Emma (Zeitschrift)

Die Emma (eigene Schreibweise EMMA) ist eine zweimonatlich erscheinende deutschsprachige Frauenzeitschrift. Sie wurde Mitte der 1970er Jahre von der deutschen Feministin Alice Schwarzer gegründet.

Die erste Emma erschien am 26. Januar 1977 – der Name wurde wegen seiner Griffigkeit und als Wortspiel auf „Emanzipation“ gewählt – und gilt seit der ersten Ausgabe als Leitblatt der Frauenbewegung in Deutschland und im deutschsprachigen Raum. Sie will sich ausdrücklich politisch und wirtschaftlich unabhängig positionieren; laut eigenen Aussagen kann sie alleine vom Kioskverkauf und Abonnementsgebühren existieren und ist nicht auf Anzeigen angewiesen. Die verkaufte Auflage betrug im 1. Quartal 2007 47.528 Exemplare, davon waren 27.509 Abonnements (IVW).

Inhaltsverzeichnis

Inhalte

Emma hat sich nach eigener Aussage immer für die „Sache der Frau“ und für uneingeschränkte Chancengleichheit von Frauen und Männern eingesetzt, was sich aus Sicht des Magazins in konkreten Projekten ausdrücke, die von Emma unterstützt oder in einigen Fällen auch initiiert wurden, zum Beispiel:

1978 verklagte die Publikation das Magazin stern im Rahmen der sogenannten Sexismus-Klage erfolglos wegen eines Titelbildes, das das für schrille Outfits und ihre persönliche Nähe zum BDSM bekannte Model Grace Jones in Ketten zeigte und von Helmut Newton stammte.

Des Weiteren thematisiert Emma immer wieder (selbst)kritisch die Kontroversen innerhalb der modernen Frauenbewegung, oder frauenkritische Themen (zum Beispiel „Missbrauch mit dem Missbrauch“, Wehrpflicht für Frauen). Dadurch machte sie sich auch bei vielen Feministinnen unbeliebt.

Kritik

Die schärfste Kritik bekam und bekommt Emma immer wieder aus den Reihen der Frauenbewegung. Es wird ihr vorgeworfen, ohne entsprechende Legitimation als „Sprachrohr“ für die Frauenbewegung fungieren zu wollen und auf diese Weise die öffentliche Aufmerksamkeit für Frauenthemen einseitig zu monopolisieren.

Insbesondere die Tatsache, dass die „schwarzersche Linie“ der Frauenbewegung in der deutschsprachigen Öffentlichkeit als „die Frauenbewegung“ wahrgenommen wird, stößt vielen sowohl radikalen als auch differenzialistischen Feministinnen sauer auf.

Kritik wird aber auch an einzelnen Sparten der Zeitschrift geübt. So wird den in Emma abgedruckten Witzen Sexismus gegen Männer vorgeworfen.

Usenet-Kampagne 1991/92

In den Ausgaben Dezember 1991 und Februar 1992 berichtete Emma über Pornographie im Usenet, welches zur damaligen Zeit in Deutschland fast ausschließlich über Universitäts-Server verteilt wurde. Emma leitete daraus einen „Porno-Vorwurf“ her, demzufolge (laut Emma ausschließlich männliche) Professoren und Studenten die Computertechnik der Universitäten dazu missbrauchten, Pornographie zu konsumieren. Dabei argumentierte Emma, dass diese Daten Bandbreite und Speicherplatz auf steuerfinanzierter Infrastruktur für universitätsfremde Zwecke bänden. Ein weiteres Argument lautete, dass weibliche Kollegen und Kommilitonen sich von dem unterstellten Pornographiekonsum in den Räumen der Unis belästigt fühlten.

In der Folge dieser Veröffentlichung sind andere Medien – darunter die Taz, der Südwestfunk und der Süddeutsche Rundfunk – auf die von Emma unterstellten Tatsachen und kritischen Folgerungen eingegangen und haben in ähnlichem Tenor berichtet. In der weiteren Folge wurde durch die Medienberichterstattung erreicht, dass mehrere Universitäten aus dem bisher unzensiert weitergeleiteten Usenet bestimmte Gruppen sperren ließen. In einigen Fällen betraf das auch Foren, die nicht der Verbreitung von Pornographie dienten, sondern Diskussionsforen für sexuelle Minderheiten waren.

Emma wurde für diese Kampagne aus dem deutschen Usenet stark kritisiert, da sie nach Meinung der Teilnehmer Zensur gefordert und dank ihres Einflusses auch durchgesetzt habe. Ein weiterer Vorwurf war, dass Emma und die anderen beteiligten Medien die Nutzungsstrukturen des Usenet verzerrt dargestellt und die Nutzer dieses Netzes diffamiert hätten.[2]

Internetaktivitäten

Nachdem die Publikation die Möglichkeiten der neuen Medien jahrelang überwiegend im Rahmen von Bedrohungsszenarien dargestellt hatte entwickelt sie schließlich im Jahr 2002 unter der Domain emma.de einen eigenen Internetauftritt.[3] Zum Start des Angebots forderte die Zeitschrift ihre Leserinnen auf, heimlich die Computer ihrer Partner und Söhne nach Pornografie zu durchsuchen und gab hierzu detallierte Anweisungen und Weblinks. Weiterhin wurde die heimliche Installation von Überwachungsprogrammen vorgeschlagen während sie gleichzeitig betonte, dass ein solches Vorgehen illegal sein könne.[3] In den zum Webangebot gehörenden Foren protestierten in Folge Leserinnen gegen die unterstellte technische Unmündigkeit. Im weiteren Verlauf forderten insbesondere jüngere Frauen und engagierte Sadomasochistinnen mittels des neuen Mediums einen erneuten Diskurs zum den Themen Sexualität, Pornografie und Sadomasochismus. Die Publikation reagierte, indem sie einen Text der Psychoanalytikerin Margarete Mitscherlich-Nielsen zum Wesen der masochistischen Frau aus dem Jahr 1977 online stellte.[4] An der geforderten Diskussion auf Grundlage aktueller Literatur nahm sie, nach Eigenangaben aus Auslastungsgründen, nicht teil [5].

Name

Zum Namen sagte Herausgeberin Alice Schwarzer:

Der war irgendwann mal aufgetaucht und gefiel uns. Nicht nur wegen der Anspielung auf die Em(m)anzipation, sondern auch, weil er das selbstironische Gegenteil vom platt Erwarteten war: Wie würde sie wohl heißen, diese Zeitschrift der jetzt vollends größenwahnsinnigen Schwarzer? Nora? Die Rächerin? Die Amazone? Nein. Emma. Ganz einfach Emma.

Quellen

  1. Velten Schäfer: Die Gottseibeiuns a.D. – 30 Jahre „Emma“: Hat Alice Schwarzer die „Sex Wars“ verloren?, Neues Deutschland (27.01.07), online unter nd-online.de
  2. Archive der Usenet-Diskussion von 1991, enthalten Meinungsäußerungen von Netzteilnehmern und Volltexte der EMMA-Artikel: Gesamt-Thread, Redigiert als Webseite
  3. a b Ernst Corinth: Emma und Alice Schwarzer sind online, telepolis, 04.12.2002, online unter heise.de
  4. vgl. Reaktion einer Leserin auf obige Anleitung
  5. Rosaria Schlichte: EMMA-Leserinnen proben den interaktiven Aufstand, telepolis, 16.04.2003, online unter heise.de

Siehe auch

Vergleichbar mit

Weblinks

ISSN: 0721-9741

Quelle:
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