Eugen Fischer (* 5. Juli 1874 in Karlsruhe; † 9. Juli 1967 in Freiburg im Breisgau) war ein deutscher Mediziner, Anthropologe, Nationalsozialist und Rassenhygieniker.
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Eugen Fischer studierte Medizin und Naturwissenschaften an der Universität Freiburg im Breisgau und der Universität München und wurde 1898 promoviert. 1900 bis 1912 Privatdozent für Anatomie in Freiburg. Ab 1912 lehrte er als außerordentlicher Professor an der Universität Würzburg, ab 1914 in Freiburg. Er wurde 1918 ordentlicher Professor an der Universität Freiburg und wirkte ab 1927 bis 1942 an der Friedrich-Wilhelms-Universität Berlin als Professor für Anatomie. Von 1933 bis 1934 war er dort Rektor der Universität.
Gemeinsam mit Carl Correns, Richard Goldschmidt und Erwin Baur betrieb er die Gründung Kaiser-Wilhelm-Institut für Anthropologie, menschliche Erblehre und Eugenik in Berlin, dessen erster Direktor er zwischen 1927 und 1942 war. In dieser Funktion war er ein führender Befürworter der Rassengesetze und damit in die Verbrechen der Nationalsozialisten verstrickt.
Wissenschaftlich befasste sich Fischer mit der genetischen Variabilität des Menschen, er war einer der Exponenten der humangenetischen Richtung innerhalb der damaligen Anthropologie. Er bestätigte unter anderem, dass die menschlichen Rassenmerkmale nach den Mendel'schen Regeln vererbt werden. Zu diesem Zweck unternahm er 1908 eine Forschungsreise nach Deutsch-Südwestafrika für eine Studie zu Rassenkreuzungen ("Bastards"). 1913 veröffentlichte er die Ergebnisse über diese sogenannten "Rehobother Bastards". Diese Studie gilt heute noch als ein bedeutender Schritt in der Entwicklung der Humangenetik - allerdings nicht so, wie er sich das vorgestellt hatte. Die Einwohner von Rehoboth waren nämlich größer, klüger und gesünder als die beiden Ausgangsgruppen Holländer (Männer) und Khoi (Frauen). Damit widersprachen sie dem NS-Dogma von der durchgehenden Schädlichkeit von Rassemischung, das Eugen Fischer nach Kräften verbreitete. Dieser Widerspruch in einem einzigen Kopf ist bemerkenswert.
Er gilt als Wegbereiter der nationalsozialistischen Rassentheorien und als einer der geistigen Väter der nationalsozialistischen „Endlösung der Judenfrage“. Sein Nachfolger in der Führung des Kaiser-Wilhelm-Instituts, Otmar von Verschuer, war Mentor und Chef des berüchtigten Josef Mengele.
Fischer legte Wert darauf, dass die Rassentheorie dem Nationalsozialismus vorausgegangen war. Als ein nationalsozialistischer Redner die Eugenik als Erfindung der NSDAP darstellte, unterbrach ihn der aufgebrachte Fischer mit den Worten: „Sie (die NSDAP) besteht lange nicht so lang wie unsere eugenische Bewegung“ [1].
Auf der ersten Tagung der Anthropologie nach dem Kriege in Weingarten 1949 - noch immer wurde er als Kopf des Faches hofiert - gab er die Parole aus: "Über Politik reden wir hier nicht, das haben wir hinter uns".
Zusammen mit Erwin Baur und Fritz Lenz veröffentlichte er das Überblickswerk Grundriß der menschlichen Erblichkeitslehre und Rassenhygiene.
Der Chefankläger der USA während der Nürnberger Prozesse, Robert Jackson, zog einen Vergleich zwischen Fischer und Dschingis Khan:
Fischer führte eine Ehe mit Else Walter, aus der drei Kinder hervorgingen. Nach dem Krieg lebte er in Freiburg im Breisgau.
„...Einen nationalen Staat haben wir aufgerichtet, und wir sind dabei, ihn auszubauen, einen Staat aus Blut und Boden, einen Staat aus der deutschen Volksverbundenheit heraus aufgebaut auf Volkstum, Rasse und deutscher Seele...
...Der Führer hat die Größe gehabt zu sagen: Ich frage das ganze deutsche Volk, ob es mit seinem Willen hinter mir steht; und morgen wird das ganze deutsche Volk sagen: Ja! Ja!“ (in: Bekenntnis der deutschen Professoren an den deutschen Universitäten und Hochschulen zu Adolf Hitler und dem deutschen Staat, Dresden N 1, Zinzen-dorfer Straße 2, 1934, S. 9 und 10
Eröffnungsrede Fischers anlässlich eines Kongresses der International Federation of Eugenic Organisations 1929 in Rom; gehalten als Tagsordnungspunkt 9 in der Anwesenheit von Mussolini:
"Leitsätze für die eugenische Bevölkerungspolitik.
1. Die wichtigste Grundlage für das Gedeihen eines Volkes ist gute Qualität seiner Erbmasse.
2. Die erbliche Veranlagung eines Volkes ist nicht unveränderlich. Wenn die tüchtigeren Volksgenossen weniger Kinder haben als die minder tüchtigen, so ändert sich die durchschnittliche Beschaffenheit der Erbmasse in ungünstige Richtung: es tritt Entartung ein.
3. Wenn die tüchtigen Volksgenossen dagegen mehr Kinder haben als die minder tüchtigen, so hebt sich die Tüchtigkeit der Rasse.
