Erich von dem Bach-Zelewski

Erich von dem Bach-Zelewski (* 1. März 1899 in Lauenburg, (Pommern); † 8. März 1972 in München) war SS-Obergruppenführer und Anführer bei Massenmordaktionen in verschiedenen Teilen der Sowjetunion und in Polen.

Inhaltsverzeichnis

Leben

Bach-Zelewski entstammte altem kaschubischem Landadel. Nach dem Besuch des Gymnasium meldete er sich 1914 als Freiwilliger zur Armee im Ersten Weltkrieg; tatsächlich drängte ihn wohl sein Onkel Oscar, der nach dem Tod des Vaters die Vormundschaft für Bach-Zelewski übernahm, zum Kriegsdienst, dem er selbst ebenfalls beitrat. Bach-Zelewski erlangte einige Bekanntheit als damals jünster Kriegsfreiwilliger (besser: Kindersoldat) im Heeresdienst. Für seine Einsätze im Ersten Weltkrieg erhielt er diverse Auszeichnungen, so das Eiserne Kreuz 1. und 2. Klasse sowie die Sachsen-Meiningische Ehrenmedaille. Für zwei Verwundungen wurde er mit dem Verwundetenabzeichen dekoriert. Weitere Auszeichnungen kamen (insbesondere 1919-1923) hinzu. Bei Kriegsende 1918 war Bach-Zelewski bereits zum Offizier (1918:Leutnant) und damit zum Kompanieführer avanciert. Später, im Jahre 1938, erfolgte eine eher symbolische Beförderung zum Hauptmann der Wehrmacht, obwohl er bereits SS-Führer war.)

Nach 1918 schloss BAch-Zelewski sich zunächst verschiedenen Freikorps an, mit denen er überwiegend in Schlesien gegen polnische Milizen kämpfte. Er erhielt dafür den Schlesischen Adler 1. und 2. Stufe für Tätigkeiten im Grenzschutz. Die Reichswehr musste er 1924 als Leutnant im 4. Infanterie-Regiment wegen „nationalsozialistischer Umtriebe“ verlassen. Danach verrichtete er Tagelöhnerarbeiten, bis er 1928 den elterlichen Hof erbte. 1930 wurde er Mitglied der NSDAP und 1932 Reichstagsabgeordneter. 1931 trat er hauptberuflich der SS bei. 1937 wurde er in der Wehrmacht noch zum Hauptmann befördert. Er wurde im Juni 1938 Höherer SS- und Polizeiführer (HSSPF) im SS-Oberabschnitt Südost (Schlesien). Mit Beginn des Krieges gegen die Sowjetunion wurde er von Himmler am 22. Juni 1941 zum „HSSPF Russland-Mitte“ ernannt. Auf diesem Posten organisierte er den Kampf gegen russische Partisanen im rückwärtigen Bereich der Heeresgruppe Mitte (umfassend Weißrussland, Ostpolen und Teile der nördlichen Ukraine). Am 11. Juni 1943 wurde er (unterstützt von SS-Brigadeführer Curt von Gottberg mit der berüchtigten „Kampfgruppe Gottberg“ und dem „Sonderkommando Dirlewanger“) zum „Chef der Bandenkampfverbände“ ernannt und so zum Organisator des Kampfes gegen Partisanen in Russland. Dabei machte er sich mit den ihm unterstellten Einsatzgruppen der Sicherheitspolizei und des SD), sowie Verbänden des NSKK-, Schuma-Einheiten, Kosaken-Regementern, Wehrmachts- und Luftwaffeneinheiten einheiten des Völkermords an Juden sowie an zehntausenden russischen Zivilisten, die vielfach als "Bandenverdächtige" liquidiert wurden. Weitere Zivilisten, darunter Frauen und Kinder wurden als Zwangsarbeiter dem Apperat Sauckels übergeben. Am 9. November 1941 wurde er zum SS-Obergruppenführer und General der Polizei befördert. In Riga ließ er im Dezember 1941 27.800 Menschen töten. Ein übliches Vorgehen im Bandenkampf war, Dörfer, die als „bandenhörig“ galten oder mit der Zwangsablieferung landwirtschaftlicher Güter im Rückstand waren, listenmäßig zu erfassen. Dann folgte die Durchkämmung, die Häuser wurden zerstört und die Einwohner zum großen Teil ermordet, es sei denn sie wurden weitergereicht an Sauckels Zwangsarbeitssystem

Am 5. August 1944 beauftragte ihn Hitler mit der Niederwerfung des Warschauer Aufstandes. Diesen Auftrag befolgte er und es wurden dabei in 64 Tagen über 170.000 polnische Zivilisten getötet.

Im Oktober 1944 wurde er von Hitler nach Budapest gesandt, wo er am Sturz der Regierung Horthy und ihrer Ersetzung durch den Führer der Pfeilkreuzlerpartei, Ferenc Szalasi beteiligt war. Vor allem aber wikte er auch an der Vernichtung der dort lebenden Juden mit.

Der Reichsarzt-SS, Dr. Ernst-Robert Grawitz, attestierte ihm, er leide „insbesondere an Vorstellungen im Zusammenhang mit den von ihm selbst geleiteten Judenerschießungen“. Tatsächlich dürfte allerdings Drogenkonsum infolge anderer Erkrankungen sowie der Druck der Erlebnisse während seiner Kindheit und im Ersten Weltkrieg, an dem er nach heutigem ermessen als "Kindersoldat" teilnahm, eher als Erklärung für seine angeschlagene Psyche verantwortlich gewesen sein.

Nach 1945

Nach dem Krieg sagte er als Zeuge der Anklage in den Nürnberger Prozessen aus. 1951 wurde er von der Münchner Hauptspruchkammer zu 10 Jahren Arbeitslager und Vermögensentzug verurteilt. Er stand jedoch anschließend nur unter Hausarrest und wohnte in Lauffenau, Franken. Später nahm er eine Tätigkeit als Nachtwächter auf. Im Januar 1958 wurde er verhaftet und wegen eines 1934 erteilten Mordbefehls angeklagt. Der Prozess begann erst im Januar 1961 in Nürnberg. Wegen der Ermordung dreier Kommunisten im Jahre 1933 wurde er zu lebenslänglicher Haft verurteilt. Für seine Rolle bei der Verfolgung und Ermordung von Juden wurde er nie zur Rechenschaft gezogen. Nachdem Erich von dem Bach-Zelewski Anfang März 1972 schwerstkrank Haftverschonung erhielt, ereilte ihn wenige Tage später – kurz nach seinem 73. Geburtstag – am 8. März 1972 im Gefängniskrankenhaus München-Harlaching der Tod. Bach-Zelewski war verheiratet und hatte 3 Kinder.

Siehe auch

Literatur

  • Philip W. Blood: Hitler's Bandit Hunters. The SS and the Nazi Occupation of Europe, Washington: Potomac Books, 2006, ISBN 1-59797-021-2
  • Heinz Höhne: Der Orden unter dem Totenkopf, München: Goldmann Verlag, 1978, ISBN 3-442-11179-x
  • Helmut Krausnick / Hans-Heinrich Wilhelm: Die Truppe des Weltanschauungskrieges, Deutsche Verlags-Anstalt, Stuttgart 1981, ISBN 3-421-01987-8
  • Michael Wildt: Generation des Unbedingten, Hamburger Edition, Hamburg 2003, ISBN 3-930908-87-5

Weblinks

Quelle:
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