Als Endlösung der Judenfrage, kurz Endlösung, bezeichneten die Nationalsozialisten die staatlich organisierte Ermordung der Juden im deutschen Machtbereich, den Holocaust (1941–1945). Dieser Euphemismus diente einerseits zur Tarnung des Völkermords nach außen, andererseits zur ideologischen Selbstvergewisserung, man löse ein reales weltgeschichtliches Problem.
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Der Begriff Judenfrage bezeichnete seit etwa 1750 zunächst die nun als notwendig betrachtete Jüdische Emanzipation. Von einer „Lösung der Judenfrage“ sprachen viele Traktate und Pamphlete seit etwa 1840: Darunter fielen Assimilations-, Umsiedelungs- und Ausweisungsvorschläge von Judengegnern ebenso wie Integrations-, Erziehungs- und Tolerierungskonzepte von Liberalen oder Philosemiten.[1]
Der Terminus wurde aber seit etwa 1860 zunehmend im Antisemitismus (bis 1945) angeeignet, um Juden als Fremde im eigenen Land auszugrenzen. Radikale Antisemiten wie Karl Eugen Dühring, Theodor Fritsch, Houston Stewart Chamberlain und andere deuteten den Begriff rassistisch um, um ihre Forderungen nach „Entjudung“ der Presse, des Bildungssektors, der Ächtung von „Mischehen“ und letztlich Vertreibung aller Juden plausibel erscheinen zu lassen.
Einige Vertreter des Zionismus strebten daraufhin ebenfalls eine Lösung der Judenfrage durch freiwillige Auswanderung an, die auf das langfristige Überleben der jüdischen Minderheiten Europas in einem eigenen Land oder Staat zielte.
Dieser Begriff tauchte erstmals 1893 in Parteiprogrammen der Antisemitenparteien des Kaiserreichs auf und etablierte sich bis 1914 als antisemitisches Parteiziel. Damit war primär die Vertreibung der Juden gemeint, die aber auch ihre Vernichtung ins Auge fasste: Diese, so behauptete es das Gründungsprogramm der Deutschvölkischen Partei 1914, werde zur „Weltfrage des 20. Jahrhunderts“ werden. So hatten Antisemiten schon seit 1800 eine Sprache der Entmenschlichung im öffentlichen Diskurs etabliert, in der mittels Metaphern aus der Tier- und Pflanzenwelt viel von der „Ausschaltung“, „Ausmerzung“, „Beseitigung“, „Entfernung“, „Unschädlichmachung“ oder sogar „Ausrottung“ - analog zum Umgang mit Krankheitserregern, Insekten oder Parasiten - die Rede war. Als Mittel dazu wurden u.a. Einwanderungs- und Berufsverbote, die Sterilisation zur Verhinderung von Nachwuchs, der Entzug aller Bürgerrechte und wirtschaftliche Unterdrückungsmaßnahmen für Juden erörtert.
Adolf Hitler hatte bereits 1919 in einem als Gutachten zur Judenfrage bestellten Brief an einen Parteifreund als Ziel die „Entfernung des Juden überhaupt“ zum Ziel des Nationalsozialismus erklärt. Nach seiner Machtergreifung wurde dieses Ziel schrittweise teils improvisiert in Wechselwirkung mit den realpolitischen Möglichkeiten, teils systematisch geplant, in die Tat umgesetzt. Spätestens seit 1941 bezeichnete der Begriff Endlösung der Judenfrage oder Endlösung auch in der offiziellen Behördensprache das Ziel der Ermordung aller europäischen Juden, derer das NS-Regime habhaft werden konnte.
Ein erster Beleg dafür ist ein Hinweis Adolf Eichmanns vom 12. März 1941 auf die bevorstehende „Endlösung“. Hermann Göring schrieb am 31. Juli 1941 an Reinhard Heydrich:[2]
Dem folgte Heydrich mit der Planung und Einladung zur Wannseekonferenz, die nach einer Terminverschiebung am 20. Januar 1942 stattfand. Das von Eichmann verfasste Protokoll beginnt mit den Worten:[3]
Damit war der Begriff bei allen am Holocaust beteiligten Dienststellen etabliert. Dass darunter die Ausrottung der Juden zu verstehen war, wussten außer den Planern, Organisatoren und den unmittelbar Ausführenden auch viele gewöhnliche Deutsche, die Hitlers Rundfunkreden hörten. So hatte er am 30. Januar 1939 erstmals die „Vernichtung der jüdischen Rasse in Europa“ in Form einer Prophezeiung angekündigt für den Fall eines neuen Weltkriegs. Nach dessen von ihm selbst herbeigeführten Eintreten kam er häufig öffentlich auf diese Ankündigung zurück und ließ keinen Zweifel an ihrer Erfüllung.
Durch ihre Kombination und praktische Umsetzung hat der Nationalsozialismus beide Begriffe 'Endlösung' und 'Judenfrage' so stark geprägt, dass sie öffentlich heute nur noch zu dessen kritisch-distanzierter Darstellung, nicht mehr zur Bezeichnung eines „jüdischen Problems“ und für die endgültige Lösung irgendeines Sachverhalts verwendet werden. Heutige deutschsprachige Historiker und Autoren machen sich die Begriffe nicht zu eigen, sondern kennzeichnen sie in der Regel durch Anführungszeichen als Zitat und Teil der Sprache des Nationalsozialismus, so auch im deutschen Titel eines neueren Standardwerks zum Thema von Christopher Browning.