4. Gegenwärtig hat die Gesamtheit der tüchtigen Familien in allen Völkern europäischer Kulturen eine ungenügende Kinderzahl.
5. Wirtschaftliche und kulturelle Tüchtigkeit führt gegenwärtig in der Regel zum sozialen Aufstieg. Mit dem sozialen Aufstieg aber nehmen die Motive der Geburtenverhütung zu.
6. Um den tüchtigen Volksgenossen die Hemmnisse, die der Gründung einer ausreichend großen Familie entgegentreten, aus dem Weg zu räumen, ist ein Ausgleich der Familienlasten nötig.
7. Ein eugenisch richtiger Ausgleich der Familienlasten kann auf dem Wege der Steuer herbeigeführt werden.
8. Für die Frau und jedes Kind sollte ein bestimmter Prozentsatz der Einkommenssteuer nachgelassen werden. Die Steuersätze für Unverheiratete und Kinderlose müssten natürlich entsprechend erhöht werden.
9. Die eugenische Reform des Steuerwesens kann allmählich eingeführt werden. Mit geringen Prozentsätzen beginnend sollte im Lauf der Jahre die Differenzierung der Steuer nach der Familiengröße so weit verstärkt werden, bis für die Frau und jedes Kind 20 bis 25% der Steuer nachgelassen würde. Familien mit 4 bzw. 3 Kindern würden dann steuerfrei sein.
10.Von Erbschaftssteuer sollten Familien mit 3 und mehr Kindern völlig befreit, kinderarme Familien entsprechend stärker damit belastet werden.
11.Die Steuerpolitik des Faschismus ist eugenisch zu begrüßen. Sie sollte soweit ausgebaut werden, dass ein wirklicher Ausgleich der Familienlasten erreicht wird.
12.Geburtenprämien und Kinderhilfen, wie sie in gewissen Staaten gewährt werden, fördern hauptsächlich nur die Fortpflanzung der wirtschaftliche Untüchtigen. Sie können daher von der Eugenik nicht gebilligt werden.
13.Die eugenische Steuerreform dagegen wirkt um so stärker im Sinne der Vermehrung, je größer die wirtschaftliche Tätigkeit der Familien ist. Wirtschaftlich untüchtige Elemente werden durch sie nicht zur Vermehrung angesprochen, da diese keine Steuer zahlen.
14.Die Steuernachlässe für Frau und Kinder müssen auch bei großem Einkommen und Vermögen gewährt werden, weil andernfalls die Unverheirateten und Kinderlosen mit großem Einkommen oder Vermögen zu wenig belastet sein würde.
15.Der eugenische Ausgleich der Familienlasten wirkt auch mittelbar günstig; er vermindert den Luxus, der meist von Kinderlosen und Kinderarmen getrieben wird; er wirkt im Sinne vermehrter Eheschließungen und einer Herabsetzung des Heiratsalters; er trägt damit auch wirksam zur Lösung der Frauenfrage bei; auch die geschlechtliche Sittlichkeit würde auf diese Weise gehoben werden.
16.Schließlich wirkt der eugenische Ausgleich der Familienlasten auch im Sinne einer Erneuerung der Lebensauffassung. Wenn die soziale Moral, die in den Einrichtungen des Staates ihren Ausdruck findet, familienfeindlich eingestellt ist, so nützt kein Appell an das Gewissen des Einzelnen.Wenn aber der Staat den Wert der Familie nicht nur in Worten, sondern durch die Tat anerkennt, so tritt die Familie wieder in den Mittelpunkt der persönlichen Wertung.
17.Die Wiedergeburt des Abendlandes kann nur aus der Erneuerung der Familie erwachsen."
Quelle: Korrespondenz mit der International Federation of Eugenic Organisiations. in: Korrespondenzordner von Prof. Dr. Eugen Fischer; Kaiser-Wilhelm-Institut für Anthropologie, menschliche Erblehre und Eugenik; Ihnestr.22/24; Berlin-Dahlem; Sept.1929
Brockhaus-1809: Ludwig Fischer
Brockhaus-1911: Fischer [6] · Fischer [5] · Fischer [8] · Fischer [7] · Fischer [2] · Fischer · Fischer [4] · Fischer [3]
DamenConvLex-1834: Fischer–Achten · Fischer, Beatrix
Eisler-1912: Fischer, Karl Philipp · Fischer, Kuno · Fischer, Engelbert Lorenz · Fischer, J. C.
Herder-1854: Fischer [1] · Fischer [2] · Fischer von Erlach · Fischer von Waldheim
Meyers-1905: Fischer von Waldheim · Fischer von Erlach · Fischer
Pagel-1901: Fischer, Georg · Fischer, Hermann Eberhard · Fischer, Otto · Fischer, Bernhard · Fischer, Friedrich · Fischer, Friedrich Ernst
Pataky-1898: Fischer, S. · Fischer, Theresia · Fischer, Minna · Fischer, Ottilie · Fischer, Martha Renate · Fischer-Dückelmann, Dr. Anna · Fischer-Dückelmann, Frau Anna · Fischer, M. · Fischer, Frau Marie · Fischer, Frl. Anna · Fischer, Frau Betti · Fischer, Frau Elise · Fischer, Frl. Martha Renate · Fischer, Karoline Auguste · Fischer, Frl. Friederike · Fischer, Frl. Jenny