Ernst Kutzer (* 10. Juni 1880 in Böhmisch Leipa; † 19. März 1965 in Wien) war österreichischer Maler, Graphiker, Autor, und Bilderbuchillustrator.
Kutzer wurde als Sohn des Lohgerbers und Lederfabrikanten Josef Kutzer geboren. Sein Großvater war Bürgermeister gewesen und hatte sich durch große Volksnähe ausgezeichnet. Die Vorfahren sind nach letztem Stand belegt bis zum Land- und Burgvogt George Kutzer, der 1504 in Dobern bei Böhmisch Leipa lebte.
Nach Besuch des Gymnasiums in Böhmisch Leipa zog es ihn im Jahre 1899 nach Wien. Er besuchte dort die Malschule Streblow, dann die Akademie der bildenden Künste in Wien am Schillerplatz. Sein erstes Atelier befand sich in der Apollogasse in Wien Neubau, nahe der bekannten Mariahilferstrasse. An den Kunststudenten traten bereits im Jahr 1900 Auftraggeber aus Industrie und Wirtschaft heran. Schon in seinen ersten großen Plakatentwürfen zeigt sich seine Gabe, den unmittelbarsten Kontakt mit dem Beschauer herstellen zu können. Und bald erlangt er einen gewissen Bekanntheitsgrad. Im Jahre 1909 hatte er offensichtlich an der Akademie eine besondere Stellung.
Während des ersten Weltkrieges 1914-1918 war er Kriegsmaler. Weiters war er Organisator einer großen Kriegs-Ausstellung in Lemberg. Dafür entstand auch die Mappe: Ernstes und Heiteres aus dem ersten Weltkrieg. Daneben entwirft, zeichnet und malt er zahlreiche Postkarten, die bis heute hoch im Sammlerkurs stehen.
In die Jahre 1920 bis 1938 sind wohl die Höhepunkte seines Schaffens und seiner Publizität anzusiedeln mit dem Entstehen und der Herausgabe der bedeutendsten Kinderbücher, zahlreicher Fibeln, hunderter Zeitungs-, Zeitschriften- und Postkarten-Illustrationen. Oft hat Kutzer selbst die Ideen zu Geschichten und Handlungen der Kinderbüchern und schreibt auch manchmal selbst Texte zu seinen Zeichnungen. Der große Umsetzer seiner Idee in Dichtung ist aber Adolf Holst, mit dem Ernst Kutzer eine tiefe Freundschaft verband. So lesen wir oft: „Ein Bilderbuch von Ernst Kutzer mit den Versen von Adolf Holst.“
In dieser Zeit schaffen die beiden Künstler Klassiker der Kinderliteratur wie: Hans Wundersam, Der Weihnachtsstern, Hans Quack, Das goldene Tor, Fips der Ausreißer . Mit Josephine Siebe erarbeit Kutzer die Kasperle Bücher. Auch mit Anneliese Umlauf Lamatsch verband ihn freundschaftliche Partnerschaft. Daraus erwuchsen Bücher, wie Die Schneemänner, Putzi das Teufelchen, Die Reise ins verkehrte Land, Die neun Kegel.
In den Kriegsjahren kommen kaum Aufträge. Kutzer wird als „zu österreichisch“ durchwegs abgelehnt. Trotzdem sichern einige Aufträge das bescheidene wirtschaftliche Überleben der Familie. Diese Mindesttätigkeiten führen in der unmittelbaren Nachkriegszeit zu einem Verbot der Nennung seines Names auf den Schulbüchern. Ab 1948 normalisiert sich die Lage um die Kutzerbücher.
In diesen Jahren schuf er wieder Bilderbuch-Illustrationen zu Werken von Franz Karl Ginskey, auch wieder mit Anneliese Umlauf-Lamatsch und es entsteht sein in Österreich am weitesten verbreitetes Bilderbuch, Puckerl und Muckerl, zu dem Hilde Forster den Text schuf. Dieses Buch erscheint immer noch im Breitschopf Verlag, der nach dem zweiten Weltkrieg durch seine Aufträge Kutzer und seiner Familie das Überleben mit ermöglichte. Auch in dieser Zeit sind Kutzers Fibeln und Lese- und Rechenbücher Bestandteil des Schulunterrichts. Das Esperanto Lehrbuch ist noch heute in Gebrauch. Tier- und Pflanzenbildchen entstanden in den folgenden Jahren 50er Jahren für die Druckerei Heller, dem Bruder des Süßwaren-Heller, der seine Bonbons in die Kutzer-Bildchen einwickelte. Sie waren beliebte Sammelobjekte. Bei diesen Aufträgen arbeitete er mit seinem Sohn Friedrich Kutzer eng zusammen. Die Serie Kostüme und Luftfahrt waren fast ausschließlich Gemeinschaftsprodukte mit seinem Sohn.