| Die Artikel Erstgeburt und Erstgeborener überschneiden sich thematisch. Hilf mit, die Artikel besser voneinander abzugrenzen oder zu vereinigen. Die Diskussion über diese Überschneidungen findet hier statt. Bitte äußere dich dort, bevor du den Baustein entfernst. Einzelmännchen 13:23, 18. Jun. 2007 (CEST) |
Der Ausdruck Erstgeburt bezeichnet in der Geschichte das erstgeborene männliche Kind der Familie. Ebenso bezieht sich der Ausdruck auf das männliche erstgeborene Tier oder die erstgeerntete Feldfrucht (in der Bibel „Erstling“ genannt). In der Medizin wird der Begriff, unabhängig vom Geschlecht des Kindes, verwendet, die angehende Mutter als Erstgebärende (Nullipara).
Im allgemeinen Wissen um die Besonderheit des „Erstmaligen“ der Erstgeburt brachte ihr der Mensch höchste Wertschätzung und Verehrung entgegen. Die Erstgeburt von Mensch und Tier galt in den alten Kulturen als ideale Repräsentation ihrer Art, man sah sich mitsamt Vieh und Früchten durch ihr Blut am reinsten und am deutlichsten verkörpert. Die Erstgeburt gehörte der Gottheit in einer besonderen Weise an und kam ihr demzufolge zu. Dieses Bewusstsein fand seinen sinnfälligsten Ausdruck im Ritual des Menschenopfers. Aus dieser Tradition heraus entwickelte sich kulturgeschichtlich der Brauch des Tieropfers als Ersatzgabe wie es Überlieferung von der Nichtopferung Isaaks (Gen 22) sinnfällig macht.
In alten Kulturen - so zeigt die es Bibel exemplarisch - genoss der Erstgeborene besondere Privilegien. Außer dem Genuss des größeren Anteils an väterlicher Zuneigung kam ihm überall der erste Platz nach dem Vater zu (Gen 43,33) und ein besonderes Vorrecht gegenüber seinen Brüdern (Gen 37,21 - 22, 30, etc.); ein spezieller Segen wurde ihm allein vom sterbenden Vater zugesprochen, er folgte ihm als Haupt der Familie und empfing den doppelten Erbteil des Bruders (Dtn 21,17). Des weiteren räumte das Erstgeburtsrecht das Recht zur Priesterschaft ein. Der Erstgeborene blieb Familienvorsteher, solange die Brüder zusammen im Hause blieben; sobald sie sich trennten und eine eigene Familie bildeten, stand jeder selbst dem Haus als Haupt und Priester vor.
Als Erstgeburt kamen der Überlieferung nach die Söhne der Ägypter durch das Schwert des zerstörenden Engels um, während die Hebräer verschont wurden. Als Zeichen der Anerkennung, erklärte Gott, dass alle Erstlinge ihm gehörten (Ex 13,2; Num 3,3), sie waren dementsprechend zu opfern.
Fritz Stolz, Erstlinge, Die Religion in Geschichte und Gegenwart, 4. Aufl., Tübingen 1999