliche Geschichte des elektronischen Schlagzeugs begann Anfang der 1980er Jahre, als einige Hersteller dem damaligen Synthesizer-Boom folgten und auch das Schlagzeug synthetisieren wollten. Bis dato mussten die einzelnen akustischen Schlagzeugelemente wie Becken, Toms, Snare-Drum und Hi-Hat mit Mikrofonen abgenommen werden, wobei Hintergrundgeräusche oder die akustischen Charakteristika des Raumes ebenfalls mit aufgenommen und verstärkt wurden. Die Hersteller experimentierten mit Triggern, die nicht mehr das Geräusch an sich, sondern nur ein Zeitsignal aufnehmen sollten, um dieses an ein Steuermodul weiterzuleiten, wo es in einen akustisches, analoges Signal umgewandelt wurde. Zur damaligen Zeit war man bei der Entwicklung darauf fixiert, Geräusche zu produzieren, welche ein akustisches Schlagzeug nicht hervorbringen kann, wie zum Beispiel Space-Sounds oder Toms mit sehr langen Nachhall. Heute wird die möglichst exakte Imitaion eines akustischen Instrumentes forciert.
Der Klang des Händeklatschens („clap“) war zu dieser Zeit sehr modern. Dies war auch ein typischer Klang der Drum-Machines. Deshalb erfand die Firma Boss ein einfaches Pad, welches 1983 auf dem Markt erschien und diesen Klang erzeugen konnte. Boss nannte es HC-2, was für „Hand-Clapper“ (Händeklatscher) steht. Weitere Pads mit ähnlicher Bauform waren der HCK-100 und der Percussion-Synthesizer PC-2 (auch PCK-100 genannt) der Firma Amtek. Die Pads erfreuten sich großer Beliebtheit und so folgte 1985 das erste elektronische Schlagzeug der Firma Roland, bestehend aus dem Bass-Drum-Pad PD-10, dem Snare/Tom-Pad PD-20 und dem Trigger-Interface DDR-30. Es hatte aber noch keine Becken.
Der DDR-30 war das erste Drum-Modul. Dies ist ein kleiner Computer, der Signale von den Sensoren der Pads bekommt und diese dann zu Klangsignalen umwandelt, welche wiederum von einer Anlage oder Kopfhörern wieder gegeben werden. Dazu hat das Drum-Modul viele verschiedenen Klänge gespeichert. Somit konnte man schon damals die Pads mit ganz verschiedenen Klängen belegen, die beim Spielen des Pads vom Drum-Modul erzeugt wurden.
Außerdem kam auch das erste Oktapad (Pad-8) in diesem Jahr auf den Markt. Ein Oktapad ist ein Drum-Modul, auf dem acht Pads angebracht sind, welche man, genau wie beim elektronischen Schlagzeug, mit verschiedenen Tönen belegen kann. 1987 folgte eine flexiblere Schlagzeugvariante, welche das akustische Schlagzeug vom Klang her schon relativ gut nachahmte. In den nachfolgenden Jahren wurde noch viel daran gearbeitet, diese Töne authentischer zu machen.
Die Hardware in den 80ern sah meist so aus, dass in einen Plastikrahmen ein weicheres Plastik-Kunstoffteil wie ein Fell eingesetzt wurde und dahinter der Trigger eingebaut war. Diese Geräte hatten so gut wie kein Reboundverhalten, sodass die Musiker ihre vom akustischen Schlagzeug erlernten Techniken wie Wirbel nicht umsetzen konnten. Auch hatten die Instrumente eine starken Eigenklang, der an das Klopfen auf einen Kunstoffeimer erinnerte. So blieb diesen ersten Instrumenten der Durchbruch verwert.
Die Echtheit des Spielgefühls wurde erst 1993 verbessert, und zwar durch die Einführung von Gummi-Pads, welche sich beim Spielen wesentlich mehr wie echte Schlagzeug-Felle anfühlen. Außerdem gab es nun auch ein HiHat-Steuerpedal, welches einfach ein kleines Pedal auf dem Boden war und immerhin den Klang von zwei aufeinandern treffenden Becken nachahmen konnte. Die ersten Becken-Pads gab es erst 2001; man kann daher erst ab diesem Zeitpunkt von wirklich vollständigen elektronischen Schlagzeugen sprechen.
Eine Wiederaufleben des elektronischen Schlagzeugs gab es in den 90ern, als Hersteller wie Roland und Yamaha mit Drum-Pads aufwarteten, die auch einen Kunstoffrahmen und eine gummierte Metallspielfläche mit einem absolut natürlichem Reboundverhalten und so gut wie keinem Eigenton hatten. Zudem wurden Steuersignale fast ohne Latenz in saubere, sehr natürlich klingende Töne umgewandelt. Etwas später kamen Felle aus einem Aluminiumgespinst (sogenannte Meshheads) auf den Markt, die wie echten Fellen bespielt werden können und dennoch keinerlei Eigenton entwickeln. Beide Baureihen (Gummi und Aluminiumgespinst) werden heute gemischt in Sets als Triggerpads verwendet.
Heutzutage ist ein elektronisches Schlagzeug ein High-Tech-Computer, welcher tausende von Klängen speichern und diese den einzelnen Pads zuordnen und somit je nach Belieben wie ein akustisches Schlagzeug klingen kann. Es können auch synthetische Klänge erzeugt, oder auf Anschlag vorgespielte Samples wiedergegeben werden, was das Anwendungsspektrum sehr erweitert. Der entstehende Klang kann von Anschlagstärke, so wie von der Stelle des Anschlags abhängig gemacht werden.
Das elektronische Schlagzeug ist erst seit wenigen Jahren so ausgereift, dass es mit dem akustischen Schlagzeug konkurrieren kann. Trotz allem haben sich schon viele Schlagzeuger dieser neuen Technologie zugewandt und das elektronische Schlagzeug in ihre musikalische Arbeit integriert. Dennoch gibt es auch viele Schlagzeuger, die das elektronische Instrument konsequent ablehnen.
Beide Instrumente haben Vor- und Nachteile: